{"id":37308,"date":"2017-08-11T12:17:37","date_gmt":"2017-08-11T10:17:37","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/08\/11\/wenn-maenner-zu-welpen-werden\/"},"modified":"2023-03-02T15:40:42","modified_gmt":"2023-03-02T14:40:42","slug":"wenn-maenner-zu-welpen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wenn-maenner-zu-welpen-werden\/","title":{"rendered":"Dogplay \u2013 Wenn M\u00e4nner zu Welpen werden"},"content":{"rendered":"<h3>Beim Dogplay geniessen es Chris und Alex, in die Rolle eines Hundes zu schl\u00fcpfen. MANNSCHAFT traf die beiden \u2013 ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Erotik, andere Welten und das Gef\u00fchl, im Gehorsam die Freiheit zu sp\u00fcren.<\/h3>\n<p>Alex war 16 Jahre alt, als er online auf das \u00abDogplay\u00bb stiess \u2013 ein erotisches Rollenspiel aus dem Fetischbereich, bei dem der eine Partner in die Rolle des Hundes schl\u00fcpft, w\u00e4hrend sein Gegen\u00fcber als Herrchen agiert. \u00abIch fand das unglaublich aufregend\u00bb, sagt Alex. \u00abDa war dieser Wow-Effekt! Ich f\u00fchlte mich wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal durch Disneyworld spaziert oder den Europapark besucht.\u00bb Sein Interesse war geweckt, knapp zwei Jahre sp\u00e4ter probierte er die sexuelle Spielart zum ersten Mal selbst aus. Unterdessen ist der 24-J\u00e4hrige in der Szene als \u00abPup Rusty\u00bb bekannt. Der Begriff \u00abPuppy\u00bb, englisch f\u00fcr Welpe, beschreibt zum einen junge und meist noch unerfahrenere Dogplayer. Zum anderen kann er auch f\u00fcr reifere \u00abDogs\u00bb stehen, die in ihrer Rolle bewusst mit dem Element des Alters spielen und sich wie Welpen verhalten.<\/p>\n<p><b>\u00abVerbotene\u00bb Faszination<\/b><br \/>\nAuch Chris bezeichnet sich als Welpe. Als Dreizehnj\u00e4hriger hatte er sein Coming-out, bald darauf kam er im Internet mit dem Dogplay in Ber\u00fchrung. \u00abAnfangs fand ich das pervers und abnormal, vor allem auch diese Masken\u00bb, erz\u00e4hlt er. \u00abMeine Ablehnung war aber wohl deshalb so heftig, weil ich merkte, wie stark es mich eigentlich anzog.\u00bb Der 23-J\u00e4hrige wuchs in einem konservativ-katholischen Umfeld auf,\u00a0 war lange hin- und hergerissen zwischen seiner Faszination f\u00fcr das Thema und dem Gedankengut, das ihm von der Familie vermittelt worden war. \u00abMeine Homosexualit\u00e4t als solche war schon ein grosses Tabu. Und dann auch noch das Interesse f\u00fcr Dogplay!? Zu Beginn war das einfach zu viel.\u00bb Das Ganze liess ihn aber nicht mehr los, es habe ihn \u00abverfolgt\u00bb.<\/p>\n<blockquote><p>Ich setzte mich vertieft mit dem Dogplay auseinander und kaufte mir auch die entsprechende Verkleidung<\/p><\/blockquote>\n<p>So kam es, dass Chris im Laufe der Zeit zunehmend in die Praktik hineinwuchs. Beim Sex \u00fcbernahm er immer \u00f6fter den passiven Part, gleichzeitig verst\u00e4rkte sich der Rollenspielaspekt. Richtig losgegangen sei es in den letzten zwei, drei Jahren. \u00abIch setzte mich vertieft mit dem Dogplay auseinander und kaufte mir auch die entsprechende Verkleidung.\u00bb Unterdessen tr\u00e4gt Chris eine Hundemarke, auf der sein Welpenname eingraviert ist. \u00abRocky\u00bb, heisst er, und in der Szene will er auch so angesprochen werden. \u00abAusserhalb der Szene bin ich aber der Chris. Ich trenne die beiden Bereiche.