{"id":76119,"date":"2020-04-08T09:31:50","date_gmt":"2020-04-08T07:31:50","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=76119"},"modified":"2023-06-22T08:08:09","modified_gmt":"2023-06-22T06:08:09","slug":"axel-ranisch-ich-habe-mich-immer-haesslich-gefunden-bis-peter-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/axel-ranisch-ich-habe-mich-immer-haesslich-gefunden-bis-peter-kam\/","title":{"rendered":"\u00abIch habe mich immer h\u00e4sslich gefunden \u2013 bis Paul kam\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Axel Ranisch wurde 1983 in Ost-Berlin geboren. Er machte 2011 mit seinem Diplomfilm \u00abDicke M\u00e4dchen\u00bb auf sich aufmerksam. Er steht oft vor und hinter der Kamera, drehte 2016 einen ber\u00fcchtigten \u00abTatort\u00bb, schreibt B\u00fccher und f\u00fchrt seit neuestem sehr erfolgreich Regie an internationalen Opernh\u00e4usern. Im neuen Rosa-von-Praunheim-Film \u00fcber \u00abOperndiven \u2013 Operntunten\u00bb ist Ranisch einer der Protagonisten, zusammen mit MANNSCHAFT-Autor Kevin Clarke. Die beiden trafen sich vorab zu einem Gespr\u00e4ch \u00fcber die Opernszene und dar\u00fcber, welche Ausgrenzungserfahrungen Ranisch in der LGBTIQ-Szene als Nerd und \u00ab\u00fcbergewichtige Tunte\u00bb (Eigenbeschreibung) gemacht hat.<\/h3>\n<p><strong>Alle reden von Inklusion und davon, dass weisse Cis-M\u00e4nner so privilegiert seien, auch Schwule. Wie war es f\u00fcr dich als junger Mann in der LGBTIQ-Szene?<\/strong><br \/>\nIch habe mich lange nach sexueller Erfahrung gesehnt, diese aber nicht bekommen. Auch, weil ich mich nicht getraut habe. Ich hab\u2018 es in Chat-Gruppen versucht, was mit Negativerlebnissen belastet war, weil das mit meinem Gayromeo-Profil total in die Hose ging. Ich bekam lauter d\u00e4mliche Kommentare, u. a. Aufforderungen die Seite zu verlassen, weil die nicht gemacht sei f\u00fcr jemanden, der so dick ist wie ich. Real in eine Schwulenbar zu gehen, habe ich daraufhin gar nicht erst gewagt.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"HH8EZnwzxO\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/11\/01\/casta-diva-der-erste-schwule-opernfuehrer-der-welt\/\">\u00abCasta Diva\u00bb: Der erste schwule Opernf\u00fchrer der Welt<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abCasta Diva\u00bb: Der erste schwule Opernf\u00fchrer der Welt&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/11\/01\/casta-diva-der-erste-schwule-opernfuehrer-der-welt\/embed\/#?secret=HH8EZnwzxO\" data-secret=\"HH8EZnwzxO\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Wie bist du jenseits von Dating-Portalen mit deiner Homosexualit\u00e4t umgegangen?<\/strong><br \/>\nIch hab\u2018 lange mit der Tatsache gehadert, dass ich schwul bin. Ich habe das zwar mitgekriegt, aber nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Ich kannte Ende der 1990er-Jahre keine Schwulen in Berlin-Lichtenberg, in meiner Schule hat sich niemand geoutet. Als ich merkte, dass ich viel mehr Verz\u00fcckung bei den Jungs in meiner Klasse versp\u00fcrte als bei M\u00e4dchen, wusste ich nicht, ob sonst irgendwer so f\u00fchlt. Schwule, die ich aus dem Fernsehen kannte, haben mir eher Angst gemacht, weil die grell und bunt und laut und schrill waren. Und ich auf keinen Fall auffallen wollte. <em>(lacht)<\/em><\/p>\n<p><strong>Und dann trafst du Rosa von Praunheim!<\/strong><br \/>\nMit 20 habe ich angefangen an der Filmhochschule zu studieren, da wurde Rosa mein Professor. Und alles \u00e4nderte sich schlagartig. <em>(lacht)<\/em> Bis dahin war ich ein Mauerbl\u00fcmchen. Und auf einmal hat Rosa gesagt: \u00abDas kann ja nicht sein, dass du keine Schwulen kennst! Du kommst jetzt mit zu mir!\u00bb Bei den verschiedenen Filmpartys und Geburtstagsfeiern von Rosa wurde ich dann immer vorgestellt als \u00abder geniale Student, der noch nie Sex hatte\u00bb. Pl\u00f6tzlich war ich in einer Szene, wo ich zumindest schon mal Kontakte zu anderen Homosexuellen hatte. (lacht) Bei Rosa waren nie Leute, die mich ablehnten oder abwerteten.<\/p>\n<p><strong>Wie ging\u2019s weiter?<\/strong><br \/>\nEtwas schwieriger wurde es, als meine Eltern irgendwann meinen schrillen Professor zu Gesicht bekamen. Er kam zum Hausbesuch, weil er meine Eltern kennenlernen wollte. Er fragte vorher, ob er einen Kameramann mitbringen d\u00fcrfe. Nach Biolek und Hape Kerkeling dachte ich: \u00abJetzt bin ich dran mit einem Outing!