{"id":66835,"date":"2019-11-13T10:21:17","date_gmt":"2019-11-13T09:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=66835"},"modified":"2019-11-16T19:22:38","modified_gmt":"2019-11-16T18:22:38","slug":"queer-migrants-coming-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queer-migrants-coming-out\/","title":{"rendered":"Queer Migrants &#8211; wie gehen Familien mit Coming-out um?"},"content":{"rendered":"<h3>Am Wochenende hatte QLM \u2013 Queeres Leben in der Migrationsgesellschaft (Queer Migrants) in Hannover zum Workshop geladen: Er richtete sich an Eltern und Angeh\u00f6rige von LGBTIQ-Kindern und bot ihnen eine Plattform zum Erfahrungsaustausch.<\/h3>\n<p>Im Juli 2016 nahm die NVBF-Nieders\u00e4chsische Vernetzungsstelle f\u00fcr die Belange von LGBTIQ-Fl\u00fcchtlingen ihre Arbeit auf. In den letzten Jahren wurde jedoch deutlich, dass nicht nur im Kontext von Flucht sondern auch bei Menschen der zweiten und dritten Generation mit Migrationskontexten ebenfalls ein Bedarf f\u00fcr eine spezialisierte Anlaufstelle f\u00fcr den Themenbereich LGBTIQ besteht. Immer h\u00e4ufiger kamen Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, die aber keine Beratungsangebote vorgefunden haben, die sich mit ihren Mehrfachzugeh\u00f6rigkeiten auskennen und ad\u00e4quat auf ihre Bed\u00fcrfnisse reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"s0x6ECDjsu\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/10\/24\/vater-schneidet-seinem-schwulen-sohn-fast-die-kehle-durch\/\">Vater schneidet schwulem Sohn fast die Kehle durch<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Vater schneidet schwulem Sohn fast die Kehle durch&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/10\/24\/vater-schneidet-seinem-schwulen-sohn-fast-die-kehle-durch\/embed\/#?secret=s0x6ECDjsu\" data-secret=\"s0x6ECDjsu\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Um auch f\u00fcr diese Menschen eine Anlaufstelle sein zu k\u00f6nnen und vor allem das Thema LGBTIQ in die Strukturen der sozialen und politischen Migrationsarbeit, sowie in die Migrant*innenselbstorganisationen hineintragen zu k\u00f6nnen, wurde die NVBF um den gr\u00f6sseren Arbeitsbereich Migration erweitert. Unter dem neuen Namen \u00abQLM \u2013 Queeres Leben in der Migrationsgesellschaft\u00bb wurde ein Kompetenzzentrum aufgebaut. Das Projekt vom Andersraum e.V. und dem VNB. e.V. wird aus Mitteln des Nieders\u00e4chsischen Ministeriums f\u00fcr Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Am Samstag nun hatte man zum Workshop eingeladen, um Eltern und Angeh\u00f6rigen eine Plattform zum Erfahrungsaustausch bieten, in der sie geh\u00f6rt und auch verstanden werden. \u00abIm gesch\u00fctzten Rahmen bieten wir die M\u00f6glichkeit mit anderen Elternteilen und Angeh\u00f6rigen in Kontakt zu treten\u00bb, erkl\u00e4rt der Projektkoordinator der Queer Migrants,\u00a0Kadir \u00d6zdemir, selber t\u00fcrkischst\u00e4mmig.<\/p>\n<p>Homosexualit\u00e4t ist in vielen Communities auch weiterhin kaum ein \u00f6ffentliches Thema \u2013 schon gar nicht, wenn es die eigenen Kinder betrifft. Eltern, aber auch Angeh\u00f6rige queerer People of Color und Queers mit Migrationshintergrund sind nach einem Coming-Out aus dem famili\u00e4ren Umfeld oftmals \u00fcberfordert. Sie f\u00fchlen sich \u00fcberw\u00e4ltigt, missverstanden und isolieren sich h\u00e4ufig in ihren Communities. In dem Workshop gab es nun die M\u00f6glichkeit, sich auszutauschen.<\/p>\n<p>Eine Mutter berichtete von ihrer lesbischen Tochter und erz\u00e4hlte von ihren Schuldgef\u00fchlen, weil sie sie beim Coming-out nicht unterst\u00fctzt hatte, was ihr heute sehr leidtut. Mittlerweile kann sie sagen: Mein Kind kommt an erster Stelle. Wenn das eine Mutter in so einer Runde sagt, ist das viel kraftvoller, als wenn es jemand von uns gesagt h\u00e4tte, so \u00d6zdemir.<\/p>\n<p><strong>Soziale Kontrolle in der t\u00fcrkischen Community<br \/>\n<\/strong>Eine andere Teilnehmerin, dessen schwuler Sohn sich ihr anvertraut hatte, bekam dar\u00fcber Depressionen, weil sie sich von der Aussenwelt abzuschotten begonnen hatte. Sie mochte nicht mehr von Mitgliedern der t\u00fcrkischen Community gefragt werden, warum denn ihr Sohn immer noch nicht verheiratet sei \u2013 also nahm sie keine Einladungen mehr an, blieb f\u00fcr sich. Sie wollte die soziale Kontrolle, die in der t\u00fcrkischen Community noch stark vorhanden ist, vermeiden.