{"id":37036,"date":"2017-06-29T08:27:54","date_gmt":"2017-06-29T06:27:54","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/06\/29\/18658\/"},"modified":"2019-07-17T11:47:26","modified_gmt":"2019-07-17T09:47:26","slug":"18658","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/18658\/","title":{"rendered":"HIV-Schutz: Der Selbstimport von PrEP boomt"},"content":{"rendered":"<h3>Eine Monatsration PrEP kostet ungef\u00e4hr 800 Euro. Um die hohen Kosten zu umgehen, bestellen M\u00e4nner billige Nachahmerpr\u00e4parate aus dem Internet, die aus Asien vertrieben werden. Den Anfang machte Greg Owen mit einer einfachen Website.<\/h3>\n<p>Die provisorischen Zahlen von 2016 lassen Unglaubliches vermuten. Im Grossraum London sind die HIV-Neuinfektionen bei schwulen M\u00e4nnern um gesch\u00e4tzte 40\u2006% gesunken, 30\u2006% in ganz England. Einen so drastischen R\u00fcckgang hat es in der \u00fcber dreissigj\u00e4hrigen Geschichte von HIV und AIDS in Grossbritannien noch nie gegeben.<\/p>\n<p>Londons HIV-Experten geben sich vorsichtig, sind sich aber einig: F\u00fcr den massiven R\u00fcckgang sind der Markteintritt und der zunehmende Gebrauch der PrEP \u2013 kurz f\u00fcr Pr\u00e4\u00adexpositionsprophylaxe \u2013 verantwortlich. Durch eine t\u00e4gliche Einnahme des HIV-\u00adMedikaments Truvada kann eine Ansteckung mit HIV fast g\u00e4nzlich verhindert werden. Nur: Die blaue Pille kostet monatlich 500 Britische Pfund (in der Schweiz und Deutschland ist das Medikament mit 900 Franken, beziehungsweise 800 Euro, sogar noch teurer) und wird vom \u00abNational Health Service NHS\u00bb, dem staatlichen Gesundheitssystem Grossbritanniens, nicht \u00fcbernommen. Viele M\u00e4nner, die aufgrund ihres Risikoverhaltens am st\u00e4rksten von HIV betroffen sind, k\u00f6nnen sich die Pr\u00e4ventionsmassnahme nicht leisten. Dazu geh\u00f6ren Nachtschw\u00e4rmer, Sexworker, Konsumenten von Partydrogen und M\u00e4nner mit h\u00e4ufig wechselnden Sexual\u00adpartnern.<\/p>\n<p>Die Alternative: Das Bestellen eines Generikums \u2013 das ist ein vom Hersteller autorisiertes, billiges Nachahmerpr\u00e4parat \u2013 aus Thailand oder Indien, das mit 50 Pfund pro Monatsration nur mit einem Zehntel der Kosten von Truvada zu Buche schl\u00e4gt. Doch mit der Einnahme dieser Generika ist es nicht getan. Ein negativer HIV-Test und regelm\u00e4ssige Blut- und Urinkontrollen beim Arzt sind Voraussetzung, um PrEP sicher und effizient als Pr\u00e4ventionsmassnahme gegen HIV einsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18660\" aria-describedby=\"caption-attachment-18660\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-18660\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 578'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/PrEP_Beitragsbild.jpg\" alt=\"prep\" width=\"770\" height=\"578\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18660\" class=\"wp-caption-text\">Bis zu zehnmal teurer als Generika: Das Medikament Truvada des Pharmakonzerns Gilead.<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Ein engagierter Aufkl\u00e4rer\u00a0<\/b><br \/>\n\u00abDie Situation ist l\u00e4cherlich\u00bb, sagt Greg Owen, Gr\u00fcnder von <a href=\"https:\/\/www.iwantprepnow.co.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">iwantPrEPnow.co.uk<\/a> gegen\u00fcber der Mannschaft in einem Telefongespr\u00e4ch. Seit anderthalb Jahren betreibt der 37-j\u00e4hrige Nordire die Website, die Besucher \u00fcber PrEP informiert und sie direkt mit den Onlineshops der Billighersteller verlinkt. Er kann nicht verstehen, weshalb es in Europa f\u00fcr M\u00e4nner, die sich aktiv gegen HIV sch\u00fctzen wollen, so viele H\u00fcrden gibt, um an bezahlbare Pr\u00e4ventionsmedikamente zu gelangen.