{"id":93103,"date":"2020-10-03T10:19:45","date_gmt":"2020-10-03T08:19:45","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=93103"},"modified":"2023-11-25T09:48:51","modified_gmt":"2023-11-25T08:48:51","slug":"angela-matthes-jeden-sonntag-musste-ich-mich-zurueckverwandeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/angela-matthes-jeden-sonntag-musste-ich-mich-zurueckverwandeln\/","title":{"rendered":"\u00abVor der Transition musste ich mich jeden Sonntag zur\u00fcckverwandeln\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Donnerstags bis sonntags konnte sie sein, wer sie ist. Doch am Sonntagabend kam ihre \u00abPumpkin Time\u00bb, dann musste sich Angela Matthes zur\u00fcckverwandeln \u2013 wie im Cinderella-M\u00e4rchen, wenn die Kutsche um Mitternacht wieder zum K\u00fcrbis wird. Das war vor ihrer Transition. Heute lebt sie gl\u00fccklich als Frau.<\/h3>\n<p>Mit f\u00fcnfzehn trug ich schulterlanges Haar. Eines Tages \u2013 ich sass mit meinem besten Kumpel auf dem Heimweg im Bus \u2013 fragte mich ein Kind angesichts meiner f\u00fclligen Haar- und fehlenden Bartpracht: \u00abBist du ein M\u00e4dchen oder ein Junge?\u00bb Es war Rushhour. Der Bus folglich dicht gef\u00fcllt mit Ohren, die bereit zum Lauschangriff waren. Als schwuler, ungeouteter Junge vom Balkan st\u00f6rten mich schon damals stereotype Urteile \u00fcber Menschen. Entsprechend flapsig fiel meine Antwort aus: \u00abBeides.\u00bb Das sorgte zwar f\u00fcr lautes Gel\u00e4chter im Bus, verwirrte aber das fragende Kind, weil es nur das bin\u00e4re Geschlechtersystem kannte.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"ti6llrwtyE\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/10\/03\/star-trek-der-neue-queere-blick-in-die-sterne\/\">\u00abStar Trek: Discovery\u00bb \u2013 Der neue queere Blick in die Sterne<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abStar Trek: Discovery\u00bb \u2013 Der neue queere Blick in die Sterne&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/10\/03\/star-trek-der-neue-queere-blick-in-die-sterne\/embed\/#?secret=ti6llrwtyE\" data-secret=\"ti6llrwtyE\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Mit dieser pers\u00f6nlichen Geschichte zur Geschlechtsidentit\u00e4t mache ich mich auf nach Balzers in Liechtenstein. Dort bin ich mit Angela Matthes verabredet, CEO der Baloise Life AG. Zum Einstieg ins Gespr\u00e4ch erz\u00e4hle ich ihr von meinem Erlebnis und m\u00f6chte wissen, wie sie in einer solchen Situation reagiert h\u00e4tte: \u00abEin solches Erlebnis habe ich zwar nicht gehabt, wohl aber mit meiner Haarl\u00e4nge experimentiert. Denn mit vier Jahren merkte ich, dass ich transident bin. Deswegen schob ich als Kind und Jugendliche den Coiffure-Termin so weit hinaus wie m\u00f6glich. Bis meine Mutter sagte, ich s\u00e4he aus wie ein M\u00e4dchen.\u00bb<\/p>\n<p>Im Inneren war sie es auch und wollte lieber Dinge tun, die M\u00e4dchen tun. \u00abZum Beispiel mit M\u00e4dchen spielen oder auch mal ein R\u00f6ckchen tragen.\u00bb Doch die Standards damals waren klar: Es gibt nur Frauen und M\u00e4nner, nichts dazwischen.<\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4tskrise in der Pubert\u00e4t<\/strong><br \/>\n\u00abMit f\u00fcnfzehneinhalb begann ich meine Ausbildung zum Kaufmann. Weil ich noch nicht im Stimmbruch war, habe ich mich innerlich immer gefreut, wenn mich die Leute beim Telefonieren als \u00abFr\u00e4ulein Matthes\u00bb angesprochen haben.\u00bb Korrigiert habe sie die Leute nie. Denn sie wollte den kleinen Moment der Illusion nicht missen.<\/p>\n<p>Mitten in der Ausbildung kam die Pubert\u00e4t und mit ihr Angelas Identit\u00e4tskrise: \u00abDa wurde mir bewusst, wie ich mich f\u00fchle und wie ich gern sein m\u00f6chte. Aber mein K\u00f6rper entwickelte sich in eine andere Richtung.