{"id":88888,"date":"2020-08-14T08:57:56","date_gmt":"2020-08-14T06:57:56","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=88888"},"modified":"2020-08-14T09:17:16","modified_gmt":"2020-08-14T07:17:16","slug":"sex-im-gefaengnis-unverdienter-luxus-oder-menschenrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/sex-im-gefaengnis-unverdienter-luxus-oder-menschenrecht\/","title":{"rendered":"Sex im Gef\u00e4ngnis: Menschenrecht oder unverdienter Luxus?"},"content":{"rendered":"<h3>In vielen Gef\u00e4ngnissen sind sexuelle Kontakte zwischen H\u00e4ftlingen untersagt und werden mit Disziplinar- oder Therapiemassnahmen geahndet. Ein solches Verbot ist aber f\u00fcr die Resozialisierung hinderlich, argumentieren ein Experte und eine Selbsthilfeorganisation f\u00fcr Strafgefangene.<\/h3>\n<p>Zum ersten Mal Sex mit einem anderen Mann hatte Stefan im Gef\u00e4ngnis. Die beiden arbeiteten alleine in einem Zimmer \u2013 der Zufall wollte es, dass sie Kondome f\u00fcr die Schweizer Aids-Hilfe einpacken mussten \u2013, als sich ihre H\u00e4nde zuf\u00e4llig streiften. \u00abMan sp\u00fcrte f\u00f6rmlich die Elektrizit\u00e4t in der Luft\u00bb, erinnert sich Stefan heute. Die beiden fielen \u00fcbereinander her. F\u00fcr Stefan war die Erfahrung eine Erl\u00f6sung, endlich wusste er mit Sicherheit, dass er schwul war.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"rQczVxPHhh\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/07\/01\/lgbtiq-news-mit-der-mannschaft-durch-den-sommer\/\">Mit der neuen MANNSCHAFT durch den Sommer<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Mit der neuen MANNSCHAFT durch den Sommer&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/07\/01\/lgbtiq-news-mit-der-mannschaft-durch-den-sommer\/embed\/#?secret=rQczVxPHhh\" data-secret=\"rQczVxPHhh\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>F\u00fcr den anderen, einen Heterosexuellen, war der Zwischenfall eine willkommene Abwechslung in einer Anstalt, die die Sexualit\u00e4t ihrer H\u00e4ftlinge auf ein absolutes Minimum reduziert. Der Mann war so begeistert, dass er einem Mitinsassen davon erz\u00e4hlte. Dieser forderte Stefan bald darauf zum Oralsex auf. Als er sich weigerte, f\u00fchlte sich das Gegen\u00fcber gekr\u00e4nkt. Die Aff\u00e4re kam ans Licht und die Anstalt belegte Stefan mit einer Disziplinarmassnahme. W\u00e4hrend drei Monaten wurde er von seinen Mitinsassen und s\u00e4mtlichen gemeinschaftlichen Aktivit\u00e4ten isoliert. Sexuelle Kontakte unter H\u00e4ftlingen sind im Massnahmenzentrum Bitzi in der Ostschweiz n\u00e4mlich verboten.<\/p>\n<p>In der Gruppentherapie arbeitete Stefan seine Vergangenheit auf und suchte nach Antworten. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in einem Heim, in dem es keinen Platz gab f\u00fcr Sexualit\u00e4t, schon gar nicht f\u00fcr gleichgeschlechtliche Liebe. Das gelegentliche Rummachen mit einem Gleichaltrigen hielt er unter Verschluss, homosexuelle Neigungen wurden missbilligt und entsprechend unterdr\u00fcckt. Er absolvierte eine Ausbildung, heiratete eine Frau und zeugte mit ihr einen Sohn. Doch irgendetwas stimmte immer noch nicht.<\/p>\n<p>Stefan h\u00f6rte von einer Autobahnrastst\u00e4tte, an der sich M\u00e4nner zum Cruisen trafen. Immer wieder fuhr er dorthin, traute sich aber nie, auszusteigen. Er f\u00fchlte sich in einer emotionalen Sackgasse und fiel in eine Zeit zur\u00fcck, in der er sich wenigstens ann\u00e4hernd gl\u00fccklich f\u00fchlte: die Jugend im Heim.<\/p>\n<p>An Stefans Straftat gibt es nichts sch\u00f6nzureden. Er wurde erwischt, als er sich an seinem knapp siebenj\u00e4hrigen Sohn verging. 2009 trat der damals 37-j\u00e4hrige Schweizer noch vor seiner Verurteilung freiwillig den vorzeitigen Massnahmenvollzug im Massnahmenzentrum Bitzi an.<\/p>\n<blockquote><p>Im Bericht stand, dass man die anderen Insassen vor mir sch\u00fctzen m\u00fcsse.<\/p><\/blockquote>\n<p>Stefan wurde nach acht Jahren Freiheitsentzug im November 2017 aus der Haft entlassen. Sein Name ist aus Gr\u00fcnden des Pers\u00f6nlichkeitsschutzes frei erfunden, sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt. \u00abEs war der gr\u00f6sste Fehler meines Lebens\u00bb, sagt er im Gespr\u00e4ch mit der MANNSCHAFT. \u00abWar ich wahnsinnig? Wie konnte ich so etwas nur tun?