\u00bb<em> (lacht)<\/em> Ich habe Rosa am Bahnhof abgeholt und sass schweissgebadet zuhause auf dem Sofa. Ich lauschte dem Smalltalk zwischen ihm, meiner Oma und meinen Eltern. Rosa schw\u00e4rmte die ganze Zeit davon, was f\u00fcr ein begabter Student ich sei. Und dass sie mich unterst\u00fctzen sollten. Dann war er weg \u2013 ohne Outing.<\/p>\n<figure id=\"attachment_76178\" aria-describedby=\"caption-attachment-76178\" style=\"width: 966px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-76178 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 966 1080'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02.jpg\" alt=\"Axel Ranisch\" width=\"966\" height=\"1080\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02.jpg 966w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-268x300.jpg 268w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-425x475.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-768x859.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-561x627.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-894x999.jpg 894w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-364x407.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-758x847.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-608x680.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-43x48.jpg 43w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-86x96.jpg 86w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Axel_02-400x447.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 966px) 100vw, 966px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-76178\" class=\"wp-caption-text\">Axel Ranisch beim Gespr\u00e4ch in seiner K\u00fcche, wo er von seiner Liebe zu Joan Sutherland erz\u00e4hlt (Foto: Rosa von Praunheim Film\/arte)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Hast du dich selbst geoutet?<\/strong><br \/>\nDas hat noch einen Moment gedauert. Ich wollte warten, bis ich einen Freund hatte, den ich meinen Eltern vorstellen konnte. Aber das passierte nicht. Zwei Jahre sp\u00e4ter war ich so ungl\u00fccklich verliebt in einen stockheterosexuellen Jungen und hatte solchen Liebeskummer, dass meine Mutter es bemerkte. Beim Fr\u00fchst\u00fccksgespr\u00e4ch lieferte sie mir quasi eine Steigvorlage. Und dann kam\u2019s raus.<\/p>\n<p><strong>Wurde es danach einfacher, einen Freund zu finden?<\/strong><br \/>\nIch habe mich immer h\u00e4sslich gefunden und mit meiner K\u00f6rperlichkeit und hohen Stimme gek\u00e4mpft. Weil ich \u00fcberhaupt nicht maskulin bin, sondern weich wie ein Teddyb\u00e4r. Deswegen fand ich die Ablehnung bei Gayromeo nicht \u00fcberraschend. Ich habe das einfach hingenommen. Attraktiv habe ich mich erst gef\u00fchlt, als ich meinen jetzigen Ehemann traf. Der mich so geliebt hat, wie ich bin.<\/p>\n<p><strong>Ihr habt euch sicher nicht \u00fcber Gayromeo kennengelernt?<br \/>\n<\/strong>Nein. <em>(lacht)<\/em> Rosa hat mit mir Mantra-artige \u00dcbungen gemacht und mir ein Buch geschenkt, in das ich reinschreiben sollte, wie der Mann aussehen m\u00fcsste, den ich liebe: in Form von Gedichten und Liedern. Wenn das Buch voll sei, w\u00fcrde dieser Mann an meiner T\u00fcr klingeln, meinte Rosa. <em>(lacht)<\/em> Und als das Buch voll war, klingelte unverhofft ein ehemaliger Mitsch\u00fcler aus der Grundschule bei meiner Mutter in der Physiotherapie. Ich sass damals mit ihr bei einem Wein und sie sagte, sie wusste schon, dass ich schwul sei, als ich 11 war<em>. <\/em>Darauf antwortete ich, dass ich mit 11 in meinem Mitsch\u00fcler Paul verliebt war, der aber mit allen M\u00e4dchen knutschte. Und eben dieser Paul war am Tag nach dem Weinabend bei meiner Mutter in der Praxis und hat seine Telefonnummer hinterlassen. Das war irgendwie schr\u00e4g und magisch.<\/p>\n<p><strong>Liebe auf den zweiten Blick?<br \/>\n<\/strong>Ich habe etwas Mut gebraucht, um ihm eine SMS zu schicken, nachdem ich ihn 15 Jahre nicht gesehen hatte. Wir schrieben uns dann wochenlang hin und her. Schliesslich lud ich ihn zum Essen ein. Als er hierherkam interessierte er sich enorm f\u00fcr den Pierre-et-Gilles-Katalog auf meinem Sideboard. Da dachte ich: \u00abOkay, er ist auch schwul, den erobere ich jetzt.