{"id":97856,"date":"2020-12-01T13:45:27","date_gmt":"2020-12-01T12:45:27","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=97856"},"modified":"2024-05-27T15:39:13","modified_gmt":"2024-05-27T13:39:13","slug":"schach-matt-fuer-polens-rechte-ihr-nationalheiliger-chopin-war-schwul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/schach-matt-fuer-polens-rechte-ihr-nationalheiliger-chopin-war-schwul\/","title":{"rendered":"\u00abSchachmatt f\u00fcr Polens Rechte\u00bb: Ihr Nationalheiliger Chopin war schwul!"},"content":{"rendered":"<h3>Analsp\u00fclungen, leidenschaftliche Liebeserkl\u00e4rungen an diverse M\u00e4nner und begeisterter Besuch von Klappen, wo \u00aballes gebildet, alles gewaschen\u00bb ist: In Polen stehen die Rechtskonservativen Kopf, weil eine Sendung im \u00f6ffentlich-rechtlichen Schweizer Kulturradio ihren Vorzeigekomponisten Nr. 1 posthum geoutet hat. Und schwere Vorw\u00fcrfe an die internationale Chopin-Forschung erhebt, so lange eine falsche Heterolegende gef\u00f6rdert zu haben. MANNSCHAFT sprach mit Moritz Weber, dem Autor des SRF-Features <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/kultur\/musik\/spaetes-outing-chopin-war-schwul-und-niemand-sollte-davon-erfahren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abChopin war schwul \u2013 und niemand sollte davon erfahren\u00bb<\/a>.<\/h3>\n<p>Die Frage, ob Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810-1849) \u00abschwul\u00bb war, ist f\u00fcr die PiS-Regierung ziemlich \u00abunangenehm\u00bb, schreibt CNN in einem grossen <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2020\/11\/29\/europe\/chopin-sexuality-poland-lgbtq-debate-scli-intl\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Online-Artikel auf der Frontseite von <em>CNN World<\/em><\/a>. Schliesslich hatte Pr\u00e4sident Andrzej Duda behauptet, die LGBTIQ-Bewegung sei eine \u00abschlimmere Ideologie als der Kommunismus\u00bb, einzelne Regionen des Landes haben sich bekanntlich zu \u00abLGBTIQ-freien Zonen\u00bb erkl\u00e4rt (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lgbt-freie-zonen-in-polen-sind-menschlichkeitsfreie-zonen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>), w\u00e4hrend Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski erkl\u00e4rte, LGBTIQ-Personen w\u00fcrden \u00abden polnischen Staat bedrohen\u00bb. Und die katholische Kirche? Nun ja, die spielt ihre eigene unr\u00fchmliche Rolle. Sie bewahrt immerhin in ihrer Warschauer Heilig-Kreuz-Basilika das in Alkohol pr\u00e4servierte Herz Chopins auf, der im Alter von 39 Jahren in Paris starb. Und bis zuletzt in Briefen davon tr\u00e4umte, noch einmal seinen heiss geliebten Freund Tytus Woyciechowski (1808-1879) zu sehen: ein ber\u00fchmter polnischer Freiheitsk\u00e4mpfer.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97890\" aria-describedby=\"caption-attachment-97890\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97890 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 1083'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"800\" height=\"1083\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-222x300.jpg 222w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-425x575.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-768x1040.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-561x759.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-364x493.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-728x986.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-608x823.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-758x1026.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-35x48.jpg 35w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-71x96.jpg 71w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-313x424.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Frederic_Chopin_en_costume_national_polonais-400x542.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97890\" class=\"wp-caption-text\">Chopin in polnischer Nationaltracht (Foto: Biblioth\u00e8que nationale de France \/ Wikipedia)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vermutlich ist Chopin neben Papst Johannes Paul II und Marie Curie der ber\u00fchmteste Pole aller Zeiten. Sogar der Warschauer Flughafen ist nach ihm benannt. Und nun das?<\/p>\n<p>Entsprechend gross waren die Schlagzeilen weltweit, von <a href=\"https:\/\/voi.id\/lifestyle\/21449\/misteri-surat-cinta-gay-komposer-frederic-chopin-yang-timbulkan-perdebatan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Indonesien<\/a> bis <a href=\"https:\/\/tetu.com\/2020\/11\/30\/les-lettres-damour-enflammees-du-pianiste-frederic-chopin-a-des-hommes-sortent-des-tiroirs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frankreich<\/a>, den USA bis <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/music\/2020\/nov\/25\/chopins-interest-in-men-airbrushed-from-history-programme-claims\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grossbritannien<\/a> und \u00d6sterreich. Nur deutsche Feuilletons schweigen sich verbl\u00fcffenderweise aus. Einzige Ausnahme ist ein <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/klassik\/plus220820920\/Frederic-Chopin-Der-schmutzige-Traum-den-ich-von-Dir-hatte.