{"id":87776,"date":"2018-12-29T10:07:46","date_gmt":"2018-12-29T09:07:46","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=87776"},"modified":"2023-09-21T09:37:46","modified_gmt":"2023-09-21T07:37:46","slug":"du-schwuchtel-wirst-hier-ausradiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/du-schwuchtel-wirst-hier-ausradiert\/","title":{"rendered":"\u00abDu Schwuchtel wirst hier ausradiert \u2026\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Im Hip-Hop, vor allem im Gangsta-Rap, geht es hoch her. Frauen und Schwule werden auf das Heftigste gedisst und beschimpft. Sprechen wir noch von Kunst?<\/h3>\n<p>In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ver\u00f6ffentlichte der US-Rapper Eminem Ende August 2018 ein neues Album: Auf \u00abKamikaze\u00bb teilt er ordentlich gegen Kollegen aus. In einem seiner Diss-Tracks widmet er sich Tyler, The Creator, den er als \u00abFaggot\u00bb (Schwuchtel) beschimpft. Songs auf dessen letztem Album \u00abFlower Boy\u00bb (2017) lassen sich wie ein Coming-out lesen. \u00abI\u2019ve been kissing white boys since 2004\u00bb, heisst es da etwa.<\/p>\n<p>US-Rapper Eminem wurde f\u00fcr seinen Track kritisiert. Die britische Independent schrieb etwa: \u00abEs ist 2018, aber offenbar hat das Eminem niemand gesagt.\u00bb Denn, so die Zeitung, man disse niemanden (mehr) aufgrund seiner Sexualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>\u00abSchwuchtel\u00bb und \u00abschwuler Spast\u00bb<\/strong><br \/>\nIm Vergleich zu dem, was man sonst im Hip-Hop h\u00f6rt, sind die Zeilen von Eminem aber eher zahm. Textbeispiele von anderen Rappern machen keinen Hehl aus ihrer Schwulenfeindlichkeit: \u00abKleine Schwuchtel mit dei\u2019m Unterlippenpiercing, ein falsches Wort und deine Zunge sp\u00fcrt Rasierklingen\u00bb oder \u00abDu schwuler Spast\u00bb oder auch: \u00abBerlin ist mein Hauptquartier, du Schwuchtel wirst hier ausradiert.\u00bb<\/p>\n<p>Es handelt sich um Zitate aus dem umstrittenen Bushido-Album \u00abSonny Black\u00bb, das die deutsche Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien (BPjM) im Jahr 2015 auf den Index gesetzt hat. Ihre Begr\u00fcndung: \u00abDie Texte wirken verrohend und diskriminieren Frauen und homosexuelle Menschen.\u00bb Der Rapper mit dem b\u00fcrgerlichen Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi sah das anders und zog vor Gericht (eine \u00dcbersicht &#8211; siehe unten!).<\/p>\n<blockquote><p>Allgemeine Beschreibungen von Gewalt fallen unter die Kunst- und Kulturfreiheit.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00abIch heisse Klaus, bin ab heute schwul, und ich will dar\u00fcber reden\u00bb<\/strong><br \/>\nEin anderer Fall liegt einige Jahre zur\u00fcck: 2010 entschied die Pr\u00fcfstelle, die Rechtsrock-CD \u00abFreiheit statt BRD!\u00bb zu indizieren. Der Sampler wurde damals im Auftrag der NPD, einer rechtsextremen Partei in Deutschland, kostenlos vor Schulh\u00f6fen verteilt, 25\u2006000 St\u00fcck wollte man auf diese Weise unters Volk bringen. Im Song \u00abTalkshownation\u00bb der Gruppe Frontalkraft, der weiterhin bei YouTube zu finden ist, schimpft man neben Migranten auch \u00fcber Homosexuelle. \u00abMeine Schwester ist \u2018ne Lesbe und sie treibt es zw\u00f6lf Mal t\u00e4glich\u00bb, heisst es in der Strophe. Und: \u00abIch heisse Klaus, bin ab heute schwul, und ich will dar\u00fcber reden.\u00bb Das Ganze m\u00fcndet in den Refrain: \u00abKranke Menschen, krankes Land\u00bb.<\/p>\n<p>Fazit der deutschen Bundespr\u00fcfstelle: Hier werden homophobe Botschaften gesendet. Titel, die auf den Index gesetzt werden, d\u00fcrfen im Handel nicht \u00f6ffentlich ausgelegt und nur an Kunden ab 18 Jahren auf Nachfrage nach dem entsprechenden Titel abgegeben werden.