{"id":86170,"date":"2020-07-13T22:58:28","date_gmt":"2020-07-13T20:58:28","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=86170"},"modified":"2021-04-30T12:09:37","modified_gmt":"2021-04-30T10:09:37","slug":"diese-regenbogenfamilie-lebt-polyamouroes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/diese-regenbogenfamilie-lebt-polyamouroes\/","title":{"rendered":"\u00abUnsere Geschichte soll andere Regenbogenfamilien ermuntern\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Hauptsache gl\u00fccklich: Eine polyamour\u00f6se Regenbogenfamilie erz\u00e4hlt aus ihrem Familien- und Liebesleben und macht damit anderen Familien und anders Liebenden Mut. Eine Homestory aus der Ostschweiz \u2013 etwas anders und doch vertraut.<\/h3>\n<p>Es ist ein fr\u00fchlingshafter Samstagnachmittag am Stadtrand von St.Gallen. Dort, wo die Stadt aufh\u00f6rt und die Natur anf\u00e4ngt. Dort, wo ich dem Lockdown, nicht aber dem Heuschnupfen entfliehen kann. Dort, wo ich eine polyamour\u00f6se Regenbogenfamilie zum Fotoshooting treffe: Camilla, Claudia und Severino (echte Namen der Redaktion bekannt).<\/p>\n<p>Was mir gleich auff\u00e4llt: Alle drei wirken gl\u00fccklich. Sie strahlen Harmonie und Zufriedenheit aus. So, wie es die Illustrierten gerne h\u00e4tten, wenn sie Gl\u00fcck inszenieren. Doch dieses Gl\u00fcck, dem ich beiwohne, ist nicht gestellt: kein Dauergrinsen, das ich aus Homestorys aus den Medien mit Promis kenne, bei denen \u00fcberstrapazierte Lachmuskelfasern jeden Moment zu reissen drohen. Kein Schwadronieren \u00fcber Oberfl\u00e4chlichkeiten, sondern unverbl\u00fcmter Klartext \u2013 wie beim Thema Eifersucht, von dem mir Camilla und Claudia erz\u00e4hlen. Kein Gef\u00fchl der Fremdheit, das mich beschleichen k\u00f6nnte \u2013 im Gegenteil: So normal wie mit ihnen habe ich mich noch nie gef\u00fchlt. Vorausgesetzt, es existiert ein Gef\u00fchl der Normalit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Sichtbarkeit schafft Normalit\u00e4t<\/strong><br \/>\nDas \u00abNormalit\u00e4tsgef\u00fchl\u00bb ist der Grund, warum mich Camilla und Claudia in ihr Beziehungs- und Familienleben blicken lassen: \u00abUnsere Geschichte soll andere Regenbogenfamilien ermuntern, ihr Anderssein offen und frei zu leben und zu ihren Bed\u00fcrfnissen und Gef\u00fchlen zu stehen\u00bb, erkl\u00e4rt Camilla. Die verschiedenen Familien- und Liebesmodelle seien in der \u00d6ffentlichkeit selten oder gar nicht abgebildet. F\u00fcr mehr Akzeptanz in der Gesellschaft brauche es jedoch mehr Sichtbarkeit: \u00abDas baut langfristig Vorurteile und damit Diskriminierungen ab, weil so ein Gef\u00fchl der Normalit\u00e4t entsteht\u00bb, erg\u00e4nzt Claudia.<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr Kinder sei es wichtig, vielf\u00e4ltige Familienmodelle zu erleben und zu wissen, dass alle ihre Berechtigung haben. Das best\u00e4rke sie sp\u00e4ter als Erwachsene, ihren eigenen Weg zu gehen, wie Claudia begr\u00fcndet: \u00abSie bekommen so eine Entscheidungsgrundlage, das eigene Modell selbstbestimmt zu w\u00e4hlen. Auch k\u00f6nnen sie kritischen Stimmen bestimmter und selbstbewusster entgegentreten und sich dabei f\u00fcr andere oder f\u00fcr sich selbst starkmachen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00abKonventionen haben uns nie interessiert\u00bb<\/strong><br \/>\nDer Grossteil der Menschen w\u00e4chst mit der Vorstellung auf, irgendwann den Traumprinzen oder die Traumprinzessin zu heiraten und im Idealfall mit zwei Kindern gl\u00fccklich zu werden. So erz\u00e4hlen es uns die Werbung, Hollywood oder Walt Disney. Andere Lebensweisen bleiben unsichtbar \u2013 wie zum Beispiel, wenn jemand angibt, als Single gl\u00fccklicher zu sein als in einer Beziehung. Oder wenn jemand asexuell und gleichzeitig platonisch gl\u00fccklich ist.