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel in <em>Die Welt<\/em><\/a>, wo Manuel Brug das Thema unter der Headline \u00abDer schmutzige Traum, den ich von dir hatte\u00bb hinter einer Paywall ausf\u00fchrlich behandelt. Zur aktuellen Lage schreibt er: \u00abDas Warschauer Chopin-Institut, Lordsiegelbewahrer von Chopins Nachruhm, steckt sehr ostentativ den Kopf in den Sand, will nichts Genaueres wissen.\u00bb Genauso wie viele Chopin-Gesellschaften weltweit nichts davon wissen wollen und erz\u00fcrnt sind, dass ihr Idol nun \u00abbeschmutzt\u00bb w\u00fcrde mit \u00abNebens\u00e4chlichkeiten\u00bb, die manchen den Musikgenuss \u00abverderben\u00bb k\u00f6nnten. Sie sehen Chopin im Zweifelsfall lieber als \u00abasexuell\u00bb.<\/p>\n<p>Aber den Kopf in den Sand stecken ist schwierig bei so vielen XXL-Headlines, inklusive Titel-Storys, speziell in der polnischen Presse. Und von Asexualit\u00e4t kann angesichts der Briefe kaum die Rede sein. Eine Aktivistin twitterte daraufhin h\u00e4misch: \u00abSzach mat, prawaczki!\u00bb, was so viel bedeutet wie \u00abSchachmatt f\u00fcr die Rechten\u00bb (in Diminutiv-Form). W\u00e4hrend die Nationalkonservativen in ihren Sprachrohren verk\u00fcndeten, das Ganze sei \u00fcble \u00abVerleumdung\u00bb, SRF-Autor Moritz Weber w\u00fcrde \u00abl\u00fcgen\u00bb. MANNSCHAFT sprach mit Weber \u00fcber die Vorw\u00fcrfe und dar\u00fcber, ob ihn und die SRF-Redaktion der Tsunami an Reaktionen auf ihre Sendung \u00fcberrascht habe.<\/p>\n<p><strong>Herr Weber, ich musste tats\u00e4chlich dreimal hingucken, um zu glauben, dass ausgerechnet das <\/strong><strong>\u00f6ffentlich-rechtliche Schweizer Kulturradio <\/strong><strong>einen so explosiven Beitrag zu Chopin und einem Queer Reading der polnischen Musikgeschichte gesendet hat\u2026<br \/>\n<\/strong>Die Idee ging von mir aus. <em>(lacht)<\/em> In der Zeit des ersten Lockdowns in Fr\u00fchjahr fanden wenige Konzerte und Opernauff\u00fchrungen statt, die ich als Musikkritiker sonst besprochen h\u00e4tte. Auch im Sommer fielen viele Festivals aus, also all das, wo ich sonst gewesen w\u00e4re. So wie viele andere auch, hatte ich viel Zeit, um zuhause zu sein. Da bin ich darauf gekommen, die Chopin-Briefe durchzulesen. Das hatte ich noch nie getan, obwohl ich etliche seiner Biografien kenne. Also bin ich in die Bibliothek gegangen und habe mir die dreib\u00e4ndige franz\u00f6sische Briefausgabe aus den 1950er-Jahren geholt, von Bronislaw \u00c9douard Sydow herausgegeben. Ich hatte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich das alles von A bis Z durchlesen w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p><strong>Warum nicht?<\/strong><br \/>\nIch hatte nicht erwartet, dass die Briefe besonders interessant w\u00e4ren. Was ich an Chopin-Zitaten bis dahin kannte, war zwar zum Teil sehr sch\u00f6n, aber nicht in einem Masse, dass ich 1.200 Seiten auf Franz\u00f6sisch durcharbeiten wollte. Das ist ja schon ein gewisser <em>Effort<\/em>, wenn man nicht muttersprachlich franz\u00f6sisch ist. Aber nachdem ich angefangen hatte zu lesen, merkte ich, wie spannend die Geschichte ist, die sich da ausbreitete, ich merkte, wie toll Chopin schreibt und wie explizit seine Liebeserkl\u00e4rungen sind, von denen ich nie zuvor etwas geh\u00f6rt hatte. Schon gar nicht in diesem Ausmass.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97873\" aria-describedby=\"caption-attachment-97873\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97873 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1024 683'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"1024\" height=\"683\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314.jpg 1024w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-728x486.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-608x406.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-758x506.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-313x209.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/moritz_weber_highres-1314-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97873\" class=\"wp-caption-text\">SRF-Autor und Musikjournalist Moritz Weber (Foto: SRF\/Matthias Willi)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Liebeserkl\u00e4rungen an M\u00e4nner! Sind in der franz\u00f6sischen Ausgabe die Pronomina auch ge\u00e4ndert, so als w\u00fcrde Chopin an bzw. \u00fcber Frauen schreiben?<br \/>\n<\/strong>Ja, das ist da auch schon ge\u00e4ndert von \u00aber\u00bb in \u00absie\u00bb. Zudem gibt es bemerkenswert viele Fussnoten. Das ist mir als Erstes aufgefallen. Immer wenn\u2019s in den Briefen am Sch\u00f6nsten wird, gr\u00e4tscht eine Anmerkung rein, in der der Name irgendeiner Frau genannt wird, die hier angeblich gemeint sei. Aber daf\u00fcr gibt es im Brief selbst keinerlei Belege, denn diese Person kommt dort gar nicht vor. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob das alles nur die Interpretation des Herausgebers sei. Denn sonst m\u00fcssten sich ja Hinweise irgendwo finden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97874\" aria-describedby=\"caption-attachment-97874\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97874 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 960 540'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"960\" height=\"540\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22.jpg 960w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-300x169.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-425x239.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-768x432.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-192x108.jpg 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-384x216.jpg 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-364x205.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-728x409.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-561x316.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-608x342.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-758x426.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-85x48.jpg 85w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-171x96.jpg 171w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-313x176.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/f0bb22-400x225.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97874\" class=\"wp-caption-text\">Schreibt Chopin \u00fcber eine Frau oder einen Mann? Geht es nach der \u00dcbersetzung in \u00abChopin&#8217;s Polish Letters\u00bb von D. Frick aus dem Jahr 2016 ist die Antwort eindeutig &#8211; aber falsch (Foto: Moritz Weber)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>War Ihnen sofort klar, dass man die Briefe \u2013 trotz austauschter Personalpronomen \u2013 homoerotisch interpretieren m\u00fcsste?<\/strong><br \/>\nDas war offensichtlich. Denn die Liebeserkl\u00e4rungen an M\u00e4nner sind explizit. Ich hatte schon mal in einem Buch dar\u00fcber gelesen, dass Chopin schwul gewesen sein <em>k\u00f6nnte<\/em>. Es gibt von Ende der 1990er-Jahre das Lexikon \u00abHomosexuels et bisexuels ce\u0301le\u0300bres\u00bb von Michel Larivie\u0300re, da kommt Chopin vor. Als ich dann selbst die Briefe las, war f\u00fcr mich total offensichtlich, worum es geht, wenn Chopin immerzu schreibt \u00abIch k\u00fcsse dich\u00bb und \u00abIch liebe nur dich\u00bb oder \u00abIch tr\u00e4ume oft von dir\u00bb. Zum Teil finden sich da auch erotische Dinge, wie dass er sich \u00abmit byzantinischen \u00d6len\u00bb einreiben w\u00fcrde, um den Adressaten dann \u00abmit magnetischen Kr\u00e4ften\u00bb zum K\u00fcssen zu \u00abzwingen\u00bb oder dass er sich vor ihm f\u00fcrchtet wie vor einem \u00abTyrann \u2013 nur du hast die Macht \u00fcber mich\u00bb. Und es steht ja jeweils dabei, an wen diese Briefe gerichtet sind, n\u00e4mlich an seine m\u00e4nnlichen Freunde, allen voran Tytus Woyciechowski. Damit war der Fall f\u00fcr mich schnell klar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97876\" aria-describedby=\"caption-attachment-97876\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97876 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 320 408'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"320\" height=\"408\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski.jpg 320w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski-235x300.jpg 235w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski-38x48.jpg 38w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski-75x96.jpg 75w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tytus_Woyciechowski-313x399.jpg 313w\" data-sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97876\" class=\"wp-caption-text\">Chopins grosse Liebe Tytus Woyciechowski als alter Mann, um 1875 (Foto: Wikicommons \/ Zbiory Fototeki Muzeum Fryderyka Chopina w Warszawie)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ein polnischer Musikwissenschaftler sagte mir k\u00fcrzlich, man m\u00fcsste die leidenschaftlich-emotionalen Briefkonventionen des 19. Jahrhunderts ber\u00fccksichtigen, man d\u00fcrfe es nicht unvermittelt als \u00abHomoerotik\u00bb interpretieren. Geht das, was Chopin an seine Freunde schreibt, nicht weit \u00fcber entsprechende Konventionen hinaus?<\/strong><br \/>\nJa, das w\u00fcrde ich so sehen. Auch wenn man aus anderen L\u00e4ndern etwa die Korrespondenz von Goethe und Schiller anschaut: die haben sich herzlich geschrieben, aber nie so exklusiv und leidenschaftlich. Chopin gibt in seinen Briefen wirklich seine innersten Gef\u00fchle preis. Er sagt, ihm sei \u00absauer, bitter, salzig\u00bb. Und er spricht von K\u00e4mpfen, die er innerlich ausficht. Auch der Unterschied, den er macht, zwischen Innenleben und \u00c4usseren, ist ein Motiv, das immer wieder vorkommt. Er versteckt seine innersten Gef\u00fchle unter einem \u00abDeckmantel\u00bb. Das ist schon bezeichnend, und es geht weit \u00fcber das hinaus, was man gemeinhin als \u00abromantischen Geist\u00bb des 19. Jahrhundert bezeichnet.