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz weder eine Pr\u00fcfstelle noch einen Musikindex. \u00abAllerdings besteht hierzulande die M\u00f6glichkeit, strafrechtlich gegen Musiktitel vorzugehen, wenn diese beispielsweise gewaltverherrlichend sind\u00bb, sagt Fabian Niggemeier vom Rechtsdienst der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, SUISA, gegen\u00fcber MANNSCHAFT.<br \/>\nDaf\u00fcr m\u00fcssten die in Frage kommenden Textpassagen jedoch bestimmte Kriterien erf\u00fcllen und d\u00fcrften nicht in den Bereich der Meinungsfreiheit fallen, so Niggemeier.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr Letzteres sind Metalbands, die sich in ihren Liedern negativ \u00fcber Gott, die Kirche oder das Christentum \u00e4ussern. Folglich sind auch pauschalisierende Aussagen wie \u00abBullen sind Schweine\u00bb aus strafrechtlicher Sicht harmlos. Auch allgemeine Beschreibungen von Gewalt erf\u00fcllen keinen Tatbestand des Strafrechts und fallen unter die Kunst- und Kulturfreiheit. \u00abWenn im Song allerdings dazu aufgerufen wird, auf die Strasse zu gehen und Polizisten zu erschiessen, dann ist dies schon kritischer und unter Umst\u00e4nden verboten\u00bb, sagt Niggemeier.<\/p>\n<blockquote><p>Die Gerichte m\u00fcssen im Einzelfall beurteilen, ob ein schmaler Grat \u00fcberschritten wurde oder nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn Bushido also davon rappt, wie man eine \u00abSchwuchtel\u00bb mit Unterlippenpiercing eine Rasierklinge sp\u00fcren l\u00e4sst, sei das juristisch gesehen bloss eine Beschreibung und kein Aufruf zur Gewalt. Niggemeier verweist auf die Band Krawallbr\u00fcder, die aufgrund ihrer beschreibenden Texte \u00fcber Auseinandersetzungen mit ausl\u00e4ndischen Gangs besonders auch in rechten Kreisen sehr beliebt sei. \u00abEs ist v\u00f6llig klar, dass das ein schmaler Grat ist, aber genau deshalb m\u00fcssen die Gerichte im Einzelfall beurteilen, ob dieser Grat \u00fcberschritten wurde oder nicht.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Spezialfall Rassismus<\/strong><br \/>\nWerke mit rassistischen \u00c4usserungen werden in der Schweiz hingegen kritischer beurteilt. Aufgrund der Rassismus-Strafnorm \u2013 ein Artikel im Strafgesetzbuch, der vor Diskriminierung aufgrund der Rasse, Ethnie oder Religion sch\u00fctzt \u2013 k\u00f6nnen bereits unspezifische rassistische \u00c4usserungen strafrechtlich belangt werden.<\/p>\n<p>In der gegenw\u00e4rtigen Sommersession behandelt der Nationalrat eine Erweiterung des Diskriminierungsschutzes der Rassismus-Strafnorm auf die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentit\u00e4t. Entschieden wurde schliesslich 2020\u00a0<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/der-schutz-vor-diskriminierung-gilt-ab-1-juli\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Niggemeier weist darauf hin, dass die SUISA als Genossenschaft keine M\u00f6glichkeiten hat, rechtlich einzuschreiten. Um gegen ein musikalisches Werk vorzugehen, m\u00fcsse zuerst ein strafrechtliches Urteil vorliegen. Erst dann w\u00fcrde die SUISA die Registrierung eines musikalischen Werks ablehnen. Als Folge gibt es weder ein Inkasso, etwa bei Konzerten, noch eine Verteilung an die Urheber. Ferner w\u00fcrde die SUISA auch keine Bewilligung f\u00fcr Konzerte oder Tontr\u00e4gerproduktionen erteilen.