{"id":62369,"date":"2019-08-31T09:19:19","date_gmt":"2019-08-31T07:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=62369"},"modified":"2019-08-31T09:40:17","modified_gmt":"2019-08-31T07:40:17","slug":"sexuelle-vielfalt-parteipolitisches-kleinklein-stoert-lgbtiq-erinnerungsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/sexuelle-vielfalt-parteipolitisches-kleinklein-stoert-lgbtiq-erinnerungsarbeit\/","title":{"rendered":"Parteipolitisches Kleinklein st\u00f6rt LGBTIQ-Erinnerungsarbeit"},"content":{"rendered":"<h3>Die Hamburger FDP hat einen Antrag zur Errichtung eines Denkmals f\u00fcr sexuelle Vielfalt gestellt. Doch w\u00e4hrend etwa in D\u00fcsseldorf einem \u00e4hnlichen Bestreben ein intensiver Community-Prozess zu Grunde liegt, will man sich in der Hansestadt offenbar nur profilieren, schreibt Stefan Mielchen, Erster Vorsitzender beim Hamburg Pride, in seinem Samstagskommentar*.<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/06\/07\/stonewall-riots-new-yorker-polizeichef-entschuldigt-sich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltweit wurde in diesem Jahr \u00fcber 50 Jahre Stonewall geredet.<\/a> Ein stolzes Jubil\u00e4um, das den Widerstand gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt feierte &#8211; und aus dem auch ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter unterschiedliche Communities rund um den Globus Kraft sch\u00f6pfen. Wenngleich erst allm\u00e4hlich gesehen und namentlich benannt wird, wer die wahren Held*innen der Christopher Street waren.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"2zzPntirCk\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/22\/lgbtiq-news-die-september-ausgabe-der-mannschaft-ist-da\/\">Das bringt die September-Ausgabe der MANNSCHAFT!<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Das bringt die September-Ausgabe der MANNSCHAFT!&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/22\/lgbtiq-news-die-september-ausgabe-der-mannschaft-ist-da\/embed\/#?secret=2zzPntirCk\" data-secret=\"2zzPntirCk\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>W\u00e4hrend alle Welt feierte, wurden zwei deutsche Jubil\u00e4en kaum thematisiert: Reform und Abschaffung des Paragraphen 175 im bundesdeutschen Strafrecht vor 50 beziehungsweise 25 Jahren. Dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte, das f\u00fcr viele zerst\u00f6rte Leben steht, r\u00fcckte weit weniger ins \u00f6ffentliche Bewusstsein. Dabei sind die Auswirkungen des Paragraphen bis heute sp\u00fcrbar. Vor allem \u00e4ltere schwule M\u00e4nner k\u00f6nnen ein trauriges Lied davon singen.<\/p>\n<p>Stolz und Schande \u2013 beides ist in der Bundesrepublik eng miteinander verwoben und verdient eine angemessene W\u00fcrdigung. Umso erschreckender ist es, wie unsensibel Parteipolitiker mit Erinnerung und Gedenken h\u00e4ufig umgehen. Mittlerweile scheint das historische Bewusstsein derart verblasst zu sein, dass man selbst den Paragraphen 175 zur Reaktivierung vorschlagen kann \u2013 wenn auch mit einer anderen Zielrichtung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/22\/diesmal-pro-homosexuelle-neuer-paragraf-175\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und Karl-Heinz Brunner wollten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einem eigenen Gesetzentwurf zum Verbot so genannter \u00abKonversionstherapien\u00bb vorf\u00fchren, und dies ausgerechnet mit der Ziffer 175 im Strafrecht festschreiben.<\/a> Nach diversen Protesten ruderte Brunner, der auch neuer SPD-Vorsitzender werden will, zwar kleinlaut zur\u00fcck. Doch die Idee war in der Welt. Und man fragt sich fassungslos, wie ein ehemaliger und ein amtierender Fraktionssprecher f\u00fcr LGBTI-Belange einen Vorschlag in Umlauf bringen konnten, der die hohe Symbolkraft des Paragraphen ignoriert und die Empfindungen der noch lebenden Opfer beleidigt.<\/p>\n<p>Da ist die Zivilgesellschaft zuweilen wesentlich weiter. Unabh\u00e4ngig von aktuellen Jubil\u00e4en wird auf lokaler Ebene in mehreren deutschen St\u00e4dten derzeit diskutiert, wie man dem Gedenken an die Verfolgung und der W\u00fcrdigung der Emanzipation einen angemessenen \u00f6ffentlichen Raum geben kann. Hamburg, D\u00fcsseldorf, Darmstadt: \u00dcberall waren es engagierte Einzelpersonen, Vereine und Verb\u00e4nde aus der Community, die die Initiative hierzu ergriffen und sich politische Unterst\u00fctzung suchten.<\/p>\n<p><strong> Darmstadt und D\u00fcsseldorf arbeiten im Konsens<br \/>\n<\/strong>Doch w\u00e4hrend in Darmstadt der Vorstoss von allen Parteien im Stadtrat getragen wird und in D\u00fcsseldorf ein intensiver Community-Prozess die Grundlagen f\u00fcr das weitere Vorgehen der st\u00e4dtischen Kunstkommission legte, auch hier im breiten Konsens der Stadtgesellschaft, geriet das Projekt in Hamburg unl\u00e4ngst in den beginnenden B\u00fcrgerschaftswahlkampf. Hier zeigte sich einmal mehr, wie wenig Erinnerungsarbeit und parteipolitisches Kleinklein zusammenpassen.