<\/p>\n<blockquote><p>Er versteckt seine innersten Gef\u00fchle unter einem \u00abDeckmantel\u00bb. Das ist schon bezeichnend, und es geht weit \u00fcber das hinaus, was man gemeinhin als \u00abromantischen Geist\u00bb des 19. Jahrhundert bezeichnet<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Es gibt Passagen, wo Chopin \u00fcber eine Analsp\u00fclung spricht und \u00fcber Pissoirs in London, in denen er sich rumtreibt\u2026 Schreibt man so etwas im 19. Jahrhundert seinen Freunden?<\/strong><br \/>\nDas mit der Sp\u00fclung schreibt er als 15-J\u00e4hriger einem Kollegen. Das kann man nat\u00fcrlich auf verschiedenste Weise interpretieren. Es k\u00f6nnte medizinisches Interesse gewesen sein, damals wurden Einl\u00e4ufe als Heilmethode benutzt. Aber so wie Chopin dann schreibt \u00abIch werde dir die Finesse dieses R\u00e4tsels erkl\u00e4ren\u00bb \u2013 das sollte man schon genauer untersuchen und fragen, was da gemeint ist! \u00dcber die Urinale in London habe ich nicht schlecht gestaunt. Im <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/music\/2020\/nov\/25\/chopins-interest-in-men-airbrushed-from-history-programme-claims\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Guardian<\/em>-Artikel zu meiner Sendung<\/a> wird auf die Geschichte des \u00abCottaging\u00bb in England eingegangen, also Klappensex. Das war auch einer meiner ersten Gedanken bei dieser Stelle.<\/p>\n<p>Allerdings habe ich diese beiden Passagen erst ganz am Schluss f\u00fcr die Sendung ausgew\u00e4hlt, zuerst ging es mir um die emotionalen Aspekte: Wie tief er geht in der Beschreibung seiner Gef\u00fchle, wenn er an Tytus schreibt \u00abDu weisst nicht, wie sehr ich dich liebe!\u00bb Wobei es sich um eine exklusive Liebe handelt. Er schreibt: \u00abIch liebe nur dich\u00bb und \u00abnur du hast die Macht \u00fcber mich\u00bb. Das hat mich schon ber\u00fchrt. Aber auch sp\u00e4ter schreibt Chopin an Antoni Wodzi\u0144ski: \u00abIch denke an dich, wie an Tytus.\u00bb Oder an Jan Matuszy\u0144ski: \u00abIch tr\u00e4ume immer von euch.\u00bb Gegen Ende wird es dann dramatisch, als Chopin im Sterben liegt und sich doch noch zweimal aufrafft, um Tytus Briefe zu schreiben und sich bem\u00fcht, ihn ein letztes Mal zu sehen. Da schliesst sich der Kreis.<\/p>\n<p><strong>Wie ging\u2019s weiter, nachdem Sie dem Schweizer Radio die Idee unterbreiteten, eine musikwissenschaftliche Bombe zu legen?<br \/>\n<\/strong><em>(lacht)<\/em> Ich hatte zuerst einige Briefstellen an einen polnischsprachigen Kollegen geschickt und an einen weiteren Muttersprachler und nachgefragt, was genau in den Briefen steht, welche Pronomina im Original verwendet werden, also m\u00e4nnliche oder weibliche. Ich habe dann sogar angefangen Polnisch zu lernen, damit ich das auch selbst verstehen und lesen kann, zumindest ansatzweise. Mir wurde klar, dass es grobe \u00dcbersetzungsfehler in den bisherigen Briefausgaben gibt. Das habe ich dann mit meinen Vorgesetzten bei SRF besprochen und mit unseren publizistischen Planern. Die waren begeistert von der Idee dieser Chopin-Sendung. Inzwischen war es schon Juli. Auch der Verantwortliche der Sendereihe \u00abPassage\u00bb war angetan und hat sofort gesagt, dass ich das unbedingt machen sollte. Wir haben daraufhin Briefstellen f\u00fcr die Sendung ausgew\u00e4hlt und diese extra nochmals neu \u00fcbersetzen lassen von einer professionellen \u00dcbersetzungsfirma nach dem Vieraugenprinzip. Diese \u00dcbersetzung nach der \u00abISO 17100\u00bb-Norm erf\u00fcllt h\u00f6chste Qualit\u00e4tsstandards, worauf wir auf der SRF-Webseite hinweisen. Und diese \u00dcbersetzung hat nochmals best\u00e4tigt, dass die Briefe teils falsch \u00fcbersetzt waren und teils weibliche Pronomina hinzugef\u00fcgt (!) wurden, um eine andere inhaltliche \u00abTendenz\u00bb herzustellen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97880\" aria-describedby=\"caption-attachment-97880\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97880 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 541'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"800\" height=\"541\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-300x203.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-425x287.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-768x519.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-561x379.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-364x246.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-728x492.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-608x411.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-758x513.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-71x48.jpg 71w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-142x96.jpg 142w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-313x212.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2284-400x271.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97880\" class=\"wp-caption-text\">Blick auf den Schreibtisch von SRF-Autor Moritz Weber mit Chopin-Materialien (Foto: Moritz Weber)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wo findet man denn die Originale?