{"id":97355,"date":"2020-11-26T07:54:47","date_gmt":"2020-11-26T06:54:47","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=97355"},"modified":"2020-11-26T08:08:44","modified_gmt":"2020-11-26T07:08:44","slug":"dieses-dunkle-kapitel-bundeswehrgeschichte-nicht-schliessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/dieses-dunkle-kapitel-bundeswehrgeschichte-nicht-schliessen\/","title":{"rendered":"\u00abDieses dunkle Kapitel Bundeswehrgeschichte\u00bb nicht schliessen!"},"content":{"rendered":"<h3>Bis ins Jahr 2000 wurden homosexuelle Soldaten bei der Bundeswehr diskriminiert. Jetzt werden sie rehabilitiert. Die Verteidigungsministerin sagt, sie wolle die W\u00fcrde der Betroffenen wiederherstellen.<\/h3>\n<p>Sie freue sich sehr, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Mittwoch nach dem Beschluss im Kabinett. Sie hoffe, dass der Deutsche Bundestag nun schnell den Weg frei mache. Der Arbeitskreis queerer Soldat*innen, QueerBW, dankte der Ministerin f\u00fcr das \u00abwichtige Zeichen\u00bb. Deren Vorsitzender hatte zuvor in einem <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bundeswehr-diversity-im-gleichschritt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">MANNSCHAFT-Gastbeitrag<\/a> Zweifel an einem ernsthaften Interesse an einem Wertewandel in der Bundeswehr angemeldet.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet lazyload\" data-expand=\"600\" data-script=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\"  data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Danke <a href=\"https:\/\/twitter.com\/akk?ref_src=twsrc%5Etfw\">@akk<\/a> f\u00fcr dieses wichtige Zeichen. Wir empfehlen eine echte Entsch\u00e4digung. Unsere Anmerkungen (gemeinsam mit <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mhstiftung?ref_src=twsrc%5Etfw\">@mhstiftung<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/BISSeV3?ref_src=twsrc%5Etfw\">@BISSeV3<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/dgti_ev?ref_src=twsrc%5Etfw\">@dgti_ev<\/a>) zum <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/SoldRehaHomG?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#SoldRehaHomG<\/a> gibts hier: <a href=\"https:\/\/t.co\/p53JTnuMZz\">https:\/\/t.co\/p53JTnuMZz<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/7YAuEFWvAv\">https:\/\/t.co\/7YAuEFWvAv<\/a><\/p>\n<p>&mdash; QueerBw (@QueerBw) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/QueerBw\/status\/1331554696188858369?ref_src=twsrc%5Etfw\">November 25, 2020<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Gesetz zur Rehabilitierung erkl\u00e4rten Sven Lehmann, Sprecher f\u00fcr Queerpolitik, und Tobias Lindner, Sprecher f\u00fcr Sicherheitspolitik der Gr\u00fcnen Bundestagsfraktion: \u00abWir begr\u00fcssen ausdr\u00fccklich, dass die Entsch\u00e4digung der bis zum Jahr 2000 andauernden Diskriminierung in der Bundeswehr endlich auf den Weg gebracht wird und zus\u00e4tzlich eine Studie zur Aufarbeitung der systematischen Diskriminierung und Benachteiligung von homosexuellen Soldaten in Auftrag gegeben werden soll.\u00bb<\/p>\n<p>Jens Brandenburg, Sprecher f\u00fcr LGBTI der FDP-Bundestagsfraktion, erkl\u00e4rte, der politische Druck habe gewirkt: \u00abNoch im Fr\u00fchjahr hat die Verteidigungsministerin unsere Forderung nach einer Rehabilitierung diskriminierter Bundeswehrangeh\u00f6riger vehement abgelehnt. Heute legt die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vor, der unsere Forderungen zum grossen Teil aufgreift. Die Ministerin ist \u00fcber ihren eigenen Schatten gesprungen und das freut mich sehr. Der Gesetzentwurf ist ein \u00fcberf\u00e4lliges und wichtiges Signal an die Betroffenen. Jahrzehntelang haben die Bundeswehr und auch die NVA homosexuelle Soldaten mit unehrenhaften Entlassungen und Berufsverboten schikaniert. Kein Gesetz der Welt kann das ungeschehen machen. Die Aufhebung truppendienstgerichtlicher Urteile und eine finanzielle Anerkennung sind wir den Betroffenen schuldig.\u00bb<\/p>\n<p>Die Entsch\u00e4digung f\u00fcr diskriminierte homosexuelle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und der Volksarmee der DDR komme zu sp\u00e4t, kommentiert die <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/meinung\/kommentare\/nachbessern-bitte-90112139.