{"id":52308,"date":"2019-04-06T13:21:16","date_gmt":"2019-04-06T11:21:16","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=52308"},"modified":"2024-09-23T15:47:19","modified_gmt":"2024-09-23T13:47:19","slug":"unsere-queergida-so-wird-cis-weiss-maennlich-diffamiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/unsere-queergida-so-wird-cis-weiss-maennlich-diffamiert\/","title":{"rendered":"Unsere Queergida: So wird \u00abcis, weiss, m\u00e4nnlich\u00bb diffamiert"},"content":{"rendered":"<h3>Ab sofort gibt es jeden Samstag bei MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/h3>\n<p>von Jan Feddersen<\/p>\n<p>Ein nervendes Gemurmel geht aktuell durch unsere Community, und wenn ich von einer solchen Community spreche, dann ist damit die Gemeinde der Lesben, Schwulen, Trans*gender, Intermenschen und solche gemeint, die sich identit\u00e4r, vom Selbstverst\u00e4ndnis her, als <em>queer<\/em>\u00a0verstehen. Was genau <em>queer<\/em>\u00a0ist, l\u00e4sst sich nicht so pr\u00e4zise sagen. Jedenfalls etwas, das nicht, wie es heisst, M\u00e4nner betrifft, die sogenannt toxische Gewalt in sich und nach aussen tragen. Nach deren Verst\u00e4ndnis: alle M\u00e4nner. Fast alle &#8211; bis auf jene, die nicht m\u00e4nnlich aussehen. Queer &#8211; kann ein Mann nur sein, der in der \u00e4usseren Erscheinung nicht mehr wie ein Macho aussieht und sich am besten auch nicht so verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>So oder so: Aus der \u00abqueer community\u00bb herausfallen tun alle, die, so lautet die Bannformel \u00abcis, weiss, m\u00e4nnlich\u00bb sind. Also auch schwule M\u00e4nner. Sie seien nicht, wie es der queerwillige Autor Peter Rehberg neulich im Berliner Regionalmagazin <em>Siegess\u00e4ule\u00a0<\/em>mitteilte, Teil des \u00abqueeren Projekts\u00bb.<\/p>\n<p>Ehe hier alles Verst\u00e4ndnis vom Gesagten fl\u00f6ten geht, sei erl\u00e4utert: Das, was der Autor unter \u00abProjekt\u00bb versteht, gibt es in der Regenbogencommunity nicht. Oder wenn, dann nur in kleineren Teilen, vor allem akademischen. \u00abProjekt\u00bb meint aber: ein Zirkel, der die meisten ausschliesst. Ich nenne sie: \u00abQueergida\u00bb. Wie Pegida, der Mob von rechts gegen die liberale Republik. Schwule M\u00e4nner, die partout sich \u00e4usserlich nicht weiblicher machen wollen als sie innerlich &#8211; wie alle Menschen, M\u00e4nner sowieso &#8211; ohnehin sind: Die geh\u00f6ren zum Feindbild.<\/p>\n<p>Die Queergida belegt mithin alle mit einem Fluch, die einfach nur schwul sein wollen. Man muss J\u00fcngeren allerdings sagen: Es ist seit den fr\u00fchen siebziger Jahren ein m\u00e4chtiger Fortschritt, dass homosexuelle M\u00e4nner sich nicht mehr verhuscht (im Deutschen) als \u00abgay\u00bb oder \u00abhomophil\u00bb bezeichnen, sondern, eben, die einstige Schm\u00e4hvokabel &#8222;schwul\u00bb sich selbst anhefteten und zu einem stolzverheissenden Wort machten.<\/p>\n<p><strong>Solche Lebensstilvorgaben gab es fr\u00fcher nur seitens des religi\u00f6sen Systems<\/strong><br \/>\nDie Queergida will das nicht, sie m\u00f6chte, dass alle geschlechtlich sich aufl\u00f6sen &#8211; und exkommuniziert schon mal alle Penistr\u00e4ger, abgesehen von jenen, die eine trans Identit\u00e4t ihr eigen nennen. Die \u00abQueers\u00bb machen moralische Vorgaben, wer zu den Guten und wer zu den B\u00f6sen zu z\u00e4hlen ist. Wer sie nicht befolgt, wird ausgesondert. Ich m\u00f6chte sagen: Solche Lebensstilvorgaben gab es fr\u00fcher nur seitens des religi\u00f6sen