<br \/>\n<\/strong>Sie sind abrufbar auf der <a href=\"https:\/\/nifc.pl\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Webseite des Chopin-Instituts in Warschau<\/a>. Alle Briefe sind dort verschriftlicht, aber leider nicht als Faksimile online einsehbar. Als ich nachfragte, ob ich Faksimiles bekommen k\u00f6nnte, wurde mir gesagt, die Briefe seien verschwunden. Das ist schon seltsam, schliesslich sind sie ja abgeschrieben und gedruckt, da m\u00fcssten sie doch irgendwo als Original liegen. Aber man liess meine Anfragen diesbez\u00fcglich im Sand verlaufen&#8230; Weswegen wir uns beim SRF an die zug\u00e4nglichen digitalen Briefe gehalten haben und diese verglichen haben mit der neusten wissenschaftlichen polnischen Ausgabe von Zofia Helman aus dem Jahr 2009. Denn wir wollten die Recherche auf der solidest m\u00f6glichen Basis aufbauen.<\/p>\n<p><strong>D.h. das polnische Chopin-Institut stellt die Briefe mit den richtigen Pronomen zur Verf\u00fcgung?<\/strong><br \/>\nJa, aber sie sind nur lesbar f\u00fcr jemanden, der Polnisch bzw. Altpolnisch kann. Die Briefe sind nicht in moderner Sprache geschrieben. Es gibt also viele sprachliche Varianten, die kompliziert sind. Da wir in der Sendung Vorw\u00fcrfe erheben bzgl. falscher \u00dcbersetzungen, musste unsere eigene neue \u00dcbersetzung absolut wasserdicht sein. Deshalb haben wir sogar einige Stellen von einer zweiten \u00dcbersetzungsfirma \u2013 unabh\u00e4ngig und nach der gleichen Qualit\u00e4tsnorm \u2013 nochmals gezielt \u00fcbersetzen lassen und das Resultat anschliessend von polnischen Muttersprachler*innen verifizieren lassen. Man kann schon sagen, dass das Schweizer Radio sich wirklich M\u00fche gegeben hat und nicht einfach irgendwas behauptet, ohne Fakten zu liefern.<\/p>\n<p><strong>Ist das ein Arbeitsaufwand, den das Schweizer Radio immer betreibt?<br \/>\n<\/strong>Das war schon eine Ausnahme. Da habe ich auch viel von meiner eigenen freien Zeit reingesteckt, was in keinem Verh\u00e4ltnis zum Budget f\u00fcr die Sendung steht. Aber es war eine Recherche mit investigativem Touch, und so etwas ist immer aufwendiger. Ich habe das gern gemacht, weil es mich pers\u00f6nlich interessiert hat als Thema. Und weil es immer spannender wurde.<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe das gern gemacht, weil es mich pers\u00f6nlich interessiert hat als Thema. Und weil es immer spannender wurde<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>War dem SRF klar, dass das Thema solche Wellen schlagen w\u00fcrde?<br \/>\n<\/strong>Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, wir h\u00e4tten es sicher etwas gr\u00f6sser bringen k\u00f6nnen, auch online, wenn wir das vorher gewusst h\u00e4tten. Inzwischen \u00fcberlegen wir, die Geschichte weiterzuziehen. Es wird auch \u00fcberlegt, die beiden Teile der Sendung ins Englische und Franz\u00f6sische zu \u00fcbersetzen, f\u00fcr unsere Kollegen von Radio T\u00e9l\u00e9vision Suisse (RTS). Aber: Dass es so viel Aufmerksamkeit bekommen w\u00fcrde, mit grossen Artikeln in der US und UK-Presse und in zahllosen polnischen Medien, das hatte niemand erwartet. Mir war schon klar, dass es ein heikles Thema ist. Man hat in der Vergangenheit schon bei Franz Schubert gesehen, wie viel da Aufwand betrieben wurde, um die Homoerotik in seinen Briefen nicht publik werden zu lassen. Mir war also bewusst, dass meine Sendung einigen Leuten in der klassischen Musikwelt nicht so passen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/0NMB-VVDP5I\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Maynard Solomon sorgte 1989 mit seinem ber\u00fchmten Essay \u00ab<\/strong><strong>Franz Schubert and the Peacocks of Benvenuto Cellini\u00bb<\/strong><strong> f\u00fcr<\/strong> <strong>internationale Schlagzeilen, weil er offen \u00fcber Schuberts Homosexualit\u00e4t schrieb. Wieso solche Aufregung, wenn es um Klassikg\u00f6tter wie Schubert, H\u00e4ndel, Beethoven oder Tschaikowsky geht bzw. jetzt um Chopin? Es interessiert sich doch sonst kaum jemand f\u00fcr Klassik\u2026<\/strong><br \/>\nMich haben solche Abwehrreaktionen in der Vergangenheit auch immer wieder erstaunt. Was wir in meinem Feature h\u00f6ren sind schliesslich die eigenen Worte Chopins, und die sind relativ eindeutig. Dass man das nicht einfach als Diskursstimulanz annimmt und es selbst \u00fcberpr\u00fcft, wundert mich. Man k\u00f6nnte ja auch zu dem Schluss kommen: \u00abO, da ist uns tats\u00e4chlich ein Fehler beim \u00dcbersetzen unterlaufen, wir werden dem nachgehen.\u00bb Aber lieber behaupten einige polnische Kommentartoren ich w\u00fcrde \u00abl\u00fcgen\u00bb. Was Chopins M\u00e4nnerbeziehungen angeht, die nicht gut erforscht sind: Wieso macht sich da nicht mal jemand im Rahmen eines Doktorats oder einer Habilitation ran und liefert neue Erkenntnisse?