\u00bb<\/p>\n<p><strong>Die Selbstkastration als einziger Ausweg<\/strong><br \/>\nStefan wurde bei seinem Eintritt ins Massnahmenzentrum klar, dass er in seiner sexuellen Entwicklung stehen geblieben war. Er sch\u00e4mte sich so sehr f\u00fcr seine Tat, dass er mit sich selber nicht mehr leben konnte. \u00abIch hatte so viel Schaden angerichtet, ich musste einfach wissen, welche Gef\u00fchle ich \u00fcber die Jahre hinweg unterdr\u00fcckt hatte und ob ich wieder auf den richtigen Weg finden w\u00fcrde\u00bb, sagt er. Als er schliesslich mit dem anderen Mann alleine im Zimmer war, nahm er seinen ganzen Mut zusammen und machte den ersten Schritt.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"UquBht4AjH\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/14\/mein-erstes-mal-camsex-9-erkenntnisse\/\">9 Erkenntnisse vom ersten Mal Camsex<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;9 Erkenntnisse vom ersten Mal Camsex&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/14\/mein-erstes-mal-camsex-9-erkenntnisse\/embed\/#?secret=UquBht4AjH\" data-secret=\"UquBht4AjH\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Stefan wurde nicht mit einer Geldbusse bestraft, sondern mit einem Entzug. W\u00e4hrend drei Monaten hatte er keinen Kontakt zu den anderen H\u00e4ftlingen, selbst die Mahlzeiten muss er alleine einnehmen. F\u00fcr Stefan kam die Entfernung aus der Gruppe und die Unterbringung in einem kargen Zimmer mit minimalem Kontakt zum Personal einer Isolationshaft gleich.<\/p>\n<p>\u00abIm Bericht stand, dass man die anderen Insassen vor mir sch\u00fctzen m\u00fcsse. Dass ich den Sex provoziert h\u00e4tte\u00bb, sagt Stefan. Er beteuert, niemals etwas getan zu haben, wenn es der andere nicht gewollt h\u00e4tte. \u00abDen Entzug erlebte ich als psychische Gewalt. Die Leitung h\u00e4tte den Vorfall anders angehen sollen. Mir ist es wie eine Teufelsaustreibung vorgekommen.\u00bb<\/p>\n<p>In den drei Monaten plagten Stefan weiterhin Unsicherheit, Scham und Schuldgef\u00fchle. Er knickte ein, verzweifelte, weil er glaubte, sein sexuelles Begehren nach M\u00e4nnern sei falsch. Vom Personal, dem einzigen Menschenkontakt, den er in dieser Zeit hatte, kassierte er eine R\u00fcge. Er sei nicht freundlich zu ihnen. Die Therapie bezeichnet Stefan als Zumutung, immer wieder sei er abgekanzelt worden, die Sexualit\u00e4t habe man aus dem Spiel gelassen. Einzig die Gruppentherapie, die er gemeinsam mit den anderen Insassen besucht hatte, sei \u00abf\u00fcr etwas\u00bb gewesen. Im Entzug blieb ihm dieser Zugang jedoch verwehrt.<\/p>\n<p>Aus Hoffnungslosigkeit versuchte sich Stefan eines Nachts die Hoden abzubinden. Mit einer Kastration k\u00f6nne er nichts Verbotenes mehr tun, so seine \u00dcberlegung. \u00abDie ganze Nacht stand ich h\u00f6llische Schmerzen aus\u00bb, erinnert er sich. Am Morgen rief er nach einem Arzt, damit man ihm die Hoden entferne. Doch diese waren noch intakt, Stefans Plan war gescheitert.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"ivkqqftumQ\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/01\/02\/im-knast-die-liebe-gefunden\/\">Im Knast die Liebe gefunden<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Im Knast die Liebe gefunden&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/01\/02\/im-knast-die-liebe-gefunden\/embed\/#?secret=ivkqqftumQ\" data-secret=\"ivkqqftumQ\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Eine gesunde Sexualit\u00e4t als Teil der Resozialisierung<\/strong><br \/>\nStefans Geschichte ist kein Einzelfall. Im Herbst 2017 wurden im Massnahmenzentrum Bitzi zwei H\u00e4ftlinge beim Sex erwischt und je mit einer Busse von 100 Franken (86 Euro) belegt. Der Betrag mag gering klingen, in Anbetracht der monatlichen Zulage von wenigen hundert Franken ist er f\u00fcr einen Strafgefangenen allerdings nicht so einfach wegzustecken. Bei den Insassen handelt es sich um p\u00e4dosexuelle Straft\u00e4ter, die aufgrund von sexuellen Handlungen mit vorpubertierenden Kindern eine mehrj\u00e4hrige Haftstrafe absitzen.<\/p>\n<p>Die H\u00e4ftlinge wandten sich an Peter Zimmermann, Sprecher von <a href=\"http:\/\/reform91.