<\/p>\n<p>Owen nimmt kein Blatt vor den Mund. Er tat es auch im August 2015 nicht, als er auf seinem Facebookprofil verk\u00fcndete, mit der PrEP anfangen zu wollen. Ein HIV-positiver Bekannter w\u00fcrde ihm \u00fcbersch\u00fcssige Truvada-Pillen \u00fcberlassen, die er aufgrund eines Medikamentenwechsels nicht mehr ben\u00f6tigte. Zu dieser Zeit war die Pr\u00e4ventions\u00admassnahme noch weniger pr\u00e4sent, und HIV-\u00adForschende hatten in England erst damit begonnen, schwule M\u00e4nner f\u00fcr klinische Studien anzuwerben.<\/p>\n<p>Owen sah sich selbst als Teil der H\u00f6chst-\u00adrisikogruppe. Nach einem Beziehungsende und einem Selbstmordversuch verlor er seine Wohnung und wurde zum st\u00e4ndigen Gast auf den Sofas von Freunden. Ein Job in einer Bar hielt ihn \u00fcber Wasser, an den Wochenenden lenkte er sich mit Partydrogen wie GHB oder Crystal Meth ab. PrEP sollte sein Rettungsring werden. \u00abZu diesem Zeitpunkt war ich genug Risiken eingegangen\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Kurz nach seiner Ank\u00fcndigung auf Facebook in jenem August kam f\u00fcr Owen jedoch der grosse Schock. Der f\u00fcr PrEP vorausgesetzte HIV-Test fiel positiv aus. \u00abMir wurde schlecht\u00bb, erinnert sich Owen an den Moment in der Klinik, als ihm die Arztgehilfin das Resultat mitteilte.<\/p>\n<p>Doch auch jetzt wollte Owen nicht schweigen. W\u00e4hrend der Arbeit in der Bar verk\u00fcndete er auf Facebook seinen HIV-Status. Schliesslich warteten viele Freunde auf ein Update bez\u00fcglich PrEP. \u00abAls ich zwei Stunden sp\u00e4ter in die Pause ging, hatte mein Status 375 Likes, 175 Kommentare und wurde \u00fcber f\u00fcnfzig Mal geteilt\u00bb, sagt er. Dazu kamen \u00fcber f\u00fcnfzig private Nachrichten von Menschen, die seinen Mut lobten oder ihm anvertrauten, dass sie selbst HIV-positiv sind. \u00abIch bekam Nachrichten wie \u2039Ich bin auch HIV-positiv und habe es niemandem gesagt\u203a oder \u2039Ich habe es nur meiner Familie gesagt, und du hast es 5000 Menschen gesagt!\u203a\u00bb<\/p>\n<p><b>Das Interesse an PrEP w\u00e4chst<\/b><br \/>\nIn den darauffolgenden Tagen ging die Anteilnahme an seinem HIV-Status zur\u00fcck, die neugierigen Fragen bez\u00fcglich PrEP kamen aber weiterhin. Freunde und Unbekannte wollten von ihm wissen, was \u00abdieses PrEP-Zeugs\u00bb sei, ob er sich nicht mit HIV angesteckt h\u00e4tte, wenn er es genommen h\u00e4tte, und wo man es kaufen k\u00f6nne. \u00abT\u00e4glich fragten mich zehn Menschen \u00fcber PrEP aus \u2013 das sind zehn Menschen mit je zehn Fragen\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Owen beschloss, eine Website mit den g\u00e4ngigen Fragen zu PrEP zu lancieren. Sein Plan war es, die Anfragen jeweils auf die URL zu verweisen, damit er nichts mehr mit PrEP zu tun haben musste. So entstand im September 2015 die Website <a href=\"https:\/\/www.iwantprepnow.co.uk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">iwantPrEPnow.co.uk<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>T\u00e4glich fragten mich zehn Menschen \u00fcber PrEP aus \u2013 das sind zehn Menschen mit je zehn Fragen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcber einen Bekannten, der in einer Klinik f\u00fcr sexuelle Gesundheit arbeitete, erfuhr Owen, dass eine Handvoll M\u00e4nner bereits billige PrEP-Medikamente \u00fcber das Internet bestellten und ihre Blut- und Urinwerte dort kontrollieren liessen. Das Klinikpersonal konnte sich dadurch eine \u00dcbersicht \u00fcber die verschiedenen Generika und ihre Wirksamkeit verschaffen. Owen spielte mit dem Gedanken, die Hersteller dieser Generika direkt auf seiner Website zu verlinken, um Besuchern den Kauf zu erleichtern.