\u00bb Mit siebzehn sprach sie mit ihren Eltern. Das war Mitte der achtziger Jahre. Ein Gespr\u00e4ch mit einer Psychiaterin folgte. \u00abIch erlebte eine intensive Dosis aus Angst, Ablehnung und Aggressionen. Die Reaktion meines Vaters war: Was tust du uns an? Meine Mutter reagierte eher besorgt: Die soziale Ausgrenzung und die damit verbundene Arbeitslosigkeit waren ihre gr\u00f6ssten \u00c4ngste.\u00bb<\/p>\n<p>Damals gab es noch kein Internet, Informationen zu Transidentit\u00e4t fehlten. So auch \u00f6ffentlich sichtbare trans Personen, die \u00fcber ihr Sein, das nicht sein darf, berichteten. \u00abNach einem halben Jahr habe ich diese Episode als \u00abeine Phase\u00bb zur\u00fcckgenommen und mich bem\u00fcht, nach aussen hin ein \u00abnormales\u00bb Leben als Mann zu f\u00fchren.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Es war ein echtes Ausbrechen aus meiner Komfortzone.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das Doppelleben<\/strong><br \/>\nNach der Ausbildung zog Angela von zu Hause aus \u2013 weg von Basel in die eigenen vier W\u00e4nde: \u00abHier konnte ich Angela sein und musste keine Angst haben, in einem Rock gesehen zu werden.\u00bb Aus der Erfahrung mit den Eltern hatte sie mitgenommen, sie w\u00e4re \u00abnicht normal\u00bb und liefe Gefahr, irgendwann mal wegen ihres Seins ausgegrenzt zu werden und den Job zu verlieren. Was auch heute noch zutrifft: Laut einer Studie von Transgender Network Switzerland aus dem Jahre 2014 ist jede f\u00fcnfte trans Person von Arbeitslosigkeit betroffen\u202f\u2013 der gesamtgesellschaftliche Durchschnitt ist vier Mal tiefer.<\/p>\n<p>Um der Stigmatisierung entgegenzuwirken, st\u00fcrzte sich Angela in die Arbeit. \u00abZum einen war das ein Ausweich- bzw. Verdr\u00e4ngungsmechanismus. Zum anderen aber auch eine grosse Motivation, weil ich im Job viel Best\u00e4tigung und Wertsch\u00e4tzung erfuhr, was zu neuen Aufgaben und mehr F\u00fchrungsverantwortung f\u00fchrte.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"A5hR96qxKb\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/24\/neue-vorwuerfe-j-k-rowling-promotet-transphoben-webshop\/\">Neue Vorw\u00fcrfe: J.K. Rowling promotet transphoben Webshop<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Neue Vorw\u00fcrfe: J.K. Rowling promotet transphoben Webshop&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/24\/neue-vorwuerfe-j-k-rowling-promotet-transphoben-webshop\/embed\/#?secret=A5hR96qxKb\" data-secret=\"A5hR96qxKb\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Das war ihr Leben draussen. Drinnen in den eigenen vier W\u00e4nden lebte sie immer als Angela: \u00abIch konnte daheim meiner Gef\u00fchlswelt freien Lauf lassen. Nach draussen traute ich mich nicht als Frau, h\u00f6chstens mal nachts um eins. Aber ich hatte immer Angst, jemand k\u00f6nnte mich erkennen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Und das Beziehungsleben?<\/strong><br \/>\n\u00abUm die dreissig herum hatte ich bereits viel erreicht: Ich war beruflich erfolgreich und hatte ein paar gute Freunde. Allerdings noch kein Beziehungsleben. Dabei wollte ich einfach \u00abnormal\u00bb sein und eine \u00abnormale\u00bb Beziehung haben.\u00bb Ein weiterer Besuch bei einer anderen Psychiaterin stand an: \u00abIch wollte die inneren Gef\u00fchle so nehmen, dass sie mich nicht mehr daran hindern, eine Beziehung zu f\u00fchren.\u00bb Die Psychiaterin habe ihr dann geholfen, diese innere Gef\u00fchlswelt zu akzeptieren: \u00abSie ist ein Teil von mir und auch nicht schlimm.\u00bb Im Gegenteil: R\u00fcckblickend betrachtet erm\u00f6glichten ihr die beiden Identit\u00e4ten eine ganz andere F\u00fchrungserfahrung.<\/p>\n<p>\u00abZwei Jahre sp\u00e4ter lernte ich als Mann eine Frau in den Ferien kennen. Wir verstanden uns auf der pers\u00f6nlichen Ebene gut und hatten gemeinsame Interessen.