{"id":40468,"date":"2018-10-31T22:09:03","date_gmt":"2018-10-31T21:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=40468"},"modified":"2021-07-08T10:04:39","modified_gmt":"2021-07-08T08:04:39","slug":"john-grant-wir-brauchen-empathie-in-der-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/john-grant-wir-brauchen-empathie-in-der-community\/","title":{"rendered":"John Grant: \u00abWir brauchen Empathie in der Community\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>John Grant ist ein Star im schwulen Underground. Der S\u00e4nger und Songwriter, der schon an der Seite von K\u00fcnstlern wie Hercules &amp; Love Affair, Robbie Williams oder Kylie Minogue zu h\u00f6ren war, ver\u00f6ffentlichte im Oktober sein viertes Soloalbum \u00abLove Is Magic\u00bb. Beim Gespr\u00e4ch mit der Mannschaft besticht der 50-J\u00e4hrige einmal mehr mit Klarsicht statt Verkl\u00e4rung.<\/h3>\n<p><strong>John, du sprichst fliessend Deutsch. Wie kam es dazu?<\/strong><br \/>\nIch habe sehr viel Nina Hagen geh\u00f6rt als Teenager und mich total in \u00abNunSexMonkRock\u00bb verliebt. Das ist bis heute meine Lieblingsplatte. Durch sie wurde ich auch auf ihre ersten beiden Alben aufmerksam. Die Texte faszinierten mich und ich wollte ganz genau wissen, was sie da von sich gab. Deswegen fing ich an, in der Schule Deutsch zu lernen. Im letzten Highschooljahr. Erstaunlicherweise war ich sehr gut, was mich rettete in einer Zeit, in der ich unf\u00e4hig war, mit meiner Sexualit\u00e4t umzugehen. Die Lehrerin damals hat sich meiner angenommen.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><br \/>\nSie hat mich unterst\u00fctzt und am Wochenende ins Caf\u00e9 eingeladen, um Deutsch mit mir zu reden. Irgendwann ermutigte sie mich, dass ich das nach meinem Schulabschluss intensivieren sollte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_40470\" aria-describedby=\"caption-attachment-40470\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-40470\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1200 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"900\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis.jpg 1200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-300x225.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-768x576.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-425x319.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-192x144.jpg 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-384x288.jpg 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-561x421.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-1122x842.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-364x273.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-758x569.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-608x456.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-1152x864.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-313x235.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-400x300.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-64x48.jpg 64w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/John_Grant_Sven_Serkis-128x96.jpg 128w\" data-sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-40470\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Sven Serkis<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was du getan haben musst, denn man h\u00f6rt nicht mal einen Akzent.<\/strong><br \/>\nDankesch\u00f6n. Ich habe 1987 einen sechsw\u00f6chigen Austauschkurs im Norden Deutschlands gemacht. Nachdem ich die Pr\u00fcfung zum Nachweis deutscher Sprachkenntnisse bestanden hatte, schrieb ich mich als Student ein und fing an, zus\u00e4tzlich Russisch zu lernen.<\/p>\n<p><strong>Und damit nicht genug. Du sprichst noch weitere Sprachen<\/strong>.<br \/>\nSpanisch und Isl\u00e4ndisch mittlerweile. Wobei die isl\u00e4ndische Grammatik ein Alptraum ist. Wahnsinn! Aber es macht so viel Spass!<\/p>\n<blockquote><p>Deppen, Arschl\u00f6cher, aber auch nette Menschen gibt es \u00fcberall. Man findet seine Ecken.