<\/p>\n<p>\u00abDu musst es tun\u00bb, sagte ihm der Bekannte, der an dieser Stelle anonym bleiben will. Das Klinikpersonal d\u00fcrfe die Patienten nicht \u00fcber die Einfuhr von Billigmedikamenten beraten, ihnen aber sehr wohl einen Link zu einer Website mit mehr Informationen \u00fcber PrEP geben. \u00abWir warten schon lange auf jemanden, der das tut. Jeden Tag diagnostizieren wir Menschen mit HIV. Weisst du, wie herzzerreissend es ist, zu wissen, dass PrEP etwas dagegen tun k\u00f6nnte?\u00bb<\/p>\n<p><b>Greg Owen wird zum PrEP-Botschafter<\/b><br \/>\nGesagt, getan. W\u00e4hrend die Kosten\u00fcbernahme von Truvada vom NHS weiterhin abgelehnt wurde, hob Owens Website ab. Im Juli 2016 verzeichnete iwantPrEPnow.co.uk nach eigenen Angaben \u00fcber 12\u2006000 unterschiedliche Besucher. Der Zeitraum deckt sich mit den Zahlen von Professorin Sheena McCormack, einer der f\u00fchrenden Forscherinnen im Gebiet HIV in London. \u00abDie Zahl der neuen Nutzer von PrEP erreichte zu diesem Zeitpunkt ihren H\u00f6chststand, danach haben wir einen ersten grossen R\u00fcckgang der Neu\u00adinfektionen bemerkt\u00bb, sagte sie gegen\u00fcber dem Newsportal Buzzfeed.<\/p>\n<p>Es ist Greg Owen, den McCormack zu einem grossen Teil f\u00fcr den drastischen R\u00fcckgang von 40\u2006% verantwortlich macht. Er war der Erste, den sie im Dezember 2016 \u00fcber die provisorischen Zahlen informierte.<\/p>\n<p>\u00abIch werde immer ein bisschen emotional, wenn ich daran denke\u00bb sagt Owen, seine Stimme am Telefon beginnt zu zittern. Er ist den Tr\u00e4nen nahe. \u00abEin solcher R\u00fcckgang \u2026 irgendwie bin ich immer noch davon \u00fcberw\u00e4ltigt und kann es nicht wahrhaben. Aber wir wollen diese Zahlen vorerst noch mit Vorsicht geniessen.\u00bb<\/p>\n<p>Owens urspr\u00fcnglicher Plan, sich von PrEP zu distanzieren, ist offensichtlich gescheitert. \u00abIm letzten Jahr habe ich \u00fcber 1000 Menschen beraten, sei das \u00fcber die sozialen Medien, an Veranstaltungen oder per E-Mail\u00bb, sagt er. Owen verbringt weiterhin viel Zeit mit der Pflege der Website, dem Beantworten von Anfragen und dem Verhandeln von Verkaufsbedingungen mit den entsprechenden Herstellern der Generika. So ist es zum Beispiel sein Verdienst, dass der Hersteller Dynamix nicht nur Dreimonatspackungen anbietet, wie sie in Grossbritannien zum Eigengebrauch eingef\u00fchrt werden d\u00fcrfen, sondern auch einzelne Monatsrationen. Somit k\u00f6nnen Medikamente von Dynamix auch in die Schweiz bestellt werden, wo eine Maximaleinfuhr von einer Monatsration pro Person zum Privatgebrauch zugelassen ist.<\/p>\n<p>Dass Owen von vielen als \u00abMr. PrEP\u00bb bezeichnet wird, st\u00f6rt ihn nicht, auch wenn er eher unfreiwillig in diese Position gerutscht ist. Eher zu schaffen macht ihm seine finanzielle Situation, die immer noch nicht stabil ist. Die Informationen auf iwantPrEP.co.uk sind kostenlos, die Arbeit, die er dort reinsteckt, ist ehrenamtlich. \u00abIch habe bis vor Kurzem noch f\u00fcr die Bar gearbeitet und lebe von den kleinen Beitr\u00e4gen, die \u00fcber die Website gespendet werden.\u00bb Durch die Unterst\u00fctzung einer AIDS-Stiftung kann er sich vorerst weiter auf PrEP konzentrieren.