{"id":55735,"date":"2019-06-10T09:29:09","date_gmt":"2019-06-10T07:29:09","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=55735"},"modified":"2021-04-21T16:34:00","modified_gmt":"2021-04-21T14:34:00","slug":"now-apocalypse-genau-die-richtige-serie-fuer-das-jahr-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/now-apocalypse-genau-die-richtige-serie-fuer-das-jahr-2019\/","title":{"rendered":"\u00abNow Apocalypse\u00bb &#8211; mehr Raum f\u00fcr queere Figuren"},"content":{"rendered":"<h3>Gregg Araki geh\u00f6rt zu den Vorreitern des New Queer Cinemas. Mit \u00abNow Apocalypse\u00bb ist dem Regisseur und Produzenten nun eine besonders queere Serie gelungen.<\/h3>\n<p><strong>Gregg, \u00abNow Apocalypse\u00bb ist nach gut 30 Jahren Kino deine erste eigene Fernsehserie. Wolltest du etwas ganz Neues ausprobieren?<\/strong><br \/>\n<em>(Lacht.)<\/em> Nein, damit hat das nichts zu tun. Die Idee, eine Serie zu kreieren, hatte ich eigentlich schon so lange, wie ich hinter der Kamera stehe. In den Achtzigerjahren studierte ich Film, und als in jener Zeit \u00abTwin Peaks\u00bb von David Lynch im Fernsehen lief, haute mich das vollkommen um. Ich konnte es kaum fassen, dass so eine irre, kreative Sache Woche f\u00fcr Woche in den Haushalten des ganzen Landes zu sehen war. Seither behielt ich den Gedanken stets im Hinterkopf.<\/p>\n<p><strong>Daf\u00fcr dauerte es dann erstaunlich lange\u2009.\u2009.\u2009.<\/strong><br \/>\nStimmt, aber die Idee war nie weg. Mein Film \u00abNowhere\u00bb aus den Neunzigerjahren hatte eine Struktur, die an das episodische Erz\u00e4hlen einer Serie angelehnt war. Und dann gab es den konkreten Versuch, f\u00fcr MTV eine Serie zu drehen, der allerdings scheiterte. Aber ich habe nun mal Filmschaffen studiert und die grosse Leinwand stets \u00fcber alles geliebt. Filme waren immer meine erste Priorit\u00e4t. Doch meine Leidenschaft f\u00fcrs Fernsehen war auch immer pr\u00e4sent, einfach weil dort das Verh\u00e4ltnis zum Publikum so anders ist. Landen eine Geschichte und ihre Figuren jede Woche bei dir zuhause im Wohnzimmer, so ist das etwas anderes, als wenn man sie einmal im Kino sieht.<\/p>\n<p><strong>Vor \u00abNow Apocalypse\u00bb hast du bereits einzelne Episoden von Serien wie \u00abRiverdale\u00bb, \u00abAmerican Crime\u00bb oder \u00abTote M\u00e4dchen l\u00fcgen nicht\u00bb inszeniert. Ist das nicht ein undankbarer Job, wenn man weder Autor noch Showrunner ist, sondern nur eine Folge von vielen dreht?<\/strong><br \/>\nAch, mir hat das Spass gemacht. Schon allein, weil bei all diesen Serien tolle Showrunner am Ruder sassen, mit denen die Zusammenarbeit richtig gut lief. Ausserdem betrachtete ich das als eine Art Serienschule. Ich konnte die Abl\u00e4ufe einer Serienproduktion ganz genau beobachten \u2013 und hatte dabei immer im Hinterkopf, dass mir all dieses Wissen einmal n\u00fctzlich sein w\u00fcrde. Das war also wie eine Trocken\u00fcbung f\u00fcr mich. Klar, kann man keine grundlegenden kreativen Entscheidungen treffen, wenn man nur f\u00fcr eine einzelne Episode engagiert wird, und einer Serie damit auch nicht seinen k\u00fcnstlerischen Stempel aufdr\u00fccken. Gleichzeitig tr\u00e4gt man jedoch keine Verantwortung, wenn die Sache beim Publikum nicht ankommt.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"ZzlXerDyvW\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/04\/12\/schwul-und-ungeoutet-in-der-highschool-love-simon-wird-serie\/\">Queer in der Highschool: \u00abLove, Simon\u00bb lebt als Serie weiter<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Queer in der Highschool: \u00abLove, Simon\u00bb lebt als Serie weiter&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/04\/12\/schwul-und-ungeoutet-in-der-highschool-love-simon-wird-serie\/embed\/#?secret=ZzlXerDyvW\" data-secret=\"ZzlXerDyvW\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Und dann warst du bereit f\u00fcr deine eigene Serie .