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Island ist das Stichwort. Du wohnst mittlerweile dort.\u00a0<\/strong><strong>Was hat dich an dem Land gereizt?<\/strong><br \/>\nIch weiss es nicht. Zu dem Zeitpunkt war ich an nichts gebunden. Man hatte mich f\u00fcr Auftritte eingeladen und die Landschaft, die Sprache und die Leute reizten mich.<\/p>\n<p><strong>War es die richtige Entscheidung? Lebst du gerne dort?<\/strong><br \/>\nIch kann mir vorstellen, an den verschiedensten Orten zu leben. Deppen, Arschl\u00f6cher, aber auch nette Menschen gibt es \u00fcberall. Man findet seine Ecken. Zur\u00fcck in die USA zu ziehen, w\u00e4re auch denkbar. Auch wenn mir die politische Landschaft dort \u00fcberhaupt nicht gef\u00e4llt. Aber da sind eben meine Leute, mit denen ich aufgewachsen bin. Nur bin ich so sprachenbegeistert, dass ich immer mal wieder um die Welt ziehen muss.<\/p>\n<p><strong>Als Musiker tust du das mehr als viele andere. Welches Bild von unserem Planeten hast du auf deinen Reisen gewonnen?<\/strong><br \/>\nDass die Menschen alle gleich sind. Nat\u00fcrlich gibt es kleine Unterschiede, aber weniger, als wir meinen. Wobei ich sagen muss, dass Russland mir wie ein anderer Planet erschien. Obwohl man auch dort \u00fcbers Essen nachdenkt, \u00fcber Kleidung, dar\u00fcber, aufs Klo zu gehen, \u00fcber Arbeit, Liebe und Sex.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/-qtTidRF2V0\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Wenn du auf deine bisherige Karriere zur\u00fcckschaust, welche H\u00f6hepunkte kommen dir in den Kopf?<\/strong><br \/>\nMit Elton John im Hubschrauber zu seinem Konzert zu fliegen, das war geil! Oder neben Alison Goldfrapp in der Royal Albert Hall auf der B\u00fchne zu stehen, mit Tracy Thorn zu singen oder Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins kennen zu lernen. Der helle Wahnsinn! Mit Elizabeth werde ich demn\u00e4chst zusammenarbeiten. Ein Traum, der in Erf\u00fcllung geht. In Russland auftreten und mit den Leuten dort kommunizieren zu k\u00f6nnen, war auch ein Highlight. Keine Angst haben zu m\u00fcssen, in den Knast zu kommen, weil ich schwul bin, sondern einfach ich selbst sein zu d\u00fcrfen. Ich hatte vorher echt Schiss. Jahrelang hatte ich mich mit ihrer Sprache besch\u00e4ftigt, und dann fing ich an, die Russen zu hassen. Bis mir klar wurde, dass ich sie nicht f\u00fcr ihre Regierung und Gesetze verurteilen kann. Immerhin finde ich es auch ungerecht, als Amerikaner mit unserer Politik gleichgesetzt zu werden.<\/p>\n<blockquote><p>Liebe ver\u00e4ndert dich. Ob du das willst oder nicht. Und zwar zum Guten, wenn du sie zul\u00e4sst.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kommen wir zu deinem neuen Album \u00abLove is Magic\u00bb. Was macht Liebe aus deiner Sicht zu etwas Magischem?<\/strong><br \/>\nLiebe ver\u00e4ndert dich. Ob du das willst oder nicht. Und zwar zum Guten, wenn du sie zul\u00e4sst und die Lehren lernst, die sie dir anbietet. Zum Beispiel, sich selbst zu lieben, damit man andere lieben kann. Wer nicht sanft und respektvoll mit sich selbst umgeht, wird das auch nicht bei einem Gegen\u00fcber k\u00f6nnen. Das war auch f\u00fcr mich eine harte Lektion. Das Magische ist, dass es sich wirklich lohnt, auch wenn der gemeinsame Alltag manchmal h\u00e4sslich aussieht und der Sex nicht immer funktioniert. Manchmal braucht es Jahre, bis dahingehend der n\u00e4chste Fortschritt oder die n\u00e4chste Verwandlung eintritt. Aber wenn man am Ball bleibt und nicht aufgibt, passieren Dinge, die man sich nicht zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tte. Intimit\u00e4t mit einem anderen Menschen geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n<p><strong>Was kannst du zu der Entstehung deiner Platte berichten? Gab es eine bestimmte Herangehensweise, einen speziellen Ansatz?