{"id":40479,"date":"2018-10-27T18:50:10","date_gmt":"2018-10-27T16:50:10","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=40479"},"modified":"2024-09-23T15:42:11","modified_gmt":"2024-09-23T13:42:11","slug":"zu-besuch-bei-den-golden-gays-drag-queens-in-manila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/zu-besuch-bei-den-golden-gays-drag-queens-in-manila\/","title":{"rendered":"Zu Besuch bei den \u00abGolden Gays\u00bb &#8211; Dragqueens in Manila"},"content":{"rendered":"<h3>Die Golden Gays von Manila sorgten weltweit f\u00fcr Aufmerksamkeit, nachdem sie vom Fotografen Geloy Concepcion in sein Studio eingeladen worden waren. Die alten M\u00e4nner, hager und voller Glitzer, posierten in Drag vor einer schlichten Studiowand. Die entstandenen Bilder sind wundersch\u00f6n und fanden ihren Weg in internationale Publikationen.<\/h3>\n<p>Text: Cedric S. Reyes<\/p>\n<p>Im Auftrag von \u00abTeam\u00bb, einer Schwulenzeitschrift mit Sitz in Manila, w\u00fcrde ich jeweils ein sauberes Hemd anziehen, meine Fragen auf Papier festhalten und sicherstellen, meistens zweimal, ob mein Computer gen\u00fcgend Festplattenspeicher f\u00fcr die Tonaufnahme hatte. Als Novize, kaum ein richtiger Journalist, w\u00fcrde ich am verabredeten Treffpunkt ankommen und meine niedergeschriebenen Fragen stellen. Dar\u00fcber, was es bedeutet, als schwuler Mann auf den Philippinen zu leben.<\/p>\n<p>Manila, die Hauptstadt der Philippinen, erstreckt sich lediglich \u00fcber rund 600\u202fkm. Die Bev\u00f6lkerung ist mit 24 Millionen hingegen gross, wenn auch zersplittert aufgrund sozialer und wirtschaftlicher Unterschiede. Die wenigen, die reich sind, verkehren nur unter sich, und die \u00fcberwiegende Mehrheit \u2013 die Armen und die Arbeiterklasse \u2013 ist zu sehr mit dem \u00dcberleben besch\u00e4ftigt, um sich daran zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Es waren Geschichten, die ich noch nie geh\u00f6rt hatte, von M\u00e4nnern, die ich andernfalls nie kennengelernt h\u00e4tte. Ihre Erz\u00e4hlungen nahmen unterschiedliche Formen an, doch eines hatten sie gemeinsam: Sie spielten vor der Kulisse von Manilas klaffender Ungleichheit.<\/p>\n<p>Diese Gespr\u00e4che fanden innerhalb des letzten Jahres statt und dienten der Recherche, um Material f\u00fcr diverse Artikel zu sammeln. Diese Geschichten sind nicht meine und sie erz\u00e4hlen nicht von mir. Es sind lediglich Versuche, einen Einblick in das Leben in dieser uneinheitlichen Stadt zu bekommen und dabei etwas Wahrheit ans Licht zu bringen.<\/p>\n<blockquote><p>Dieses eine Wort, \u00abschwul\u00bb, lernte er erst, als man ihn in der Schule damit h\u00e4nselte.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Zu dir oder zu dir?<\/strong><br \/>\nJacob ist das \u00e4lteste von f\u00fcnf Geschwistern und arbeitet als Fotograf. Ich traf ihn in der Raucherzone einer japanischen Kneipe in Little Tokyo, dem Stadtteil, den japanische Expats ihr zu Hause nennen. Er ist nicht viel \u00e4lter als ich und wir treffen uns, um \u00fcber seine Kindheit zu sprechen. \u00abIch war in der Primarschule, als ich herausfand, dass ich schwul bin\u00bb, erz\u00e4hlt er. \u00abAuf einmal f\u00fchlte ich mich anders als alle anderen. Ich hatte diese Spannung in mir drin und wusste, dass etwas nicht stimmte.\u00bb<\/p>\n<p>Dieses eine Wort, sein Urteil, \u00abschwul\u00bb, lernte er erst, als man ihn in der Schule damit h\u00e4nselte. Seine Freunde waren ihm auf der Spur, und nicht viel sp\u00e4ter auch seine Familie. Nachdem sie seine Sammlung m\u00e4nnlicher Nacktfotografien unter dem Waschbecken fand, begann sich Jacobs Zuhause allm\u00e4hlich auf sein Zimmer zu beschr\u00e4nken. Sein Vater beschlagnahmte das Buch mit den Nacktfotografien und befahl ihm, es in den grossen Schredder zu werfen. \u00abUns geh\u00f6rt eine Fabrik, die Papier recycelt\u00bb, sagt Jacob. \u00abEr nahm mich und das Buch mit zur Arbeit. Ich sollte es in die Maschine vor mir werfen. Und das tat ich auch.