{"id":60205,"date":"2019-07-26T09:34:41","date_gmt":"2019-07-26T07:34:41","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=60205"},"modified":"2020-07-05T12:53:50","modified_gmt":"2020-07-05T10:53:50","slug":"bei-mir-haben-sich-schwule-und-lesben-herzlich-gern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/bei-mir-haben-sich-schwule-und-lesben-herzlich-gern\/","title":{"rendered":"\u00abBei uns haben sich Schwule und Lesben herzlich gern\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>In den letzten Julitagen im Jahr 1979 wurde Geschichte geschrieben. Schwule und Lesben trafen sich in Frankfurt am Main und nannten es <em>Homolulu<\/em>, \u00abTurtel- und Schmusewiese\u00bb\u00a0inklusive. Ihr Ziel: die Welt ver\u00e4ndern. Auch der junge Ralf K\u00f6nig war dabei. Er fing damals an zu zeichnen.<\/h3>\n<p>Ralf K\u00f6nig zeichnet in diesem Sommer seit 40 Jahren \u2013 damals hatte er sein Coming-out, danach legte er los. <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2017\/03\/12\/ralf-koenig-erhaelt-wilhelm-busch-preis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mittlerweile wurde er u.a. ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Busch-Preis, den auch einst Loriot erhielt.<\/a> Neu ist der Vorwurf: K\u00f6nig soll rassistisch und transphob sein. Anlass ist sein Wandgem\u00e4lde in Br\u00fcssel. Der K\u00fcnstler versteht die Welt nicht mehr. Auch viele seiner Kollegen sprachlos.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"gcwQwiHMWj\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/05\/20\/rassistisch-hella-von-sinnen-nimmt-ralf-koenig-in-schutz\/\">Rassistisch? Hella von Sinnen verteidigt Ralf K\u00f6nig<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Rassistisch? Hella von Sinnen verteidigt Ralf K\u00f6nig&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/05\/20\/rassistisch-hella-von-sinnen-nimmt-ralf-koenig-in-schutz\/embed\/#?secret=gcwQwiHMWj\" data-secret=\"gcwQwiHMWj\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Ralf, wenn du mir die ironische Eingangsfrage erlaubst: Du zeichnest seit \u00fcber 30 Jahren deine Figuren. Wie konntest Du solange unerkannt als Rassist und Transhasser durchkommen?<\/strong><br \/>\nNaja, ich bin einer von alten Generation. Und ich vermute mal, dass die, die mir das in Br\u00fcssel vorwerfen, kaum mal ein Buch von mir gelesen haben. Sie sehen also nur das Bild und stellen das nicht in den Kontext meiner Inhalte. Und da f\u00e4llt es mir schwer, zu sehen, was sie sehen.<\/p>\n<p><strong>Es gab \u00c4rger \u00fcber Deinen Wand-Comic in Br\u00fcssel. Erst solltest du 2 umstrittene Figuren &#8211; eine schwarze Frau, eine Dragqueen, die als trans Frau interpretiert wird &#8211; \u00fcberarbeiten. Das hast du abgelehnt. Nun d\u00fcrfen sie bleiben. Mit dem Zusatz, dass die Darstellung als transphob und rassistisch empfunden wird &#8211; den Aktivist*innen dort aufgespr\u00fcht haben. Empfindest du das noch als Dein Werk?<br \/>\n<\/strong>Sicher, und sie haben jedes Recht, ihre Ansichten deutlich zu machen. Im Grunde ist die Diskussion ja n\u00fctzlich, es bringt Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Perspektiven. Ich hatte ihnen geschrieben, dass sie es \u00fcberstreichen sollen, wenn es wirklich jemanden beleidigt oder verletzt. Es ist ihre Wand, sie k\u00f6nnen damit machen, was sie wollen! W\u00e4re schade, klar, ich kriege immer noch spassige Fotos von schwulen M\u00e4nnern, die sich vor den kleinen Paul stellen und auch ihr T-Shirt heben! Das scheint eine kleine Sitte zu werden. Aber klar, das sind weisse cis-M\u00e4nner&#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Wenn ich eine st\u00e4mmige haarige Drag Queen zeichnen will, zeichne ich eine st\u00e4mmige haarige Drag-Queen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Gab es einen Moment, in dem Du Dich gefragt hast: Was, wenn die Recht haben und ich wirklich seit Jahren Dicke, Schwarze, Frauen, Schwule etc. beleidige?<\/strong><br \/>\nNein. Ich w\u00fcrde wom\u00f6glich keiner schwarzen Frau mehr so unbedarft knallrote Lippen malen, weil ich gelernt habe, dass jemand das nicht als starke, selbstbewusste Figur sehen k\u00f6nnte, sondern als b\u00f6ses Klischee. Aber wenn ich eine st\u00e4mmige haarige Drag Queen zeichnen will, zeichne ich eine st\u00e4mmige haarige Drag-Queen. Ich zeichne das, was ich sehe.<\/p>\n<p><strong>Du bist vor eineinhalb Jahren mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet worden. Wegen der \u00abunb\u00e4ndigen Komik\u00bb und \u00abpointierter Gesellschaftskritik\u00bb deiner Werke. Hat Dich als Preistr\u00e4ger jemals jemand aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden wie in Br\u00fcssel in Frage gestellt?