<\/p>\n<p><b>In Deutschland werden billige PrEP-\u00adMedikamente beschlagnahmt<\/b><br \/>\nViele Anfragen erh\u00e4lt Greg Owen auch aus Deutschland, wo sich die gesetzliche Lage rund um PrEP um einiges schwieriger gestaltet. Hier ist ein direkter Import \u00fcber die Hersteller, die auf iwantPrEPnow.co.uk aufgef\u00fchrt sind, nicht erlaubt \u2013 auch nicht f\u00fcr Privatpersonen zum Eigengebrauch. Wer es trotzdem tut, riskiert eine Beschlagnahmung durch den Zoll und eine saftige Busse. \u00abDer einzige legale Weg, um Medikamente aus dem Ausland nach Deutschland einzuf\u00fchren, ist bei der Einreise im Handgep\u00e4ck\u00bb, sagt Emmanuel, der lieber nur mit Vornamen erw\u00e4hnt werden m\u00f6chte.<\/p>\n<blockquote><p>Der einzige legale Weg, um Medikamente aus dem Ausland nach Deutschland einzuf\u00fchren, ist bei der Einreise im Handgep\u00e4ck<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Berliner betreibt einen Infoclub zur PrEP auf Planet\u00a0Romeo und steckt hinter der E-Mail-\u00adAdresse prep.info.de@gmail.com. Ihm leitet Greg Owen Anfragen aus Deutschland weiter. \u00abWer eine Adresse in England hat, kann die Pillen dahin schicken lassen, hinfliegen und sie abholen\u00bb, sagt Emmanuel gegen\u00fcber der Mannschaft. F\u00fcr die meisten sei das aber keine richtige L\u00f6sung. Als Alternative bietet sich ein Paketweiterleitungsdienst an, der die Medikamente in Grossbritannien empf\u00e4ngt und nach Deutschland weiterverschickt. \u00abDa Pakete innerhalb der EU nicht durchsucht werden, klappt das.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_18682\" aria-describedby=\"caption-attachment-18682\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-18682\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 578'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/PrEP_Manuel.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"578\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18682\" class=\"wp-caption-text\">Der Berliner Emmanuel ber\u00e4t M\u00e4nner zum Thema PrEP und Selbstimport von Generika. (Bild: zvg)<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Die Lage in der Schweiz: \u00abPrEP klingt sexy\u00bb<\/b><br \/>\nIn der Schweiz ist die Situation entspannter. Wie bereits erw\u00e4hnt, d\u00fcrfen Privatpersonen eine Monatsration von PrEP-Medikamenten bedenkenlos in die Schweiz liefern lassen.<\/p>\n<blockquote><p>Gef\u00e4hrlich wird es, wenn Leute kopflos irgendetwas einkaufen und die PrEP einfach einnehmen, dann kann der Schuss nach hinten losgehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abIch finde das super, auch die Aids-Hilfe Schweiz steht dahinter\u00bb, sagt Andreas Lehner, Programmleiter MSM und stellvertretender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Aids-Hilfe Schweiz, gegen\u00fcber der Mannschaft. Um eventuelle Probleme mit dem Zoll zu vermeiden, empfiehlt er die Beilage des \u00c4rzterezepts bei der Bestellung. \u00abEnorm wichtig ist uns, dass die PrEP-\u00adNutzer w\u00e4hrend der gesamten Einnahme medizinisch betreut werden\u00bb, sagt Lehner und verweist auf die verschiedenen Checkpoints, die in der ganzen Schweiz vertreten sind und PrEP-Anwender begleiten. Zudem k\u00f6nnen die im Ausland bestellten Medikamente bei Unsicherheiten dem Checkpoint-Team zur Begutachtung gezeigt werden.\u00a0\u00abDie Krankenkasse zahlt zwar nicht das Medikament, \u00fcbernimmt jedoch die Kosten der Konsultationen und der erforderlichen Tests.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Immer mehr M\u00e4nner geben auf ihren Profilen in schwulen Dating-Apps an, dass sie auf PrEP sind. Das hat die Maschine angekurbelt.