\u00bb<\/p>\n<p>Trotz des Traumas lebt Jacob heute immer noch mit seiner Familie. \u00abIch bin jetzt in meiner vierten Beziehung. Es ist die dritte, die ernst ist\u00bb, sagt er \u00fcber seine bisherigen Partner. \u00abKeiner von ihnen hat je meine Eltern kennengelernt. Keiner von ihnen ist je nach Hause gekommen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Die Queens von Pasay<\/strong><br \/>\nDen Abend, bevor ich die Queens treffe, verbringe ich bei einem Liebhaber. Gemeinsam kochen wir unser Abendessen, und ich erz\u00e4hle ihm von meinem bevorstehenden Interview. Ich habe mich am Mittag mit Raymond und dem Rest der \u00abGolden Gays\u00bb verabredet, einer Gruppe von Pension\u00e4ren, die nebenbei als Dragqueens arbeiten. Wir werden uns in ihrer gemeinsamen Wohnung in Pasay, im S\u00fcden Manilas, treffen.<\/p>\n<p>Die Golden Gays von Manila sorgten weltweit f\u00fcr Aufmerksamkeit, nachdem sie vom Fotografen Geloy Concepcion in sein Studio eingeladen worden waren. Diese alten M\u00e4nner, hager und voller Glitzer, posierten in Drag vor einer schlichten Studiowand. Die entstandenen Bilder sind wundersch\u00f6n und fanden ihren Weg in internationale Publikationen.<\/p>\n<p>Raymond, der unter dem B\u00fchnennamen Monique dela Rue auftritt, vertritt die Organisation der \u00fcber 40 Queens, die liebevoll \u00abLola\u00bb genannt werden, was auf Filipino Grossmutter bedeutet. Am Telefon klingt Raymond liebensw\u00fcrdig und zuvorkommend. Er gibt mir die Adresse und weist mich auf Orientierungspunkte hin: die Kirche, die Kreuzung, die ich nicht verpassen k\u00f6nne. Es sei einfach, sich zu verlaufen, sagt er. Er bittet mich, etwas Essen mitzubringen, das wir teilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_40488\" aria-describedby=\"caption-attachment-40488\" style=\"width: 1050px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-40488 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1050 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab.jpg\" alt=\"\" width=\"1050\" height=\"900\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab.jpg 1050w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-300x257.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-768x658.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-425x364.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-561x481.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-364x312.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-758x650.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-608x521.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-313x268.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-400x343.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-56x48.jpg 56w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/wisch-dir-den-glitzer-ab-112x96.jpg 112w\" data-sizes=\"(max-width: 1050px) 100vw, 1050px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-40488\" class=\"wp-caption-text\">Das Buch mit m\u00e4nnlichen Nacktfotos musste in den Schredder (Illustration: Sascha D\u00fcvel)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Essen ist das erste, woran ich beim Aufwachen am n\u00e4chsten Morgen denke. In einem Restaurant lasse ich mir eine grosse Portion Pancit einpacken \u2013 das nationale Nudelgericht \u2013, bevor mich ein Taxi nach Pasay bringt.