{"id":38778,"date":"2018-09-27T08:46:31","date_gmt":"2018-09-27T06:46:31","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=38778"},"modified":"2024-09-23T15:42:30","modified_gmt":"2024-09-23T13:42:30","slug":"leben-in-der-geisterstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/leben-in-der-geisterstadt\/","title":{"rendered":"Jung und schwul auf den Philippinen"},"content":{"rendered":"<h3>Ein Bericht \u00fcber das Leben als schwuler Mann in Manila, der Hauptstadt der Philippinen \u2013 einer Stadt, gezeichnet von Krankheit und Korruption.<\/h3>\n<p>Text: Cedric S. Reyes<\/p>\n<p>Seit der letzten Risikosituation sind drei Monate vergangen. F\u00fcr den HIV-Test besuche ich die Manila City Hall, das Herz des Zentrums der korrupten Vergangenheit dieser alten Stadt, das Kolosseum unserer schlechten Gewohnheiten.<\/p>\n<p>Hier waltet Joseph \u00abErap\u00bb Estrada, der ehemalige Pr\u00e4sident der Philippinen, der f\u00fcr die Veruntreuung \u00f6ffentlicher Gelder in Millionenh\u00f6he verurteilt wurde. Nach seiner Amtsenthebung hat er es geschafft, wieder in ein \u00f6ffentliches Amt gew\u00e4hlt zu werden. Als B\u00fcrgermeister der Hauptstadt ist er nun in seiner zweiten Amtszeit.<\/p>\n<p><strong>Soziale Hygiene zum Zweiten<\/strong><br \/>\nNachdem ich in der Manila City Hall angekommen bin, suche ich nach der \u00abSocial Hygiene Clinic\u00bb, wie die Kommunalverwaltungen auf den Philippinen ihre kostenlosen HIV-Testzentren gerne nennen. Sie sind notwendige Einrichtungen in einem Land, das steigende Infektionszahlen mit dem Virus aufweist. 2009 bezeichnete UNICEF die Philippinen als eines von nur sieben L\u00e4ndern mit zunehmenden HIV-Ansteckungen. Die Zahlen steigen immer noch. 2017 sprach das nationale Gesundheitsministerium von 31 (!) Neuansteckungen pro Tag. Seit der Datenerfassung 1984 hat die Regierung 2466 durch AIDS bedingte Todesf\u00e4lle registriert. <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2017\/05\/12\/ab-2020-soll-in-deutschland-niemand-mehr-an-aids-erkranken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(Bis sp\u00e4testens 2030 soll AIDS beendet sein, das Ziel haben sich AIDS-Hilfen und die UN gesetzt.)<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Das Nationale Gesund\u00adheitsministerium spricht von 31 Neu\u00adansteckungen pro Tag<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Mein erstes Mal<\/strong><br \/>\nIch erinnere mich an das letzte Mal, an dem ich mich in meiner Heimatstadt Para\u00f1aque, rund 22 Kilometer vom Zentrum Manilas entfernt, in einer \u00f6ffentlichen Gesundheitseinrichtung testen liess. Es war vor drei Jahren und mein erster HIV-Test. Ich war 19 und hatte mich noch nicht an die qu\u00e4lende Ungewissheit gew\u00f6hnt, die mit solchen Tests einhergeht.<\/p>\n<p>Damals hatten mich eine Handvoll Risikosituationen und deren m\u00f6gliche Konsequenzen eingeholt. Ich wusste, was im Fernsehen dar\u00fcber gesagt wurde, und hatte mich mit den Zahlen auseinandergesetzt. Ich hatte furchtbare Angst und hielt nach m\u00f6glichen Symptomen Ausschau. Eine einfache Erk\u00e4ltung liess mich fiebrig werden, ganz zu schweigen von den Situationen, in denen ich wirklich Fieber hatte.<\/p>\n<p>Wie das Leben so spielt, hatte ich jemanden kennen gelernt. \u00abSich testen zu lassen, ist eine Verantwortung\u00bb, sagte er. Es sei meine Pflicht gegen\u00fcber dem Partner und denjenigen, mit denen ich eine intime Beziehung f\u00fchre. Er schlug vor, dass wir uns beide testen lassen, bevor wir uns weiter treffen w\u00fcrden. Ich war einverstanden.