{"id":93005,"date":"2020-10-01T13:18:16","date_gmt":"2020-10-01T11:18:16","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=93005"},"modified":"2020-10-03T09:50:07","modified_gmt":"2020-10-03T07:50:07","slug":"zuerich-ehrt-ottilie-w-roederstein-mit-retrospektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/zuerich-ehrt-ottilie-w-roederstein-mit-retrospektive\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrich ehrt Ottilie W. Roederstein mit Retrospektive"},"content":{"rendered":"<h3>Ottilie W. Roederstein war eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Generation und wichtigste Schweizer Portr\u00e4tistin der fr\u00fchen Moderne. Das Kunsthaus Z\u00fcrich widmet der lesbischen K\u00fcnstlerin und Frauenrechterin eine Ausstellung.<\/h3>\n<p>Ottilie W. Roederstein (1859-1937) und ihre Freundin Elisabeth Winterhalter haben sich ihre Ausbildung und Berufst\u00e4tigkeit einst z\u00e4h erstritten. In Frankfurt\/Main waren sie bestens integriert in die f\u00fchrenden Kreise der B\u00fcrgergesellschaft. Ihre lesbische Partnerschaft tat dem keinen Abbruch. Die Stadt zeigte sich liberal, wie in der Brosch\u00fcre \u00abOttilie W. Roederstein und Elisabeth Winterhalter \u2013 Die Frankfurter Jahre 1891\u20131909\u00bb nachzulesen ist. In Hofheim, wo die Frauen sp\u00e4ter wohnten, wurde Roederstein mit der Ehrenb\u00fcrgerschaft ausgezeichnet \u2013 als erste Frau.<\/p>\n<figure id=\"attachment_93009\" aria-describedby=\"caption-attachment-93009\" style=\"width: 2146px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-scaled.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-93009\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 2146 2560'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2146\" height=\"2560\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-scaled.jpg 2146w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-251x300.jpg 251w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-425x507.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-768x916.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-1288x1536.jpg 1288w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-1717x2048.jpg 1717w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-561x669.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-1122x1338.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-364x434.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-728x868.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-608x725.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-758x904.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-1152x1374.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-40x48.jpg 40w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-80x96.jpg 80w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-313x373.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/1179d0d8-89de-44c3-ab3f-b56583abd1a6-400x477.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 2146px) 100vw, 2146px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-93009\" class=\"wp-caption-text\">Roederstein, O. W. , Selbstbildnis mit verschr\u00e4nkten Armen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ottilie Wilhelmine Roederstein (1859\u20131937) war zu ihren Lebzeiten die wichtigste Schweizer Malerin. Nicht nur in ihrem Heimatland, auch in Deutschland und Frankreich fand sie grosse Anerkennung f\u00fcr ihre Portr\u00e4ts und Stillleben und stellte ab 1883 ihre Gem\u00e4lde erfolgreich in Paris, London, Frankfurt am Main und Chicago aus. Als einzige K\u00fcnstlerin vertrat sie 1912 die Schweiz bei der epochalen \u00abInternationalen Kunstausstellung des Sonderbundes\u00bb in K\u00f6ln \u2013 neben m\u00e4nn\u00adlichen Kollegen wie Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti und Cuno Amiet.<\/p>\n<p>Trotz ihrer einst internationalen Wertsch\u00e4tzung ist Roederstein fast unmittelbar nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten. Nach \u00fcber 80 Jahren ist die Ausstellung im Kunsthaus Z\u00fcrich mit rund 70 Werken die erste monografische Werkschau in der Schweiz, die das stilistisch vielf\u00e4ltige \u0152uvre der K\u00fcnstlerin wieder einem breiten Publikum zug\u00e4nglich macht.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"dro7EBwyx6\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/25\/lgbtiq-news-deck-dich-mit-der-neuen-mannschaft-ein\/\">Happy Herbst! Deck dich mit der neuen MANNSCHAFT ein<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Happy Herbst! Deck dich mit der neuen MANNSCHAFT ein&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/25\/lgbtiq-news-deck-dich-mit-der-neuen-mannschaft-ein\/embed\/#?secret=dro7EBwyx6\" data-secret=\"dro7EBwyx6\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Roederstein, die mit dem K\u00fcrzel OWR signierte, arbeitete gezielt f\u00fcr den Kunstmarkt, um sich ihren Lebensunterhalt als freischaffende K\u00fcnstlerin zu verdienen. Sie hielt sich an die f\u00fcr K\u00fcnstlerinnen vorgesehenen Konventionen. Dies zeigt sich zu Beginn ihrer Karriere durch den Einsatz einer dunkeltonigen Farbpalette sowie durch die Wahl ihrer Bildsujets, den Portr\u00e4ts und Stillleben.