\u00bb Das hat ein halbes Jahr gedauert. Jetzt sind wir seit 11 Jahren zusammen und seit drei Jahren verpartnert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_76130\" aria-describedby=\"caption-attachment-76130\" style=\"width: 801px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1.png\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-76130 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 801 465'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1.png\" alt=\"Axel Ranisch\" width=\"801\" height=\"465\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1.png 801w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-300x174.png 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-425x247.png 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-768x446.png 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-561x326.png 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-364x211.png 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-758x440.png 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-608x353.png 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-83x48.png 83w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-165x96.png 165w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Screenshot-177-1-400x232.png 400w\" data-sizes=\"(max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-76130\" class=\"wp-caption-text\">Axel Ranisch (re) und Paul in ihrer Wohnk\u00fcche in Lichtenberg, Szene aus der neuen Doku \u00fcber Operntunten (Foto: Rosa von Praunheim Film\/arte)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Hast du deine Erlebnisse k\u00fcnstlerisch verarbeitet?<br \/>\n<\/strong>Es gibt den Film \u00abIch bin Disco\u00bb, da ist die Geschichte drin. Ich habe den Roman \u00abNackt \u00fcber Berlin\u00bb geschrieben, wo das Thema vorkommt. Den will ich n\u00e4chstes Jahr als Serie verfilmen: Es geht um einen dicken schwulen Teenie, der ein Klassik-Nerd ist und sich in einen Ausl\u00e4nder verliebt. Ausserdem haben wir zusammen ein H\u00f6rspiel gemacht f\u00fcr den NDR, \u00abAnton und Pepe\u00bb. Pepe ist bipolar und Anton muss lernen, damit umgehen.<\/p>\n<p><strong>Siehst du eine neue Offenheit f\u00fcr Themen wie K\u00f6rperideale, Bipolarit\u00e4t, Klassik-Nerd?<\/strong><br \/>\nNein. Ich habe eher das Gef\u00fchl, dass wir noch oberfl\u00e4chlicher werden. Dadurch, dass inzwischen jeder anonym seine Meinung sagen kann, wird alles viel beleidigender als vorher.<\/p>\n<p><strong>Wie merkst du das?<\/strong><br \/>\nDa muss ich mir bloss die Kommentare bei Youtube zu meinen Filmtrailern durchlesen. Youtube ist ein harter Ort f\u00fcr ungefilterte Kritik. Facebook ist nicht viel besser. Der Tonfall wird rauer. Als ich einen \u00abTatort\u00bb drehte, war das Facebook-Bashing geradezu extrem. Da fragt sich niemand mehr, ob das, was er da schreibt, irgendwie verletzend sein k\u00f6nnte. Es wird einfach rausgehauen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"W4qZCfJZ2y\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/03\/call-me-by-your-name-die-fortsetzung-kommt\/\">\u00abCall Me by Your Name\u00bb &#8211; Die Fortsetzung kommt!<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abCall Me by Your Name\u00bb &#8211; Die Fortsetzung kommt!&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/03\/call-me-by-your-name-die-fortsetzung-kommt\/embed\/#?secret=W4qZCfJZ2y\" data-secret=\"W4qZCfJZ2y\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Gilt das auch f\u00fcr den Opernbetrieb?<\/strong><br \/>\nDa erlebe ich solche Reaktionen nicht. Zwar denke ich manchmal gegen\u00fcber all den \u00fcberm\u00e4nnlichen B\u00fchnentechnikern, ich sei die nutzloseste und handwerklich untalentierteste Tucke der Welt. Aber bisher hat da niemand komisch reagiert, gerade die Techniker sind sogar extrem hilfsbereit. Verglichen mit der Filmszene ist das eine tolle Erfahrung. In der Filmwelt rennen sehr viele Leute rum, die nichts k\u00f6nnen und eine grosse Klappe haben. In der Oper rennen nur Menschen rum, die was auf dem Kasten haben.<\/p>\n<p><strong>Wie bist du zur Opernmusik gekommen?<\/strong><br \/>\nMit sechs oder sieben Jahren hat\u2019s mich erwischt mit der klassischen Musik. Ich hab\u2018 mich immer so aufgehoben gef\u00fchlt in den grossen Emotionen dieser St\u00fccke, in den gewaltigen Kl\u00e4ngen. Das sind ja Melodramen und Trag\u00f6dien. Und das wumst. Mit einem Popsong kommst du meist nicht auf mehr als drei Minuten. Den m\u00fcsstest du in Endlosschleife h\u00f6ren, um was Vergleichbares zu erleben. Das ist ja furchtbar.