<\/p>\n<p>Private Krankenh\u00e4user verrechnen bis zu 2000 Pesos f\u00fcr einen HIV-Test, umgerechnet 37 Franken oder 32 Euro. Dies herauszufinden, war nicht einfach. Mit einer fadenscheinigen Begr\u00fcndung blieb ich zuhause. Als ich sicher war, dass niemand mehr im Haus war, rief ich ein nahe gelegenes Krankenhaus an, um mich nach dem Test zu erkundigen. Man hielt sich kurz, die Informationen waren knapp. Ich w\u00fcrde die 2000 Pesos vor Ort bezahlen und mit meinem Beleg 15 Tage sp\u00e4ter zur\u00fcckkehren, um meine Ergebnisse abzuholen. Das waren Geld und Zeit, die ich mit 19 Jahren nicht hatte. Ich war Student an der Universit\u00e4t und gem\u00e4ss UNAIDS Teil einer Hochrisiko\u00adgruppe\u202f\u2013 M\u00e4nner zwischen 15 und 24 Jahren, die Sex mit M\u00e4nnern haben.<\/p>\n<p>In meinem Kopf musste der Test an diesem Tag oder gar nie stattfinden. Ich w\u00e4gte meine Optionen ab. Es gab gemeinn\u00fctzige Organisationen, die in der ganzen Megastadt verstreut waren und kostenlose, anonyme Tests anboten, bei denen man die Resultate am selben Tag erhielt.<\/p>\n<p>Kliniken wie \u00abLove Yourself\u00bb und \u00abThe Red Whistle\u00bb waren in der Tat eine bessere Option. Freunde von mir hatten sich dort testen lassen und vom effizienten Ablauf und den freundlichen Mitarbeitenden geschw\u00e4rmt. Nach Erhalt der Ergebnisse habe man vom ehrenamtlichen Berater Kondome und Gleitmittel erhalten, verpackt in die eindringliche Mahnung, stets safen Sex zu praktizieren. Daf\u00fcr mussten meine Freunde lediglich die Anreise bezahlen und sich tadeln lassen, dass sie mit dem Test so lange gewartet hatten.<\/p>\n<p>Solche Kliniken kamen f\u00fcr mich aber nicht in Frage, da die n\u00e4chste Einrichtung eine zweist\u00fcndige Fahrt mit der klapprigen Stadtbahn entfernt gewesen w\u00e4re.<br \/>\nDer Test war mehr als nur ein Eintrag auf meiner To-do-Liste, er war eine halsbrecherische Mission, die niemand mitbekommen durfte, bis ich ein negatives Resultat erhielt, am allerwenigsten meine \u00fcbereifrigen Eltern. Ein positives Resulat stand ausser Frage und \u00fcberstieg meine Vorstellungskraft. Ich musste daran glauben, negativ zu sein.<\/p>\n<p>Was ich brauchte, war ein Testzentrum, das kostenlose Tests anbot und in der N\u00e4he war. Das f\u00fchrte mich in die \u00abSocial Hygiene Clinic\u00bb von Para\u00f1aque, die nur zwanzig Minuten von zuhause entfernt war. Kurz bevor ich das Haus verliess, rief ich an und sie baten mich, vorbeizukommen. Einfach vorbeikommen.<\/p>\n<blockquote><p>Obwohl mich meine \u00dcberzeugungen und Prinzipien an etwas anderes glauben liessen, begann ich zu beten.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Hin zum Glauben, weg von Prinzipien <\/strong><br \/>\nObwohl mich meine \u00dcberzeugungen und Prinzipien an etwas anderes glauben liessen, begann ich zu beten. Ich hatte mich auch in den Monaten vor diesem ersten HIV-\u00adTest wieder an Gott gewandt, mit dem mich meine Eltern in meiner Kindheit bekannt gemacht hatten. Ich trug stets ein Rosenkranz um mein Handgelenk und verwendete ihn sogar, wenn mir langweilig war. Regelm\u00e4ssig rezitierte ich dieselben Worte, das gleiche, unerm\u00fcdliche Gebet f\u00fcr ein negatives Ergebnis.