{"id":37570,"date":"2017-10-17T13:06:41","date_gmt":"2017-10-17T11:06:41","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/10\/17\/hiv-in-osteuropa-eine-epidemie-ausser-kontrolle-was-tun\/"},"modified":"2018-10-30T11:56:04","modified_gmt":"2018-10-30T10:56:04","slug":"hiv-in-osteuropa-eine-epidemie-ausser-kontrolle-was-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/hiv-in-osteuropa-eine-epidemie-ausser-kontrolle-was-tun\/","title":{"rendered":"HIV in Osteuropa, eine Epidemie ausser Kontrolle &#8211; was tun?"},"content":{"rendered":"<h3>Die finanziellen Mittel f\u00fcr Massnahmen gegen HIV gehen zur\u00fcck. Die Region steuert in eine Katastrophe, warnen Experten.<\/h3>\n<p>Die HIV-Epidemie hat sich in Osteuropa und Zentralasien in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt: Gegen den weltweiten Trend steigt die Zahl der Infektionen rasant. Die Pr\u00e4vention greift nicht, warnen Experten. Die Behandlungsprogramme f\u00fcr Menschen mit HIV in Osteuropa sind vollkommen unzureichend. Die finanziellen Mittel f\u00fcr Massnahmen gegen HIV gehen zugleich zur\u00fcck. Fazit: Die Region steuert in eine Katastrophe.<\/p>\n<p>Es herrsche dringender Handlungsbedarf, konstatiert die Deutsche AIDS-Hilfe: N\u00f6tig sind finanzielle Mittel ebenso wie eine Pr\u00e4vention, die besonders stark betroffene Gruppen wie schwule M\u00e4nner und Drogenkonsumenten nicht weiter ausgrenzt. Dabei ist auch die Bundesregierung gefordert, eine entsprechende Strategie f\u00fcr das Engagement gegen HIV\/AIDS in Osteuropa zu entwickeln.<\/p>\n<p>Mit diesem Thema befasst sich am Dienstag die Konferenz \u201eHIV in Osteuropa \u2013 Die unbemerkte Epidemie?!\u201c in Berlin. Sie soll daf\u00fcr sorgen, dass dieses vernachl\u00e4ssigte Thema in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit gelangt. Eingeladen haben das Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS, Brot f\u00fcr die Welt und die Deutsche AIDS-Hilfe.<\/p>\n<p>In der Landesvertretung Baden-W\u00fcrttembergs beraten rund 80 Fachleute aus Politik, Zivilgesellschaft und HIV-Selbsthilfe dar\u00fcber, wie Erfolgsrezepte der HIV-Pr\u00e4vention und -Behandlung in Osteuropa wirksam werden k\u00f6nnten. Mit dabei sind UNAIDS-Vize Luiz Loures und der Leiter des Nationalen AIDS-Zentrums in Russland, Vadim Pokrovsky.<\/p>\n<p><strong>HIV in Osteuropa: <\/strong><strong>Massnahmen greifen nicht<\/strong><\/p>\n<p>Weltweit geht die Zahl der Neuinfektionen zur\u00fcck <a href=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/2017\/10\/die-auslieferung-der-50-euro-prep-laeuft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(u.a. durch die Verbreitung\u00a0der PrEP)<\/a>, immer mehr Menschen erhalten HIV-Medikamente, immer weniger sterben. In Osteuropa jedoch greifen die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, der L\u00e4nder selbst und der Selbsthilfe-Organisationen nicht. In vielen L\u00e4ndern der Region ist ein ungebremster, teils dramatischer Anstieg der HIV-Infektionen zu verzeichnen. Vor allem in Russland, wo seit 2016 die Marke der 100.000 j\u00e4hrlichen Neuinfektionen \u00fcberschritten ist.<\/p>\n<p>Auch der Zugang zu Test und Behandlung in der Region liege weit unter den von UNAIDS angestrebten Zielen. Die Finanzierung der Massnahmen gegen HIV\/Aids verschlechtere sich zugleich immer mehr.<\/p>\n<p><strong>Jetzt handeln!<\/strong><\/p>\n<p>Diese Situation ist ethisch untragbar und kann nicht ohne Auswirkungen auf das restliche Europa bleiben. Die Bundesregierung m\u00fcsse darum endlich eine Strategie entwickeln, um der HIV-Epidemie in Osteuropa etwas entgegenzusetzen, so die Deutsche AIDS-Hilfe.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit zwischen Staat und den am st\u00e4rksten betroffenen Gruppen hat sich in der deutschen HIV-Pr\u00e4vention als \u00fcberaus erfolgreich erwiesen. Diese vorbildliche Kooperation ist f\u00fcr internationale Massnahmen wegweisend.<\/p>\n<p>Luiz Loures, stellvertretender Exekutiv-Direktor von UNAIDS, zeigt sich \u00e4usserst besorgt. &#8222;Damit auch in Osteuropa ein Ende von AIDS weiterhin denkbar bleibt, ist es unerl\u00e4sslich, die am st\u00e4rksten betroffenen Gruppen zu erreichen \u2013 einschliesslich drogengebrauchender Menschen, M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben, Sexarbeiter und Menschen in Gef\u00e4ngnissen. Die Zivilgesellschaft spielt hierbei eine zentrale Rolle und es ist zwingend notwendig, dass sie ausreichend finanziert, unterst\u00fctzt und bef\u00e4higt ist, ihre wichtige Arbeit zu erledigen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Die Verfolgung von Homosexuellen ist eine menschliche