<\/p>\n<p>In den Achtzigern galt dieser Stadtteil als Heimat der Gay-Community, die Bars entlang der Libertad priesen \u2013 wer auch immer daf\u00fcr zu haben war \u2013 eine gute Zeit und Shows an. Diese Bars gibt es heute immer noch, aber die Kundschaft ist l\u00e4ngst weitergezogen. Einige haben ihre Stamm\u00adkneipe in trendigeren Stadtteilen gefunden, andere haben sich vom schwulen Leben verabschiedet oder gemeinsam mit den glorreichen Tagen Pasays das Zeitliche gesegnet.<\/p>\n<p>An der F.\u2006B. Harrison Street thront die Kirche \u00abOur Lady of Sorrow\u00bb \u00fcber die anderen Geb\u00e4ude. Ich steige aus dem Taxi in die pralle Mittagssonne und suche die Strasse nach Raymond ab, der mit mir die Kirche als Treffpunkt vereinbart hat. Nach ein paar Minuten erscheint ein Mann in Poloshirt und Jeans, beides eine Gr\u00f6sse zu klein f\u00fcr seine imposante Statur. Er tr\u00e4gt Hausschuhe und eine Drahtbrille. Monique dela Rue.<\/p>\n<p><strong>Die t\u00e4gliche Arbeit<\/strong><br \/>\nNach meiner Ankunft stellt mir Raymond Lola Leony und Lola Beyonce vor, die K\u00fcnstlernamen gelten auch abseits der B\u00fchne. Ihr Zuhause ist Teil eines kleinen Komplexes mit unebenen Betonb\u00f6den, die nass vom Regen oder vom Seifenwasser des Waschtrogs sind. Hinter einer Stahlt\u00fcr, geschm\u00fcckt mit Fotos der Lolas auf der B\u00fchne, liegt das Zuhause der Golden Gays. F\u00e4sser, die man \u00fcblicherweise zur Wasseraufbewahrung in Gegenden mit unzureichenden Sanit\u00e4ranlagen verwendet, reihen sich an die Wand neben Lola Leonys Bett. Mit 93 Jahren ist er das \u00e4lteste Mitglied der Golden Gays. Seine Habseligkeiten sind in den F\u00e4ssern verstaut, damit die Ratten nicht herankommen.<\/p>\n<p>Raymond, Leony und Beyonce sind die Einzigen, die zuhause sind. \u00abRumaraket yung iba\u00bb, sagt Raymond. \u00abDie anderen arbeiten.\u00bb Er spricht von 20 bis 25 anderen Bewohnern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_40487\" aria-describedby=\"caption-attachment-40487\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-40487\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1200 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"900\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila.jpg 1200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-300x225.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-768x576.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-425x319.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-192x144.jpg 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-384x288.jpg 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-561x421.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-1122x842.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-364x273.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-758x569.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-608x456.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-1152x864.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-313x235.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-400x300.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-64x48.jpg 64w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/golden-gays-2-manila-128x96.jpg 128w\" data-sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-40487\" class=\"wp-caption-text\">Die Golden Gays (v.l.n.r.): Fred \u00abGloria Manila\u00bb Fernandez, Caloy \u00abJennifer Lopez\u00bb Gatmalin, Myla \u00abEvangeline Pascual\u00bb Montelibano, June \u00abMaruja\u00bb Santos, Al \u00abCarmen Dela Rue\u00bb Enriquez, Vic \u00abBb. Vice Ganda\u00bbCeleridad. (Bilder: Geloy Concepcion)<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend Raymond das Pancit auf vier Teller sch\u00f6pft, erz\u00e4hlen mir die Lolas von ihrem Alltag. Beyonce macht Jobs als Make-\u00adup-Artist und arbeitet f\u00fcr Beamte manchmal als Masseur. Leony kann nicht l\u00e4nger arbeiten und bleibt w\u00e4hrend meinem ganzen Besuch im Bett. \u00abMalakas pa rin ako\u00bb, wiederholt er immer wieder. \u00abIch bin immer noch bei Kr\u00e4ften.