{"id":37724,"date":"2017-11-08T09:41:55","date_gmt":"2017-11-08T08:41:55","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/11\/08\/bundesverfassungsgericht-fordert-drittes-geschlecht-fuer-geburtenregister\/"},"modified":"2018-09-24T11:19:04","modified_gmt":"2018-09-24T09:19:04","slug":"bundesverfassungsgericht-fordert-drittes-geschlecht-fuer-geburtenregister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/bundesverfassungsgericht-fordert-drittes-geschlecht-fuer-geburtenregister\/","title":{"rendered":"Karlsruhe fordert drittes Geschlecht f\u00fcr Geburtenregister"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundesverfassungsgericht hat ein drittes Geschlecht f\u00fcr den Eintrag im Geburtenregister gefordert. Menschen, die weder m\u00e4nnlich noch weiblich sind, also intersexuell, solle damit erm\u00f6glicht werden ihre geschlechtliche Identit\u00e4t \u201epositiv\u201d eintragen zu lassen, entschieden die Karlsruher Richter in einem am Mittwoch ver\u00f6ffentlichten Beschluss. Zur Begr\u00fcndung verwies das Gericht laut AFP auf das grundgesetzlich gesch\u00fctzte Pers\u00f6nlichkeitsrecht.<\/p>\n<p>Der Gesetzgeber m\u00fcsse nun laut <span class=\"highlight\">Karlsruhe<\/span> bis Ende 2018 eine Neuregelung schaffen, in die als drittes Geschlecht neben \u201em\u00e4nnlich\u201d und \u201eweiblich\u201d noch etwa \u201einter\u201d, \u201edivers\u201d oder eine andere \u201epositive Bezeichnung des Geschlechts\u201d aufgenommen wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_24066\" aria-describedby=\"caption-attachment-24066\" style=\"width: 643px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-24066\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 643 482'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171.jpg\" alt=\"intersexuell\" width=\"643\" height=\"482\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171.jpg 643w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-300x225.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-425x319.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-192x144.jpg 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-384x288.jpg 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-561x421.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-364x273.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-608x456.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-313x235.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-400x300.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-64x48.jpg 64w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bild_57171-128x96.jpg 128w\" data-sizes=\"(max-width: 643px) 100vw, 643px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24066\" class=\"wp-caption-text\">Sitzungssaalgeb\u00e4ude im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (Foto: Stephan Baumann)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Ausgangsfall hatte ein intersexueller Mensch den Antrag auf \u00c4nderung seines Geschlechts auf \u201einter\u201d oder \u201edivers\u201d im Geburtenregister gestellt. Er war als M\u00e4dchen eingetragen worden. Laut einer vorgelegten Chromosomenanalyse ist er weder Frau noch Mann. Die Klage scheiterte zuvor in s\u00e4mtlichen Instanzen, zuletzt vor dem Bundesgerichtshof.<\/p>\n<blockquote><p>Ich pl\u00e4diere ausdr\u00fccklich f\u00fcr eine umfassende Reform des Rechts f\u00fcr trans- und intergeschlechtliche Menschen<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begr\u00fc\u00dfte die Entscheidung ausdr\u00fccklich, ebenso wie Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD). \u201eEs verletzt das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht von Menschen, die weder m\u00e4nnlich noch weiblich sind, wenn ihr Geschlechtseintrag offen bleibt\u201d, erkl\u00e4rte Barley am Mittwoch in <span class=\"highlight\">Berlin<\/span>. Das sei zudem ein Versto\u00df gegen das Diskriminierungsverbot.<\/p>\n<p>Die Aufnahme einer weiteren Geschlechtskategorie im Personenstandsrecht sowie ein klarstellendes Diskriminierungsverbot im Hinblick auf geschlechtliche Vielfalt sei \u00fcberf\u00e4llig. Die Umsetzung der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts m\u00fcsse von der neuen Regierung umgehend angegangen werden, erkl\u00e4rte Barley an die Adresse der potenziellen Jamaika-Partner Union, FDP und Gr\u00fcne. \u201eIch pl\u00e4diere ausdr\u00fccklich daf\u00fcr, nun eine umfassende Reform des Rechts f\u00fcr trans- und intergeschlechtliche Menschen entsprechend der Vorgaben des Europarats einzuleiten.\u201d<\/p>\n<blockquote><p>Intersexuelle Menschen sind nicht krank und nicht behandlungsbed\u00fcrftig<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zeigt sich zufrieden. J\u00f6rg Litwinschuh, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH), sagte: \u201eDieses Urteil ist historisch und eine St\u00e4rkung der Rechte und Sichtbarkeit intersexueller Menschen! Eine \u00c4nderung des Personenstandsgesetzes war aus unserer Sicht l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Intersexuelle Menschen sind nicht krank und nicht behandlungsbed\u00fcrftig: Das Urteil tr\u00e4gt weit \u00fcber Deutschland hinaus zur Enttabuisierung, Sichtbarkeit und Akzeptanz intersexueller Menschen bei.\u201c<\/p>\n<p>Gesch\u00e4tzt leben in Deutschland etwa 100.000 Intersexuelle. Laut Uno sind etwa 1,7 Prozent der Bev\u00f6lkerung davon betroffen.<\/p>\n<h3>Coming-out als intersexuell<\/h3>\n<p>Das belgische Model Hanne Gaby Odiele (unser Titelbild) hatte Anfang 2017 offenbart, dass sie intersexuell ist. Sie wolle mit ihrem Coming-out gegen Vorurteile k\u00e4mpfen und Betroffene ermutigen, sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Als sie geboren wurde, hatte sie Hoden, die in den K\u00f6rper gewachsen waren. Dagegen fehlten eine Geb\u00e4rmutter und Eierst\u00f6cke. Zudem besa\u00df sie ein X- und ein Y-Chromosom, wie sie biologisch eigentlich nur bei M\u00e4nnern vorkommen.<\/p>\n<p>Eine vom Bundesfamilienministerium gef\u00f6rderte Studie hatte Ende 2016 gezeigt, dass in Deutschland nach wie vor \u201efeminisierende\u201c und \u201emaskulinisierende\u201c Genitaloperationen an S\u00e4uglingen und Kindern vorgenommen werden. &#8222;Statt die Annahme nat\u00fcrlicher Zweigeschlechtlichkeit zu hinterfragen, werden intergeschlechtliche Menschen in Deutschland nach wie vor &#8218;passend&#8216; gemacht&#8220;, hatte LSVD-Sprecher Axel Blumenthal kritisiert. &#8222;Die medizinisch unn\u00f6tigen kosmetischen Genitaloperationen sind keine Heileingriffe, sondern verletzen das Menschenrecht auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und W\u00fcrde von intergeschlechtlichen Menschen und versto\u00dfen gegen die UN-Kinderrechtskonvention&#8220;, so Blumenthal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das belgische Model Hanne Gaby Odiele hatte sich Anfang 2017 als intersexuell geoutet. 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