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abGef\u00e4hrlich wird es, wenn Leute kopflos irgendetwas einkaufen und die PrEP einfach einnehmen, dann kann der Schuss nach hinten losgehen\u00bb, sagt er und betont die Wichtigkeit des vorg\u00e4ngigen HIV-Tests. Ist jemand n\u00e4mlich HIV-positiv, ben\u00f6tigt er zus\u00e4tzliche Medikamente, um die Virenlast zu unterdr\u00fccken und allf\u00e4llige Resistenzen zu vermeiden. Die Aids-Hilfe Schweiz erh\u00e4lt t\u00e4glich zirka zwei bis drei Anfragen zur PrEP. Nicht selten empfiehlt Lehner auch Greg Owens Website weiter. \u00abImmer mehr M\u00e4nner geben auf ihren Profilen in schwulen Dating-Apps an, dass sie auf PrEP sind. Das hat die Maschine angekurbelt\u00bb, sagt er. \u00abPrEP kann man auf ein T-Shirt drucken, es klingt sexy.\u00bb<\/p>\n<p><b>Kein grosser R\u00fcckgang erwartet<\/b><br \/>\nWichtiger als der Hype sei jedoch die regelm\u00e4ssige Einnahme der PrEP, um wirkungsvoll gegen HIV gesch\u00fctzt zu sein. \u00abEs gibt viele Anwender, die nach ein paar Monaten realisieren, dass sie doch nicht so viel Sex haben, und die Pillen absetzen.\u00bb<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist nebst der t\u00e4glichen Einnahme auch ein punktueller Einsatz der PrEP, wenn man zum Beispiel im Voraus weiss, wann man ungesch\u00fctzten Sex haben wird. \u00abDas betrifft M\u00e4nner, die zum Beispiel ein verl\u00e4ngertes Wochenende in Berlin planen oder auf eine schwule Kreuzfahrt gehen\u00bb, sagt Lehner. Er weist jedoch darauf hin, dass alle Wirksamkeitsstudien von PrEP auf einer langfristigen Einnahme der Medikamente basieren. \u00abWir empfehlen, zur Sicherheit eine Woche vorher anzufangen. Aber auch hier gilt, jedes Mal einen neuen HIV-Test zu machen, nachdem man die PrEP abgesetzt hat und sie wieder einnehmen m\u00f6chte.\u00bb<\/p>\n<p>Im Vergleich zu London rechnet Lehner mit keinem \u00e4hnlich drastischen R\u00fcckgang der HIV-Neuinfektionen. \u00abSowohl in London als auch in Berlin hat HIV einen Epidemiestatus erreicht\u00bb, sagt er. \u00abIn der Schweiz ist das nicht der Fall, auch nicht in Z\u00fcrich. Daher erwarte ich einen leichten R\u00fcckgang der HIV-Zahlen durch die PrEP, nicht aber im selben Ausmass wie in London.\u00bb Schliesslich komme hinzu, dass PrEP nicht jedermanns Sache sei und nur einen Teil der schwulen Szene anspricht. Zur Lebensrealit\u00e4t von PrEP-Usern ist n\u00e4chstes Jahr eine schweizweite Studie geplant.<\/p>\n<blockquote><p>Es gilt, jedes Mal einen neuen HIV-Test zu machen, nachdem man die PrEP abgesetzt hat und sie wieder einnehmen m\u00f6chte<\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl das Patent von Truvada 2018 ausl\u00e4uft, geht Lehner nicht davon aus, dass der Hersteller Gilead die Preise f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt bald senken wird. \u00abObwohl das nat\u00fcrlich zu hoffen w\u00e4re\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Was London betrifft: In Grossbritannien hat der NHS mittlerweile eine gross angelegte klinische Studie \u00fcber drei Jahre f\u00fcr 10\u2006000 Probanden angek\u00fcndigt, die Mitte 2017 starten soll. Bis g\u00fcnstige PrEP-Medikamente jedoch europaweit und ohne grosse H\u00fcrden erh\u00e4ltlich sind, werden wohl noch viele M\u00e4nner auf die Unterst\u00fctzung von Greg Owen und seiner Website z\u00e4hlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Am 6. Juli findet in Z\u00fcrich ein <a