{"id":93042,"date":"2020-10-03T07:48:59","date_gmt":"2020-10-03T05:48:59","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=93042"},"modified":"2020-10-05T09:57:38","modified_gmt":"2020-10-05T07:57:38","slug":"star-trek-der-neue-queere-blick-in-die-sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/star-trek-der-neue-queere-blick-in-die-sterne\/","title":{"rendered":"\u00abStar Trek: Discovery\u00bb \u2013 Der neue queere Blick in die Sterne"},"content":{"rendered":"<h3>Seit er ein Kind ist, liebt unser Autor \u00abStar Trek\u00bb. Die Serie war das Versprechen, dass eine bessere Welt m\u00f6glich und machbar war. Doch blieb die Queerness leider auf der Strecke. Nun bietet die 3. Staffel von \u00abStar Trek: Discovery\u00bb sowohl eine trans Figur als auch eine nicht-bin\u00e4re Rolle auf. Das freut unseren Samstagskommentator* \u2013 f\u00fcr sich selbst, aber vor allem f\u00fcr die neue Generation junger Queers.<\/h3>\n<p>Was waren die Hoffnungen 2017 gross, dass auch wir Queers mit \u00abStar Trek: Discovery\u00bb endlich unsere Portion Sternensahnetorte abbekommen! Die Captain der U.S.S. Discovery sollte eine weibliche Asiatin sein \u2013 die um keinen ultral\u00e4ssigen Spruch verlegene Philippa Georgiou, gespielt von der James-Bond-erprobten Michelle Yoeh. Aber die eigentliche Hauptfigur: eine schwarze Frau mit dem klassischerweise m\u00e4nnlichen Vornamen Michael. Also r\u00e4tselten queere Trekkies vor dem Serienstart von \u00abDiscovery\u00bb: Wird Michael Burnam etwa trans sein? Soweit wir nach zwei Staffeln wissen: leider nein. Sie heisst einfach Michael. Auch cool. Stattdessen bekamen wir Queers zwei schwule Hauptfiguren, die sogar ein Paar sind: Chef-Ingenieur Paul Stamets (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2017\/10\/30\/kevin-spacey-coming-out-bei-twitter\/\">Anthony Rapp<\/a>) und Chef-Arzt Hugh Culber (Wilson Cruz).<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"9Sa1uuvvGu\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/10\/02\/diese-lgbtiq-filme-kommen-ins-schweizer-privatfernsehen\/\">Diese LGBTIQ-Filme kommen ins Schweizer Privatfernsehen<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Diese LGBTIQ-Filme kommen ins Schweizer Privatfernsehen&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/10\/02\/diese-lgbtiq-filme-kommen-ins-schweizer-privatfernsehen\/embed\/#?secret=9Sa1uuvvGu\" data-secret=\"9Sa1uuvvGu\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Leider bin ich mit den beiden nie so richtig (kein Wortspiel!) warm geworden \u2013 was wohl vor allem daran lag, dass die erste Staffel \u00fcbertrieben rasant geschnitten war und kaum Zeit f\u00fcr liebevolle Charaktermomente liess. S\u00e4mtliche Figuren schienen eher Plot-Erf\u00fcllungsgehilf*innen zu sein. Die zweite Staffel hat da zum Gl\u00fcck vom Tempo her etwas runtergechillt, auch zugunsten von mehr emotionaler Dynamik zwischen den Charakteren. Paul und Hugh hatten sogar richtig dramatische Szenen, in Todesangst. Viel Pers\u00f6nliches hat man \u00fcber sie trotzdem nicht erfahren, ausser dass sie beide die Oper lieben. Wie originell!<\/p>\n<p>Nun mit der dritten Staffel der CBS-Serie \u00abStar Trek: Discovery\u00bb, die in Europa am 16. Oktober bei Netflix startet, k\u00f6nnte aber alles besser werden: Wie CBS im September verlauten liess, kriegen wir in der dritten Staffel einen jungen trans Mann namens Gray, gespielt, exakt, von einem trans Mann: Ian Alexander, 19, manchen bekannt aus der Mystery-Drama-Serie \u00abThe OA\u00bb. Gray geh\u00f6rt der Spezies der Trill an, die in \u00abStar Trek\u00bb seit jeher queeres Potential geboten h\u00e4tte, das aber nur in zwei Folgen bisher richtig genutzt wurde.