<\/p>\n<p>Trotzdem \u00fcberschritt Roederstein bereits fr\u00fch das f\u00fcr malende Frauen vor\u00adgesehene Terrain, indem sie sich auch an religi\u00f6se Bilder und Akte heranwagte. Angeregt durch die Auseinandersetzung mit Werken der italienischen und deutschen Renaissance, begann sie um 1893 mit der Temperamalerei. Diese im ausgehenden 19. Jahrhundert europaweit wiederbelebte Technik galt als tradi\u00adtionsverbunden und avantgardistisch zugleich. In ihrem reiferen Werk \u00f6ffnete Roederstein sich zunehmend anderen Str\u00f6mungen und nahm sowohl impressio\u00adnistische wie auch symbolistische Elemente auf.<\/p>\n<p>In den 1920er-Jahren fand sie zu der ihr eigenen sachlich-n\u00fcchternen Bildsprache. Eine grosse Rolle in ihrem Werk spielen ihre zahlreichen Selbstportr\u00e4ts<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"vulE8liyWG\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/30\/faszination-maennerkoerper-ganz-nah-dran-mit-florian-hetz\/\">Faszination M\u00e4nnerk\u00f6rper \u2013 ganz nah dran, mit Florian Hetz<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Faszination M\u00e4nnerk\u00f6rper \u2013 ganz nah dran, mit Florian Hetz&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/09\/30\/faszination-maennerkoerper-ganz-nah-dran-mit-florian-hetz\/embed\/#?secret=vulE8liyWG\" data-secret=\"vulE8liyWG\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Die von Kuratorin Sandra Gianfreda mit einer repr\u00e4sentativen Auswahl von Gem\u00e4lden und Zeichnungen konzipierte Ausstellung folgt chronologisch Roedersteins wichtigsten Lebensstationen \u2013 Z\u00fcrich, Paris, Frankfurt am Main und Hofheim am Taunus. Die Schau wird durch bisher unver\u00f6ffentlichtes Foto- und Archivmaterial bereichert. Das Kunsthaus, welches bereits in den 1890er-Jahren Werke der K\u00fcnstlerin erwarb und diese bis 1934 in 15 Einzel- und Gruppenausstellungen zeigte, ist mit rund einem Dutzend Werke aus eigenem Bestand vertreten.<\/p>\n<p>Mit Ottilie W. Roederstein widmet sich das Kunsthaus Z\u00fcrich einer K\u00fcnstlerin, die eng mit ihm verbunden war. In Z\u00fcrich von deutschen Eltern geboren, lebte sie nach Ausbildungsstationen in ihrer Heimatstadt, in Berlin und Paris und ab 1891 in Frankfurt am Main. 1909 liess sie sich gemeinsam mit ihrer Lebensgef\u00e4hrtin Elisabeth H. Winterhalter, Gyn\u00e4kologin und die erste deutsche Chirurgin, im l\u00e4ndlichen Hofheim am Taunus nieder. Roederstein und Winterhalter unter\u00adst\u00fctzten sich gegenseitig. Sie stiessen in traditionell M\u00e4nnern vorbehaltene Disziplinen vor und machten in Kunst und Medizin Karriere.<\/p>\n<p>Sowohl in Deutsch\u00adland als auch in der Schweiz wurde Roederstein eine feste Gr\u00f6sse im Kultur\u00adbetrieb. Die vielbesch\u00e4ftigte Portr\u00e4tmalerin f\u00f6rderte durch Ank\u00e4ufe f\u00fcr ihre eigene Sammlung andere Kunstschaffende, unterst\u00fctzte Ausstellungen mo\u00adderner franz\u00f6sischer und Schweizer Kunst und setzte sich f\u00fcr deren Verbreitung in Deutschland und der Schweiz ein. Dem Kunsthaus stiftete sie 1920 Werke aus ihrer Sammlung moderner franz\u00f6sischer und Schweizer Kunst und legte damit den Grundstock f\u00fcr eine Abteilung zeitgen\u00f6ssischer Malerei aus Frankreich.<\/p>\n<p>In Erinnerung an Roedersteins k\u00fcnstlerisches Verm\u00e4chtnis und an ihr uner\u00adm\u00fcdliches Engagement als Mittlerin zwischen der Schweiz und Deutschland wurden ihr 1938 in Frankfurt, Z\u00fcrich und Bern Gedenkausstellungen aus\u00adgerichtet. Durch die Z\u00e4sur des Zweiten Weltkriegs und die allgemeine Fokus\u00adsierung des Kunstbetriebs auf abstrakte Malerei geriet Roedersteins Werk jedoch in Vergessenheit.<\/p>\n<p>Nun ist ihr vielf\u00e4ltiges Werk in einer \u00dcberblicksausstellung in der Schweiz wiederzuentdecken. Die Retrospektive im Kunsthaus Z\u00fcrich w\u00fcrdigt Roedersteins beeindruckende Karriere und verortet sie im Kontext ihrer Zeit. Ihre Wiederentdeckung f\u00e4llt zusammen mit der neuerlichen Erschliessung ihres Nachlasses. Zu den nun belegten Erkenntnissen geh\u00f6rt, dass Ottilie W. Roederstein nicht nur als Malerin, sondern auch als F\u00f6rderin der Frauenbildung in Erscheinung getreten ist und als Protagonistin in einem weit verzweigten Netzwerk von freigeistigen Kunstschaffenden und Intellektuellen.<\/p>\n<p>Roederstein, die die Schweiz im Ausland oft als einzige Frau neben Hodler, Amiet und Giacometti vertrat, wird vom 18. Dezember bis 5. April 2021 im <a href=\"https:\/\/www.kunsthaus.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kunsthaus Z\u00fcrich<\/a> mit einer Retrospektive geehrt. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem St\u00e4del Museum, Frankfurt am Main.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ottilie W. Roederstein war eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Generation und gilt als wichtigste Schweizer Portr\u00e4tistin der fr\u00fchen Moderne. 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