{"id":99828,"date":"2020-12-21T08:52:51","date_gmt":"2020-12-21T07:52:51","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=99828"},"modified":"2020-12-21T08:52:51","modified_gmt":"2020-12-21T07:52:51","slug":"juergen-bauer-portrait-lebensroman-eines-schwulen-wiener-lebemannes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/juergen-bauer-portrait-lebensroman-eines-schwulen-wiener-lebemannes\/","title":{"rendered":"\u00abPortrait\u00bb \u2013 Lebensroman eines schwulen Wiener Lebemannes"},"content":{"rendered":"<h3>Das Leben eines schwulen Mannes erz\u00e4hlt aus den Augen dreier ihm nahestehenden Personen: Veit Georg Schmidt von der Buchhandlung L\u00f6wenherz in Wien hat \u00abPortrait\u00bb von J\u00fcrgen Bauer f\u00fcr uns gelesen.<\/h3>\n<p><strong>Der erste Absatz<\/strong><br \/>\nWas glaubst du eigentlich, wer du bist? Schau mich an, wie alt ich geworden bin, und da soll ich nochmal Erinnerungen hervorholen? Damit es dem feinen Herrn besser geht? Du hast nix mehr mit mir zum tun haben wollen, und jetzt soll ich mich bem\u00fchen und mir was zusammendenken, von fr\u00fcher. Ich werd dir schon sagen, wer du bist. An meinen Sohn, an den kann ich mich schon noch erinnern, auch wenn ich auf die Neunzig zugeh, seinen Sohn vergisst man nicht. Und wenn ich was erz\u00e4hl, dann nur aus einem Grund. Jetzt bist du n\u00e4mlich dort, wo ich dich einmal haben hab wollen.<\/p>\n<p><strong>Das Genre<\/strong><br \/>\nEin raffiniert geschriebener schwuler Lebensroman, der aus drei verschiedenen Perspektiven geschrieben ist: Derjenigen der Mutter, des Liebhabers und der Ehefrau.<\/p>\n<p><strong>Die Handlung<\/strong><br \/>\nIm Zentrum des Buches steht Georg, erfolgreicher Jurist in einem Ministerium in Wien. Doch nicht Georg kommt zu Wort, sondern drei Personen, die ihm im Lauf seines Lebens nahestehen. Als erstes spricht Mariedl, seine Mutter, eine steinalte B\u00e4uerin, v\u00f6llig verfangen in den Ansichten ihrer Generation und des l\u00e4ndlichen Katholizismus. Und so ist es ein harter Bruch, wenn das zweite Kapitel einsetzt und Gabriel, Georgs fast 20 Jahre j\u00fcngerer Liebhaber, mit seiner Fassung beginnt. Hatte Mariedl noch ruhig und bestimmt ihre Sicht vorgetragen, plaudert Gabriel jetzt wild drauf los und es entspinnt sich eine rasante Schilderung des schwulen Wiens der Siebziger und Achtziger.<\/p>\n<p><em>Weiterer Buchtipp: <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/selamlik-das-leben-eines-schwulen-gefluechteten\/\">\u00abSelamlik\u00bb \u00fcber Trauma, Homophobie und anderen Erlebnissen<\/a> eines queeren Fl\u00fcchtlings.<\/em><\/p>\n<p>Und dann bricht der Roman erneut, denn als dritte Stimme erz\u00e4hlt Sara, Georgs Ehefrau. Die gescheiterte Operns\u00e4ngerin wusste von Anfang an, worauf sie sich einliess. Ein Abkommen sicherte der Tochter aus gutem Hause ihre Freir\u00e4ume, die sie im Gegenzug auch Georg gew\u00e4hrte.<\/p>\n<p><strong>Das Urteil<\/strong><br \/>\nEs ist nicht nur der Inhalt, der dieses Buch so grossartig macht. Es ist vor allem die sprachlich gekonnte Inszenierung von drei v\u00f6llig unterschiedlichen Stimmen. Niemand in diesem Roman \u2013 einschliesslich Georg \u2013 ist ein Sympathietr\u00e4ger. Alle scheinen eigentlich nur Fehler zu machen. Aus diesen Tr\u00fcmmern erbl\u00fcht aber eine Warmherzigkeit, in der man sich allen unfassbar nahe f\u00fchlt \u2013 letztlich auch Georg.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Bauer: Portrait<br \/>\n<em>Roman, 316 Seiten<br \/>\nSeptime Verlag<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.loewenherz.at\/index_lw_nr.php?LWNR=19466\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> kann man das Buch bestellen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben eines schwulen Mannes erz\u00e4hlt aus den Augen dreier ihm nahestehenden Personen. 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