<\/p>\n<p>Eingeladen hatte auch die T\u00fcrkische Gemeinde Niedersachsen (TGN), die eine Vertreterin zum Treffen schickte. Nejla Co\u015fkun ermutigte die Teilnehmerinnen, die sich und ihre Kinder oft als \u00abBetroffene\u00bb bezeichneten, die Homosexualit\u00e4t ihrer Kinder als Segen zu sehen \u2013 anstatt deren Identit\u00e4t zu problematisieren.<\/p>\n<p>Aktuell leben in Niedersachsen knapp 8 Millionen Menschen, von denen 1,6 Millionen einen Migrationskontext haben. In den gr\u00f6sseren Kommunen des Landes ist es sogar jedes vierte Kind.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"c7i1aJsMTT\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/10\/31\/gay-news-die-november-ausgabe-der-mannschaft-ist-da\/\">Das bringt die November-Ausgabe der MANNSCHAFT!<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Das bringt die November-Ausgabe der MANNSCHAFT!&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/10\/31\/gay-news-die-november-ausgabe-der-mannschaft-ist-da\/embed\/#?secret=c7i1aJsMTT\" data-secret=\"c7i1aJsMTT\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Man geht bei Queer Migrants davon aus, dass innerhalb dieser grossen Gruppe zwischen 90.000 \u2013 120.000 LGBTIQ sind. Was Hannover betrifft, sei die Landeshauptstadt \u2013 die seit dem Wochenende den ersten Oberb\u00fcrgermeister mit Migrationshintergrund hat \u2013 mit einer halben Million Einwohner*innen recht gross, aber in der Struktur nicht vergleichbar mit St\u00e4dten Berlin oder K\u00f6ln. Viele der T\u00fcrk*innen, Kurd*innen oder Araber*innen sind hier vernetzt, kennen sich untereinander, sodass schwule oder lesbische Kinder nach der Schule oft die Stadt verlassen, um sich der sozialen Kontrolle zu entziehen.<\/p>\n<p><strong>Nicht alle Queer Migrants wollen Sichtbarkeit<br \/>\n<\/strong>Doch auch unter homosexuellen Migranten gebe es unterschiedliche Bedarfe. Da seien jene, denen es durchaus ein Bed\u00fcrfnis sei, sichtbar zu sein und \u00fcber ihre sexuelle Identit\u00e4t zu sprechen. Anderen wiederum sei es lieber, LGBTIQ nicht zu thematisieren, um unerkannt, gewissermassen unter dem Radar leben zu k\u00f6nnen. \u00d6zdemir erz\u00e4hlt, dass es etwa in t\u00fcrkischen Caf\u00e9s normal sei, wenn ein Mann hereinkommt und keinen Platz mehr findet, dass er sich bei einem anderen auf den Schoss setzt, dass beide M\u00e4nner auch z\u00e4rtlich miteinander sind. Solange das Thema Homosexualit\u00e4t nicht im Raum stehe, k\u00e4me auch niemand auf die Idee, solche Gepflogenheiten anders zu sehen.<\/p>\n<p>Acht M\u00fctter kamen aus der t\u00fcrkisch-kurdisch-arabischen Community &#8211; immerhin, auch wenn man sich mehr erhofft hatte. Auch zumindest einen Vater h\u00e4tte man sich in der Runde gew\u00fcnscht. \u00abAber diejenigen, die da waren, waren genau richtig\u00bb, so Kadir. Sie kamen, um mit anderen \u00fcber die Tatsache sprechen zu k\u00f6nnen, dass sie einen schwulen Sohn oder eine lesbische Tochter hatten. Teilweise h\u00e4tten auch die Ehem\u00e4nner Bescheid gewusst, auch wenn es laut \u00d6zdemir oft die Mutter sei, der sich queere Migrant*innen anvertrauten. Sie seien traditionell f\u00fcr emotionale Angelegenheiten zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes will man eine offene Sprechstunde anbieten, zu der Elternteile oder Angeh\u00f6rige anonym gehen k\u00f6nne, ohne sich anmelden zu m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende hatte\u00a0QLM \u2013 Queeres Leben in der Migrationsgesellschaft zum Workshop geladen: Er richtete sich an Eltern und Angeh\u00f6rige von LGBTIQ-Kindern. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queer-migrants-coming-out\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":66892,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[5442,5434,5512,349],"wps_subtitle":"Am Wochenende trafen sich Eltern und Angeh\u00f6rige in Hannover zum Erfahrungsaustausch","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66835"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66835"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66835\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}