<\/p>\n<p><strong>Medienwirksam auf Diskriminierung hingewiesen<\/strong><br \/>\nUm ein Zeichen gegen diskriminierenden Rap zu setzen braucht es aber nicht immer ein strafrechtliches Urteil. Im Juni 2018 sagte ein Veranstalter in Schaffhausen ein Konzert mit den umstrittenen Rappern Farid Bang und Kollegah aufgrund von \u00abSicherheitsbedenken\u00bb ab und weil er sich von \u00abder Debatte um die textlichen Inhalte der beiden K\u00fcnstler\u00bb distanziere. Ein Erfolg f\u00fcr SP-Kantonsrat Patrick Portman und <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/07\/04\/lesben-bi-the-way-der-katy-perry-stress\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Anna Rosenwasser<\/a>, Gesch\u00e4ftsleiterin der Lesbenorganisation Schweiz. Gemeinsam mit dem Frauenstammtisch Schaffhausen hatten sie die Onlinepetition \u00abKeine B\u00fchne f\u00fcr Diskriminierung\u00bb gestartet, um auf die frauenfeindlichen Texte der beiden Skandalrapper aufmerksam zu machen und eine Absage des Konzerts zu fordern.<\/p>\n<p>Mit einem medienwirksamen Protest konnten auch die Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern HAB im Fr\u00fchling 2014 einen Auftritt des umstrittenen Reggaek\u00fcnstlers Elephant Man verhindern. Als der Betreiber des Clublokals von den schwulenfeindlichen Texten des Jamaikaners h\u00f6rte, verweigerte er den Veranstaltern das Konzert. Mehrere Boykottaufrufe hatten auch in Deutschland bewirkt, dass Elephant Man seine Tournee zweimal absagen musste.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abSchwule sind ein beliebtes Feindbild f\u00fcr Rapper.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Hip-Hop: m\u00e4nnlich-dominiert und heteronormativ<\/strong><br \/>\n\u00abSchwule sind ein beliebtes Feindbild f\u00fcr Rapper\u00bb, erkl\u00e4rt die Hip-Hop-Expertin Sina Nitzsche von der Technischen Universit\u00e4t Dortmund, wo sie Veranstaltungen wie die erste \u00abHip Hop Education Week\u00bb und die erste \u00abHip Hop Summer School\u00bb organisierte. Vor allem im Gangsta-Rap seien Grenz\u00fcberschreitungen ein zentrales Stilmittel. \u00abHip-Hop-Kultur ist seit ihren Anf\u00e4ngen eine m\u00e4nnlich-dominierte, heteronormative Kultur, in der es auch stets homophobe und frauenfeindliche Tendenzen gab\u00bb, erkl\u00e4rt die Rapforscherin und verweist auf den Klassiker \u00abThe Message\u00bb von Grandmaster Flash &amp; The Furious Five aus dem Jahr 1982, in dem abwertend von \u00abfags\u00bb gerappt wurde.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abMaskulinit\u00e4t stiftet Identit\u00e4t und garantiert eine gewisse Authentizit\u00e4t und Machtposition.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch im Gangsta-Rap gebe es eine Tradition von Homophobie. \u00abDie amerikanische Rapgruppe N.W.A. ver\u00f6ffentlichte 1988 den Track \u2039Fuck the Police\u203a, der racial profiling und willk\u00fcrliche Polizeigewalt auf sehr deutliche Weise anprangert. Gleichzeitig ist das Album \u2039Straight Outta Compton\u203a, auf dem der Track damals erschienen ist, aber auch ein Beispiel f\u00fcr die homophoben Tendenzen in der amerikanischen Rapmusik der sp\u00e4ten Achtziger- und fr\u00fchen Neunzigerjahre\u00bb, so Nitzsche. Trotzdem h\u00e4lt sie die Hip-Hop-Kultur f\u00fcr nicht mehr oder weniger homophob als die Mehrheitsgesellschaft.