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_163264\" aria-describedby=\"caption-attachment-163264\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay.webp\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-163264\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 600 600'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay.webp\" alt=\"Dogplay\" width=\"600\" height=\"600\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay.webp 600w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-300x300.webp 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-425x425.webp 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-50x50.webp 50w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-192x192.webp 192w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-384x384.webp 384w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-110x110.webp 110w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-220x220.webp 220w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-561x561.webp 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-265x265.webp 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-531x531.webp 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-364x364.webp 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-48x48.webp 48w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-96x96.webp 96w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-400x400.webp 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/dogplay-100x100.webp 100w\" data-sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-163264\" class=\"wp-caption-text\">Anzug und Maske m\u00fcssen nicht immer sein: \u00abDogplay ist vor allem eine Kopfsache und kann auch ohne Verkleidung funktionieren\u00bb, sagt Alex aka \u00abPup Rusty\u00bb. (Bild: Patrick Mettraux)<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Fast allein auf weiter Flur<\/b><br \/>\nDie Szene, sie ist verschwindend klein in der Schweiz. Von einer bl\u00fchenden Dogplay-Kultur kann nicht die Rede sein. Chris und Alex kennen drei bis vier andere \u00abPlayer\u00bb in der Deutschschweiz und ein paar weitere in der franz\u00f6sischsprachigen Schweiz. \u00abMir steht es nicht zu, \u00fcber andere zu urteilen\u00bb, sagt Alex. \u00abAber ich denke, die meisten Schweizer haben Angst davor. Sie sind sch\u00fcchtern und verstecken sich\u00bb. Viele w\u00fcrden ihrem Verlangen nur im Ausland nachgeben, vor allem in Berlin. Dort findet allj\u00e4hrlich die \u00abFolsom Europe\u00bb statt, die gr\u00f6sste Fetischparty Europas. \u00abEs ist wahnsinnig, wie viele Schweizer ich dort jeweils antreffe.\u00bb<\/p>\n<p><b>Schweiz: Kein Dogplay-Land<\/b><br \/>\nAufgrund der geringen Zahl hiesiger Dogplayer ist es f\u00fcr Alex und Chris nicht einfach, ihre Vorliebe auszuleben. \u00abHier ist es eigentlich fast unm\u00f6glich, Rocky zu sein\u00bb, sagt Chris. Ab und an hat er Gl\u00fcck und trifft online auf einen Master, der sich gerade auf der Durchreise befindet oder gesch\u00e4ftlich f\u00fcr ein paar Tage in der Schweiz verweilt. Ansonsten aber kann er sich eigentlich nur in St\u00e4dten wie Mailand oder Berlin in die Rolle des Hundes begeben. Auch Alex wird in der Schweiz kaum je zu Rusty. Es seien schlicht zu wenige Leute da. Mit der App \u00abRecon\u00bb existiert zwar ein Fetisch-\u00adPendant zu Grindr oder PlanetRomeo. Trotzdem gestalte sich die Suche nach einem passenden Herrchen schwierig, so Alex. Eine Erfahrung, die auch die Mannschaft machte. Trotz mehrerer Anfragen liess sich kein Master finden, der zu einem Interview bereit gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p><b>Ganz zum Tier werden<\/b><br \/>\n\u00abDogplay ist etwas sehr Spezielles und dreht sich nicht ausschliesslich um Sex\u00bb, erkl\u00e4rt Alex. \u00abEs ist mehr als Schwanz rein, Schwanz raus, deshalb sagt es vielen nicht zu.\u00bb So nimmt vor allem \u00abdas Spiel\u00bb einen hohen Stellenwert ein. Ballwerfen etwa, Knochen und St\u00f6ckchen holen oder Kommandos \u00fcben. Sinn und Zweck ist es, sich wie ein richtiger Hund zu verhalten und menschliches Benehmen abzulegen.<\/p>\n<blockquote><p>Dogplay dreht sich nicht ausschliesslich um Sex<\/p><\/blockquote>\n<p>So bewegen sich die \u00abHunde\u00bb auf allen Vieren fort, fressen und trinken aus dem Napf. Sie reden nicht, sondern kommunizieren mittels K\u00f6rpersprache und Bellen. \u00abWenn mich mein Herr aber \u00fcberhaupt nicht versteht, dann darf ich sprechen\u00bb, stellt Chris klar. F\u00fcr ihn liegt der Reiz unter anderem darin, f\u00fcr seine Folgsamkeit belohnt zu werden \u2013 in Form von Streicheleinheiten zum Beispiel. So ergeht es auch Alex: \u00abIch mag das Gef\u00fchl, w\u00e4hrend des Rollenspiels jemandem zu geh\u00f6ren. Ich warte auf die Befehle meines Herrchens und versuche, ihn gl\u00fccklich zu machen.