<\/p>\n<figure id=\"attachment_97881\" aria-describedby=\"caption-attachment-97881\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97881 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 1079'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"800\" height=\"1079\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-222x300.jpg 222w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-425x573.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-768x1036.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-561x757.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-364x491.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-728x982.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-608x820.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-758x1022.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-36x48.jpg 36w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-71x96.jpg 71w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-313x422.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/800px-Chopin_by_Wodzinska-400x540.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97881\" class=\"wp-caption-text\">Chopin in einem Portr\u00e4t von Maria Wodzinska, 1836 (Nationalmuseum Warschau \/ Wikipedia)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie lange hat es denn gedauert, bis die polnische Presse reagierte?<\/strong><em><strong><br \/>\n<\/strong><\/em>Eine Woche nach der Erstausstrahlung berichtete Norman Lebrecht auf seiner <a href=\"https:\/\/slippedisc.com\/2020\/11\/new-evidence-that-chopin-was-gay\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Website <em>Slipped Disc<\/em><\/a> auf Englisch kurz \u00fcber das Thema. Daraufhin griffen es verschiedene andere Zeitungen auf, in Deutschland u.a. Manuel Brug in <em>Die Welt<\/em>. Und dann kamen mit etwas zeitlicher Verz\u00f6gerung die <a href=\"https:\/\/www.wprost.pl\/kraj\/10392811\/chopin-byl-homoseksualista-kontrowersje-wokol-listow-pianisty.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">polnischen Medien<\/a>, sowohl grosse <a href=\"https:\/\/viva.pl\/ludzie\/newsy\/czy-fryderyk-chopin-byl-gejem-wyciekla-tresc-listow-ktore-pisal-do-mezczyzn-129824-r1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Boulevardzeitungen<\/a>, als auch linksliberale Publikationen, die den schwulen Chopin sogar zur Titelstory erhoben. Manche Kommentaroren meinten, das Thema w\u00fcrde im derzeitigen politischem Klima in Polen noch lange verschwiegen werden. Jemand anderes twitterte \u00abSchachmatt f\u00fcr Polens Rechte!\u00bb (\u00abSzach mat, prawaczki!\u00bb).<\/p>\n<p><strong>Hat die polnische Regierung den Schweizer Botschafter einberufen?<\/strong><em><br \/>\n(lacht) <\/em>Soweit ich weiss nicht. Aber r\u00fcckblickend kann ich sagen, dass die Recherche hart war, weil kaum jemand mit mir \u00fcber das Thema sprechen wollte. Ich habe viele Chopin-Biograf*innen angefragt wegen Statements. Die meisten haben meine Interviewanfragen ignoriert. Obwohl ich \u00fcber Wochen mehrmals nachgehakt habe. Bei Alan Walker, dem britisch-kanadischen Autor von \u00abFryderyk Chopin: A Life and Times\u00bb (2018), hatte ich sogar \u00fcber den Verlag Faber &amp; Faber angefragt. Die haben mir wiederholt versichert, dass sie die Anfrage weitergeleitet h\u00e4tten. Gut, Walker ist 90 Jahre alt, sein Schweigen k\u00f6nnte auch andere Gr\u00fcnde haben\u2026 Aber da kam gar nichts zur\u00fcck. Das Chopin-Institut in Warschau hat sich von Anfang an geziert. Als ich dort wegen eines Interviews anfragte, dauerte es ewig, bis eine Reaktion kam. Und dann bekam ich nur den Pressesprecher vors Mikrofon.<\/p>\n<p><strong>Alan Walker, der letzte Chopin-Biograf, stammt aus Grossbritannien und lehrte lange dort. Ist man im UK nicht sehr viel weiter in Bezug auf LGBTIQ-Akzeptanz?<br \/>\n<\/strong>Ich war tats\u00e4chlich schockiert, als ich bei Walker las, die homoerotischen Passagen in den Chopin-Briefen seien ein \u00abmental twist\u00bb. Wie kann man solche Stellen als \u00abgeistige Verwirrtheit\u00bb abtun?<\/p>\n<figure id=\"attachment_97894\" aria-describedby=\"caption-attachment-97894\" style=\"width: 1652px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97894 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1652 2560'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"1652\" height=\"2560\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL.jpg 1652w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-194x300.jpg 194w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-387x600.jpg 387w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-768x1190.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-991x1536.jpg 991w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-1322x2048.jpg 1322w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-561x869.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-1122x1739.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-364x564.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-728x1128.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-608x942.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-758x1175.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-1152x1785.