\u00bb Doch sobald es um Intimit\u00e4ten ging, konnte Angela die geschlechterspezifische Rolle nicht einnehmen, sodass die Beziehung zu Ende ging. \u00abDies war f\u00fcr mich der Moment, den n\u00e4chsten Schritt zu gehen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00abJetzt will ich einfach mal raus\u00bb<\/strong><br \/>\nAngela machte sich auf nach New York. Vor der Anreise hatte sie das dortige Transgender Netzwerk kontaktiert, um sich mit zwei trans Frauen zu verabreden. Es sollte ein echtes Durchbrechen ihrer Komfortzone werden: \u00abIch war zu dem Zeitpunkt schon vierzig. Wenn du immer etwas im Versteckten und immer mit einem schlechten Gewissen machst, dann braucht es viel Kraft, sich aus der Komfortzone zu bewegen. Irgendwann mal kam der Punkt: Jetzt will ich einfach mal raus.\u00bb \u00dcber zwei Stunden dauerte es denn auch, bis sich Angela aus dem Hotel wagte und sich den Menschen zeigte, wie sie wirklich ist.<\/p>\n<p>Ich will wissen, wie ihre ersten Eindr\u00fccke waren, nachdem sie sich \u00fcberwunden hatte, das Hotel zu verlassen. Sie gibt mir nicht einfach eine Antwort, sondern l\u00e4sst mich ihren damaligen G\u00e4nsehautmoment direkt sp\u00fcren: \u00abEs war ein Wahnsinnsgef\u00fchl! Ich hatte Augenkontakt und wurde wahrgenommen. Niemand schaute mich komisch an. Ich sp\u00fcrte keine Angst im Sinne von: Achtung, da kommt ein Mann in Frauenkleidern.\u00bb<\/p>\n<p>An jenem Abend lief Angela stundenlang draussen herum. Sie genoss es, als Frau unter Menschen zu sein. Allerdings traute sie sich noch nicht, in einen Laden zu gehen oder mit Menschen zu reden. \u00abErst am n\u00e4chsten Abend habe ich mich mit den beiden trans Frauen getroffen. Danach war es so, als h\u00e4ttest du einen Flaschengeist befreit: Mit jedem Schritt, den ich mehr aus mir herausging, f\u00fchlte es sich angenehmer und vertrauter an.\u00bb Noch im selben Jahr reiste Angela nochmals nach New York.<\/p>\n<blockquote><p>Der Respekt vor der Reaktion des Arbeitgebers war sehr gross.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00abPumpkin Time am Sonntag\u00bb<\/strong><br \/>\nVon da an machte Angela fast jeden Monat eine St\u00e4dtereise. Denn in der Schweiz hatte sie zu grosse Angst, dass sie erkannt wird oder ihr Arbeitgeber davon erf\u00e4hrt: Die Angst vor einem Jobverlust oder vor der sozialen Ausgrenzung hatte sich bei ihr fest eingebrannt. Seit ihrer steilen Karriere noch mehr.<\/p>\n<p>Darum versuchte sie, eine Art Kompromiss zwischen den beiden Identit\u00e4ten zu finden: \u00abVielleicht reicht das bis zur Pensionierung. Vielleicht kann ich von Donnerstag bis Sonntag meine weibliche Seite ausleben, riskiere daf\u00fcr aber nicht meinen Job.\u00bb Gleichzeitig kontaktierte sie Menschen, die sie auf ihren Reisen und in Sprachkursen kennenlernte oder schon kannte, mit ihrer neuen Identit\u00e4t, und baute sich so ein Sozialleben als Angela auf. Auch verlor sie ihre Angst, in die L\u00e4den zu gehen und mit Menschen zu reden. \u00abMeine Pers\u00f6nlichkeit konnte sich langsam entfalten, ich wurde immer mutiger.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"UeOdTlpFcn\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/17\/trans-kinder-in-der-schule-ueber-respekt-und-sorge\/\">Trans Kinder in der Schule \u2013 Was Eltern wissen sollten<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Trans Kinder in der Schule \u2013 Was Eltern wissen sollten&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/17\/trans-kinder-in-der-schule-ueber-respekt-und-sorge\/embed\/#?secret=UeOdTlpFcn\" data-secret=\"UeOdTlpFcn\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Sobald jedoch der Sonntagabend und somit die Heimkehr n\u00e4her r\u00fcckte, stand ihre R\u00fcckverwandlung an: \u00abSonntagabends kam meine Pumpkin Time. Wie bei Cinderella, wenn sich die Kutsche um Mitternacht zur\u00fcck in den K\u00fcrbis verwandelt.\u00bb Folglich war ihre R\u00fcckreise von Trauer \u00fcberschattet: \u00abIch freute mich immer aufs Wochenende. Denn als Angela f\u00fchlte ich mich einfach super. Auf dem R\u00fcckflug fiel es mir schwer, wieder ein Mann zu sein.