<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\" style=\"background: #FFF; border: 0; border-radius: 3px; box-shadow: 0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width: 540px; min-width: 326px; padding: 0; width: calc(100% - 2px);\" data-instgrm-permalink=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BjSNSkgBkO3\/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading\" data-instgrm-version=\"12\">\n<div style=\"padding: 16px;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"display: flex; flex-direction: row; align-items: center;\">\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 40px; margin-right: 14px; width: 40px;\"><\/div>\n<div style=\"display: flex; flex-direction: column; flex-grow: 1; justify-content: center;\">\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; margin-bottom: 6px; width: 100px;\"><\/div>\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; width: 60px;\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div style=\"padding: 19% 0;\"><\/div>\n<div style=\"display: block; height: 50px; margin: 0 auto 12px; width: 50px;\"><\/div>\n<div style=\"padding-top: 8px;\">\n<div style=\"color: #3897f0; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; font-style: normal; font-weight: 550; line-height: 18px;\">Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an<\/div>\n<\/div>\n<div style=\"padding: 12.5% 0;\"><\/div>\n<div style=\"display: flex; flex-direction: row; margin-bottom: 14px; align-items: center;\">\n<div>\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 50%; height: 12.5px; width: 12.5px; transform: translateX(0px) translateY(7px);\"><\/div>\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; height: 12.5px; transform: rotate(-45deg) translateX(3px) translateY(1px); width: 12.5px; flex-grow: 0; margin-right: 14px; margin-left: 2px;\"><\/div>\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 50%; height: 12.5px; width: 12.5px; transform: translateX(9px) translateY(-18px);\"><\/div>\n<\/div>\n<div style=\"margin-left: 8px;\">\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 20px; width: 20px;\"><\/div>\n<div style=\"width: 0; height: 0; border-top: 2px solid transparent; border-left: 6px solid #f4f4f4; border-bottom: 2px solid transparent; transform: translateX(16px) translateY(-4px) rotate(30deg);\"><\/div>\n<\/div>\n<div style=\"margin-left: auto;\">\n<div style=\"width: 0px; border-top: 8px solid #F4F4F4; border-right: 8px solid transparent; transform: translateY(16px);\"><\/div>\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; flex-grow: 0; height: 12px; width: 16px; transform: translateY(-4px);\"><\/div>\n<div style=\"width: 0; height: 0; border-top: 8px solid #F4F4F4; border-left: 8px solid transparent; transform: translateY(-4px) translateX(8px);\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div style=\"display: flex; flex-direction: column; flex-grow: 1; justify-content: center; margin-bottom: 24px;\">\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; margin-bottom: 6px; width: 224px;\"><\/div>\n<div style=\"background-color: #f4f4f4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; width: 144px;\"><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"color: #c9c8cd; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; line-height: 17px; margin-bottom: 0; margin-top: 8px; overflow: hidden; padding: 8px 0 7px; text-align: center; text-overflow: ellipsis; white-space: nowrap;\"><a style=\"color: #c9c8cd; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 17px; text-decoration: none;\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BjSNSkgBkO3\/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ein Beitrag geteilt von Cedrito (@cedritoreyes)<\/a> am <time style=\"font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; line-height: 17px;\" datetime=\"2018-05-27T14:37:30+00:00\">Mai 27, 2018 um 7:37 PDT<\/time><\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Testzentrum verk\u00fcndete ich meinen Glauben. Murmelnd hielt ich eine gequ\u00e4lte Andacht, w\u00e4hrend mir die Pflegerin Blut zog und die Etikette der Spritze beschriftete. Ich stellte mir vor, wie ich in die offenen Arme Gottes fiel. Ave Maria, voll der Gnade, gew\u00e4hre mir irgendeine andere Strafe.