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Reform 91<\/a>, einer Selbsthilfeorganisation f\u00fcr Strafgefangene und Ausgegrenzte. Dieser kann das geltende Verbot in der Anstalt nicht nachvollziehen, findet, es stehe gar im Widerspruch zum gesetzlich verankerten Auftrag, wonach ein Freiheitsentzug Strafgefangene auf ein straffreies Leben in der Gesellschaft vorbereiten soll. Im Schweizer Strafgesetzbuch ist an keiner Stelle ein Verbot von sexuellen Handlungen unter Insassen zu finden. Dieses wird meist in der Hausordnung von der Anstalt festgelegt.<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss Zimmermann ist es sogar zu begr\u00fcssen, wenn zwei p\u00e4dosexuelle M\u00e4nner ihr sexuelles Begehren auf Erwachsene ausrichten und so ein gesundes Sexualverhalten entwickeln k\u00f6nnen. \u00abMit ihrer sexuellen Beziehung haben sich die beiden Insassen in der Legalit\u00e4t bewegt\u00bb, sagt er im Gespr\u00e4ch mit MANNSCHAFT. \u00abWir von Reform 91 behaupten, dass diese Entwicklung vom therapeutischen Aspekt her ein Erfolg ist und die beiden M\u00e4nner ein St\u00fcck n\u00e4her an die Resozialisierung bringt. Stattdessen wird ihnen fehlerhaftes Verhalten attestiert und eine Busse angeh\u00e4ngt.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abHomosexualit\u00e4t wird in jedem Knast praktiziert.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Sexverbot als Form \u00abweisser Folter\u00bb<\/strong><br \/>\nMit seinem Verbot von sexuellen Kontakten steht das Massnahmenzentrum Bitzi nicht alleine da. Sex unter Gefangenen ist in vielen Anstalten sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz nicht erlaubt. Mit welcher Gr\u00fcndlichkeit dieses Verbot umgesetzt wird, ist nat\u00fcrlich eine andere Frage. \u00abEinige Anstalten schauen bei homosexuellen Aktivit\u00e4ten in die andere Richtung, andere nicht\u00bb, sagt Zimmermann. \u00abHomosexualit\u00e4t wird in jedem Knast praktiziert. Genauso, wie es in jeder Anstalt Drogen gibt. Wer das abstreitet, verschliesst sich vor der Realit\u00e4t.\u00bb<\/p>\n<p>Die Unterbindung jeglicher Form von Sexualit\u00e4t sei nicht nur kontraproduktiv im Resozialisierungs\u00adprozess, sondern auch ein Beispiel \u00abweisser Folter\u00bb, so Zimmermann. Unter dem Begriff sind Methoden zu verstehen, die im Gegensatz zu physischer Folter keine sichtbaren Verletzungen zuf\u00fcgen, den Menschen aber psychisch schwer belasten und sch\u00e4digen k\u00f6nnen. Die Unterbindung von Sexualit\u00e4t kann sich nicht nur negativ auf Resozialisierungsmassnahmen auswirken, sondern auch einen massgebenden Einfluss auf das Klima in der Haft haben. H\u00e4tten H\u00e4ftlinge etwa beim Besuch des Partners oder der Partnerin die M\u00f6glichkeit, Sex zu haben, dann gebe es im Gef\u00e4ngnis weniger Gewalt, behauptete 2017 der verurteilte M\u00f6rder Stuart Horner vor dem Staatsgericht in Manchester.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"uV0AzxKrVX\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/11\/23\/homosexualitaet-schwule-liebe-ist-gar-nicht-so-einfach-zu-erklaeren\/\">Schwule Liebe ist gar nicht so einfach zu erkl\u00e4ren<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Schwule Liebe ist gar nicht so einfach zu erkl\u00e4ren&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/11\/23\/homosexualitaet-schwule-liebe-ist-gar-nicht-so-einfach-zu-erklaeren\/embed\/#?secret=uV0AzxKrVX\" data-secret=\"uV0AzxKrVX\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Sexverbot gibt es beispielsweise in der Justizvollzugsanstalt Freiburg nicht: Ein schwuler H\u00e4ftling war dort sogar auf demselben Flur wie sein Verlobter untergebracht, gegenseitige Besuche auf der Zelle waren erlaubt. Der Fall wurde im Sommer 2015 bekannt, als russlanddeutsche H\u00e4ftlinge in einen Hungerstreik traten, weil einer der beiden M\u00e4nner als Koch eingesetzt war.