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Zeit f\u00fcr die Transition<\/strong><br \/>\nWieder zur\u00fcck in der Heimat tauchten im privaten und beruflichen Umfeld Fragen auf: \u00abDu bist in ganz Europa unterwegs und f\u00fchrst ein tolles Leben: Was hast du denn in Berlin, Hamburg\u2009.\u2009.\u2009. alles so gemacht?\u00bb Sie musste ihre Erlebnisse und Aktivit\u00e4ten geschlechtsneutral erz\u00e4hlen oder eine Cover Story f\u00fcr die m\u00e4nnliche Identit\u00e4t erfinden. \u00abEs f\u00fchlte sich immer schlechter an, weil ich den Leuten nicht alles sagen konnte bzw. Geschichten erfinden musste, um das Bild der Normalit\u00e4t zu wahren.\u00bb<\/p>\n<p>So kam ihr Entschluss, mit ihrer Transition nicht bis zur Pensionierung zu warten. 2013 trat sie ihre neue Position als CEO der <a href=\"http:\/\/www.baloise-life.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Baloise Life (Liechtenstein) AG<\/a>. Parallel dazu begann sie mit der Ausbildung zum Executive Master in Consulting and Coaching of Change bei der INSEAD Business School. Die Ausbildung brachte ihr gleich zwei Vorteile: Ein weiteres Standbein, sollte ihre Transition beim Arbeitgeber nicht gut ankommen, sowie die Methodik, ihre Transition bestm\u00f6glich im Betrieb vorzubereiten und umzusetzen. Denn der Respekt vor der Reaktion des Arbeitgebers war immer noch sehr gross.<\/p>\n<p>Auch holte sie sich Unterst\u00fctzung beim Transgender Network Switzerland (TGNS): \u00abIch wollte eine Liste mit Psychiater*innen, die Transitionen bereits begleitet haben.\u00bb \u00dcberdies hat sie die INSEAD-Professor*innen von Beginn an ins Boot geholt. Zwar begann sie die Ausbildung als Mann, konnte dann aber w\u00e4hrend des Programms als Angela in die Klasse kommen: \u00abMeine internationalen Kommiliton*innen erlebten meine Transition als Highlight. Selbst Klassenkamerad*innen aus muslimisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern empfanden meine Entfaltung nach der Transition einfach bereichernd.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_93107\" aria-describedby=\"caption-attachment-93107\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-93107\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 900 1350'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2.jpg\" alt=\"angela Matthes\" width=\"900\" height=\"1350\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2.jpg 900w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-200x300.jpg 200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-400x600.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-768x1152.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-561x842.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-364x546.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-728x1092.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-608x912.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-758x1137.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-32x48.jpg 32w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-64x96.jpg 64w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/angela-matthes-raffi-pn-falchi.-2-313x470.jpg 313w\" data-sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-93107\" class=\"wp-caption-text\">Nach 37 Jahren beim Versicherungskonzern Baloise erweitert Angela Matthes demn\u00e4chst wieder ihre Komfortzone. (Bild: Raffi P.N. Falchi)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u00d6ffnung vor dem Arbeitgeber<\/strong><br \/>\nIhre Transition beim Arbeitgeber hatte sie akribisch vorbereitet: \u00abZun\u00e4chst informierte ich den HR-Chef, den Group CEO und Verwaltungsratspr\u00e4sidenten, dann meine Vorgesetzten in Luxemburg. Zum einen wollte ich ihnen pers\u00f6nlich erkl\u00e4ren, warum meine Ver\u00e4nderung n\u00f6tig ist; zum anderen ihnen auch eine Stimme zur Mitgestaltung geben.