\u00bb<\/p>\n<p><b>Nie alleine beim Dogplay<\/b><br \/>\nDie Frage, ob sie auch am blossen Spiel interessiert seien, verneinen beide. \u00abF\u00fcr mich pers\u00f6nlich braucht es die Erotik\u00bb, meint Alex, und auch Chris geht es um die Kombination beider Aspekte. Er erz\u00e4hlt von einem Treffen, bei dem f\u00fcnf \u00abPuppys\u00bb und zwei Herrchen aufeinandertrafen. \u00abDie beiden warfen uns lediglich die St\u00f6ckchen zu, w\u00e4hrend wir Welpen miteinander rumtollten.\u00bb Ansonsten sei nichts gelaufen. \u00abDa merkte ich: F\u00fcr mich geh\u00f6ren der Sex und das vorangehende Spiel zusammen.\u00bb In der Natur der Sache liegt es auch, dass Dogplay stets ein Gegen\u00fcber erfordert. Erst die Interaktion mit der anderen Person mache es spannend, erkl\u00e4rt Alex. Und f\u00fcgt lachend an, er koche nie f\u00fcr sich alleine Spaghetti Bolognese, \u00abum sie dann aus dem Napf am Boden zu fressen.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_20074\" aria-describedby=\"caption-attachment-20074\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-20074\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 700 536'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bild_4-2.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"536\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20074\" class=\"wp-caption-text\">\u00abRocky\u00bb in Vollmontur: \u00abIch f\u00fchle mich frei, wenn ich in der Welpenrolle bin\u00bb, sagt der 23-j\u00e4hrige Chris. (Bild: Patrick Mettraux)<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Befreiende Wirkung<\/b><br \/>\nF\u00fcr die beiden jungen M\u00e4nner ist Dogplay das Eintrittsticket in eine andere Welt. \u00abWarum lesen Menschen B\u00fccher? Warum gehen sie ins Theater, wieso schauen sie Filme?\u00bb, fragt Alex und gibt die Antwort gleich selbst: \u00abBei alledem geht es darum, f\u00fcr eine gewisse Zeit die Realit\u00e4t zu vergessen und in eine neue Sph\u00e4re einzutauchen.\u00bb Etwas anderes denken, allf\u00e4llige Alltagssorgen einfach mal ablegen &#8211; das gelinge ihm am besten, wenn er Rusty sei, sagt Alex. Auf Chris wirkt Dogplay ebenfalls befreiend. Er erinnert sich, wie er in Vollmontur zum ersten Mal an die Leine genommen und vom Herrchen nach draussen gebracht wurde. \u00abEs f\u00fchlte sich an, als ob ich endlich aus einem K\u00e4fig rausdurfte.\u00bb<\/p>\n<p><b>Aufwendige Leidenschaft<\/b><br \/>\nDass Chris und Alex dennoch relativ selten zu Rusty und Rocky werden, liegt nicht bloss daran, dass spielbereite Master meist mehrere Zug- oder Flugstunden entfernt leben. Der Hund \u2013 man verzeihe das Wortspiel \u2013 liegt auch woanders begraben: Zum einen gebe es zu viele \u00abmenschliche Dinge\u00bb, die er gerne mache, sagt Alex. \u00abIch liebe es, tanzen zu gehen, am Computer zu zocken oder Freunde zu treffen.\u00bb Zum anderen sei es auch anstrengend, h\u00e4ufig in der Rolle zu sein, findet er. Vor allem die Verkleidung birgt ihre T\u00fccken: \u00abGrunds\u00e4tzlich komme ich zwar gut mit den Anz\u00fcgen zurecht, seien diese nun aus Neo\u00adpren, Leder, Latex oder Gummi.<\/p>\n<p>Allerdings schwitzt man sehr darin.\u00bb Auch Chris weiss aus Erfahrung, wie sehr das Tragen der Verkleidung fordern kann. \u00abEinmal steckte ich an mehreren Tagen hintereinander im Anzug, jeweils stundenlang\u00bb, erz\u00e4hlt er. \u00abMit der Zeit wurde mir \u00fcbel, da der Gummi einen ganz eigenen Geschmack hat.