<\/p>\n<p>Die Trill bestehen n\u00e4mlich aus einem Wirtsk\u00f6rper und einem so genannten Symbionten, einer Art Wurm (wenn man so will), mit der der \u00e4ussere, in etwa menschlich aussehende K\u00f6rper, in Symbiose lebt. Da der Symbiont in der Regel viel \u00e4lter wird als der Wirt wird, lebt der Symbiont im Laufe seines Lebens in verschiedenen Wirtsk\u00f6rpern, die verschiedenen Geschlechts sein k\u00f6nnen \u2013 was dazu f\u00fchrt, dass Trill, als symbiotisches Wesen gedacht, weder vollst\u00e4ndig m\u00e4nnlich noch weiblich sind, sondern jeweils auch Erinnerungen an ihr fr\u00fcheres Leben im anderen Geschlecht haben.<\/p>\n<p>Dieses queere Potential wurde aber in den vielen hunderten bisherigen \u00abStar Trek\u00bb-Folgen nie auch nur ansatzweise angemessen ausgesch\u00f6pft: Es gab bloss zwei Folgen (1991 in \u00abStar Trek: The Next Generation\u00bb, Staffel 4, Folge 23: \u00abThe Host\u00bb &#8211; und 1995 in \u00abStar Trek: Deep Space Nine\u00bb, Staffel 4, Folge 5 \u00abRejoined\u00bb), in denen letztlich aber eigentlich sch\u00f6ne Lieben daran scheiterten, dass ein Nicht-Trill nicht mit dem scheinbaren Geschlechtswechsel des Trills klarkam. Wie ern\u00fcchternd f\u00fcr eine Serie, die ansonsten so viel Mut macht!<\/p>\n<p>Nun also: auf ein besseres in \u00abStar Trek: Discovery\u00bb! Dass man die Rolle des Gray auch mit einem trans Mann besetzt hat, ist ja schon mal erfreulich und l\u00e4sst wirklich hoffen. Aber damit noch nicht genug: Zudem wird es eine junge nicht-bin\u00e4re Figur geben: Adira, gespielt von Blu del Barrio, Anfang 20. Del Barrio identifiziert sich ebenfalls als nicht-bin\u00e4r, also weder weiblich noch m\u00e4nnlich. Und es heisst, Adira w\u00fcrde Freundschaft schliessen mit dem schwulen Paar aus \u00abStar Trek: Discovery\u00bb.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"mP17tRR8A9\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/25\/lgbtiq-news-deck-dich-mit-der-neuen-mannschaft-ein\/\">Happy Herbst! Deck dich mit der neuen MANNSCHAFT ein<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Happy Herbst! Deck dich mit der neuen MANNSCHAFT ein&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/25\/lgbtiq-news-deck-dich-mit-der-neuen-mannschaft-ein\/embed\/#?secret=mP17tRR8A9\" data-secret=\"mP17tRR8A9\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die Chancen stehen also gut f\u00fcr Community-Spirit und daf\u00fcr, dass wir auch \u00fcber die Querness von Paul und Hugh mehr erfahren ausser dass sie gerne in die Oper gehen. Die Ausgangslage ist perfekt. Nun muss das \u00abDiscovery\u00bb-Team nur noch das Erz\u00e4hltempo drosseln, um einen nicht st\u00e4ndig mit Action zuzuballern, sondern auch mal Zeit f\u00fcr sensible Szenen zuzulassen \u2013 wie das bei <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/07\/04\/sommer-in-hawkins-start-der-3-staffel-stranger-things\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abStranger Things\u00bb<\/a> in dieser Mixtur ja auch prima klappte. Und fr\u00fcher auch bei \u00abStar Trek\u00bb.<\/p>\n<p>\u00abWir sind alle in der Gosse\u00bb, heisst es beim Bonmot-Meister Oscar Wilde in \u00abLord Darlington\u00bb. Und dann der Twist, sonst w\u00e4re es ja nicht Wilde: \u00abDoch manche von uns\u00bb, so heisst es also weiter bei Wilde, \u00abschauen zu den Sternen\u00bb. Yes! Manche von uns schauen \u00abStar Trek\u00bb. Ziemlich viele sogar. Jemand hat mal gesagt, das Internet basiere massgeblich auf Pornographie und auf \u201eStar Trek\u00bb. Ausnahmsweise mal nicht Wilde, aber ist trotzdem wahr. Wer\u2019s nicht glaubt, darf probegoogeln. Jedenfalls: Wann immer mir die Decke auf den Kopf fiel, hab ich zu den Sternen geschaut; mit dem Teleskop raus aus der rheinhessischen Provinz zu Saturns Ringen und den Jupiter-Monden. So sehen viele meiner N\u00e4chte in der dritten, vierten Klasse aus.