<\/p>\n<p><strong>Verbot soll Ausbeutung verhindern<\/strong><br \/>\nBei seiner Forderung, sexuelle Kontakte unter H\u00e4ftlingen zu erlauben, erh\u00e4lt Peter Zimmermann R\u00fcckendeckung eines Experten. Andrea Baechtold, Berner Strafrechtsprofessor und ehemaliger Leiter des Straf- und Massnahmenvollzugs des Bundes, thematisierte bereits 2010 das Recht von Strafgefangenen auf Sex, wozu auch das Ausleben gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im Strafvollzug geh\u00f6re. \u00abWenn der Alltag in den Anstalten so ausgestaltet werden soll, dass er dem Leben in Freiheit m\u00f6glichst entspricht, dann verlangt dies geradezu, dass sexuelle Kontakte zwischen Strafgefangenen erm\u00f6glicht werden\u00bb, schreibt er in der <em>Schweizerischen Zeitschrift f\u00fcr Kriminologie SZK<\/em>.<\/p>\n<blockquote><p>Zu eruieren, ob ein Sexualkontakt einvernehmlich oder eine Form von Ausbeutung war, ist im Nachhinein praktisch unm\u00f6glich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Bitzi beharrt auf dem Verbot sexueller Handlungen zwischen H\u00e4ftlingen. \u00abNicht wenige Insassen sind im sexuellen Bereich straff\u00e4llig geworden, und wir wollen sexuelle Handlungen als Form von Unterwerfung oder als Rechtsgesch\u00e4ft unterbinden\u00bb, sagt Direktor Claudio Vannini auf Anfrage der MANNSCHAFT. Als Rechtsgesch\u00e4ft kann beispielsweise die Ausf\u00fchrung einer sexuellen Dienstleistung im Austausch f\u00fcr eine Packung Zigaretten verstanden werden. \u00abEine solche Situation w\u00e4re ung\u00fcnstig und f\u00fcr die pers\u00f6nliche Entwicklung eines Insassen nicht f\u00f6rderlich.\u00bb<\/p>\n<p>Das Grundbed\u00fcrfnis des Menschen nach Sexualit\u00e4t und Intimit\u00e4t r\u00fcckt bei diesem Verbot in den Hintergrund, um den Schutz des H\u00e4ftlings nicht zu gef\u00e4hrden. \u00abSelbstverst\u00e4ndlich sprechen wir von einer grossen Grauzone\u00bb, so Vannini. \u00abZu eruieren, ob ein Sexualkontakt einvernehmlich oder eine Form von Ausbeutung war, ist im Nachhinein praktisch unm\u00f6glich.\u00bb<\/p>\n<p>Vannini weist darauf hin, dass viele Insassen der Anstalt Wochenendurlaub haben\u00a0\u2013 eine Gelegenheit, sowohl ein soziales Umfeld als auch eine Beziehung mit einem Partner oder einer Partnerin aufzubauen und zu pflegen. Das geht nat\u00fcrlich nicht, wenn sich die Insassen im geschlossenen Vollzug befinden, wie es zum Beispiel bei Stefan der Fall war. Die M\u00f6glichkeit, ihre Sexualit\u00e4t auszuleben, besteht dann kaum. Nebst Sexualkontakten ist im Bitzi auch der Besitz und Konsum harter Pornografie untersagt. Lediglich Magazine sind erlaubt, d\u00fcrfen aber nicht offen herumliegen. \u00abInsassen k\u00f6nnen weiche Pornomagazine wie Playboy oder Hustler besitzen, m\u00fcssen sie aber im Schrank aufbewahren\u00bb, sagt Vannini.<\/p>\n<p>Zum Fall von Stefan kann Vannini keine Stellung nehmen. Er \u00fcbernahm die Leitung der Anstalt im Herbst 2011, wenige Monate, nachdem Stefan f\u00fcr den \u00dcbergriff auf seinen Sohn verurteilt und aus dem vorzeitigen Strafvollzug zum Absitzen seiner Strafe in die Justizvollzugsanstalt P\u00f6schwies verlegt worden war.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"qkQKdkytu5\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2018\/06\/23\/garrard-conley-die-therapie-war-nichts-anderes-als-gehirnwaesche\/\">\u00abDie Umpolungstherapie war nichts als Gehirnw\u00e4sche\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abDie Umpolungstherapie war nichts als Gehirnw\u00e4sche\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2018\/06\/23\/garrard-conley-die-therapie-war-nichts-anderes-als-gehirnwaesche\/embed\/#?secret=qkQKdkytu5\" data-secret=\"qkQKdkytu5\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Gem\u00e4ss den Disziplinarrechts-Richtlinien der Ostschweizer Strafvollzugskommission k\u00f6nnen H\u00e4ftlinge mit einem Entzug oder einer Beschr\u00e4nkung von Freizeitbesch\u00e4ftigungen bestraft werden, insbesondere der Ben\u00fctzung von Ton- und Bildwiedergabeger\u00e4ten sowie der Teilnahme an Veranstaltungen, Kursen oder gemeinschaftlichen Aktivit\u00e4ten. Auch ein Entzug von Aussenkontakten, darunter eine Besuchs-, Ausgangs- oder Urlaubssperre, kann angeordnet werden.<\/p>\n<p>Die Dauer des Entzugs h\u00e4ngt gem\u00e4ss Patrick Dort, Leiter Soziale Integration im Massnahmenzentrum Bitzi, vom Disziplinarfehler und einer allf\u00e4lligen Relevanz zur Straftat ab: \u00abDas kann zum Beispiel ein Medienentzug von einem Tag bis zum Einzug des eigenen Laptops bis Haftende sein.