<\/p>\n<p>Solche und andere Modelle erschliessen sich vielen Menschen nicht. Weil sie nicht der g\u00e4ngigen Vorstellung vom Gl\u00fccklichsein entsprechen: dem monogamen Paar. Darum seien Kategorien f\u00fcr Aussenstehende wichtig, um sich selbst im Kontext zu anderen Beziehungs- und Familienmodellen zu verorten, wie Claudia konstatiert: \u00abWir selbst hatten nie das Bed\u00fcrfnis, uns in irgendeiner Form zu definieren \u2013 ausser beim Thema Regenbogenfamilie.\u00bb Camilla doppelt nach: \u00abKonventionen haben uns nie interessiert. Wir sind unserem inneren Gef\u00fchl gefolgt und haben uns die Freiheit genommen, uns dahin zu entwickeln, wo wir heute sind: Wir sind zwei Frauen, die gemeinsam ein Kind grossziehen. Neben unserer Liebesbeziehung zueinander pflegen wir auch zu anderen Menschen amour\u00f6se Beziehungen \u2013 unabh\u00e4ngig vom Geschlecht oder von der sexuellen Orientierung.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Offenheit entspannt das Liebesleben<\/strong><br \/>\n\u00abDie Heirat gibt einem vor, gl\u00fccklich zu sein, wobei meistens die emotionale und sexuelle Treue untrennbar sind\u00bb, h\u00e4lt Claudia fest. Eine \u00d6ffnung der Beziehung erfordere Mut. Mut, hinzusehen und Ver\u00e4nderungen in der Partnerschaft, aber auch bei den eigenen Bed\u00fcrfnissen zu akzeptieren. \u00abF\u00fcr viele Paare kommt das einem Trennungsgrund gleich, weil die ver\u00e4nderte Bed\u00fcrfnislage nicht ins rigide Modell der Monogamie passt. Und das, obschon die Liebe beidseitig nach wie vor gross ist\u00bb, f\u00e4hrt Claudia fort.<\/p>\n<p>F\u00fcr Camilla und Claudia sind Beziehungen lebendig wie ein Organismus. Sie entwickeln sich weiter: \u00abWie wir Menschen und unsere Bed\u00fcrfnisse auch. Das gilt es zuzulassen und einzuordnen\u202f\u2013 \u00e4hnlich wie beim Wunsch nach einem Kind: Dieser kommt auch erst mit der Zeit und ist nicht von vornherein f\u00fcr das Beziehungs- oder Sexleben massgebend.\u00bb Schwule M\u00e4nner seien f\u00fcr polyamour\u00f6se oder andere Konstellationen viel offener, weil sie sich vor dem Coming-out lange mit ihrem eigenen Anderssein und demjenigen von anderen besch\u00e4ftigen: \u00abEine solche Offenheit k\u00f6nnte das Liebesleben so mancher Paare deutlich entspannen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Eine klare Positionierung gibt Orientierung<\/strong><br \/>\nWelche Form es auch sein mag, letztlich muss sie f\u00fcr alle Beteiligten stimmen. Dabei spielt die Ehrlichkeit eine zentrale Rolle \u2013 sowohl der eigenen Person als auch dem*der Partner*in gegen\u00fcber: \u00abWas brauche ich, was mein*e Partner*in und was unsere Beziehung, damit wir beide gl\u00fccklich sind?\u00bb, f\u00fcgt Claudia an. \u00abDie St\u00e4rke unserer Beziehung liegt darin, dass wir uns mit der Beziehungsform und unserer Sexualit\u00e4t eingehend auseinandersetzen\u202f\u2013 vor zwanzig Jahren wie heute. Und das h\u00f6rt nicht auf, weil eine Beziehung dynamisch ist.\u00bb Dazu brauche es die F\u00e4higkeit, die eigene Sexualit\u00e4t selbstbestimmt gestalten zu wollen. Ihrem Grundverst\u00e4ndnis von Sexualit\u00e4t zufolge sei jeder Mensch f\u00fcr seine Sexualit\u00e4t selbst verantwortlich \u2013 auch in einer Beziehung: \u00abIn unserem schwulen Freundeskreis haben wir verschiedene Modelle erlebt. Wir waren fasziniert, wie ausgeglichen und zufrieden unsere Freunde waren. Dies hat uns noch mehr best\u00e4rkt, so zu lieben, wie wir f\u00fchlen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"lavendel\"><strong>Weiterf\u00fchrende Links<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.regenbogenfamilien.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FamOs \u00d6sterreich<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/regenbogenfamilien.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dachverband Regenbogenfamilien Schweiz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.regenbogenportal.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Regenbogenportal Deutschland<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcber die Reaktionen anderer machen sie sich keine Gedanken, wie Camilla unterstreicht: \u00abJe nat\u00fcrlicher wir nach aussen kommunizieren, umso nat\u00fcrlicher nehmen es die anderen auf. Eine klare Positionierung gibt den anderen eine Orientierung.