\u00bb In der Folge entwickelte er eine Art Phobie gegen\u00fcber dem Fetischaufzug. Eine Abneigung, die er unterdessen wieder abgelegt hat. Ein weiterer Punkt: Die Pflege des Materials ist relativ aufwendig, die Anschaffung kostspielig. Nebst Halsband und Leine geh\u00f6ren auch Ganzk\u00f6rperanzug, Maske und Ledergeschirr zur Grundausstattung. \u00abWas mir noch fehlt, sind F\u00e4ustlinge\u00bb, sagt Chris. \u00abDiese erleichtern das Gehen auf allen Vieren.\u00bb Ein weiteres m\u00f6gliches Accessoire ist der \u00abHundeschwanz\u00bb. Dieser wird mittels Analplug angebracht, was nicht allen gleichermassen behagt. F\u00fcr Chris \u00abstellt er eine H\u00fcrde dar\u00bb, f\u00fcr Alex liegt darin ein besonderer Reiz. \u00abEr f\u00fchlt sich gut an und hilft mir dabei, mit der Rolle zu verwachsen.\u00bb<\/p>\n<p><b>Kopfsache und Zeitfrage<\/b><br \/>\nEins werden mit der Rolle \u2013 das funktioniere nicht auf Knopfdruck, finden beide. \u00abIch kann nicht einfach einen Schalter umlegen und sagen: So, jetzt bin ich devot, jetzt bin ich Rocky\u00bb, erl\u00e4utert Chris. \u00abDer Moment muss passen.\u00bb Dabei h\u00e4ngt es auch von der anderen Person ab, ob Chris sich wohlf\u00fchlt und ins Spiel findet. Ganz \u00e4hnlich beschreibt es Alex.<\/p>\n<blockquote><p>Ich kann nicht einfach einen Schalter umlegen und sagen: So, jetzt bin ich devot, jetzt bin ich Rocky<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abMan muss Zeit haben, um in die Rolle zu kommen. Fetisch funktioniert nicht auf die Schnelle.\u00bb Dementsprechend plant er stets weit im Voraus und verabredet sich jeweils gleich f\u00fcr einen vollen Tag oder ein ganzes Wochenende mit anderen Spielern. Dar\u00fcber hinaus sei das Ganze eine Kopfsache, erkl\u00e4rt Alex. \u00ab Wenn man mental noch nicht so weit ist und das Rollenspiel zulassen kann, dann bringt es nichts.\u00bb<\/p>\n<p><b>Dominanz ohne Gewalt<\/b><br \/>\nDogplay beruht auf dem Grundprinzip, dass der eine Partner Unterw\u00fcrfigkeit demonstriert,<br \/>\nw\u00e4hrend der andere Dominanz aus\u00fcbt. Hierbei das richtige Mass zu finden, kann eine Herausforderung darstellen. \u00abManchen Typen f\u00e4llt es schwer, wirklich dominant zu sein. Sie machen sich zu viele Gedanken\u00bb, sagt Alex. Andere wiederum h\u00e4tten M\u00fche damit, die Grenzen einzuhalten und nicht in die Dynamik von \u00abMeister und Sklave\u00bb abzurutschen, erz\u00e4hlt Chris. Diese Fetischvariante sei klar vom Dogplay zu trennen. \u00abEs kann vorkommen, dass der Meister den wehrlosen \u2039Sklaven\u203a mit Schl\u00e4gen bestraft. Mit Dogplay hat das nichts zu tun.\u00bb Auch Alex hat schon von Herrchen geh\u00f6rt, die das Konzept falsch verst\u00fcnden und \u00abzu schlagen beginnen\u00bb. Das k\u00f6nne gef\u00e4hrlich werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20075\" aria-describedby=\"caption-attachment-20075\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-20075\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 500 686'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bild_5-2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"686\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20075\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Patrick Mettraux<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>\u00abDogs\u00bb als Unterkategorie<\/b><br \/>\nEs ist dies ein Punkt, auf den einschl\u00e4gige Internetseiten bewusst hinweisen: Beim \u00abPetplay\u00bb gehe es um \u00abSpass und Lust, nicht aber um Gewalt\u00bb, betont etwa die Interessengruppe \u00abPets and Owners\u00bb unter pets-de.org. Der \u00dcberbegriff \u00abPetplay\u00bb steht f\u00fcr s\u00e4mtliche Rollenspiele, bei denen einer der Partner in die Rolle eines Tieres schl\u00fcpft. Beliebte animalische Vorbilder sind nebst Hunden auch Katzen oder Ponys. Dabei nehmen devote Petplayer f\u00fcr gew\u00f6hnlich die Rolle jenes Tieres an, mit dessen typischen Charaktereigenschaften sie sich am meisten identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Starke Symbolik<\/b><br \/>\nHunde zum Beispiel gelten als ausgesprochen loyal. Dementsprechend hat die Treue f\u00fcr gewisse \u00abPuppys\u00bb einen hohen Stellenwert. Manche demonstrieren ihre Ergebenheit, indem sie den Namen ihres Herrchens auf einer Marke um den Hals tragen \u2013 und zwar immer, nicht nur w\u00e4hrend des Spiels. Das sei ein klares Zeichen, erkl\u00e4rt Chris. \u00abJeder Dogplayer weiss: Dieser \u2039Hund\u203a geh\u00f6rt schon jemandem.