<\/p>\n<p>Ein fehlgeleitetes Bittgebet. Irgendwie hatte ich es geschafft, mich in die Irre zu f\u00fchren, als ergebe es einen perfekten Sinn. Als k\u00f6nnte ich mich bei einer h\u00f6heren Macht anbiedern, die mich vor einer Krankheit bewahren w\u00fcrde. Als ob sie eine Infektion verhindern k\u00f6nnte, die sich zu jenem Zeitpunkt schon l\u00e4ngst in meinem Blutkreislauf ausgebreitet h\u00e4tte. Als w\u00e4re Krankheit die Konsequenz f\u00fcr die Gottverlassenen. Als tr\u00fcgen die Betroffenen die Schuld.<\/p>\n<p>Die Sorgen, die mich zum Beten bewegt hatten, sind dieselben, die diese Epidemie \u00fcberhaupt mitverantworten. Man denke an die katholische Kirche, die jegliche Ans\u00e4tze zur Sexualkunde unterdr\u00fcckt und die Gratisvergabe von Kondomen verhindert. Man denke an die Regierung, die mit n\u00fctzlichen Massnahmen viel zu lange zugewartet hat. Man denke an die Elite, an die Gebildeten wie mich, die sich mit Gebeten oder anderen Scheinbildern von den kranken Massen abheben. Wir alle sollten zur Verantwortung gezogen werden. In einem Entwicklungsland sind HIV-Patient*innen die Letzten, bei denen man nach Schuldigen suchen muss.<\/p>\n<blockquote><p>Man denke an die katholische Kirche, die jegliche Ans\u00e4tze zur Sexualkunde unterdr\u00fcckt und die Gratis\u00advergabe von Kondomen verhindert.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Mahnmal<\/strong><br \/>\nEinige Dinge gingen mir damals durch den Kopf, als ich auf die Ergebnisse meines ersten HIV-Tests wartete. Zuerst dachte ich an den Mann, den ich gerade erst n\u00e4her kennen lernte. Dieser z\u00e4rtliche, bleichgesichtige Mann. Er versicherte mir, dass er sich weiterhin mit mir treffen w\u00fcrde. Egal, wie das Ergebnis ausfallen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Beten gegen Homosexualit\u00e4t<\/strong><br \/>\nIch dachte an meine Mutter, die Zahn\u00e4rztin. Die Frau, die ich liebte. Im selben Jahr hatte sie herausgefunden, dass ich schwul bin. Sie bat mich, nein verlangte, dass ich jeweils vor dem Einschlafen ein heilendes Gebet sprechen sollte. Ich d\u00fcrfte keinen Abend verpassen. Sie b\u00fcgelte meine Hemden, bereitete mir das Fr\u00fchst\u00fcck vor, scheuerte den Boden, zog meine Backen\u00adz\u00e4hne \u2013 als Gegenleistung musste ich bloss ihren Gott um Vergebung bitten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend mir mein Berater erkl\u00e4rte, dass es bei einem HIV-Test nur zwei m\u00f6gliche Resultate gebe \u2013 reaktiv oder nicht reaktiv\u202f\u2013, fragte ich mich, ob meine Mutter recht hatte. War meine schwule Identit\u00e4t all diese M\u00fche wert? Konnte ich diese D\u00e4monen vertreiben und mir trotzdem treu bleiben? Man dr\u00fcckte mir einen Zettel in die Hand. Nicht reaktiv.<\/p>\n<p>Ich dachte an den Priester, der an einem Sonntag in der Kirche vor der versammelten Gemeinde verk\u00fcndete, dass Tod und AIDS die Strafe Gottes f\u00fcr Homosexuelle seien. Ich dachte an den stets unsichtbaren Feind. Ich dachte an die Geister, die Staatsgelder kassieren. Ich dachte ans \u00dcberleben, obwohl man uns lieber tot sehen w\u00fcrde. Ich dachte an das Leben als eine Emp\u00f6rung und als Proklamation: Wir sind immer noch da.<\/p>\n<p><strong>In Manila lebend<\/strong><br \/>\nJetzt, drei Jahre sp\u00e4ter, sitze ich in einem HIV-Testzentrum in einer anderen Stadt. Ich habe mich geirrt, dieses Mal habe ich nicht so gut recherchiert. Die \u00abSocial Hygiene Clinic\u00bb von Manila ist abgelegen und befindet sich nicht in der City Hall. Es ist kurz nach zw\u00f6lf Uhr mittags, als ich sie schliesslich erreiche. \u00c4hnlich wie in anderen Regierungsgeb\u00e4uden der Stadt ist die Bel\u00fcftung mangelhaft, von den W\u00e4nden l\u00f6st sich die Farbe. Auf Plakaten steht die Regierungsmassnahme \u00abNo noon Break\u00bb. Regierungsangestellte haben zugunsten der Anliegen der B\u00fcrger*innen auf eine Mittagspause zu verzichten.