\u00bb Dabei stehe der polyamour\u00f6se Teil der Beziehung nicht im Fokus: \u00abDie Familie ist unsere Homebase. Alles, was dazukommt, unterliegt klaren Abmachungen.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abSeverino hat gleich zwei Mamis und einen Papi.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Polyamorie und Eifersucht: ein Thema?<\/strong><br \/>\n\u00abJa\u00bb, schmunzelt Claudia. Die Auseinandersetzung damit sei jedoch wichtig: \u00abEs geht darum, das eigene Bed\u00fcrfnis nicht einfach durchzusetzen, sondern sich zu fragen: \u2039Wie kann ich sagen, dass ich dich liebe, wenn ich dich in deiner Selbstgestaltung nicht unterst\u00fctze?\u203a Wir wollen einander weder anl\u00fcgen noch hintergehen, bloss weil wir uns nicht trauen, zu unseren Bed\u00fcrfnissen zu stehen.\u00bb Die Basis einer krisensicheren Beziehung sei, \u00fcber die eigenen Sehns\u00fcchte und diejenigen der besseren H\u00e4lfte zu reden.<\/p>\n<p>Zugleich brauche es eine l\u00fcckenlose Transparenz, das Respektieren von Grenzen sowie das F\u00fchren von Verhandlungen \u00fcber die W\u00fcnsche, wie Camilla anf\u00fcgt: \u00abAnstatt sich etwas gegenseitig oder sogar einseitig zu verbieten, handeln wir nach der Maxime \u2039wir finden einen Weg und gehen respektvoll damit um\u203a. Zentral dabei ist das Darlegen der eigenen Bed\u00fcrfnisse, selbst wenn die Konfrontation im Moment schmerzt, weil sie vielleicht nicht einem gemeinsamen Verlangen entspricht. Uns ist es sehr wichtig, einen gemeinsamen Weg zu finden, der f\u00fcr beide stimmt. Eine Beziehung zu f\u00fchren, heisst, auf Ver\u00e4nderungen einzugehen und die Beziehung laufend zu \u00fcberpr\u00fcfen und anzupassen.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abDie Kinder schauen ganz ohne Wertung hin. Nicht wie die Erwachsenen: Diese sind es, welche die Kinder mit Vorurteilen pr\u00e4gen\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00abEin Kind braucht doch einen Vater und eine Mutter!\u00bb<\/strong><br \/>\nDas behaupten oft die Gegner*innen von Regenbogenfamilien: Den Kindern w\u00fcrde mit zwei M\u00fcttern beziehungsweise mit zwei V\u00e4tern etwas fehlen oder im Schulalltag eine grosse B\u00fcrde auferlegt. Camilla sieht das anders: \u00abIm Kindergarten waren die Reaktionen der Kinder sogar sehr positiv, weil Severino gleich zwei Mamis und einen Papi hat und nicht nur eine Mutter und einen Vater.\u00bb<br \/>\nCamilla zufolge gehen Kinder sehr frei und nat\u00fcrlich damit um. Sie sehen einzig die Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Nur das sei f\u00fcr sie relevant: \u00abDie Kinder schauen ganz ohne Wertung hin. Nicht wie die Erwachsenen: Diese sind es, welche die Kinder mit Vorurteilen pr\u00e4gen. Zudem braucht es ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen, wie eine indianische Weisheit besagt.\u00bb<\/p>\n<p>Gegner*innen von Regenbogenfamilien sehen bei gleichgeschlechtlichen Paaren das Kindeswohl in Gefahr. Doch dieses Argument ziehe gem\u00e4ss Claudia nicht: \u00abWas ist mit dem Wohl der Kinder, die<br \/>\nbei alleinerziehenden Eltern aufwachsen? Da fehlt auch eine Mutter oder ein Vater. Oder bei Eltern, die zwar heterosexuell, aber drogens\u00fcchtig oder gewaltt\u00e4tig sind.\u00bb Entscheidend f\u00fcr das Kindeswohl seien nicht das Geschlecht der Eltern, sondern die Liebe und Verbindlichkeit der Beziehung, die Eltern mit ihren Kindern eingehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_86247\" aria-describedby=\"caption-attachment-86247\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-86247\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 800 1200'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2.jpg\" alt=\"regenbogenfamilie\" width=\"800\" height=\"1200\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2.jpg 800w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-200x300.jpg 200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-400x600.