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Merkmale des Gangsta-\u00adRap sind der Wissenschaftlerin zufolge neben der Grenz\u00fcberschreitung auch Gewaltverherrlichung und Hypermaskulinit\u00e4t. Dies erkl\u00e4re auch die homophoben Tendenzen im Gangsta-Rap. \u00abIn einer Gesellschaft, in der die Weissen eine Vormachtstellung besitzen, stiftet Maskulinit\u00e4t Identit\u00e4t und garantiert eine gewisse Authentizit\u00e4t und Machtposition. Hypermaskulinit\u00e4t ist f\u00fcr den \u00dcberlebenskampf wichtig, und queeren Rappern wird diese realness oft abgesprochen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00abSchwuchtel\u00bb dient zur Abwertung des Gegen\u00fcbers<\/strong><br \/>\nWenn Bushido rappt \u00abDu Schwuchtel wirst hier ausradiert\u00bb, sei das laut Nitzsche allerdings noch kein Beleg f\u00fcr eine homophobe Gesinnung des Rappers. Sie spricht von einer \u00abInszenierungsstrategie\u00bb, die nicht unbedingt den pers\u00f6nlichen Hass des Menschen Bushido darstelle. An den Textpassagen sehe man auch, dass der Begriff \u00abSchwuchtel\u00bb als Schimpfwort verwendet werde, aber nicht unbedingt als Synonym f\u00fcr Schwule, sondern als generelle Abwertung des Gegen\u00fcbers. Dies sei nat\u00fcrlich nicht minder problematisch, sagt Nitzsche. Aber: \u00abMan kann daraus keinen politischen Aufruf zu Gewalt gegen\u00fcber Schwulen ableiten.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Wir entfachen ein Feuer f\u00fcr euch stinkende Schwuchteln und Parasiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dennoch werden Texte wie etwa des Dancehall-K\u00fcnstlers Bounty Killer genauso empfunden und verstanden. Seit Jahren werden deswegen immer wieder Konzerte des Jamaikaners unter anderem in Deutschland abgesagt, zuletzt im Mai 2018 <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lsvd-fordert-absage-des-konzerts-von-bounty-killer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Nach Protesten durch den LSVD aufgrund der homophoben, menschenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texte (\u00abWir entfachen ein Feuer f\u00fcr euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt\u00bb) sagte der Berliner Veranstalter den Auftritt von Bounty Killer ab.<\/p>\n<p>Viele LGBTIQ-Menschen, aber auch andere Bev\u00f6lkerungsgruppen, wie zum Beispiel Frauen, m\u00f6gen es nicht hinnehmen, dass man sie in Raptexten beschimpft. Wer Bedenken hinsichtlich eines Songs oder eines ganzen Albums hat, kann sich f\u00fcr weitere Informationen bei der SUISA melden. Wie das Beispiel von Anna Rosenwasser und Patrick Portmann zeigt, kann es sich lohnen, mit einem Partner gegen bestimmte Medien oder Konzerte vorzugehen, die man als diskriminierend empfindet.<\/p>\n<p>Abgesehen davon: Es gibt Bewegung im Hip-Hop. Laut Nitzsche hat sich die kommerzielle amerikanische Rapmusik in den letzten Jahren gewandelt. Seit den Neunzigerjahren gibt es vermehrt amerikanische Rapperinnen und queere Rapgruppen, \u00abdie die weibliche Selbsterm\u00e4chtigung der Frau zelebrieren\u00bb, wie zum Beispiel Salt\u2019n\u2019Pepa, Queen Latifah, Missy Eliot oder Lauryn Hill.<\/p>\n<p><strong>Kultureller Wandel ver\u00e4ndert auch kommerziellen Hip-Hop<\/strong><br \/>\n\u00abSeit den 2010ern sind queere K\u00fcnstler*innen mit den verschiedensten kulturellen Hintergr\u00fcnden vermehrt im kommerziellen Musikmarkt pr\u00e4sent.\u00bb Als Beispiele nennt Nitzsche etwa Frank Ocean, Azealia Banks, Mykki Blanco und Le1f, die queere Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe und Erfahrungen thematisierten. Nicht zu vergessen die heterosexuellen Musiker Macklemore and Ryan Lewis, deren Song \u00abSame Love\u00bb im Jahr 2012 sich gegen homophobe Tendenzen in Kultur und Gesellschaft richtete. Offen schwuler Rapper Lil Nas X sprach \u00f6ffentlich dar\u00fcber, wie er als Jugendlicher seine sexuelle Identit\u00e4t nicht akzeptieren konnte <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/lil-nas-x-ich-wollte-mein-schwulsein-wegbeten\/\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n<p>Der Wandel in der kommerziellen Hip-Hop-Kultur geht laut Nitzsche einher mit gr\u00f6sseren kulturellen Ver\u00e4nderungen, wie der \u00d6ffnung der Ehe und einer verst\u00e4rkten Trans-Bewegung, der sp\u00e4testens das Coming-out von Caitlyn Jenner eine neue Dynamik verlieh. \u00abDiese gesellschaftlichen Entwicklungen erlauben es K\u00fcnstler*innen, ihre Geschichten einem breiteren Publikum n\u00e4herzubringen und die eigene LGBTIQ-Community zu st\u00e4rken\u00bb, sagt die Dortmunder Hip-Hop-Forscherin.