<em> (lacht)<\/em> Dann war ich mit meinem Vater in Wien auf einer Reise, da wollte in abends unbedingt ins Opernhaus. Allein. Es gab den \u00abLiebestrank\u00bb von Donizetti, das war mein Musiktheater-Erweckungserlebnis.<\/p>\n<p><strong>Was war so toll?<\/strong><br \/>\nDer grosse Zauber der Oper liegt in der Zeitlupe: Gef\u00fchle werden angehalten und man bekommt die Erlaubnis, darin zu baden, f\u00fcr unwahrscheinlich lange Zeit. Was andere bel\u00e4cheln an der Kunstform, dass da jemand f\u00fcnf Minuten \u00abIch liebe dich\u00bb singt, das war f\u00fcr mich genau das, worin ich aufging. Auf der anderen Seite passieren Dinge, die eigentlich zwei Jahre dauern, in einem Nebensatz. <em>(lacht)<\/em> Das ist v\u00f6llig unrealistisch, etwas das wir aus dem normalen Leben nicht kennen. Das zog mich an, weil ich damit aus der Realit\u00e4t heraustreten konnte.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/VSC3zkjRcSc\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Was waren deine Lieblingsopern?<\/strong><br \/>\nDonizettis \u00abLucia di Lammermoor\u00bb und \u00abLakm\u00e9\u00bb von Delibes in Aufnahmen mit der australischen Diva Joan Sutherland. Besonders die spektakul\u00e4ren Koloraturen in ihrer ber\u00fchmten Gl\u00f6ckchenarie schienen mir damals atemberaubend sch\u00f6n. Nicht von dieser Welt. \u00dcberirdisch.<\/p>\n<blockquote><p>Ich w\u00e4re nie auf die Idee gekommen, dass man auf den dunklen Stehpl\u00e4tzen im obersten Opernrang sexuelle Abenteuer erleben k\u00f6nnte.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>In deinen eigenen Operninszenierungen hast du \u00f6fter schwule Elemente eingebaut \u2026<\/strong><br \/>\nManchmal kommen anschliessend \u00e4ltere schwule Opernfans zu mir und sagen, wie sch\u00f6n sie es finden, dass so etwas heutzutage auf der B\u00fchne m\u00f6glich ist, dass man das nicht mehr verstecken muss.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fcher versteckten sich Operntunten in der Masse der Kultureliten \u2013 und nutzten die Opernbesuche auch zum Sex.<\/strong><br \/>\nAls Opernneuling war ich vollkommen naiv; ich w\u00e4re nie auf die Idee gekommen, dass man auf den dunklen Stehpl\u00e4tzen im obersten Rang sexuelle Abenteuer erleben k\u00f6nnte. Das ist nat\u00fcrlich toll, wenn Wagner in endlose Wiederholungen geht, kann man sich die Zeit vertreiben. <em>(lacht)<\/em><\/p>\n<p><strong>Und jetzt macht Rosa einen Film, der genau das beschreibt. <\/strong><\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr manche ein Schock. Denn: Sie gehen ja gerade deshalb in die Oper, weil das <em>nicht<\/em> anr\u00fcchig ist. Rosa reisst quasi ihr sch\u00f6nes Alibi ein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/083951-000-A\/operndiven-operntunten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abOperndiven \u2013 Operntunten\u00bb ist verf\u00fcgbar in der <em>arte<\/em>-Mediathek ab 18. April<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Axel Ranisch ist einer der Protagonisten im neuen Rosa-von-Praunheim-Film \u00fcber \u00abOperndiven \u2013 Operntunten\u00bb. Wir trafen ihn zum Gespr\u00e4ch \u00fcber Opernszene und Ausgrenzungserfahrungen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/axel-ranisch-ich-habe-mich-immer-haesslich-gefunden-bis-peter-kam\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":35,"featured_media":76175,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[83,4371],"tags":[5289,5466,2508,5523],"wps_subtitle":"Der Regisseur Axel Ranisch \u00fcber die Magie von Oper, seine Ausgrenzungserfahrungen in der LGBTIQ-Szene und die grosse Liebe, die erst auf Umwegen kam","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76119"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/35"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76119"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76119\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":172451,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76119\/revisions\/172451"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/76175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}