\u00bb Er weist darauf hin, dass jeder Insasse das Recht habe, gegen die schriftlich ausgestellten Disziplinarmassnahmen innert vierzehn Tagen beim Sicherheits- und Justizdepartement St.\u00a0Gallen Rekurs einzulegen. Somit soll gew\u00e4hrleistet sein, dass die Anstalten Disziplinarmassnahmen so weit wie m\u00f6glich gerecht und verh\u00e4ltnism\u00e4ssig aussprechen.<\/p>\n<p><strong>Fachpersonal soll mit Thematik umgehen k\u00f6nnen<\/strong><br \/>\nAndreas Frei, forensischer Psychiater und Leiter der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland, best\u00e4tigt auf Anfrage von MANNSCHAFT, dass ein Verbot von Sexualkontakten innerhalb einer Anstalt vor allem zum Schutz der Schw\u00e4cheren besteht. \u00abSchon deshalb, weil es f\u00fcr heterosexuelle Insassen problematisch wird, die ja keine Beziehung in der Institution f\u00fchren k\u00f6nnen\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Diese Folgen bespricht auch Strafrechts\u00adprofessor Andrea Baechtold in der SZK, nimmt dabei aber die Anstaltsleitung in die Pflicht. Dem Kernbereich ihrer Fachkompetenz sei der Umgang mit Reaktionen von Mitgefangenen auf Verhaltensweisen \u00abandersartiger\u00bb Gefangener \u2013 etwa solchen aus anderen Kulturen \u2013 zuzurechnen.<\/p>\n<p>Schwierig werde es, wenn eine Bewilligung sexueller Kontakte zwischen Strafgefangenen weitergehende Forderungen nach sich ziehe. \u00abWie w\u00e4re etwa auf ein Gesuch nach gemeinschaftlicher Unterbringung in einer Zweierzelle zu reagieren?\u00bb, schreibt Baechtold. Auch wenn derartige Folgeprobleme keineswegs kleingeredet werden d\u00fcrften, sei offensichtlich, dass sie im Sinne der Rechtslage durchaus l\u00f6sbar seien. \u00abZu fordern ist jedenfalls, dass die Pers\u00f6nlichkeitsrechte der Gefangenen auch in diesem Bereich ernst genommen und gesch\u00fctzt werden.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Die Frage nach Kondomen als Dilemma<\/strong><br \/>\nOb verboten oder nicht, Vollzugsanstalten sind sich bewusst, dass Sexualkontakte zwischen H\u00e4ftlingen geschehen. \u00abIn den Gef\u00e4ngnissen sind Kondome verf\u00fcgbar, auch in der U-Haft, f\u00fcr den Fall, dass es doch dazu kommt\u00bb, sagt der Psychiater Andreas Frei. Die Pr\u00e4servative m\u00fcssen aber vom Zentrumsarzt eingefordert werden.<\/p>\n<blockquote><p>Ich spreche keineswegs von der Illusion, dass Sex im Knast etwas Sch\u00f6nes ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>So auch im Bitzi: \u00abDie Insassen sind \u00fcber diese M\u00f6glichkeit informiert\u00bb, sagt Claudio Vannini. \u00abDer Zentrumsarzt informiert uns nicht, wenn er Kondome ausgeh\u00e4ndigt hat.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"gWVbGGbULs\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/11\/wegen-corona-kondome-werden-knapp\/\">UNO warnt: Kondome werden knapp<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;UNO warnt: Kondome werden knapp&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/11\/wegen-corona-kondome-werden-knapp\/embed\/#?secret=gWVbGGbULs\" data-secret=\"gWVbGGbULs\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Auch in Bayern m\u00fcssen Strafgefangene Kondome beim Arzt einfordern \u2013 ein Hindernis, das Strafgefangene nicht unbedingt gerne auf sich nehmen. \u00abH\u00e4ftlinge m\u00fcssen sich indirekt als schwul outen\u00bb, gibt Martin Jautz von der M\u00fcnchner Aids-Hilfe gegen\u00fcber der MANNSCHAFT zu bedenken. Es sei daher nicht erstaunlich, dass zwischen 2005 und 2007 nur 43 Pr\u00e4servative an die bayernweit 13\u2006000 Gef\u00e4ngnisinsassen ausgegeben wurden. Die Zahlen wurden damals auf Initiative der M\u00fcnchner Aids-Hilfe erhoben, eine regelm\u00e4ssige Statistik wird vom Bayerischen Justizministerium nicht gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Jautz fordert, dass H\u00e4ftlinge besser \u00fcber Schutzm\u00f6glichkeiten informiert werden, etwa in Form von Plakaten \u00fcber Safer Sex oder die korrekte Handhabung von Kondomen. \u00abIch spreche keineswegs von der Illusion, dass Sex im Knast etwas Sch\u00f6nes ist. Fraglich ist auch, ob Kondome wirklich benutzt werden, zum Beispiel wenn beim Sexualkontakt Macht oder Gewalt im Spiel ist. Mir fehlt einfach ein Zeichen seitens der Anstalten, dass sie verf\u00fcgbar sind.