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-768x1152.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-561x842.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-364x546.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-728x1092.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-608x912.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-758x1137.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-32x48.jpg 32w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-64x96.jpg 64w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/regenbogenfamilie-polyamouroes-2-313x470.jpg 313w\" data-sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-86247\" class=\"wp-caption-text\">\u00abWir sprechen mit Serverino \u00fcber Diskriminierung, damit er ein Bewusstsein daf\u00fcr entwickelt.\u00bb (Bild: Predrag Jurisic)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie es Severino dabei geht<\/strong><br \/>\nDer f\u00fcnf Jahre alte Severino ist ein lebhafter Junge \u2013 wissbegierig und aufgestellt, kommunikativ und intelligent. Ihn interessieren besonders die Natur und die Tiere: Als wir beim Fotoshooting nach einem geeigneten Platz f\u00fcr die ersten Bilder suchen, bleibt er bei einer Gruppe von K\u00fchen stehen, geht hin, beobachtet und nimmt achtsam Kontakt zu den Tieren auf. F\u00fcr einen F\u00fcnfj\u00e4hrigen wirkt er viel aufmerksamer und \u00fcberlegter als gleichaltrige Kinder, obwohl er dieselbe vertr\u00e4umte und verspielte Art an den Tag legt.<\/p>\n<p>Severino scheint es mehr als nur gut zu gehen. Entstanden ist er als Wunschkind in der Ehe von Claudia mit dem Vater Marino (Name der Redaktion bekannt). Da waren Claudia und Camilla schon zusammen und Marino ein Bestandteil der polyamoren Konstellation. Nach gemeinsamen sieben Jahren hat sich Marino entschieden, wieder zur\u00fcck nach S\u00fcdamerika zu gehen, wo er heute zwar lebt, als Vater jedoch voll und ganz in der Familie integriert ist: \u00abEr tut uns und Severino gut. Severino geniesst die Auseinandersetzung mit seinem Vater und w\u00e4chst dadurch auch mit einem m\u00e4nnlichen Rollenbild auf. Zweimal im Jahr fliegt Marino zu uns in die Schweiz und h\u00e4lt auch sonst regelm\u00e4ssig Kontakt zu seinem Sohn\u00bb, erl\u00e4utert Claudia.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abJeder Mensch geh\u00f6rt sich selbst und keinem anderen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf die Frage, ob Severino in seinem Schulalltag schon einmal kritischen oder verletzenden Bemerkungen zum Familienmodell begegnet ist, antwortet Camilla: \u00abDer Umgang mit unserer Regenbogenfamilie ist in unserem Kindergarten offen. Es gab bisher keine schlechte R\u00fcckmeldung.\u00bb Und f\u00fcr den Fall, dass es eines Tages doch dazu kommt, haben Camilla und Claudia in der Erziehung vorgesorgt: \u00abWir sprechen mit ihm \u00fcber Diskriminierung, damit er ein Bewusstsein daf\u00fcr entwickelt. Unabh\u00e4ngig von der Familienkonstellation sollte ein Kind Strategien entwickeln, wie es sich selber sch\u00fctzen und gegen Diskriminierung f\u00fcr sich oder andere einstehen kann. In unserer Erziehung verfolgen wir eine Nulltoleranz gegen\u00fcber Diskriminierungen jeglicher Art \u2013 betreffe es die Herkunft, das Aussehen oder die sexuelle Orientierung einer Person.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Besitzen ist keine Beziehung<\/strong><br \/>\nManch ein Mantra stimmt wirklich, selbst wenn es von Seelengurus stammt: Das eigene Gl\u00fcck kommt von innen. So auch das Gef\u00fchl von Normalit\u00e4t. Beides h\u00e4ngt nicht von \u00e4usseren Erwartungen und Normen ab, sondern von den inneren Bed\u00fcrfnissen\u202f\u2013 ob gl\u00fccklich alleinstehend, polyamour\u00f6s verpartnert, aufgeregt verlobt, monogam verheiratet oder zufrieden geschieden. Weder die eine noch die andere Liebes- oder Lebensform bedarf einer Rechtfertigung, sondern unserer Achtung.