href=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/2017\/06\/zuerich-hast-du-fragen-zur-prep\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Infoanlass zur PrEP<\/a> statt, organisiert vom Checkpoint Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><b>\u00abDie Lage in Deutschland ist bedauerlich\u00bb<\/b><br \/>\nMit der PrEP hat Emmauel beruflich nichts zu tun. Seine Motivation, anderen M\u00e4nnern bei der Beschaffung von billigen Medikamenten zu helfen, stammt aus dem eigenen Bed\u00fcrfnis, sich vor HIV zu sch\u00fctzen. \u00abAls ich mich selber um einen Weg zur PrEP bem\u00fchte, habe ich mich so ge\u00e4rgert, dass die deutschen Beh\u00f6rden nicht nur die PrEP nicht anbieten, sondern einem jeden m\u00f6glichen Schritt bei der Beschaffung erschweren.\u00bb<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss Emmanuel h\u00e4tten schwule M\u00e4nner zur HIV-Pr\u00e4vention stets nur zwei Optionen gehabt: Auf die bew\u00e4hrte Methode mit Kondom setzen in der Hoffnung, auch im entscheidenden Moment daran zu denken, oder es darauf ankommen lassen mit der Einstellung, die Krankenkasse m\u00fcsse die Therapie ja sowieso \u00fcbernehmen. \u00abIch treffe leider immer wieder junge M\u00e4nner, die sich f\u00fcr die zweite Option entscheiden\u00bb, sagt er. \u00abHeute haben wir aber eine dritte Option, die PrEP! Ich m\u00f6chte diese M\u00e4nner erreichen und ihnen einen Weg aufzeigen, wie sie ihre Sexualit\u00e4t ausleben k\u00f6nnen, ohne eine HIV-Infektion zu riskieren.\u00bb<\/p>\n<p>Emmanuel weist darauf hin, dass das Billigmedikament Tenvir-EM von Millionen HIV-positiver Menschen auf der s\u00fcdlichen Erdhalbkugel als Bestandteil ihrer Therapie verwendet wird und von Gilead, dem Hersteller von Truvada, lizenziert ist. Tenvir-EM wird vom indischen Unternehmen Cipla produziert. \u00abCipla ist nicht irgendeine kleine Hinterhofklitsche, sondern ein Pharmakonzern mit \u00fcber 22 000 Mitarbeitenden\u00bb, so Emmanuel. \u00abEs liegt einzig an den Patenten von Truvada f\u00fcr den Globalen Norden, dass die Cipla-Produkte hier nicht auf dem Markt sind.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Die Lage in Deutschland ist bedauerlich. Ein systemisches Versagen auf der ganzen Linie\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Vor Ablauf dieses Patents \u2013 voraussichtlich 2018 \u2013 wird sich an den Preisen in Deutschland nicht viel \u00e4ndern. Doch bis die Diskussion in Deutschland um die Preise der Generika losgeht und diese dann auch eingef\u00fchrt werden, k\u00f6nnen mehrere Jahre vergehen. \u00abBis auf Weiteres heisst PrEP in Deutschland Selbst\u00adimport PrEP\u00bb, sagt Emmanuel. \u00abDie Lage in Deutschland ist bedauerlich. Ein systemisches Versagen auf der ganzen Linie. W\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern die PrEP schon l\u00e4ngst angeboten wird, infizieren sich in Deutschland j\u00e4hrlich 3000 Menschen weil immer noch diskutiert wird, wer \u00fcberhaupt daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist, dieses Thema anzugreifen. Die Beh\u00f6rden sollen sich sch\u00e4men.\u00bb<\/p>\n<p><b>PrEP nicht auf eigene Faust einnehmen<\/b><br \/>\nChristoph Kolbe von der Deutschen AIDS-Hilfe hat Verst\u00e4ndnis f\u00fcr M\u00e4nner, die in Eigenregie Medikamente aus Asien importieren. Er fordert einen bezahlbaren, regul\u00e4ren Zugang zur PrEP in Deutschland. \u00abAus unserer Sicht sollen die Krankenkassen daf\u00fcr aufkommen. Dann er\u00fcbrigen sich alle Fragen\u00bb, sagt er gegen\u00fcber der Mannschaft.