\u00bb<\/p>\n<p>Jautz zufolge bef\u00fcrchten Anstalten, dass Pr\u00e4servative falsch benutzt werden oder die H\u00e4ftlinge mit ihnen Unfug treiben. Zudem wolle man verhindern, dass in der \u00d6ffentlichkeit die Meinung entstehe, man k\u00f6nne im Gef\u00e4ngnis auf \u00abStaatskosten v\u00f6geln\u00bb oder damit Drogen schmuggeln. \u00abDas Sicherheitsrisiko ist nicht so gross wie bei Besuch, der Drogen von aussen in den Knast schmuggelt\u00bb, so Jautz.<\/p>\n<p>Anders sieht es im Bundesland Nordrhein-Westfalen aus. Seit 1998 wird die Ausgabe von Pr\u00e4servativen durch einen Kondomerlass geregelt. Kondome und wasserl\u00f6sliche Gleitmittel stehen allen Strafgefangenen zu Lasten des Justizhaushalts frei zur Verf\u00fcgung. Ab 1999 durften ehrenamtliche Mitarbeiter des Mann-O-Meters Berlin die Justivollzugsanstalt Tegel mit Kondomen, Gleitmittel und kostenlosen schwulen Monatszeitschriften versorgen.<\/p>\n<p>Stefan kann \u00fcber das System der Kondom\u00adabgabe via das Personal nur den Kopf sch\u00fctteln. Im Rahmen seiner Verschiebung in die Justizvollzugsanstalt P\u00f6schwies wurde er f\u00fcr eine Nacht im Polizeigef\u00e4ngnis Z\u00fcrich untergebracht. Der Zufall wollte es, dass er mit einem anderen schwulen Mann eine Zweierzelle teilte. Der Mann war gerade erst verhaftet worden und f\u00fchlte sich einsam. \u00abEr lag im Kaj\u00fctenbett unter mir und fragte mich, ob ich nicht zu ihm ins Bett steigen wolle\u00bb, erinnert sich Stefan. \u00abNach meiner Erfahrung im Bitzi war ich zuerst noch unsicher, kletterte dann aber doch zu ihm hinunter.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_88995\" aria-describedby=\"caption-attachment-88995\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-88995\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1200 800'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1.jpg\" alt=\"sex gef\u00e4ngnis\" width=\"1200\" height=\"800\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1.jpg 1200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-180x120.jpg 180w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-561x374.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-1122x748.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-728x485.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-1152x768.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-144x96.jpg 144w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-313x209.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/sex-gefaengnis-1-400x267.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-88995\" class=\"wp-caption-text\">(Symbolbild: Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als die Frage nach dem Kondom aktuell wurde, steckten die beiden M\u00e4nner in einer Zwickm\u00fchle. \u00abWie reagiert wohl das Personal, wenn wir mitten in der Nacht die Klingel bet\u00e4tigen und nach einem Kondom fragen?\u00bb, sagt Stefan. \u00abWir trauten uns nicht. Aus Angst, dass man jemanden von uns in eine andere Zelle verlegen w\u00fcrde.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Sex als Therapie?<\/strong><br \/>\nEin selbstverst\u00e4ndlicher und gesunder Umgang mit Sex und Sexualit\u00e4t ist besonders f\u00fcr Sexualstraft\u00e4ter ein massgebender Bestandteil eines erfolgreichen Resozialisierungsprozesses und eines Lebens ohne Straftaten. Stefan argumentiert, dass die Unterdr\u00fcckung seiner Homosexualit\u00e4t in seinem Fall \u00fcberhaupt erst zu einem gest\u00f6rten Sexualverhalten gef\u00fchrt habe.<\/p>\n<p>Dr.\u2006med.\u2006Andreas Frei kann Stefans Begr\u00fcndung ein St\u00fcck weit nachvollziehen. Ein direkter Bezug zwischen unterdr\u00fcckter Sexualit\u00e4t und p\u00e4dosexuellem Verhalten lasse sich aber nicht herstellen. Da seien weitaus mehr Faktoren im Spiel. \u00abAllerdings ist es so, dass jegliche Form nicht ausgelebter oder tabuisierter Sexualit\u00e4t zu deviantem oder gesellschaftlich nicht tolerierbarem Sexualverhalten f\u00fchren kann\u00bb, sagt der Psychiater.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"4Xv1IhyVHf\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/13\/wird-oscar-wildes-gefaengniszelle-zur-luxuswohnung\/\">Wird Oscar Wildes Gef\u00e4ngniszelle zur Luxuswohnung?