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Rede nicht um den heissen Brei. Sag, worum es geht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Group CEO, den sie zum damaligen Zeitpunkt schon l\u00e4nger gut kannte, ben\u00f6tigte keine Einleitungen oder Erkl\u00e4rungen: \u00abRede nicht um den heissen Brei. Sag, worum es geht.\u00bb Als Angela direkt zum Punkt kam, lehnte er sich in seinem Stuhl zur\u00fcck, ehe er ihr antwortete: \u00abDanke f\u00fcr dein Vertrauen, das du mir und der Baloise entgegenbringst. Du wirst sehen: Du wirst ganz viel Unterst\u00fctzung vom Unternehmen bekommen \u2013 von mir hast du sie sowieso.\u00bb <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/03\/31\/sie-standen-schlange-um-mich-zu-umarmen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(\u00c4hnlich positiv beschreibt Tessa Ganserer ihr trans Coming-out \u2013 MANNSCHAFT berichtete).<\/a><\/p>\n<p>Der R\u00fcckhalt durch den Arbeitgeber erleichterte den ganzen sp\u00e4teren Prozess, bei dem Angela das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch mit allen Mitarbeiter*innen suchte, die mit ihr zu tun hatten: \u00abIch wollte jeder Person meine Transidentit\u00e4t pers\u00f6nlich anvertrauen, damit mir alle direkt Fragen stellen oder Unsicherheiten mitteilen konnten. Denn Ablehnungen kommen oft aufgrund mangelnder Informationen.\u00bb<\/p>\n<p>Am Ende waren es 150 Gespr\u00e4che, die auf der zwischenmenschlichen Ebene eine ganz neue Qualit\u00e4t hervorbrachten. \u00abWeil ich mich ihnen ge\u00f6ffnet und verletzlich gezeigt habe, haben auch sie mir sehr pers\u00f6nliche Dinge anvertraut, von denen sie mir sonst nie erz\u00e4hlt h\u00e4tten.\u00bb<br \/>\nFerner war es Angela wichtig, dass die Mitarbeitenden den Zeitpunkt f\u00fcr die Transition selbst festlegten: \u00abIch wollte allen die n\u00f6tige Zeit geben, sich damit zu befassen und den Ver\u00e4nderungsprozess selbst mitzugehen.\u00bb Sie erfuhr von allen Unterst\u00fctzung \u2013 schliesslich auch von Menschen, die in einem eher konservativen Umfeld aufgewachsen waren und anf\u00e4nglich noch M\u00fche bekundet hatten. \u00abIch habe die Offenheit, dass jemand damit nicht umgehen kann, respektiert. Denn jemanden dazu zu zwingen, es verstehen zu m\u00fcssen, f\u00fchrt nicht zu gegenseitigem Verst\u00e4ndnis.\u00bb<\/p>\n<p>Mitte August 2014 war es dann soweit: Ihr bisheriges Ich lud zur Abschiedsparty im Betrieb ein, verschenkte dabei all seine Krawatten und verabschiedete sich von allen. Gleichzeitig stand das letzte Modul der Ausbildung an, bevor Angela dann Anfang September in den Betrieb zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p><strong>Ein Ma\u00eetre de Cabine sorgt f\u00fcr Herzklopfen<\/strong><br \/>\nZum Schluss des Gespr\u00e4chs m\u00f6chte ich von Angela wissen, ob es da jemanden in ihrem Leben gibt: \u00abDerzeit bin ich nicht in einer Beziehung. Es ist schwierig f\u00fcr mich, weil ich nicht nur als Frau leben, sondern auch \u00fcber meine Transition sprechen m\u00f6chte. Da gab es schon zwei bis drei Versuche. Aber sobald ich erw\u00e4hne, dass ich nicht mein ganzes Leben so gelebt habe, ziehen sich die M\u00e4nner zur\u00fcck.\u00bb<\/p>\n<p>M\u00e4nner? Ich scrolle zur\u00fcck zu meinen Notizen vom Anfang: Vor der Transition war Angela mit einer Frau zusammen. \u00abJa, das stimmt. Ich habe f\u00fcr sie auch Gef\u00fchle gehabt. Selbst im Moment der Transition dachte ich mir, dass ich eher lesbisch sein werde, weil ich davor auch eher in Richtung Frauen geschaut habe.\u00bb<\/p>\n<p>Nach der Transition kam es aber anders, und zwar auf einer R\u00fcckreise von Prag: \u00abWeil es so g\u00fcnstig war, habe ich mir f\u00fcr den R\u00fcckflug ein Upgrade in die Business Class geg\u00f6nnt. Dort habe ich dann mit dem Ma\u00eetre de Cabine geplaudert. Und Herzklopfen gehabt. Und auch lange nach dem Flug an ihn gedacht. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Dar\u00fcber, worauf ich eigentlich stehe.\u00bb Zum Zeitpunkt der Transition hatte sie sich noch nicht f\u00fcr eine Geschlechtsangleichung entschieden. Das Erlebnis mit diesem Mann brachte ihr indes Klarheit: \u00abIch stehe auch auf M\u00e4nner. Und wenn ich mit einem anderen Menschen intim werde, dann m\u00f6chte ich dies als Frau. Aber es wird einen Partner brauchen, der mit seiner eigenen sexuellen wie Geschlechtsidentit\u00e4t im Reinen ist und mit meiner Geschichte umgehen kann.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"CoQowuVPtp\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/07\/georgine-kellermann-feiert-angepasste-geburtsurkunde\/\">Georgine Kellermann feiert angepasste Geburtsurkunde<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Georgine Kellermann feiert angepasste Geburtsurkunde&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/07\/georgine-kellermann-feiert-angepasste-geburtsurkunde\/embed\/#?secret=CoQowuVPtp\" data-secret=\"CoQowuVPtp\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Neues Kapitel<\/strong><br \/>\nManchmal erscheinen uns Hindernisse im Leben un\u00fcberwindbar. Besonders dann, wenn wir uns jemandem anvertrauen und dadurch verletzlich machen. \u00abDas Verlassen der Komfortzone hat mir gezeigt, wie viel es zu meiner Weiterentwicklung beitr\u00e4gt \u2013 auch in anderen Lebensbereichen.\u00bb Dies sei f\u00fcr alle wichtig, die im Leben vorw\u00e4rtskommen m\u00f6chten: \u00abWer dazu bereit ist, immer wieder neue Erfahrungswerte und Sichtweisen zu gewinnen, kann pers\u00f6nlich wachsen.\u00bb<\/p>\n<p>Bewiesen hat das Angela Matthes in ihrem Leben nun mehrfach \u2013 ob mit ihrer Transition und ihrem Umgang damit oder mit ihrem beeindruckenden Werdegang: Neben ihrer T\u00e4tigkeit als CEO war sie 2019 gleich zweimal beim Forbes Women\u2019s Summit als Rednerin zu Gast \u2013 einmal in Wien, einmal in Z\u00fcrich. Nach 2018 und 2019 hat sie das Magazin Women in Business zum dritten Mal in Folge in die Top 100 Frauen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und digitaler Welt gew\u00e4hlt.<br \/>\n\u00abIch habe zwar schon viel erreicht. Das heisst aber nicht, dass ich mich auf den Lorbeeren ausruhe.\u00bb Denn Angela Matthes verl\u00e4sst demn\u00e4chst wieder ihre Komfortzone: \u00abNach 37 Jahren endet dieses Jahr mein Engagement bei der Baloise.\u00bb Wohin es sie zieht, erfahre ich nicht: \u00abIch habe da die eine oder andere Idee.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(MANNSCHAFT+) Donnerstags bis sonntags konnte sie sein, wer sie ist. Doch am Sonntagabend kam ihre \u00abPumpkin Time\u00bb, dann musste sich Angela Matthes zur\u00fcckverwandeln. Das war vor ihrer Transition. Heute lebt sie gl\u00fccklich als Frau. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/angela-matthes-jeden-sonntag-musste-ich-mich-zurueckverwandeln\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":93106,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4371],"tags":[5431,5442,1698,5545],"wps_subtitle":"Angela Matthes ist CEO des Versicherungskonzerns Baloise Life AG \u2013 und trans","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93103"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/30"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93103"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93103\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":183712,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93103\/revisions\/183712"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/93106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93103"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93103"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93103"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}