<\/p>\n<p>Aufgrund der verschiedenen H\u00fcrden zur Beschaffung der billigen Medikamente kann man sich sehr schnell im Stich gelassen f\u00fchlen. Wichtig sei in solchen Situationen, dass man auf die Unterst\u00fctzung von auf HIV-spezialisierten \u00c4rztinnen und \u00c4rzten z\u00e4hlen kann, egal, wie man an das Medikament herangekommen ist.<\/p>\n<p>\u00abDie PrEP sch\u00fctzt zuverl\u00e4ssig, aber nur, wenn man sie richtig einnimmt\u00bb, sagt Kolbe. \u00abAnsonsten kann man sich mit HIV infizieren, obwohl man sich gesch\u00fctzt f\u00fchlt. Und wenn man bestimmte medizinische Werte nicht kontrollieren l\u00e4sst, kann man zum Beispiel seine Nieren sch\u00e4digen.\u00bb Ausserdem solle man sich bewusst sein, dass die PrEP nur vor HIV sch\u00fctzt, nicht aber vor anderen Geschlechtskrankheiten wie Tripper oder Syphilis.<\/p>\n<p><b>Billigmedikamente \u2013 ein Graubereich<\/b><br \/>\nEin weiterer, wichtiger Punkt sei, dass man sich nicht ein x-beliebiges Medikament aus dem Internet bestellen soll. Kolbe kennt die Website iwantPrEPnow.co.uk und die darauf verlinkten H\u00e4ndler. Deren Medikamente haben sich bei einer Untersuchung als sicher erwiesen. \u00abAber nat\u00fcrlich ist man hier immer in einem Graubereich unterwegs, der nicht den Qualit\u00e4tskontrollen des deutschen Gesundheitssystems unterliegt\u00bb, sagt er. Mehr Informationen dar\u00fcber hat die AIDS-Hilfe in ihrem HIV-Report zusammengetragen (hivreport.de).<\/p>\n<p>Noch ist PrEP in der Beratung nicht zum Hype geworden. Trotzdem sei das Thema in der Community angekommen. \u00abEs f\u00e4llt aber schon auf, dass in den letzten Monaten mehr Anfragen zum Thema bei uns eingehen, nat\u00fcrlich auch zur Frage, wo man die PrEP g\u00fcnstig bekommen kann.\u00bb<\/p>\n<p>Kolbe kann keine Prognose wagen, ob die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland mit der PrEP \u00e4hnlich stark zur\u00fcckgehen wird wie in London. Die Frage der Neuinfektionen sei von zu vielen Faktoren abh\u00e4ngig. \u00abDie PrEP kann aber definitiv zahlreiche HIV-Infektionen verhindern, und das wird sich nat\u00fcrlich auch in der Statistik niederschlagen\u00bb, sagt er. \u00abWichtiger ist aber: F\u00fcr manche Menschen ist die PrEP die einzige M\u00f6glichkeit, sich zuverl\u00e4ssig zu sch\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n<p>Was London betrifft: In Grossbritannien hat der NHS mittlerweile eine gross angelegte klinische Studie \u00fcber drei Jahre f\u00fcr 10\u00ad\u200a000 Probanden angek\u00fcndigt, die Mitte 2017 starten soll. Bis g\u00fcnstige PrEP-Medikamente jedoch europaweit und ohne grosse H\u00fcrden erh\u00e4ltlich sind, werden wohl noch viele M\u00e4nner auf die Unterst\u00fctzung von Emmanuel und Greg Owens Website z\u00e4hlen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Monatsration PrEP kostet ungef\u00e4hr 800 Euro. Um die hohen Kosten zu umgehen, bestellen M\u00e4nner billige Nachahmerpr\u00e4parate aus dem Internet, die aus Asien vertrieben werden. Den Anfang machte Greg Owen mit einer einfachen Website. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/18658\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":37037,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[52,5468,56],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37036"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37036"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37036\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37036"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37036"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37036"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}