\u00bb Manche Dogs lassen sich auch Halsb\u00e4nder aus Leder oder Stahlringe umlegen. Diese sind teilweise mit einem Schloss verriegelt, den Schl\u00fcssel besitzt nur der Meister. \u00abIch habe einige Kollegen in den Vereinigten Staaten\u00bb, so Alex, \u00abdie das Halsband auch im Alltag tragen und damit zur Arbeit gehen.\u00bb<\/p>\n<p>Auch Chris hat schon erlebt, wie ernst es manche mit der Treue nehmen. In Berlin machte er die Bekanntschaft eines amerikanischen Puppys. Sie kamen ins Gespr\u00e4ch und beschlossen, etwas trinken zu gehen. \u00abZuvor musste er aber seinen Herrn in San Francisco anrufen, um ihn um Erlaubnis zu bitten\u00bb, erz\u00e4hlt Chris. Daraufhin habe das Herrchen dem Puppy eine Carte blanche erteilt und ihn f\u00fcr den gesamten Zeitraum seines Berlinaufenthalts \u00abfreigegeben\u00bb. Sonst h\u00e4tte er vor jeder Freizeitaktivit\u00e4t, vor jedem Treffen oder vor jedem Bar- und Clubbesuch erneut anrufen m\u00fcssen, sagt Chris. \u00abDer Master macht die Regeln, so ist das nun einmal. Totale Hingabe bedeutet, diese Regeln zu befolgen und dem Master ohne eigene Erwartungen zu begegnen.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_20076\" aria-describedby=\"caption-attachment-20076\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-20076\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 500 750'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bild_2-3.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"750\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20076\" class=\"wp-caption-text\">Die Herrchen-Hund-Beziehung k\u00f6nne mit einer monogamen Partnerschaft verglichen werden, findet Chris alias \u00abRocky\u00bb. (Bild: Pattrick Mettraux)<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Eine Art Monogamie<\/b><br \/>\nIm ersten Moment mag dies absurd und sonderbar klingen. \u00abDas ist doch \u00fcberm\u00e4ssig bindend und allzu verpflichtend!\u00bb, will man rufen. Chris relativiert: \u00abWie viele Paare gibt es, bei denen der eine den anderen \u00fcber seine Pl\u00e4ne zu informieren hat? Wie oft passiert es, dass es Streit gibt, weil der andere mit diesen Pl\u00e4nen nicht einverstanden ist? Wie h\u00e4ufig kommt es vor, dass man den Partner noch kurz anruft und fragt, ob es denn okay sei, wenn man spontan noch mit Freunden essen geht?\u00bb Das zeige, dass in den meisten Partnerschaften gegenseitige Besitzanspr\u00fcche best\u00fcnden. Insofern k\u00f6nne man das Ganze durchaus mit einer monogamen Beziehung vergleichen, findet Chris. Dort sei die Idee ja auch, dass man sich treu sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Und wie halten es Chris und Alex mit diesem Thema? Er sei ein \u00abStreuner\u00bb, sagt Alex und lacht. \u00abIch kann mir nicht vorstellen, mich nur einem einzigen Meister zu verschreiben\u00bb. So bewegt er sich im t\u00e4glichen Leben ohne Halsband, tr\u00e4gt dieses nur w\u00e4hrend des Spiels. Auch Chris \u00abgeh\u00f6rt niemandem\u00bb, wie er es beschreibt. Er habe zwar einen Master in Berlin, mit dem er sich gerne treffe. \u00abWenn ich f\u00fcr ein paar Tage zu ihm gehe, dann legt er mir jeweils auch Stahl\u00adringe um Hals und Handgelenke.\u00bb Doch sobald Chris zur\u00fcck in die Schweiz reist, endet auch das Rollenspiel. \u00abEs bringt mir nichts, ein Dogplay-Verh\u00e4ltnis \u00fcber diese Distanz aufrechtzuerhalten.