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Zsem2kPUpz\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/06\/09\/bundesrat-soll-weitere-diskriminierung-von-regenbogenfamilien-verhindern\/\">Weitere Diskriminierung von Regenbogenfamilien verhindern!<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Weitere Diskriminierung von Regenbogenfamilien verhindern!&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/06\/09\/bundesrat-soll-weitere-diskriminierung-von-regenbogenfamilien-verhindern\/embed\/#?secret=Zsem2kPUpz\" data-secret=\"Zsem2kPUpz\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Dabei muss uns eins bewusst sein: \u00abJeder Mensch geh\u00f6rt sich selbst und keinem anderen.\u00bb Was aus der Feder eines Flirts stammt, hat mir vor Jahren den Grundsatz von Beziehungen vermittelt: Besitzen ist keine Beziehung. Eine Beziehung ist eine dynamische und wechselseitige Verbindung von Menschen, die genauso ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen hat wie jedes daran beteiligte Individuum, aber ebenso daran wachsen oder scheitern kann.<\/p>\n<p>Sicher ist: Wir Menschen sind in der Lage zu lieben. Und Liebe ist ein irrsinniges Gef\u00fchl, das wir in verschiedenen Formen miteinander teilen \u2013 die Mutter-Kind-Liebe, die Liebe zum Fussballverein oder die Liebe zu Freund*innen und Partner*innen. Sch\u00f6ne Gef\u00fchle zu teilen, ist menschlich. Sie in Form von Besitz zu materialisieren, f\u00fchrt zu Frustrationen, Konflikten und Schlimmerem. Liebe l\u00e4sst sich zwar teilen, nicht aber besitzen.<\/p>\n<p class=\"lavendel\"><strong>Glossar<\/strong><\/p>\n<p class=\"lavendel\">Die <strong>Polyamorie<\/strong> steht f\u00fcr Beziehungskonstellationen, in denen Menschen mehrere Liebesbeziehungen zur gleichen Zeit haben. Nicht alle Beteiligten haben mehrere Partner*innen, wissen jedoch \u00fcber die anderen Beziehungen Bescheid und sind damit einverstanden.<\/p>\n<p class=\"lavendel\">Eine <strong>offene Beziehung<\/strong> ist eine Partnerschaft zwischen zwei Personen, in denen beide Partner*innen wissentlich andere Sexualpartner*innen haben d\u00fcrfen. Allerdings bleibt die Beziehung auf der emotionalen\/sozialen Ebene \u00abmonogam\u00bb, w\u00e4hrend bei der Polyamorie mehrere Bindungen sowohl sexueller als auch emotionaler Natur erlaubt sind.<\/p>\n<p class=\"lavendel\">Die <strong>Polygamie<\/strong> bezeichnet die Ehe oder eine ehe\u00e4hnliche Beziehung zwischen mehreren Menschen, egal welchen Geschlechts. Die Bigamie ist die kleinste der Polygamievarianten, das heisst ein Mensch f\u00fchrt maximal zwei Ehen gleichzeitig.<\/p>\n<p class=\"lavendel\">Die <strong>Polygynie<\/strong> ist die verbreitetste Form der Polygamie: Ein Mann f\u00fchrt eine Ehe oder ehe\u00e4hnliche Beziehungen mit mehreren Frauen gleichzeitig. Hat eine Frau mehrere Ehem\u00e4nner, ist die Rede von Polyandrie.<\/p>\n<p class=\"lavendel\">Die <strong>Monogamie<\/strong> definiert eine Paarbeziehung, bei der sich die beiden Partner*innen emotional\/sozial und sexuell treu sind. Liebes- oder Sexbeziehungen ausserhalb dieser Beziehung sind ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hauptsache gl\u00fccklich: Eine polyamour\u00f6se Regenbogenfamilie erz\u00e4hlt aus ihrem Familien- und Liebesleben und macht damit anderen Familien und anders Liebenden Mut. Eine Homestory aus der Ostschweiz \u2013 etwas anders und doch vertraut. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/diese-regenbogenfamilie-lebt-polyamouroes\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":86231,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4371],"tags":[5478,5486,5509,56],"wps_subtitle":"Ein Portr\u00e4t \u00fcber eine polyamour\u00f6se Familie aus der Ostschweiz","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86170"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/30"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86170"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86170\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/86231"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}