Katastrophe und macht HIV-Pr\u00e4vention unm\u00f6glich<\/p><\/blockquote>\n<p>Sylvia Urban, Vorstand des Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS und der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) fordert die Bundesregierung auf, daf\u00fcr zu sorgen, dass Osteuropa von den Erfahrungen in Deutschland profitieren kann. &#8222;Die L\u00e4nder selbst m\u00fcssen daf\u00fcr Sorge tragen, dass nicht weiter Diskriminierung der am st\u00e4rksten betroffenen Gruppen den Zugang zu Pr\u00e4vention und Versorgung erschwert. Alle Erfahrungen zeigen: Partizipation ist der Schl\u00fcssel! Wer darauf verzichtet, kann gegen die HIV-Epidemie nicht erfolgreich sein. Die Verfolgung von Homosexuellen, Drogenkonsumenten und anderen Minderheiten ist eine menschliche Katastrophe und macht HIV-Pr\u00e4vention unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p>Astrid Berner-Rodoreda, Vorstand des Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS und Beraterin f\u00fcr HIV bei Brot f\u00fcr die Welt erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>\u201eAuch beim Zugang zu Behandlung liegt Osteuropa weit hinter anderen Regionen zur\u00fcck. Das h\u00e4ngt auch mit hohen Medikamentenpreisen zusammen. Hier m\u00fcssen Rahmenbedingungen ge\u00e4ndert werden, damit kosteng\u00fcnstige Generika in den L\u00e4ndern verf\u00fcgbar sind. Auch muss die Region weiterhin von der Unterst\u00fctzung des Globalen Fonds profitieren. Partnerorganisationen ben\u00f6tigen in ihrer HIV-Arbeit mit gef\u00e4hrdeten Gruppen und Betroffenen Unterst\u00fctzung, nicht nur von deutschen Nicht-Regierungsorganisationen, sondern auch von ihrer Regierung und deutschen Regierungsstellen. Die vorbildliche Zusammenarbeit im HIV-Bereich zwischen Regierungsstellen und Nicht-Regierungsorganisationen in Odessa, Ukraine, l\u00e4sst sich auch in anderen Regionen erzielen. Daf\u00fcr ist jedoch vor allem politischer Wille notwendig. Wir d\u00fcrfen die Menschen in Osteuropa mit der zunehmenden HIV-Problematik nicht l\u00e4nger alleine lassen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Mehr<\/strong> <strong>HIV-Infektionen, weniger Gegenmassnahmen<\/strong><\/p>\n<p>Die bislang vorliegenden Konzepte zu HIV in Osteuropa reichen bei weitem nicht aus. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen k\u00f6nnen so niemals erreicht werden. Mehr noch: Das internationale Engagement \u2013 auch das bundesrepublikanische \u2013 gegen AIDS in der Region wurde in den letzten Jahren trotz der zugespitzten Situation immer weiter reduziert.<\/p>\n<p>Einige internationale Geldgeber, wie beispielsweise der Globale Fonds gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM), haben sich aus L\u00e4ndern der Region weitgehend zur\u00fcckgezogen. Zum einen wurde die Wirtschaftskraft einiger L\u00e4nder durch die Weltbank neu eingestuft, so dass sie nun selbst mehr beitragen m\u00fcssen. Zugleich wird das politische Klima immer schwieriger. Organisationen, die F\u00f6rdermittel aus dem Ausland erhalten, m\u00fcssen sich beispielsweise als \u201eAuslandsagenten\u201c registrieren lassen und unterliegen staatlichen Restriktionen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen besch\u00e4digen insbesondere die T\u00e4tigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure, die in der erfolgreichen HIV\/Aids-Arbeit immer eine tragende Rolle spielen. Die Folgen sind dramatisch: Wirksame Pr\u00e4ventionsarbeit f\u00fcr die am st\u00e4rksten betroffenen Gruppen wird immer weiter eingeschr\u00e4nkt oder kommt gar nicht erst zustande.<\/p>\n<p>Ein Beispiel sind Massnahmen zur Verhinderung von gesundheitlichen Sch\u00e4den beim Drogenkonsum Spritzenvergabe und Safer-Use-Aufkl\u00e4rung gibt es in vielen L\u00e4ndern nicht. Und w\u00e4hrend die Substitutionsbehandlung in der Ukraine zu grossen Erfolgen gef\u00fchrt hat, verweigern andere L\u00e4nder wie Russland diese wissenschaftlich abgesicherte Therapie, die zahlreiche Gesundheitsrisiken minimiert.<\/p>\n<p><strong>Menschen in Haft<\/strong><\/p>\n<p>Gefangene sind aufgrund desolater baulicher Bedingungen und mangels Zugang zu Pr\u00e4vention und Behandlungsm\u00f6glichkeiten einem ganz besonders hohen Risiko ausgesetzt, sich mit Tuberkulose, HIV oder Hepatitis C zu infizieren. Tuberkulose ist bereits jetzt eine der Haupttodesursachen f\u00fcr Menschen mit HIV, zunehmend stellen multiresistente Tuberkuloseserrger eine ernsthafte Bedrohung dar, warnt die DAH.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die finanziellen Mittel f\u00fcr Massnahmen gegen HIV gehen zur\u00fcck. 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