\u00bb<\/p>\n<p><b>Dogplay und Beziehung \u2013 getrennte Sph\u00e4ren<\/b><br \/>\nVielmehr geniesst Chris den Alltag mit seinem Freund. Seit vier Jahren sind die beiden ein Paar, wohnen auch zusammen. \u00abUnsere Beziehung war von Anfang an offen, noch bevor Rocky \u00fcberhaupt geboren war\u00bb, sagt Chris. \u00abDie \u00d6ffnung der Partnerschaft ist also nicht das Resultat meiner Faszination f\u00fcr das Dogplay.\u00bb Es ist eine Faszination, die Chris\u2019 Freund nicht teilt. \u00abZu Beginn habe ich noch versucht, das auch bei uns einfliessen zu lassen. Geklappt hat es nicht, mein Freund steht da \u00fcberhaupt nicht drauf.\u00bb Eine Tatsache, \u00fcber die Chris unterdessen froh ist. \u00abMit ihm kann ich mich auf ganz andere Dinge konzentrieren \u2013 die Hunde-\u00adHerrchen-Dynamik w\u00fcrde nicht zu dem passen, was wir miteinander haben.\u00bb Zudem kenne er mehrere Puppys, die auf dem Dogplay eine Beziehung aufbauten. \u00abDas hielt nie lange\u00bb, so Chris. Er ist \u00fcberzeugt, dass es auf Dauer wohl nur in den wenigsten F\u00e4llen funktioniere, wenn man \u00abvom Rollenspiel in eine richtige Beziehung rutscht\u00bb.<\/p>\n<blockquote><p>Zu Beginn habe ich noch versucht, das auch bei uns einfliessen zu lassen. Geklappt hat es nicht, mein Freund steht da \u00fcberhaupt nicht drauf<\/p><\/blockquote>\n<p>Alex lebt ebenfalls in einer offenen Beziehung, und auch sein Partner kann dem Dogplay nichts abgewinnen. \u00abZwischen uns sind Gef\u00fchle und Liebe im Spiel. Meinem Freund f\u00e4llt es schwer, mich auf eine tiefere Stufe zu stellen\u00bb, sagt er. Das Dopglay k\u00f6nne zwar auch sehr viel Liebe beinhalten. \u00abDoch es ist eine andere Art von Zuneigung.\u00bb<\/p>\n<p><b>Offenheit und Verst\u00e4ndnis<\/b><br \/>\nMit ihrer Faszination f\u00fcrs Dogplay stossen Chris und Alex immer wieder auf Ablehnung. Alleine schon die Bekleidung rufe bei vielen Menschen negative Emotionen hervor, sagt Chris. \u00abManche finden das eklig, manche machen sich lustig, andere werden gar aggressiv.\u00bb Er hat zwar ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Reaktionen, weil es sich beim Dogplay um etwas Unbekanntes handle. \u00abIch war am Anfang ja auch alles andere als begeistert.\u00bb Gleichzeitig w\u00fcnscht er sich, dass die Leute nicht nur experimentierfreudiger w\u00e4ren, sondern auch interessierter und offener im Umgang mit Ungewohntem.<\/p>\n<blockquote><p>Manche finden das eklig, manche machen sich lustig, andere werden gar aggressiv<\/p><\/blockquote>\n<p>Das gelte insbesondere auch f\u00fcr die Schwulen selbst, findet Alex. An Gay-Partys ernte er immer wieder schr\u00e4ge Blicke, wenn er mal die Maske aufsetze oder Geschirr und Halsband trage. \u00abGrunds\u00e4tzlich ist es mir egal, was andere \u00fcber mich denken.\u00bb Es fordere aber einiges an Charakterst\u00e4rke, \u00abeine Minderheit in der Minderheit\u00bb zu sein. Letztendlich sieht er es so: \u00abEs soll doch jeder machen, was er will \u2013 solange man nichts Illegales tut.\u00bb Und \u00fcberhaupt, man k\u00f6nne auch einfach mal \u00abauf uns zukommen und ganz normal mit uns reden\u00bb, sagt Alex lachend. \u00abWir beissen nicht.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als \u00abDogplayer\u00bb geniessen es Chris und Alex, in die Rolle eines Hundes zu schl\u00fcpfen. MANNSCHAFT traf die beiden \u2013 ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Erotik, andere Welten und das Gef\u00fchl, im Gehorsam die Freiheit zu sp\u00fcren.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wenn-maenner-zu-welpen-werden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":91782,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4384,4371],"tags":[5454,5488],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37308"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37308"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":163265,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37308\/revisions\/163265"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/91782"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}