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch Jay-Z, einer der ganz grossen Player im US-Hip-Hop mit Vorbildfunktion. Ihn veranlasste das Coming-out seiner Mutter dazu, den Track \u00abSmile\u00bb aufzunehmen, der auf seinem Album \u00ab4:44\u00bb zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abIch m\u00f6chte sehen, wie du trotz all dem Hass l\u00e4chelst.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abMama hatte vier Kindern, aber sie ist eine Lesbe, musste so lange vorgeben, eine Schauspielerin zu sein\u00bb, heisst es darin. Es z\u00e4hlte f\u00fcr ihn nicht, ob sie sich in einen Mann oder eine Frau verliebt. \u00abIch m\u00f6chte sehen, wie du trotz all dem Hass l\u00e4chelst.\u00bb<\/p>\n<p>Wirkt der Gatte von Beyonc\u00e9 weniger maskulin oder authentisch, bloss weil er seiner lesbischen Mutter nicht den Kopf einschlagen will? Auf diese Idee ist noch niemand gekommen.<\/p>\n<hr \/>\n<p class=\"lavendel\"><strong>Bushido auf dem Index<\/strong><\/p>\n<p class=\"lavendel\">In Deutschland setzte die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien (BPjM) 2015 das Album von Bushido \u00abSonny Black\u00bb (2014) auf den Index. Begr\u00fcndung: \u00abDie Texte der verfahrensgegenst\u00e4ndlichen CD wirken verrohend, verherrlichen einen kriminellen Lebensstil, insbesondere den Drogenhandel, und diskriminieren Frauen und homosexuelle Menschen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"lavendel\">Der Rapper sah das anders und zog vor Gericht: Nach Darstellung seines Anwalts gebe es keine Belege f\u00fcr die verrohende Wirkung von Gangsta-Rap, ausserdem seien die Texte bewusst klischeehaft \u00fcberzeichnet. Im Mai 2018 urteilte das Oberverwaltungsgericht in M\u00fcnster: Die Bundespr\u00fcfstelle habe nicht sorgf\u00e4ltig genug zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen. Doch das Urteil wurde nicht rechtskr\u00e4ftig, die BPjM legte Revision ein. Damit blieb das Album vorerst auf dem Index. Das best\u00e4tigte schliesslich auch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Herbst 2019 <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bushido-index-wegen-homophober-texte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Hip-Hop, vor allem im Gangsta-Rap, geht es hoch her. Frauen und Schwule werden auf das Heftigste gedisst und beschimpft. Sprechen wir noch von Kunst? <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/du-schwuchtel-wirst-hier-ausradiert\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":87781,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4371,346],"tags":[5546],"wps_subtitle":"Frauenfeindlichkeit und Homophobie im Hip-Hop: Was ist erlaubt?","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87776"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87776"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87776\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":178781,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87776\/revisions\/178781"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/87781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}