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Wird Oscar Wildes Gef\u00e4ngniszelle zur Luxuswohnung?&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/13\/wird-oscar-wildes-gefaengniszelle-zur-luxuswohnung\/embed\/#?secret=4Xv1IhyVHf\" data-secret=\"4Xv1IhyVHf\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Frei steht der Forderung, Sexualstraft\u00e4tern im Freiheitsentzug die M\u00f6glichkeit zu geben, ein gesundes Sexualleben zu entwickeln und zu leben, offen gegen\u00fcber. \u00abIch kann mir gut vorstellen, dass die Gef\u00e4ngnisleitung bei einem offenen Gesuch mit sich reden lassen w\u00fcrde\u00bb, sagt er. Er selbst habe bereits einen Sexualstraft\u00e4ter betreut, der im Freigang ein Bordell besuchen durfte. \u00abDaher glaube ich nicht, dass es ein Problem w\u00e4re, wenn ein Insasse im Freigang eine Liebesbeziehung pflegen w\u00fcrde, egal ob homo- oder heterosexuell.\u00bb<\/p>\n<p>Claudio Vannini will sich zu dieser Forderung nicht konkret \u00e4ussern. Sie sei ein Argument vieler H\u00e4ftlinge, die aufgrund von p\u00e4dosexuellem Verhalten verurteilt wurden. Vannini weist darauf hin, dass sich die Wissenschaft in diesem Punkt nicht ganz einig sei. \u00abKann man p\u00e4dosexuell veranlagte Menschen dazu bringen, eine Beziehung zu gleichaltrigen Erwachsenen zu pflegen? Einige sagen ja, das ist m\u00f6glich. Andere finden: Nein, das Objekt der Begierde l\u00e4sst sich bei P\u00e4dosexuellen nicht \u00e4ndern\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Revolution Beziehungszimmer<\/strong><br \/>\nObwohl sich die Wissenschaft \u00fcber verschiedene Therapieformen streitet und eine grosse Mehrheit der Anstalten gegen\u00fcber Fragen der Sexualit\u00e4t konservativ eingestellt ist, so hielt in den letzten Jahrzehnten doch eine relativ moderne Ausstattung in den deutschen und Schweizer Anstalten Einzug: das Beziehungszimmer, in Deutschland oft auch Langzeitbesuchsraum oder Familienraum genannt. In dieser R\u00e4umlichkeit ist es H\u00e4ftlingen nach bewilligtem Antrag gestattet, ungest\u00f6rt Besuch von Familienangeh\u00f6rigen zu empfangen. Dass es dabei mit der Partnerin oder dem Partner oft auch zu intimen Kontakten und auch Geschlechtsverkehr kommt, ist bekannt und erlaubt. In den Medien haben die R\u00e4ume schnell die Bezeichnungen \u00abLiebeszelle\u00bb oder \u00abKuschelzimmer\u00bb erhalten.<\/p>\n<p>Das Beziehungszimmer ist insofern eine Revolution, als es das Bed\u00fcrfnis nach intimen Kontakten als Grundrecht eines H\u00e4ftlings anerkennt. In der Schweiz verf\u00fcgen etwa die Anstalten P\u00f6schwies und Bostadel \u00fcber solche Beziehungszimmer, in Deutschland sind unter anderen die Anstalten Remscheid und Bielefeld-Brackwede mit einem Langzeitbesuchsraum ausgestattet.<br \/>\nDie Berner Justivollzugsanstalt Thorberg pr\u00fcft die Schaffung eines solchen Raums, nachdem er von 50 Insassen im Herbst 2017 im Rahmen eines Streiks gefordert wurde.<\/p>\n<p>Auch das Massnahmenzentrum Bitzi will innerhalb der n\u00e4chsten anderthalb Jahre ein \u00abBegegnungszimmer\u00bb einrichten, in dem sich ein Insasse mit der Familie oder der Partnerin oder dem Partner zur\u00fcckziehen kann. \u00abDazu m\u00fcssen wir zuerst aber noch einen Neubau realisieren\u00bb, sagt Direktor Claudio Vannini zur MANNSCHAFT. Auch wenn dieses Zimmer nicht f\u00fcr den Vollzug von Geschlechtsverkehr bestimmt sei, geht er davon aus, dass es in gewissen Konstellationen durchaus dazu kommen werde. \u00abDie Grundkonditionen f\u00fcr die Benutzung eines solchen Zimmers haben wir noch nicht festgelegt. Ich kann allerdings schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass sich Insassen keine Prostituierte in dieses Zimmer bestellen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Eine kleine Angst bleibt<\/strong><br \/>\nSeit seiner Entlassung wohnt Stefan in Z\u00fcrich und geht verschiedenen Tempor\u00e4rjobs nach, darunter als Hauswart, Werkstattmitarbeiter oder als Aushilfe in der Logistik. \u00abIch will wieder voll ins Leben zur\u00fcck, diesmal richtig\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Ob die Resozialisierung bei ihm gelungen ist? Nach kurzem \u00dcberlegen bejaht Stefan diese Frage: \u00abIm Wesentlichen auch, weil ich es gewollt habe\u00bb. Die Unterst\u00fctzung seitens der Anstalten sei da gewesen, auch wenn er sich von der Therapie mehr erhofft hatte. Seine Resozialisierung sei vor allem aus eigenem Antrieb gelungen. Stefan studierte Geschichten von Missbrauchs\u00adopfern und tauschte sich mit ihnen aus. \u00abIch habe immer einen Weg gesucht, wie ich von den Umst\u00e4nden meiner Tat wegkomme.