Systems, seitens der Heterowelt. Fr\u00fcher hat man uns vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben &#8211; versteckt, schuldbewusst, misslungen, auss\u00e4tzig, nicht gesellschaftsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Den gleichen moralischen Furor entwickelt sich die Queergida, die selbsternannte Klugscheisser*innensekte der \u00abQueers\u00bb: Wer den Lebensstilvorgaben nicht folgt, ist ein Gegner, muss ausgegrenzt und eigentlich ins mindestens moralische Fegefeuer. Insofern geh\u00f6rt diese ideologische Richtung so bek\u00e4mpft, wie wir das fr\u00fcher auch gegen den Klerus, gegen Pfaffen und Pf\u00e4ffinnen getan haben. Die Queergida &#8211; das ist eigentlich eine moderne Homophobiebewegung &#8211; nur von links und von Judith Butlers Gnaden, der akademischen Hohepriesterin all jener, die nicht \u00fcber Sexuelles reden wollen, dann im Wort &#8222;schwul\u00bb war ja noch das Andersbegehrende im fleischlichen Sinne sofort markiert, queer aber ist ein Wort, das gn\u00e4dig, ja, pr\u00fcde \u00fcber die sexuelle Differenz hinweg geht.<\/p>\n<blockquote><p>Ich m\u00f6chte mir in mein Leben durch keine Queergida hineinquatschen lassen, das entscheide ich immer noch allein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Schwule wollen schwule M\u00e4nner sein, queer ist ihr Sein als Menschen m\u00f6glicherweise im Blick der heteronormativ Anderen: Ich m\u00f6chte mir in mein Leben durch keine Queergida hineinquatschen lassen, das entscheide ich immer noch allein. F\u00fcr Lesben gilt das Gleiche: Lesben wollen Lesben sein &#8211; wenn sie denn souver\u00e4n mit ihrem Begehren umgehen. Fr\u00fcher gab es Millionen Homos beiderlei Geschlechts, die glaubten, verschwiegen sie ihr Schwul- oder Lesbischsein ginge die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft freundlicher mit ihnen um. Bleierne Zeiten, Gott (!) sei Dank vorbei. Queergida formuliert jetzt das Rollback &#8211; gegen alle jene, die in den vergangenen 50 Jahren b\u00fcrgerrechtliche Fortschritte erk\u00e4mpft haben, buchst\u00e4blich. Verbotsbestimmungen getilgt, schlimme Paragraphenwerke von Homophobem ges\u00e4ubert, die Ehe f\u00fcr alle als Respektsinstitut f\u00fcr lesbische und schwule Paare &#8211; Heteros sollten keine Privilegien als solche mehr haben.<\/p>\n<p>Was die Einzelnen mit diesen Fortschritten anfangen, bleibt immer ihnen \u00fcberlassen. Sie k\u00f6nnen ja weiter versteckt leben &#8211; und etwa sagen: Oh, nein, ich bin nicht schwul (oder lesbisch), sondern queer. Bl\u00fcmchensprache, nichts sonst, ist das.<\/p>\n<p><strong>Die Bewegung tut links und ist eine rechte<br \/>\n<\/strong>Wehret den Anf\u00e4ngen: Die Queergida ist eine Bewegung, die links tut und eine rechte ist. Sie will Gemeinschaft, keine Gesellschaft der Differenten. Wer h\u00e4tte das gedacht vor 40 Jahren: Dass unsereins mal von links als \u00abcis, weiss, m\u00e4nnlich\u00bb und privilegiensatt diffamiert werden w\u00fcrde. Nichts davon ist wahr: Die Butlers &amp; Co. [<em>Judith Butler stiess mit ihrem Buch Das Unbehagen der Geschlechter (1990) die Diskussion um die Queer-Theorie an, Anm. d. Red.<\/em>] haben nicht gek\u00e4mpft gegen die homophobe M\u00e4chtigkeit, sie haben an ihrer Agenda gestrickt. N\u00e4mlich: Schwule und Lesben moralisch zu vernichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab sofort gibt es jeden Samstag bei MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. 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