\u00bb<\/p>\n<p>Seit dem Ende der Bl\u00fctezeit Pasays ist es gem\u00e4ss Raymond schwierig geworden, Arbeit als Dragqueen zu finden. Buchungen wurden selten und liegen weit auseinander, so dass die Queens ein anderes Einkommen finden mussten. Da sie nie f\u00fcr den Staat oder ein Unternehmen gearbeitet haben, erhalten sie auch keine Pension. Einige von ihnen verdienen ihren Unterhalt als Strassenverk\u00e4ufer in den M\u00e4rkten von Baclaran und verh\u00f6kern S\u00fcssigkeiten oder Zigaretten. Andere waschen Teller in nahegelegenen Restaurants. Wiederum andere haben Arbeit als Strassenfeger oder in den Freizeitparks im S\u00fcden der Stadt gefunden.<\/p>\n<p>Das Durchschnittsalter der Golden Gays ist 60. Die drei Queens erz\u00e4hlen von langen Zeitspannen, in denen sie ihre Schwestern nicht sehen. Wenn sie dann endlich zum Schlafen ins Haus an der F.\u2006B. Harrison zur\u00fcckkehren, gehen sie als Erstes in die K\u00fcche, um nach dem Essen zu sehen. Beyonce zeigt mir den Rest des Hauses, eine einst\u00f6ckige Einheit, h\u00f6chstens 50 Quadratmeter gross. \u00abSwerte na rin kami.\u00bb \u00abWir haben Gl\u00fcck.\u00bb Nachdem wir das Pancit fertig gegessen haben, zeigen sie mir ihren in Flaschen abgef\u00fcllten Glitzer.<\/p>\n<p><strong>Geburtstagsnudeln<\/strong><br \/>\nIn Makati, einem der Gesch\u00e4ftsviertel von Manila, treffe ich mich mit Kevin und June zum Fr\u00fchst\u00fcck. Wir haben uns f\u00fcr ein gehobenes Caf\u00e9 entschieden, weil es sich in der N\u00e4he ihrer Wohnung befindet. Die K\u00fcche serviert frischen Sauerteig, sortenreinen Kaffee und Salat, der auf Wunsch laktosefrei zubereitet wird.<\/p>\n<p>Kevin und June sind beide grossgewachsen und gut gebaut \u2013 auf eine Art, die nur durch gute Gene und Stunden im Fitnessstudio m\u00f6glich wird. Beide f\u00fchren in der Stadt ein Gesch\u00e4ft und sind seit \u00fcber vier Jahren verheiratet. Die Hochzeit bestand aus einer kleinen Zeremonie in San Francisco, der wenige Freund*innen und Familienmitglieder von beiden Seiten beiwohnten. Es ist nicht die malerische Kulisse oder gar die Zeremonie, die die beiden mit Stolz erf\u00fcllen, sondern die G\u00e4steliste.<\/p>\n<blockquote><p>Das Angst\u00adeinfl\u00f6ssende am Schwulsein ist das einsame \u00c4lterwerden.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abSie war sehr traditionell\u00bb, sagte Kevin von seiner Erziehung in einer chinesischen Familie, die vor drei Generationen auf die Philippinen eingewandert war. Als er sich seiner Homosexualit\u00e4t bewusst wurde, war seine erste Angst, alleine zu sterben. \u00abIn unseren Tagen, in den Neunzigern, war alles sehr klischeehaft, alles was man im Fernsehen sah\u00bb, sagt er. \u00abEs gab keine sozialen Medien und das Einzige, was man sah, war ein Schwuler im Friseursalon oder als Zielscheibe eines Witzes. Das Angsteinfl\u00f6ssende am Schwulsein ist das einsame \u00c4lterwerden.\u00bb<\/p>\n<p>Es scheint, dass dieser Gedanke Kevin bis in seine Mittvierziger begleitete. Ein Gespr\u00e4ch mit June \u2013 zu dieser Zeit seit vier Jahren sein Freund \u2013 \u00e4nderte seine Meinung. \u00abWarum sollten wir heiraten?\u00bb, sagt June. \u00abWir waren nicht wirklich davon \u00fcberzeugt. Eine Ehe f\u00fcr Schwule schien uns wie zwei Dumme, die sich einen Doktortitel geben.