<\/p>\n<p>Wie in anderen Regierungsgeb\u00e4uden missachten die Mitarbeitenden die Regeln und sind in der Mittagspause. Man h\u00f6rt sie laut miteinander schwatzen. W\u00e4hrend ich auf die Wiederaufnahme des Betriebs warte, denke ich an die drei Jahre zur\u00fcck, die seit meinem ersten Test vergangen sind. Ein St\u00fcck pers\u00f6nliche Geschichte komprimiert in einen Zeitraum, in dem man erwachsen werden muss. Nun ist es wieder an der Zeit f\u00fcr einen Test.<\/p>\n<p>Im Flur n\u00e4hern sich zwei M\u00e4nner und fragen mich, ob die Klinik ge\u00f6ffnet sei. \u00abDie Berater*innen sind in der Mittagspause\u00bb, sage ich ihnen. Mir wird sofort klar, dass sie ein Paar sind, und sie begreifen, dass ich mir Gedanken \u00fcber mein Ergebnis mache. Sie sagen nichts. Die Gegenwart von zwei v\u00f6llig fremden Personen beruhigt mich. Trotz aller \u00dcbel dieser Stadt, trotz der Ungewissheit unseres Status sind wir hier. Wenn die Mittagszeit vorbei ist, begeben wir uns nacheinander in ein Zimmer, um uns einer nach dem anderen von Nadeln stechen zu lassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2018\/10\/27\/zu-besuch-bei-den-golden-gays-drag-queens-in-manila\/\">Hier geht&#8217;s zu Teil 2 unseres Philippinen-Specials.<\/a><\/p>\n<p style=\"color: #a76bcf;\"><strong>Die Philippinen<\/strong><br \/>\nDer Inselstaat der Philippinen befindet sich in S\u00fcdostasien und umfasst \u00fcber 7500 Inseln. Die Bev\u00f6lkerung z\u00e4hlt rund 106 Millionen Menschen, davon leben gesch\u00e4tzte 22 Millionen im Ballungsraum der Hauptstadt Manila. Im Zuge ihrer 333-j\u00e4hrigen Kolonialherrschaft f\u00fchrten die Spanier das Christentum ein, 81\u2006% der Bev\u00f6lkerung bezeichnen sich heute als katholisch. Die katholische Kirche ist auch heute noch stark in der Politik und in der Bev\u00f6lkerung verankert und verf\u00fcgt \u00fcber grossen Einfluss auf Themen wie Verh\u00fctung, Sexualkunde und LGBTIQ-\u00adAngelegenheiten. Die Philippinen geh\u00f6ren nicht nur bei den HIV-Neuinfektionsraten zu den Spitzenreitern in Asien, sondern auch bei den Schwangerschaftsraten bei Minderj\u00e4hrigen. Mit der Ausnahme des Vatikans sind sie das einzige Land der Welt, in dem Scheidungen rechtlich nicht m\u00f6glich sind. Auf gesetzlicher Ebene bestehen f\u00fcr LGBTIQ-\u00adPersonen keine spezifischen Rechte, weder eine Form der Partnerschaft noch ein landesweiter Schutz vor Diskriminierung. Zurzeit wird im obersten Gerichtshof eine Klage zur \u00d6ffnung der Ehe behandelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht \u00fcber das Leben als schwuler Mann in Manila, der Hauptstadt der Philippinen \u2013 einer Stadt, gezeichnet von Krankheit und Korruption. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/leben-in-der-geisterstadt\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":38781,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,4371],"tags":[5442,5468,1851,5512],"wps_subtitle":"Kolonialismus, Katholizismus und Kliniken: Leben in der Geisterstadt, Teil 1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38778"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38778"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":206964,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38778\/revisions\/206964"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}