\u00bb<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"K3AsQpxMXM\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/09\/06\/der-bundesrat-will-kein-verbot-von-konversionstherapien\/\">Der Bundesrat will kein Verbot von Konversionstherapien<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Der Bundesrat will kein Verbot von Konversionstherapien&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/09\/06\/der-bundesrat-will-kein-verbot-von-konversionstherapien\/embed\/#?secret=K3AsQpxMXM\" data-secret=\"K3AsQpxMXM\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Was seine Sexualit\u00e4t angeht, so bezeichnet er die acht Jahre Haft als Entzug. Es sei nicht einfach, jetzt als offen schwuler Mann zu leben, nachdem sexuelle Kontakte zu anderen M\u00e4nnern w\u00e4hrend so langer Zeit als Tabu galten. \u00abIch klappere aber fleissig die Gaybars in Z\u00fcrich ab und chatte auch auf PlanetRomeo\u00bb, sagt er mit einem m\u00fcden L\u00e4cheln. \u00abIch f\u00fchle mich immer noch etwas unsicher dabei. Es bleibt eine kleine Angst vor Sexualit\u00e4t.\u00bb<\/p>\n<p>Stefan \u00fcberrascht es nicht, dass das Thema Sexualit\u00e4t kein leichtes ist f\u00fcr die Anstalten. \u00abDie \u00d6ffentlichkeit hat eine klare Meinung gegen\u00fcber Straft\u00e4tern. Die sollen in den Gef\u00e4ngnissen f\u00fcr ihre Taten leiden und nicht noch Sex haben d\u00fcrfen\u00bb, sagt er. \u00abDie Anstalten sind einem enormen Druck von aussen ausgesetzt, da k\u00f6nnen sie auch nichts daf\u00fcr.\u00bb<\/p>\n<p>In seiner Haft hat Stefan aufmerksam das Bestreben von Schweizer LGBTIQ-\u00adGruppen verfolgt, den Diskriminierungsschutz auf sexuelle Minderheiten auszuweiten. Im Februar 2020 stimmte die Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung der Erweiterung der Anti-Rassismusstrafnorm zu <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/02\/09\/ein-deutliches-ja-zum-schutz-vor-hass\/\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Stefan hofft, dass Insassen mit dem Diskriminierungsschutz vielleicht eine Chance haben, gegen ein Verbot von sexuellen Kontakten vorzugehen.<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe in meinem Leben grosse Scheisse gebaut, daran kann ich nichts \u00e4ndern<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abIch habe in meinem Leben grosse Scheisse gebaut, daran kann ich nichts \u00e4ndern\u00bb, sagt er. \u00abIndem ich aber meine Geschichte \u00f6ffentlich mache und auf die Situation im Gef\u00e4ngnis hinweise, kann ich vielleicht dazu beitragen, dass sich die Situation f\u00fcr alle H\u00e4ftlinge verbessert.\u00bb<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Das Zuchthaus Reading, wo einst Oscar Wilde einsass, sollte eigentlich in ein LGBTIQ-Kulturzentrum verwandelt werden. Doch stattdessen werden auf dem Grundst\u00fcck Wohnungen gebaut <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/13\/wird-oscar-wildes-gefaengniszelle-zur-luxuswohnung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen Gef\u00e4ngnissen sind sexuelle Kontakte zwischen H\u00e4ftlingen untersagt und werden mit Disziplinarmassnahmen geahndet. Ein solches Verbot ist f\u00fcr die Resozialisierung hinderlich, sagen Kritiker*innen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/sex-im-gefaengnis-unverdienter-luxus-oder-menschenrecht\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":89077,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4371],"tags":[52,5493,5463,56,5484],"wps_subtitle":"Erst nach einem schweren Verbrechen findet Stefan im Gef\u00e4ngnis zu seiner Sexualit\u00e4t","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88888"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88888"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88888\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/89077"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}