<\/strong><br \/>\nNein. Das ist das erste Mal. Drum war ich auch ziemlich verdattert.<\/p>\n<p><strong>Hast Du beim Zeichnen jetzt eine Schere im Kopf? Oder versuchst Du weiterzumachen wie bisher? Falls das geht.<\/strong><br \/>\nDas geht. Ich verstehe, dass es Leute gibt, die nicht bei jeder Stufe von Humor mitkommen. Meine Idole sind Robert Crumb, Reiser, Deix und Southpark! Alle derb, alle kompromisslos, alle unter Beschuss. Gegen den Strich von Philippe Vuillemin bin ich noch harmlos! Das sind alles keine Rassisten oder Frauenfeinde, ganz im Gegenteil, die patschen mit dem Pinsel voll in die Thematik! Ich finde, genau das ist die Aufgabe von Satire und Karikatur.<\/p>\n<p><strong>Du und ich, wir sind aus Sicht der Queerfeministen alte weisse M\u00e4nner, dazu noch cis. Verstehst du, warum wir unter Generalverdacht zu stehen scheinen?<\/strong><br \/>\nIch hab dieses Buch von Sophie Passmann gelesen, <strong>\u00ab<\/strong>Alte weisse M\u00e4nner\u00bb, weil ich wissen wollte, ob der Begriff auch mich meint. Und ja, wom\u00f6glich ist an dem Vorwurf was dran, dass wir m\u00e4nnlichen Zeitgenossen gewisse Widerst\u00e4nde nie zu \u00fcberwinden hatten. Ich weiss nur noch nicht, was f\u00fcr eine Lehre ich daraus ziehen soll. Auch alte weisse M\u00e4nner in den unteren Etagen schieben ihre Probleme, bringt es was, die zu vergleichen?<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"qh9tIhwld5\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/07\/25\/berlin-fordert-aufklaerung-des-mordes-an-russischer-lgbtiq-aktivistin\/\">Mord an russischer LGBTIQ-Aktivistin \u2013  Berlin fordert Aufkl\u00e4rung<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Mord an russischer LGBTIQ-Aktivistin \u2013  Berlin fordert Aufkl\u00e4rung&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/07\/25\/berlin-fordert-aufklaerung-des-mordes-an-russischer-lgbtiq-aktivistin\/embed\/#?secret=qh9tIhwld5\" data-secret=\"qh9tIhwld5\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Du wolltest dem Schwulen Museum in Berlin Deinen \u00abNachlass\u00bb vermachen. Wenn ich richtig informiert bin, hat man sich dazu sehr zur\u00fcckhaltend verhalten \u2013 oder gar abgelehnt? Liegt das Problem da \u00e4hnlich?<\/strong><br \/>\nNein, das stimmt so nicht. Ich hatte vor etwa vier Jahren ein Gespr\u00e4ch mit dem damaligen Museumsteam, da ging&#8217;s darum, ob es zu meinem 60. Geburtstag im August 2020 eine fette Ausstellung geben k\u00f6nnte, diesmal mit den wirklichen Originalzeichnungen wie vorher im Wilhelm Busch-Museum in Hannover oder im Cartoonmuseum Basel. Also nicht wie vor ein paar Jahren mit dem Bestand meines Sammlers Mario Russo,- was gr\u00f6sstenteils Merchandising-Kuriosit\u00e4ten waren und die Comics Kopien. Ich hatte ausserdem vor, dem Schwulen Museum einen Stapel meiner Comics als Nachlass zu schenken, beides wurde damals erfreut aufgenommen.<\/p>\n<p>Als ich vor nicht allzu langer Zeit mal bei einem der heutigen Kollegen nachhakte, meinte er, die jetzige Chef*innen-Etage habe beschlossen, dass es ja schon mal diese Ralf K\u00f6nig-Ausstellung gegeben habe, und das Wort von meiner Frauenfeindlichkeit ist angeblich auch gefallen. Unter diesen Umst\u00e4nden ist mir das Haus zu unsicher, ich vermache meinen Stapel Altpapier lieber dem Caricatura-Museum Frankfurt, die streiten da nicht so viel. Ich wohne in K\u00f6ln, man kriegt hier nur am Rande mit, was in Berlin los ist, aber echt, ich m\u00f6chte auch nicht so viel damit zu tun haben!<\/p>\n<blockquote><p>Wir sch\u00e4tzen und bewundern Ralf K\u00f6nig als einen der wichtigsten queeren K\u00fcnstler \u00fcberhaupt.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wir haben das Schwule Museum gefragt, wie man dort zu Ralf K\u00f6nig steht. Die Antwort:<br \/>\n<\/strong>\u00abWir sch\u00e4tzen und bewundern Ralf K\u00f6nig als einen der wichtigsten queeren K\u00fcnstler \u00fcberhaupt. Nat\u00fcrlich ist er immer im Schwulen Museum willkommen. Wir w\u00fcrden uns freuen, mit ihm weitere gemeinsame Ausstellungsprojekte zu diskutieren. Die Vorstellung, dass wir seinen Nachlass ablehnen w\u00fcrden, ist absurd.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Das ausf\u00fchrliche Interview ist in der Juni-Ausgabe der MANNSCHAFT (Deutschland) erschienen. Hier geht es zum <\/strong><strong>Abo\u00a0<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/product-category\/abo-schweiz\/\">f\u00fcr die Schweiz<\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/product-category\/abo-deutschland\/\">f\u00fcr Deutschland<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Julitagen 1979 wurde Geschichte geschrieben. 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