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abUnd dann sagte er etwas\u00bb, sagt Kevin. \u00abEtwas \u00fcber die Anerkennung der Familie. Eine formelle und offizielle Anerkennung.\u00bb Es war nicht so, dass Kevin und June ihre eigene Familie gr\u00fcnden wollten. Die Ehe war eine Einf\u00fchrung in die Familie des anderen.<\/p>\n<p>Das philippinische Gesetz anerkennt keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Familien wie diejenige von Kevin, die seinen Partner schnell akzeptieren, sind die Ausnahme.<\/p>\n<p>Das Paar kann sich gut an die Reaktion von Kevins Eltern erinnern, nachdem sie ihre Hochzeit verk\u00fcndet hatten. Der Vater wollte wissen, ob ihre US-Visen noch g\u00fcltig waren. Die Mutter dachte laut nach: \u00abWas ziehe ich wohl an?\u00bb<\/p>\n<p>Heute, vier Jahre nach ihrer Hochzeit, manifestiert sich ihre Partnerschaft im Familienkreis durch Traditionen.<\/p>\n<p>\u00abDu kennst bestimmt die Geburtstagsnudeln\u00bb, sagt Kevin zu mir. Er bezieht sich auf das Pancit, das am Geburtstag eines Familienmitglieds serviert wird. Auf den Philippinen symbolisieren die langen Nudeln Wohlstand und ein langes Leben. \u00abF\u00fcr jede Person in der Familie wird zum Geburtstag Pancit gekocht. Bevor wir verheiratet waren, gab es keine Geburtstagsnudeln f\u00fcr ihn.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abJetzt bekomme auch ich Geburtstagsnudeln\u00bb, sagt June, und ein kleines L\u00e4cheln breitet sich auf seinem m\u00fcden Gesicht aus.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2018\/09\/27\/leben-in-der-geisterstadt\/\"><strong>Hier geht&#8217;s zu Teil 1 unseres Philippinen-Specials. <\/strong><\/a><\/p>\n<p>[vc_text_separator title=&#8220;Die Golden Gays&#8220; color=&#8220;custom&#8220; accent_color=&#8220;#a76bcf;&#8220;][vc_column_text]<span style=\"color: #a76bcf;\">Die Lebensgeschichten der Golden Gays sind vielf\u00e4ltig. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Leony als Prostituierte f\u00fcr US-amerikanische Soldaten. Frederico wurde mit sieben Jahren von seiner Mutter verstossen, weil er \u00abzu m\u00e4dchenhaft\u00bb war. Semmy versteckte seine Sexualit\u00e4t das ganze Leben lang. Ohne das Heim f\u00fcr die Golden Gays w\u00e4ren sie obdachlos. Der kurze Dokumentarfilm \u00abHome for the Golden Gays\u00bb mit englischen Untertiteln gew\u00e4hrt einen Einblick in ihr Leben.<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/61281563\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Golden Gays von Manila sorgten weltweit f\u00fcr Aufmerksamkeit, nachdem sie vom Fotografen Geloy Concepcion in sein Studio eingeladen worden waren. Die alten M\u00e4nner, hager und voller Glitzer, posierten in Drag vor einer schlichten Studiowand. Die entstandenen Bilder sind wundersch\u00f6n und fanden ihren Weg in internationale Publikationen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/zu-besuch-bei-den-golden-gays-drag-queens-in-manila\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":40486,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4371],"tags":[1004,5442,5447,5449,5493,1851],"wps_subtitle":"\u00dcberleben auf den Philippinen (Teil 2): Portr\u00e4ts schwuler Pension\u00e4re, die nebenbei als Dragqueens arbeiten","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40479"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40479"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40479\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":206962,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40479\/revisions\/206962"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}