<\/strong><br \/>\nJa, auf jeden Fall. Ich wollte unbedingt das Klangbild im Griff haben, bevor ich anfing, Texte zu schreiben. Deshalb habe ich zehn Monate lang an den Sounds gearbeitet. Zusammen mit Benge von der Gruppe Wrangler, den ich dank unseres gemeinsamen Projekts Creep Show kenne. In seinem Studio in Cornwall. Er hat Hunderte von analogen und modularen Synthesizern in seinem Keller. Es war die reinste Wonne, mit den Dingern herumzuexperimentieren. Ich konnte die Kl\u00e4nge einatmen und auf mich wirken lassen. Es war die sch\u00f6nste Zeit in meinem Leben. Bis auf gewisse Weihnachtsfeste in meiner Kindheit.<\/p>\n<p><strong>Wie hast du dann die passenden Worte zu deinen Instrumentierungen gefunden?<\/strong><br \/>\nDie Lieder und Soundskizzen haben mich wissen lassen, was sie verlangen oder welche Geschichten zu ihnen passen. Es ist sch\u00f6n, zu wissen, dass man dem Prozess als solchem vertrauen darf.<\/p>\n<blockquote><p>Die russischen Jungs sind sowas von tapfer. Sie werden verpr\u00fcgelt und mit Urin beworfen, wenn sie geoutet leben.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Inwiefern kann Musik aus deiner Sicht die Gleichstellungsbewegung unterst\u00fctzen? Hat man als Musiker die Chance, seinen Teil dazu beizutragen?<\/strong><br \/>\nJa, indem man Pr\u00e4senz zeigt. Aber auch, indem man in seinen Lyrics die Pronomen nicht \u00e4ndert und aus einem \u00aber\u00bb kein \u00absie\u00bb macht, nur um nicht negativ aufzufallen. Man sollte von seinem Alltag erz\u00e4hlen. So, wie er wirklich ist. Bleib du selbst. Das ist sehr wichtig. Viele Jahre hat sich das keiner getraut. Elton John oder Freddie Mercury haben das Spiel zum Beispiel eine Weile mitspielen m\u00fcssen. Als ich nach Russland ging, performte ich meine Lieder, wie sie sind. Ich musste nicht gross predigen oder medienwirksam in den Knast kommen. Die Leute haben sich gefreut, dass ich da war, und wussten, wovon ich singe. Das hat Mut gemacht, obwohl es f\u00fcr schwule M\u00e4nner dort nicht leicht ist. Die russischen Jungs sind sowas von tapfer. Sie werden verpr\u00fcgelt und mit Urin beworfen, wenn sie geoutet leben.<\/p>\n<p><strong>In Westeuropa und Amerika, in Grossst\u00e4dten wie Berlin, New York oder London, kann man als Homosexueller heutzutage relativ unbeschwert leben. Gibt es deiner Meinung nach aber noch immer Hindernisse?<\/strong><br \/>\nAuf jeden Fall. Ich weiss nicht, wie man das \u00e4ndert. Vielleicht wirklich, indem man schlicht sein Leben lebt und keine Angst hat, damit raus in die \u00d6ffentlichkeit zu gehen. Leider kommen zurzeit wieder viele Stimmen auf, man solle Homosexuellen schaden. Es gibt Leute, die ohne Hemmungen ihren Hass in die Welt tragen. Ohne Gewissensbisse pfeifen sie es von allen D\u00e4chern. Und scheinbar d\u00fcrfen sie das auch ungehindert. Das ist schlimm und be\u00e4ngstigend. Und was kann man dagegen tun? Einfach man selbst bleiben und sein Ding machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_40472\" aria-describedby=\"caption-attachment-40472\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1200 900'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3.jpg\" alt=\"john grant\" width=\"1200\" height=\"900\" class=\"lazyload size-full wp-image-40472\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3.jpg 1200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-425x319.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-192x144.jpg 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-384x288.jpg 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-561x421.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-1122x842.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-364x273.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-758x569.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-608x456.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-1152x864.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-313x235.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-400x300.