\u2009.\u2009.<\/strong><br \/>\nIch wollte meine Serie nur machen, wenn ich meine ultimative Traumshow umsetzen und dabei alles selbst entscheiden konnte. Ein paar Zufallsbegegnungen halfen mir schliesslich dabei. Dank eines Kurzfilms lernte ich meinen Hauptdarsteller Avan Jogian kennen, dessen Alltag und Freundeskreis mich inspirierten. \u00abNow Apocalypse\u00bb ist quasi die queere Version seines Lebens. Vor allem begegnete ich der Autorin Karley Sciortino, die mit ihrer Sicht auf Sex und Sexualit\u00e4t wie meine Seelenverwandte ist und mit mir die Drehb\u00fccher schrieb. Greg Jacobs und Steven Soderbergh, mit denen ich bei der Serie \u00abRed Oaks\u00bb zusammengearbeitet hatte, halfen mir dabei, den passenden Sender zu finden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ho1YcutJLb8\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" data-mce-fragment=\"1\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Du hast \u00abNowhere\u00bb erw\u00e4hnt. Deine Filme des New Queer Cinemas, darunter \u00abThe Doom Generation\u00bb oder \u00abTotally Fucked Up\u00bb, sind legend\u00e4r \u2013 ja geradezu revolution\u00e4r. Siehst du eine Verbindung zu dem, was du heute machst?<\/strong><br \/>\nSolche Fragen \u00fcberlasse ich eigentlich lieber den Fans und den Kritiker*innen. Aber klar, ich sehe schon einen thematischen roten Faden, der von \u00abNowhere\u00bb \u00fcber \u00abKaboom\u00bb bis hin zu \u00abNow Apocalypse\u00bb f\u00fchrt. Im Grunde stecken in der Serie Elemente aus all meinen anderen Geschichten, sie ist letztlich fast so etwas wie die Kulmination meines bisherigen Werkes. F\u00fcr mich war sowieso immer klar, dass ich mir auch bei der Serie absolut treu bleibe und all das integriere, was mich auch bei meinen Filmen immer interessiert und ausgezeichnet hat.<\/p>\n<p><strong>Was sich in all den Jahren nie ge\u00e4ndert hat: Du erz\u00e4hlst immer von h\u00fcbschen jungen Menschen. Was interessiert dich mit Ende 50 immer noch so sehr daran?<\/strong><br \/>\nAls Geschichtenerz\u00e4hler finde ich Figuren, die jung sind und das Leben noch vor sich haben, besonders spannend. Man weiss noch nicht, wer man ist und wohin die Reise geht. Das ganze Leben besteht aus Fragezeichen und man ist mit der Suche nach Antworten besch\u00e4ftigt. Einen faszinierenderen Lebensabschnitt gibt es doch eigentlich gar nicht. Aus eigener Erfahrung w\u00fcrde ich sagen, dass man immer gl\u00fccklicher wird, je \u00e4lter man wird. Zumindest bin ich selbst heute so gl\u00fccklich wie nie zuvor in meinem Leben. Aber jemand, der selbstsicher im Leben steht und sich in seiner eigenen Haut wohl f\u00fchlt, ist nicht unbedingt der reizvollste Protagonist einer Geschichte.<\/p>\n<p><strong>Und die Jugend heute ist genauso wie die Jugend vor 25 Jahren?<\/strong><br \/>\nDieses Gef\u00fchl der Unwissenheit, das ich gerade beschrieben habe, ist meiner Ansicht nach zeitlos. Das gilt f\u00fcr junge Menschen immer und \u00fcberall. Was sich in den letzten Jahrzehnten ver\u00e4ndert hat, ist eigentlich nur mein Blick auf meine Hauptfiguren. Bei meinen Filmen in den Neunzigern sah ich wahrscheinlich manchmal den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht, einfach weil ich ja selbst noch in diesem Alter war und gar nicht immer wusste, was ich wollte. Heute ist meine Perspektive ein bisschen anders, schliesslich bin ich alt und weise <em>(lacht)<\/em>. Ich kann nach wie vor genau nachvollziehen, was die Kids in meinen Geschichten durchmachen und mit ihnen mitf\u00fchlen, gleichzeitig habe ich auch die n\u00f6tige Distanz dazu.