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frankfurter Rundschau (FR)<\/a> am Mittwoch.<\/p>\n<p>\u00abDas Verteidigungsministerium hat sich viel zu viel Zeit gelassen, f\u00fcr dieses symbolische Zeichen &#8211; rund 20 Jahre nach dem offiziellen Ende der institutionellen Diskriminierung in der Armee. Und 3000 Euro f\u00fcr verhinderte oder gar zerst\u00f6rte Karrieren sind alles andere als grossz\u00fcgig. Da kann, da sollte nachgebessert werden. Und schon gar nicht sollte \u00abdieses dunkle Kapitel Bundeswehrgeschichte\u00bb geschlossen werden. Luftwaffe, Marine und Heer sollten vielmehr diesen Teil ihrer Historie erforschen und dokumentieren, wie es den Betroffenen \u00fcber die Jahrzehnte ergangen ist.\u00bb Auf diesem Wege k\u00f6nnten sie all jenen gerecht werden, die nicht die Vorgaben des Gesetzes erf\u00fcllen und leer ausgehen. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnte weiter gegen die verbale Diskriminierung vorgegangen werden, \u00fcber die Einzelne nach wie vor berichten, so der Kommentar in der FR.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"LP7gJ0QQim\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/in-angola-ist-homosexualitaet-ab-februar-legal\/\">In Angola ist Homosexualit\u00e4t ab Februar legal<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;In Angola ist Homosexualit\u00e4t ab Februar legal&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/in-angola-ist-homosexualitaet-ab-februar-legal\/embed\/#?secret=LP7gJ0QQim\" data-secret=\"LP7gJ0QQim\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Homosexuelle Soldaten sollen f\u00fcr erlittenes Unrecht rehabilitiert und mit dem symbolischen Betrag von 3000 Euro entsch\u00e4digt werden. Das Kabinett beschloss am Mittwoch den Entwurf eines Gesetzes, das Urteile der Truppendienstgerichte wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen aufhebt. Die finanzielle Entsch\u00e4digung erhalten neben den verurteilten Soldaten auch diejenigen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung entlassen, nicht mehr bef\u00f6rdert, degradiert oder nicht mehr mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut wurden. Das gilt sowohl f\u00fcr Bundeswehrsoldaten als auch f\u00fcr Angeh\u00f6rige der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR.<\/p>\n<p>Das Verteidigungsministerium sch\u00e4tzt, das etwa 1000 Betroffene die Entsch\u00e4digung beantragen werden. Der Gesetzentwurf muss noch vom Bundestag beschlossen werden. Die Zustimmung des Parlaments gilt aber als sicher.<\/p>\n<p>Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer, die sich in diesem Jahr \u00fcberraschend auf die queeren Angeh\u00f6rigen der Bundeswehr zubewegt hatte<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/akk-geht-ueberraschend-auf-homosexuelle-in-bundeswehr-zu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>, nannte den Gesetzentwurf ein \u00abgrosses Zeichen gegen Diskriminierung\u00bb. Zwar k\u00f6nne man erlittenes Unrecht nicht wiedergutmachen. Mit der Rehabilitierung und Entsch\u00e4digung setze man aber \u00abein Zeichen der Wiederherstellung der W\u00fcrde dieser Menschen, die nichts anderes wollten, als Deutschland zu dienen\u00bb, sagte die CDU-Chefin. \u00abDas ist ein grosses pers\u00f6nliches Unrecht, das diesen Menschen widerfahren ist, und es ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Bundeswehr lange Diskriminierung in ihren eigenen Reihen geduldet, ja systematisch auch erlaubt hat.\u00bb<\/p>\n<p>Homosexuelle Handlungen waren in der Bundesrepublik Deutschland bis 1969 eine Straftat und besch\u00e4ftigten auch die Truppendienstgerichte. Homosexuelle Soldaten mussten in den Anfangsjahren der 1955 gegr\u00fcndeten Bundeswehr zudem damit rechnen, degradiert oder entlassen zu werden. Sp\u00e4ter konnten sie zwar in den Streitkr\u00e4ften bleiben, wurden aber nicht mehr mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. Erst durch die Aufhebung eines Erlasses zur Personalf\u00fchrung homosexueller Soldaten am 3. Juli 2000 wurde die institutionelle Diskriminierung von Schwulen und Lesben bei der Bundeswehr beendet.