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-64x48.jpg 64w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/john-grant-sven-serkis-3-128x96.jpg 128w\" data-sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-40472\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Sven Serkis<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Pr\u00e4senz, von der du bereits sprachst, scheint wirklich ein wichtiger Faktor zu sein. Auch, um die Vielschichtigkeit des Schwulseins zu verdeutlichen.<\/strong><br \/>\nWir m\u00fcssen einander unterst\u00fctzen und aufpassen, uns nicht gegenseitig fertigzumachen. Denn mir scheint es, als ob das innerhalb der homosexuellen Gesellschaft recht h\u00e4ufig passiert. Verst\u00e4ndnis f\u00fcr trans Frauen und M\u00e4nner zu haben, auch wenn man das selbst nicht verstehen oder nachf\u00fchlen kann, ist wichtig. Es braucht Empathie und keine Verurteilungen. M\u00e4nnlichkeit wird auch innerhalb der Community oft benutzt, um zu diskriminieren. Nach dem Motto, du bist nicht Mann genug oder zu tuntig. Zu schrill oder zu gay. Dabei sind das doch genau die Aussagen, vor denen viele von uns in ihrer Jugend weggerannt sind. Damit m\u00fcssen wir aufh\u00f6ren. Ich selbst habe das auch getan und will das nicht mehr.<\/p>\n<p><strong>Warum ist denn die sexuelle Orientierung von Musikern, Schauspielern und anderen generell so interessant f\u00fcr viele?<\/strong><br \/>\nDas w\u00fcsste ich auch gern. Keine Ahnung. Ich habe selbst schon Dinge wie \u00abTom Cruise\u00bb und \u00abBoyfriend\u00bb bei Google eingegeben. Vielleicht, weil ich Hoffnungen hatte, irgendwann etwas mit Tom Cruise haben zu k\u00f6nnen. Wobei ich das eigentlich gar nicht mehr m\u00f6chte.<\/p>\n<blockquote><p>Dass ich Sex oft mit Angst verbunden hatte, st\u00f6rte mich.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Du hast deinen HIV-Status irgendwann \u00f6ffentlich gemacht. Ist es dir wichtig, mit Stigmata zu brechen und aufzukl\u00e4ren?<\/strong><br \/>\nBei mir ging es vor allem darum, mit meinem Selbsthass umzugehen und mir die Frage zu beantworten, warum ich mir das selbst angetan habe. Der Typ, mit dem ich geschlafen habe und bei dem ich mich ansteckte, hatte mir damals gesagt, er sei negativ. Doch das stimmte nicht. Danach wurde ich oft gefragt, ob ich ihn hassen w\u00fcrde oder ihn fertiggemacht h\u00e4tte. Solche Gef\u00fchle hatte ich nie. Ich bin derjenige gewesen, der sich nicht gesch\u00fctzt hat. Fertig. Punkt. Niemand hat mich dazu gezwungen, ohne Kondom mit ihm Sex zu haben. Ich wollte verstehen, wie ich derart wenig von mir halten konnte, dass ich mich in eine solche Gefahr begeben habe. Das w\u00e4re komplett vermeidbar gewesen. Irgendwie war ich aber auch erleichtert, als ich erfahren habe, dass ich HIV habe. Pl\u00f6tzlich hatte ich keine Angst mehr, mich anzustecken.<\/p>\n<p>Dass ich Sex oft mit Angst verbunden hatte, st\u00f6rte mich. Nicht, dass es nicht schon schwer genug gewesen war, als homosexueller Mann zu leben. Die Erleichterung, die ich dann aber versp\u00fcrte, fand ich ebenso komisch. Sogar krankhaft. Als ich von der B\u00fchne verk\u00fcndete, dass ich HIV-positiv bin, tat ich das aus einem einzigen Grund: Weil ich ein Lied singen wollte, wo es genau darum ging. Um Stigmatisierungen. Es gab Zeiten, da h\u00e4tte ich meine Krankheit genutzt, nur um Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Doch nachdem ich clean geworden war vor vierzehn Jahren, sollte damit Schluss sein. Mir wurde klar, dass ich nicht aufh\u00f6ren kann, Drogen zu konsumieren, wenn ich gleichzeitig ein derart selbstzerst\u00f6rerisches Verhalten zeige.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2018\/03\/29\/sakima-ueber-dominanz-daddys-und-dirty-pop\/\"><strong>Mehr queere Musik: Sakima \u00fcber Dominanz, Daddys und Dirty Pop<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Grant ist ein Star im schwulen Underground. 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