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-31x48.jpg 31w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-62x96.jpg 62w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-313x485.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/91bf3fR4GRL-400x620.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 1652px) 100vw, 1652px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97894\" class=\"wp-caption-text\">Die Biografie \u00abFryderyk Chopin: A Life and Times\u00bb des britisch-kanadischen Forschers Alan Walker von 2018 (Foto: Faber &amp; Faber)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Rest der Walker-Biografie \u2013 von den angeblichen und nicht belegten Frauenaff\u00e4ren abgesehen, die in breiten Kapiteln abgehandelt werden \u2013 ist als detaillierte Schilderung allerdings gut gemacht. Ich kann mir vorstellen, dass Walker sich auf die existierenden \u00dcbersetzungen verlassen hat. Wenn man kein Polnisch kann, muss man das schliesslich tun. Damit ist das fehlerhafte Grundmaterial auch das Grundproblem f\u00fcr alle nichtpolnischsprachigen Forscher*innen. Das m\u00fcsste als Erstes aufgearbeitet und neu herausgebracht werden, mit den Handschriften z.T. auch als forensischen Scans, denn es gibt Briefe, wo offensichtlich Kreuze reingemacht und ganze S\u00e4tze gestrichen bzw. unkenntlich gemacht wurden. Das m\u00fcsste sauber aufgearbeitet werden, denn wenn schon im Quellenmaterial Fehler drin sind, setzt sich die Fehlerkette endlos fort.<\/p>\n<blockquote><p>Wie kann man solche Stellen als \u00abgeistige Verwirrtheit\u00bb abtun?<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Ist es <\/strong>\u00ab<strong>systemische Gewalt\u00bb, wie jemand in Ihrer Sendung sagt, dass sich die Musikwissenschaft weigert, hier etwas zu unternehmen?<br \/>\n<\/strong>Es ist erstaunlich, dass da immer noch solch ein Knoten drin steckt, was das Verweigern von Fakten angeht, die man selbst nach doppelter und dreifacher Pr\u00fcfung nicht akzeptieren will. In den Chopin-Biografien wird aus den kleinsten Hinweisen \u2013 beispielsweise auf die S\u00e4ngerin Konstancja G\u0142adkowska \u2013 eine Aff\u00e4re konstruiert. Chopin schreibt tats\u00e4chlich \u00fcber sie, aber nur dar\u00fcber, wie sie singt. Und das tut er nur am Rande, er erw\u00e4hnt noch, dass sie ein h\u00fcbsches Kleid angehabt h\u00e4tte. Daraus wird dann eine \u00abgrosse Liebe\u00bb konstruiert. Mit so etwas lenkt man davon ab, dass Chopin sehr viel Eindeutigeres an Tytus geschrieben hat. Das kann man gar nicht vergleichen in Bezug auf Emotionalit\u00e4t und Leidenschaftlichkeit, wo zudem noch <em>expressis verbis<\/em> von \u00abLiebe\u00bb die Rede ist.<\/p>\n<p><strong>Neben den Reaktionen aus Deutschland, Grossbritannien, Polen und bei <em>Slipped Disc<\/em> in den USA: Wie weit reicht die Aufregung rund um Ihre Sendung inzwischen?<\/strong><br \/>\nSogar die <a href=\"https:\/\/www.tribpub.com\/gdpr\/nydailynews.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>New York Daily News<\/em><\/a> haben gerade dar\u00fcber berichtet, immerhin eine der auflagenst\u00e4rksten Zeitungen der USA. Und der TV-Sender CNN hat gestern ein Interview mit mir gemacht.<\/p>\n<p><strong>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Hat Ryan Murphy sich schon gemeldet?<br \/>\n<\/strong><em>(lacht) <\/em>Nein, noch nicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97884\" aria-describedby=\"caption-attachment-97884\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-97884 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 1041'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project.jpg\" alt=\"Chopin\" width=\"800\" height=\"1041\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-231x300.jpg 231w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-425x553.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-768x999.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-561x730.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-364x474.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-728x947.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-608x791.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-758x986.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-37x48.jpg 37w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-74x96.jpg 74w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-313x407.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Eliza_Radziwillowna_-_Fryderyk_Chopin_at_the_piano_-_Google_Art_Project-400x521.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-97884\" class=\"wp-caption-text\">Eine Zeichnung von Chopin am Klavier um 1826 von Eliza Radziwi\u0142\u0142\u00f3wna (Foto: Fr\u00e9d\u00e9ric-Chopin-Museum Warschau \/ Wikipedia)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>W\u00e4re das nicht ein perfektes Thema f\u00fcr ein Biopic?<br \/>\n<\/strong>Auf jeden Fall. Ich habe in meinem eigenen Feature schon gezeigt, wie gut die Musik aus der jeweiligen Lebensphase zu den Briefen und Ereignissen passt. Auch als Virtual-Reality-Projekt w\u00fcrde das Ganze gut funktionieren.