<\/p>\n<p>Und dann in der f\u00fcnften Klasse: \u00abStar Trek: Das n\u00e4chste Jahrhundert\u00bb. Captain Picard und Data! Das war irgendwie noch aufregender als Sternefunkeln. Eine Crew von verschiedenen Kontinenten, ach was, verschiedenen Planeten gar. Diverse Hautfarben. Der Ingenieur war blindgeboren. Viele w\u00e4ren in unserer realen Gegenwart Outsider. Doch \u00abStar Trek\u00bb, das war und ist eine Welt ohne Geld, ohne Gier, ohne Hunger. \u00abStar Trek\u00bb war, bei allem Entertainment, allen Sternenabenteuern, war immer auch das Versprechen, dass eine bessere Welt m\u00f6glich und machbar ist. Doch w\u00e4hrend die Serie Pionierarbeit in Sachen Anti-Rassismus und auch Feminismus geleistet hat, blieb die Queerness leider auf der Strecke.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"RnG5IxeUQx\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/28\/beinahe-waere-eine-hauptfigur-in-friends-schwul-gewesen\/\">Beinahe w\u00e4re eine Hauptfigur in \u00abFriends\u00bb schwul gewesen<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Beinahe w\u00e4re eine Hauptfigur in \u00abFriends\u00bb schwul gewesen&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/28\/beinahe-waere-eine-hauptfigur-in-friends-schwul-gewesen\/embed\/#?secret=RnG5IxeUQx\" data-secret=\"RnG5IxeUQx\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Martin Luther King war ein grosser Fan der Original-\u00abStar Trek\u00bb-Serie (1966-1969), die mitten im Kalten Krieg eine (nebenbei bemerkt: kommunistische) Zukunft gezeigt hat, mit einer schwarzen Frau auf der Br\u00fccke: Lieutenant Uhura. Und auch die Hauptfiguren der Nachfolgeserien waren starke Statements: \u00abStar Trek: Deep Space Nine\u00bb zeigte 1993 den schwarzen Raumstation-Commander Sisko, bevor die USA einen schwarzen Pr\u00e4sidenten hatten. Und \u00abStar Trek: Voyager\u00bb zeigte 1995 die weibliche Captain Janeway, bevor in Deutschland eine Frau zur Bundeskanzlerin gew\u00e4hlt wurde. \u00abStar Trek\u00bb hat sich oft was getraut, aber in Sachen Queerness leider lange nicht. Warum eigentlich nicht? Bei aller Utopie hab ich das als schwuler Teenager in der Provinz das Queere schmerzlich vermisst.<\/p>\n<p>Meine Hoffnungen sind nunmehr sind gross. Das \u00abDiscovery\u00bb-Team schielt mit den jungen nicht-konformen Charakteren sicher auch darauf, ein ebensolches Publikum vor den Screen zu locken. Das ist aber auch nicht verwerflich. Sollen sie machen! Dass sie gleich zwei junge Queers in die Serie einbringen und sie mit queeren Schauspieler*innen besetzen, deutet n\u00e4mlich darauf hin, dass sie es ernst meinen \u2013 und hier nicht einfach marketingstaugliche Tokens installieren. Das wirkt entschlossener als die sekundenkurze Szene im Kinofilm \u00abStar Trek: Beyond\u00bb, die Lieutenant Sulu mit Mann und Tochter an seiner Seite zeigte \u2013 aber so kurz, dass es auch jede*r easy \u00fcbersehen konnte. Und auch entschlossener als die angedeutete lesbische Liebschaft zwischen Raffi Musiker und Seven of Nine k\u00fcrzlich in der ersten Staffel von \u00abStar Trek: Picard\u00bb, die sehr unvermittelt gegen Serienende hin aus dem Nichts auftauchte.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass eine next Generation junger Queers bei \u00abDiscovery\u00bb Gray und Adira sehen. Und dass ihnen, selbst wenn sie sich derweil in der Gosse f\u00fchlen, ihnen dieser Blick hinaus zu den Sternen Hoffnung gibt. Daf\u00fcr war \u00abStar Trek\u00bb doch immer auch da. Bloss wurden wir Queers viel zu lange ausgeklammert.<\/p>\n<p><em>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit er ein Kind ist, liebt unser Autor \u00abStar Trek\u00bb. Die Serie war das Versprechen, dass eine bessere Welt m\u00f6glich war. Doch blieb die Queerness auf der Strecke. 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