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"oOEBGX6uCn\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/05\/08\/etliche-hetero-regisseure-finden-mich-zu-feminin-fuck-them-all\/\">\u00abHetero-Regisseure finden mich oft zu feminin. Fuck them all!\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;\u00abHetero-Regisseure finden mich oft zu feminin. Fuck them all!\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2019\/05\/08\/etliche-hetero-regisseure-finden-mich-zu-feminin-fuck-them-all\/embed\/#?secret=oOEBGX6uCn\" data-secret=\"oOEBGX6uCn\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Vermisst du eigentlich die wilden Neunziger, als schwule Filmemacher wie du oder Todd <\/strong><strong>Haynes das amerikanische Independentkino durchwirbelten?<\/strong><br \/>\nNicht wirklich, denn ich bin kein sonderlich nostalgischer Mensch. Nat\u00fcrlich blicke ich immer mal wieder zur\u00fcck, beispielsweise als ich vor einigen Monaten beim Sundance-Filmfestival war. 1992 feierte dort mein Film \u00abThe Living End\u00bb Premiere \u2013 eine wilde, kleine Underground-Produktion, die damals richtig radikal war, weil sich zwei Jungs darin k\u00fcssten. Jetzt war ich 27 Jahre sp\u00e4ter wieder da, um \u00abNow Apocalypse\u00bb vorzustellen. Aber statt wehm\u00fctig zu werden, habe ich mich lieber gefreut, wie weit die Welt gekommen ist. Dass in Los Angeles heute \u00fcberall riesige Plakate f\u00fcr meine ausgesprochen queere Serie h\u00e4ngen und das v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich ist, h\u00e4tte man sich damals nicht vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p>In Serien gibt es viel mehr Raum f\u00fcr queere Figuren, die sich voll entfalten k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Gleichzeitig kann man aktuell beobachten, wie sehr die Errungenschaften der letzten 20 Jahre auf dem Spiel stehen, oder?<\/strong><br \/>\nAbsolut, und deswegen finde ich auch, dass \u00abNow Apocalypse\u00bb genau die richtige Serie f\u00fcr das Jahr 2019 ist. Einerseits gibt es da diese neue, junge Generation, die in ihrer Offenheit und sexuellen Fluidit\u00e4t wirkt, als sei sie direkt meinem Film \u00abNowhere\u00bb entsprungen. Und andererseits sp\u00fcren wir unter Trump und all diesen Nazis auf der ganzen Welt einen Backlash, der den Fortschritt wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen k\u00f6nnte. So als st\u00fcnde wirklich die Apokalypse bevor. Die Serie soll ein hoffnungsvolles Licht in dunklen Zeiten sein und daran erinnern, dass wir immer weiter nach vorne schauen und bloss keinen Schritt zur\u00fcckgehen sollen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008c89;\"><strong>Gregg Araki<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008c89;\">Mit der sogenannten \u00abTeen Apocalypse\u00bb-Trilogie \u2013 \u00abTotally Fucked Up\u00bb, \u00abThe Doom Generation\u00bb und \u00abNowhere\u00bb \u2013 machte sich Gregg Araki in den Neunzigerjahren einen Namen als Filmemacher und als Wegbereiter des New Queer Cinemas. 2010 ehrte das Filmfestival in Cannes Arakis Film \u00abKaboom\u00bb mit der ersten queeren Palme. Nach diversen Regiearbeiten f\u00fcr Episoden von \u00abHeathers\u00bb, \u00abRiverdale\u00bb und \u00abRed Oaks\u00bb realisierte der 59-J\u00e4hrige mit \u00abNow Apocalypse\u00bb seine eigene Serie, die seit M\u00e4rz auf dem Amazon-Kanal \u00abStarzplay\u00bb zu sehen ist. Die Geschichte dreht sich um eine Gruppe Mittzwanziger, die sich in der Dating- und Berufswelt von Los Angeles zurechtfinden m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gregg Araki geh\u00f6rt zu den Vorreitern des New Queer Cinemas. 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