<\/p>\n<p><strong>Was werden Sie selbst k\u00fcnftig mit dem Thema machen: als Chopin-Experte durch die Welt reisen und Vortr\u00e4ge halten?<\/strong><br \/>\nEs gab Anfragen, um bei einem Festival einen Vortrag zu halten oder Artikel f\u00fcr ein Klaviermagazin zu verfassen. Ich bin nat\u00fcrlich daran interessiert, das Thema noch in anderer Form zu pr\u00e4sentieren. Aber ich habe auch andere musikjournalistische Dinge, mit denen ich mich befassen m\u00f6chte. Chopin wird mich sicher weiterbegleiten. Wichtiger als meine Arbeit w\u00e4re allerdings, dass die Wissenschaft jetzt den Stab \u00fcbernimmt und die Grundlagen zu Chopins Leben neu zur Verf\u00fcgung stellt. Eine Dissertation oder Habilitation zum Thema w\u00fcrde Jahre dauern, das kann ich als Journalist nicht leisten. Man m\u00fcsste sich dabei auch auf die Suche machen nach jenen Briefen, die Chopin von anderen M\u00e4nnern bekam, denn die sind erstaunlicherweise \u2013 ausgerechnet! \u2013 <em>alle<\/em> nicht mehr da, w\u00e4hrend sich der grosse Rest erhalten hat.<\/p>\n<p><strong>Chopin schreibt an seinen geliebten Freund Tytus, dass der langsame Satz aus dem f-Moll-Klavierkonzert Opus 21 seine Gef\u00fchle f\u00fcr ihn am besten ausdr\u00fccke. Kann diese verf\u00fchrerisch-schw\u00e4rmerische Musik jetzt noch gespielt werden in L\u00e4ndern wie Russland, wo \u00abHomopropaganda\u00bb verboten ist oder in Polen selbst, das ja in einzelnen Zonen \u00abLGBTIQ frei\u00bb sein will?<br \/>\n<\/strong>Der Vorteil von Chopins Musik war, auch f\u00fcr Chopin selbst, dass sie keine Worte enth\u00e4lt. Deshalb sind seine Kl\u00e4nge nicht offensichtlich homoerotisch.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Q_dSI0gVbp0\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr den Walzer, den er f\u00fcr Tytus schreibt und an ihn schickt, und der eine geheime \u00abStelle\u00bb enth\u00e4lt, von der nur Tytus wisse, wie es in einem Brief heisst. Chopin ist ja weltweit einer der meistgespielten Komponisten; es w\u00e4re t\u00f6richt, seine Musik fortan nicht mehr zu spielen, nur weil jemand den Kl\u00e4ngen Homopropaganda unterstellen w\u00fcrde. Seine Kompositionen klingen ja nach wie vor gleich.<\/p>\n<p><strong>Was war denn die krasseste Reaktion auf Ihre Sendung?<br \/>\n<\/strong>Viele schrieben abwehrend: \u00abWen interessiert das \u00fcberhaupt?\u00bb Aber ich finde es doch relevant, in wen Chopin verliebt war, denn es zeigt ein anderes Bild von ihm als Mensch, als das, was bisher kolportiert wurde. Es geht um seine inneren K\u00e4mpfe, die auch in seiner Musik zu finden sind. Und die kommen dann eben doch aus einer ganz anderen Richtung, als bisher erz\u00e4hlt wurde. Diese Kluft zwischen Innerem und \u00c4usserem, dieses Versteckenm\u00fcssen seiner Gef\u00fchle, sein ganzes Leben lang, das finde ich durchaus relevant f\u00fcr seine Musik. Er schreibt einmal an Tytus: \u00abDem Klavier vertraue ich das an, was ich dir gerne sagen w\u00fcrde.\u00bb Seine Gef\u00fchle zu Tytus hat er also auch in seine Kompositionen hineingegossen.<\/p>\n<blockquote><p>Das \u00fcbergeordnet Traurige an der ganzen Geschichte ist, dass Chopin sein Innerstes verstecken musste und dass es heutzutage mancherorts auf der Welt immer noch Menschen gibt, die das tun m\u00fcssen<\/p><\/blockquote>\n<p>Das \u00fcbergeordnet Traurige an der ganzen Geschichte ist, dass Chopin sein Innerstes verstecken musste und dass es heutzutage mancherorts auf der Welt immer noch Menschen gibt, die das tun m\u00fcssen. Auch in der Schweiz. Nicht unbedingt weil sie es hier m\u00fcssen, sondern weil sie Angst haben, Homosexualit\u00e4t k\u00f6nnte Anfeindungen provozieren oder ihrem Ruf in der \u00d6ffentlichkeit schaden. Ich habe da eine sehr ber\u00fchrende H\u00f6rerreaktion bekommen. Ein Herr schrieb mir: \u00abAllerdings steht die ganze Tragik der Menschheit im Vordergrund, dass immer noch viele Menschen nicht ihr eigentliches Leben leben k\u00f6nnen und ihre Gef\u00fchle verstecken m\u00fcssen. Und 200 Jahre sp\u00e4ter sind wir immer noch nicht so viel weiter. Was auch die vielen Ausreden belegen, mit denen behauptet wird, wie schwierig es sei, die Briefe richtig zu verstehen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Schweizer Radiosendung \u00fcber die homoerotischen Briefe von Polens ber\u00fchmtestem Komponisten Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin sorgt f\u00fcr Schlagzeilen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/schach-matt-fuer-polens-rechte-ihr-nationalheiliger-chopin-war-schwul\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":35,"featured_media":97859,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,83,1340],"tags":[5438,5442,5466,5546,106,5544,2892],"wps_subtitle":"Eine Schweizer Radiosendung \u00fcber die homoerotischen Briefe von Polens ber\u00fchmtestem Komponisten sorgt international f\u00fcr Schlagzeilen \u2013 und bringt die Nationalkonservativen in Rage. 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