<\/p>\n<p>So griff sich die Hamburger FDP-Fraktion den Vorschlag zur Errichtung eines Denkmals f\u00fcr sexuelle Vielfalt, der aus einem kleinen Initiativkreis schwuler M\u00e4nner der Hansestadt an sie herangetragen wurde, und machte daraus ihren eigenen Antrag, der den Senat ausf\u00fchrlich und gut begr\u00fcndet zum Handeln aufforderte. Auf die Idee, im Vorfeld einen interfraktionellen Konsens herbeizuf\u00fchren, kamen die Liberalen offenbar nicht. Doch um das Anliegen \u2013 auch angesichts einer erstarkenden Rechten \u2013 gesellschaftlich breiter zu verankern, w\u00e4re genau dies sinnvoll gewesen: einen gemeinsamen politischen Willen m\u00f6glichst des gesamten Parlamentes zu artikulieren, statt alleine politisch punkten zu wollen.<\/p>\n<p>Zumal es bei dem geplanten Denkmal nicht prim\u00e4r um die Opfer von Verfolgung gehen soll. \u00abHamburg muss sich stark machen gegen Hass, Intoleranz und Ungerechtigkeit. Hamburgs Anspruch als Zukunftsstadt muss immer sein, dass hier Menschen jeden Geschlechts und jeder sexuellen Identita\u0308t in Frieden und frei leben und lieben ko\u0308nnen. Fu\u0308r diesen Anspruch und als weithin sichtbares Zeichen soll es in Hamburg ein Denkmal fu\u0308r sexuelle Vielfalt geben\u00bb, unterstrich die FDP in ihrer Antragsbegr\u00fcndung.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"zm8s8FnlmN\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/19\/denkmal-fuer-schwule-nazi-opfer-schon-wieder-beschmiert\/\">Denkmal f\u00fcr schwule Nazi-Opfer schon wieder beschmiert<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Denkmal f\u00fcr schwule Nazi-Opfer schon wieder beschmiert&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/19\/denkmal-fuer-schwule-nazi-opfer-schon-wieder-beschmiert\/embed\/#?secret=zm8s8FnlmN\" data-secret=\"zm8s8FnlmN\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Sexuelle Vielfalt ist Reizwort<\/strong><br \/>\nDer damit gesetzte Reizbegriff <em>sexuelle Vielfalt<\/em> zwang zur Positionierung \u2013 CDU, Linke und AfD in der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft verweigerten prompt ihre Zustimmung. Doch genau dies zeigt, wie sinnvoll eine intensive Debatte im Vorfeld gewesen w\u00e4re, um auch die Gegner und Zweifler mitzunehmen; D\u00fcsseldorf und Darmstadt haben es vorgemacht. Ein halbes Jahr vor der B\u00fcrgerschaftswahl arbeitete man bei der FDP aber lieber auf eigene Rechnung.<\/p>\n<p>Und so griff das \u00fcberkommene politische Ritual, nach dem eine regierende Mehrheit jeden noch so klugen Antrag unterst\u00fctzt &#8211; nur nicht, wenn er von der Opposition kommt. SPD und Gr\u00fcne dr\u00fcckten lieber einen eigenen Zusatzantrag durch, der in gr\u00f6sstm\u00f6glicher Schwammigkeit noch etwas Opfer-Gedenken hinzu formulierte und dies in einen Zusammenhang mit dem 40-j\u00e4hrigen CSD-Jubil\u00e4um in der Hansestadt im kommenden Jahr stellte. Hamburgs CSD-Macher erfuhren davon aus der Zeitung.<\/p>\n<blockquote><p>Die Beteiligten m\u00fcssen sich fragen lassen, wie ernst ihnen das Anliegen tats\u00e4chlich ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was f\u00fcr eine vertane Chance! Offenbar war es den handelnden Politiker*innen wichtiger, einen schnellen Punkt im beginnenden Wahlkampf zu erzielen, als das Thema in der gebotenen Ruhe und Breite vorzubereiten. W\u00e4hrend sich nun drei Fraktionen r\u00fchmen, f\u00fcr eine gute Sache gek\u00e4mpft zu haben, ist kaum damit zu rechnen, dass sich vor der Hamburg-Wahl im kommenden Februar in Sachen Denkmal Entscheidendes tut. Danach werden die Karten neu gemischt. Und die Beteiligten m\u00fcssen sich fragen lassen, wie ernst ihnen das Anliegen tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"1iuULu2dt8\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/27\/umfrage-umweltschutz-schwul\/\">UMFRAGE: Wie schwul ist Umweltschutz?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;UMFRAGE: Wie schwul ist Umweltschutz?&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/08\/27\/umfrage-umweltschutz-schwul\/embed\/#?secret=1iuULu2dt8\" data-secret=\"1iuULu2dt8\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Das Hamburger Beispiel zeigt, wie politische Rituale und Taktierereien wichtige gesellschaftliche Anliegen konterkarieren. Dabei w\u00e4re es gerade im Jahr des 50-j\u00e4hrigen Stonewall-Gedenkens ein gutes Signal gewesen, politisch einen Ort auf den Weg zu bringen, der die Opfer von Hass, Intoleranz und Ungerechtigkeit ebenso wertsch\u00e4tzt wie die K\u00e4mpfer*innen der Emanzipationsbewegungen, deren errungene Freiheiten wir heute geniessen. Es steht zu hoffen, dass dies trotz des fehlenden politischen Feingef\u00fchls und des mangelnden Willens, Parteiinteressen aussen vor zu lassen, auch in Hamburg noch gelingt.<\/p>\n<p><strong>*Jeden Samstag ver\u00f6ffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hamburger FDP hat einen Antrag zur Errichtung eines Denkmals f\u00fcr sexuelle Vielfalt gestellt. 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