{"id":97975,"date":"2020-12-18T15:03:32","date_gmt":"2020-12-18T14:03:32","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=97975"},"modified":"2020-12-18T17:06:56","modified_gmt":"2020-12-18T16:06:56","slug":"oper-schwule-maenner-nur-ein-klischee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/oper-schwule-maenner-nur-ein-klischee\/","title":{"rendered":"\u00abDie Oper bietet, was schwule M\u00e4nner anspricht\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Peter F\u00e4sslacher ist Moderator und Sendungsverantwortlicher bei ORF III und Stimme des Podcasts <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/02\/06\/podcast-schwul-schluss-mit-dem-schweigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abReden ist Gold\u00bb<\/a> \u00fcber die Liebe und das Leben mit Menschen der LGBTIQ-Community. In seinem Kommentar* zieht er Parallelen zwischen der grossen Oper und der Gef\u00fchlswelt des schwulen Mannes. Der Text stammt aus der <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lgbtiq-news-deck-dich-mit-der-neuen-mannschaft-ein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Herbst-Ausgabe der MANNSCHAFT<\/a>.<\/h3>\n<p>\u00abAuf einer Opernb\u00fchne m\u00fcssen grosse Dinge geschehen!\u00bb Ein Satz von Chansons\u00e4ngerin Georgette Dee. Ist das der Grund, warum viele schwule M\u00e4nner so leidenschaftliche Opernfans sind? Wegen der grossen Emotionen? Oder ist das nur ein Klischee? Vielleicht sollte man die Frage anders formulieren: \u00abWas hat die Oper zu bieten, das schwule M\u00e4nner ansprechen k\u00f6nnte?\u00bb (Seit 2019 gibt es sogar den ersten explizit \u00abschwulen\u00bb Opernf\u00fchrer der Welt \u2013 <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/casta-diva-der-erste-schwule-opernfuehrer-der-welt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p><strong>1.<\/strong> Die Oper sagt: Emotionen sind dazu da, um sie zu zeigen. Und nicht, um sie zu verstecken. Die Diven auf der B\u00fchne offenbaren ihre innersten Gef\u00fchle und werden am Ende mit langem Applaus und Standing-Ovations gefeiert. Das ist das erste Motiv: Die Sehnsucht, sich selbst und die eigenen Gef\u00fchle angstfrei zeigen zu k\u00f6nnen \u2013 und daf\u00fcr von den anderen angenommen und geliebt zu werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr schwule M\u00e4nner war das lange Zeit keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit: Emotionen und romantische Gef\u00fchle zu zeigen, konnte etwas sehr Gef\u00e4hrliches sein. Es konnte bedeuten, von der Gesellschaft zur\u00fcckgewiesen oder verstossen zu werden. Verfolgt zu werden. K\u00f6rperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt zu sein. Zum Teil auch heute noch. In der Oper aber war und ist es m\u00f6glich, Emotionen zu zeigen. Die Operndiven auf der B\u00fchne leben die Emotionen stellvertretend f\u00fcr mich. Und ich sehe ihnen dabei zu und lebe mit. In der Oper kann ich den Gef\u00fchlen probesitzen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"DyIVH1iSAG\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/das-opernhaus-von-sydney-erstrahlt-in-regenbogenfarben\/\">Das Opernhaus von Sydney erstrahlt in Regenbogenfarben<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Das Opernhaus von Sydney erstrahlt in Regenbogenfarben&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/das-opernhaus-von-sydney-erstrahlt-in-regenbogenfarben\/embed\/#?secret=DyIVH1iSAG\" data-secret=\"DyIVH1iSAG\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>2.<\/strong> Oper macht Emotionen nicht nur sichtbar. Sie macht sie auch sp\u00fcrbar. Die Frequenz der hohen T\u00f6ne erzeugt eine starke, sp\u00fcrbare Resonanz im eigenen K\u00f6rper. F\u00fcr ein paar Takte schwingt man immer wieder in der Emotion des Gesangs mit. Man adoptiert die Gef\u00fchle und bekommt eine Idee davon, wie es sich anf\u00fchlen k\u00f6nnte, wenn man diese Emotionen selbst zum Ausdruck bringen w\u00fcrde. Gleichzeitig bleibt man dabei unbeobachtet im dunklen Saal. Man blickt auf die sichtbaren Gef\u00fchle auf der B\u00fchne, sp\u00fcrt sie sogar k\u00f6rperlich, identifiziert sich mit ihnen und bleibt dabei selbst unsichtbar. Das ist das zweite Motiv: Oper ist die Faszination der ungef\u00e4hrlichen Gef\u00fchle. Es sind Emotionen mit Sicherheitsabstand und R\u00fcckgabegarantie. Und ohne drohende Sanktionen.<\/p>\n<p><strong>3.<\/strong> Von den echten Stars werden diese hohen \u2013 und h\u00f6chsten \u2013 T\u00f6ne mit einer Leichtigkeit gesungen, die atemberaubend ist. Das ist das dritte Motiv: In der Oper macht man die Erfahrung, dass Gef\u00fchle zu zeigen etwas Einfaches ist. Etwas, das leichtf\u00e4llt und noch dazu sch\u00f6n klingt. Es braucht keine Anstrengung, es m\u00fcssen keine \u00c4ngste \u00fcberwunden werden. Es passiert einfach so. Ganz selbstverst\u00e4ndlich. Man kann sich so zeigen, wie man eben ist \u2013 f\u00fcr viele schwule<br \/>\nM\u00e4nner eine grosse Sehnsucht.<\/p>\n<p><strong>4.<\/strong> Opernstoffe sind voller Tragik und Schmerz. Sie erz\u00e4hlen oft Geschichten von ungl\u00fccklicher Liebe und enden immer wieder mit dem Tod. Das ist das vierte Motiv: Musiktheater macht aus<br \/>\netwas Schrecklichem etwas Sch\u00f6nes. Schmerzhafte Gef\u00fchle klingen in der Oper wundersch\u00f6n. Inneres Leid verwandelt sich am Weg in die Aussenwelt in etwas Z\u00e4rtliches.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"eyW2KmorNe\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/axel-ranisch-ich-habe-mich-immer-haesslich-gefunden-bis-peter-kam\/\">\u00abIch habe mich immer h\u00e4sslich gefunden \u2013 bis Paul kam\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abIch habe mich immer h\u00e4sslich gefunden \u2013 bis Paul kam\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/axel-ranisch-ich-habe-mich-immer-haesslich-gefunden-bis-peter-kam\/embed\/#?secret=eyW2KmorNe\" data-secret=\"eyW2KmorNe\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>5.<\/strong> Am Ende wird nirgendwo so lange applaudiert wie in der Oper. Einerseits nat\u00fcrlich wegen der k\u00fcnstlerischen Leistung der Opernstars und des Orchesters. Aber nicht nur. Der Applaus gilt auch dem Mut, sich auf der B\u00fchne so ehrlich und verletzlich zu zeigen. Man bejubelt das, was man selbst gerne k\u00f6nnen w\u00fcrde: Seine Emotionen zu offenbaren, sich dabei beobachten zu lassen und dem Blick der anderen standzuhalten. F\u00fcr ein paar Stunden zeigt einem die Oper, dass es m\u00f6glich ist. Das ist das f\u00fcnfte Motiv: Oper ermutigt. Sie sagt: Du darfst. Wenn ich es schaffe, dann kannst du es auch schaffen. Das Publikum applaudiert und ruft: Zugabe!<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(MANNSCHAFT+) \u00abAuf einer Opernb\u00fchne m\u00fcssen grosse Dinge geschehen!\u00bb, sagte einst Georgette Dee. 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