<\/p>\n<p>Mitte September ver\u00f6ffentlichte das Zentrums f\u00fcr Milit\u00e4rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr unter dem Titel \u00abTabu und Toleranz\u00bb eine Studie zum Umgang der Bundeswehr mit homosexuellen Soldaten. Die Diskriminierungen fingen danach im Truppenalltag mit Redensarten wie \u00ab79 Zentimeter sind schwul, 81 Zentimeter sind Fahnenflucht\u00bb an. Das bezog sich auf die 80 Zentimeter Abstand, die man beim Marschieren im Gleichschritt zum Vordermann zu halten hat.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"KMaej9l3uZ\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wer-sind-die-queeros-2020-das-voting-beginnt\/\">Wer sind die Queeros 2020? Das Voting beginnt!<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Wer sind die Queeros 2020? Das Voting beginnt!&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/wer-sind-die-queeros-2020-das-voting-beginnt\/embed\/#?secret=KMaej9l3uZ\" data-secret=\"KMaej9l3uZ\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Drastische Konsequenzen drohten Soldaten, deren Homosexualit\u00e4t bekannt wurde. Klaus Storkmann, der Autor der mehr als 400-seitigen Studie, zitiert aus zahlreichen Urteilen der Truppendienstgerichte. Nur ein Beispiel aus dem Jahr 1964: Einem 32-j\u00e4hrigen Familienvater wurde wegen \u00abgleichgeschlechtlicher Unzucht\u00bb die Versorgungsanspr\u00fcche gestrichen und er wurde &#8211; obwohl schon aus dem Dienst ausgeschieden &#8211; vom Stabsunteroffizier zum Obergefreiten degradiert. \u00abNach der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des Senats m\u00fcssen homosexuelle Verfehlungen eines Soldaten disziplinar streng geahndet werden, weil ein derartiges Verhalten die soldatische Gemeinschaft, die Kameradschaft und die Sauberkeit der Truppe in hohem Masse gef\u00e4hrdet\u00bb, hiess es in dem Urteil.<\/p>\n<p>Bis 1979 war Homosexualit\u00e4t auch ein Ausmusterungsgrund f\u00fcr Wehrpflichtige. Homosexuelle Offiziere und Offiziersanw\u00e4rter wurden als generelles Sicherheitsrisiko angesehen. Der bekannteste Fall ist der Vier-Sterne-General und damalige stellvertretenden Nato-Oberbefehlshaber in Europa, G\u00fcnter Kie\u00dfling, dem 1983 Erpressbarkeit wegen angeblicher Homosexualit\u00e4t vorgeworfen wurde. Er wurde vorzeitig in den Ruhestand versetzt, sp\u00e4ter aber rehabilitiert, nachdem sich die Ger\u00fcchte als haltlos erwiesen.<\/p>\n<p>Noch 1984 konstatierte die Personalabteilung des Verteidigungsministeriums: \u00abEin Offizier oder Unteroffizier, der angibt, homosexuelle Neigungen zu haben, muss damit rechnen, nicht mehr bef\u00f6rdert oder mit h\u00f6herwertigen Aufgaben betraut zu werden.\u00bb Erst im Jahr 2000 \u00e4nderte sich diese Haltung. Den Schlusspunkt setzte wieder die Personalabteilung des Ministeriums mit folgender Verf\u00fcgung: \u00abHomosexualit\u00e4t stellt keinen Grund f\u00fcr Einschr\u00e4nkungen hinsichtlich Verwendung oder Status und somit auch kein gesondert zu pr\u00fcfendes Eignungskriterium dar.\u00bb <em>(dpa)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis ins Jahr 2000 wurden homosexuelle Soldaten bei der #Bundeswehr diskriminiert. Jetzt werden sie rehabilitiert. #AKK sagt, sie wolle die W\u00fcrde der Betroffenen wiederherstellen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/dieses-dunkle-kapitel-bundeswehrgeschichte-nicht-schliessen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":97357,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[5544],"wps_subtitle":"Reaktionen auf das Gesetz zur Rehabilitierung, das am Mittwoch im Kabinett beschlossen wurde","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97355"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=97355"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97355\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97357"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=97355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=97355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}