{"id":36964,"date":"2017-05-30T15:00:56","date_gmt":"2017-05-30T13:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/05\/30\/zurich-pride-macht-lgbt-fluechtlinge-zum-jahresmotto\/"},"modified":"2018-10-26T08:45:37","modified_gmt":"2018-10-26T06:45:37","slug":"zurich-pride-macht-lgbt-fluechtlinge-zum-jahresmotto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/zurich-pride-macht-lgbt-fluechtlinge-zum-jahresmotto\/","title":{"rendered":"Zurich Pride macht LGBT- Fl\u00fcchtlinge zum Jahresmotto"},"content":{"rendered":"<h3>Mit der weiterhin angespannten Lage in Syrien und der grassierenden Schwulen\u00adverfolgung in Tschetschenien ist das Thema Fl\u00fcchtlinge aktueller denn je. Die Zurich Pride macht LGBT-Fl\u00fcchtlinge zum Jahresmotto \u2013 und verschreibt sich damit gem\u00e4ss kritischen Stimmen der Fl\u00fcchtlingspolitik. Es gehe darum, den Dialog zu f\u00f6rdern, sagt Vorstandsmitglied Alan David Sangines gegen\u00fcber der Mannschaft.<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">In seiner bald zwanzigj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit hat sich der \u00abVerein Zurich Pride Festival\u00bb stets der Forderungen der Schwulen- und Lesbenbewegung angenommen, sp\u00e4ter auch jener der gesamten Schweizer LGBT-Community. Mit dem diesj\u00e4hrigen Jahresmotto \u00abNo Fear To Be You \u2013 Sicherheit f\u00fcr LGBT-\u00adFl\u00fcchtlinge\u00bb hat sich das Organisationskomitee nun die Fl\u00fcchtlingspolitik auf die Fahne geschrieben. Ein Thema, das nicht unbedingt viel mit bekannten Forderungen wie der \u00d6ffnung der Ehe, dem Diskriminierungsschutz oder dem Adoptionsrecht f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Jahresmotto soll bewusst auf die Situation von LGBT-Menschen aufmerksam machen, die ihre Heimat aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t verlassen. Ihre Andersartigkeit f\u00fchrt oft dazu, dass sie auch auf der Flucht oder in Asylunterk\u00fcnften von ihren Landsleuten diskriminiert, bedroht oder gar angegriffen werden. Schon die Tatsache, dass unter den Fl\u00fcchtlingen auch LGBT-Menschen sind, die zus\u00e4tzliche Herausforderungen meistern m\u00fcssen, sei vielen nicht bewusst, sagt Alan David Sangines gegen\u00fcber der Mannschaft. Als Vorstandsmitglied und Politverantwortlicher beim Verein \u00abZurich Pride\u00bb war er eine der treibenden Kr\u00e4fte hinter dem diesj\u00e4hrigen Jahresmotto. \u00abVorurteile gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen sind auch bei vielen Menschen in der Community vorhanden. Genau hier m\u00fcssen wir ansetzen.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Rahmen der Organisation des Festivals habe der Verein bewusst kritische Stimmen gesucht, um mit ihnen in den Dialog zu treten. Das Resultat ist unter anderem ein interaktiver Artikel, der die Vorbehalte gegen\u00fcber dem Jahresmotto aufgreift und mit Argumenten zu entkr\u00e4ften oder in Perspektive zu setzen versucht. Der Artikel erscheint im j\u00e4hrlichen Pride-Magazin kurz vor dem Festival, das am 9. und 10. Juni wie in den Vorjahren auf dem Kasernenareal in der N\u00e4he des Hauptbahnhofs stattfinden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Ein Austausch mit LGBT-Fl\u00fcchtlingen<\/b><br \/>\n\u00abEine Aufkl\u00e4rung in diesem Themenfeld ist wichtig\u00bb, sagt Sangines. \u00abDer Community muss bewusst werden, dass Homosexualit\u00e4t und somit auch gleichgeschlechtliche Handlungen in vielen L\u00e4ndern der Welt unter Strafe stehen. Die Menschen fl\u00fcchten nicht in die Schweiz, weil wir die cooleren Schwulenclubs haben als Kabul oder Kampala, sondern weil sie dort um ihr Leben f\u00fcrchten m\u00fcssen \u2013 nur weil sie so sind wie wir!\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Um eine h\u00f6chstm\u00f6gliche Aufmerksamkeit f\u00fcr die Thematik zu erzielen, will der Verein seine Social-Media-Kan\u00e4le, das Pride-Magazin und den Demonstrationsumzug nutzen. In der dem Festival vorausgehenden Pride-\u00adWoche sind diverse Veranstaltungen geplant, die LGBT-Fl\u00fcchtlinge mit einheimischen LGBT-Menschen zusammenbringen sollen. So organisiert \u00abOutdoorsport for Gays\u00bb etwa eine Wanderung, zu der explizit auch LGBT-\u00adFl\u00fcchtlinge eingeladen sind.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Menschen fl\u00fcchten nicht in die Schweiz, weil wir die cooleren Schwulenclubs haben als Kabul oder Kampala.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr das Jahresmotto ist \u00abZurich Pride\u00bb auf diverse Organisation zugegangen, darunter Queeramnesty, TGNS und ORAM. Letztere ist weltweit t\u00e4tig und spezialisiert sich auf die Neuansiedlung von LGBT-Fl\u00fcchtlingen in westlichen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Scham kann Asylverfahren gef\u00e4hrden<\/b><br \/>\nSangines engagiert sich seit Jahren im Asylbereich. Nebst der m\u00f6glichen Diskriminierung durch eigene Landsleute bringe die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t von LGBT-Fl\u00fcchtlingen auch im Asylverfahren oder in der Integration zus\u00e4tzliche Herausforderungen mit sich. \u00abSie haben oft grosse Schwierigkeiten, bei der entscheidenden Befragung zu den Asylgr\u00fcnden beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration \u00fcber ihre sexuelle Orientierung zu sprechen. Das kann sich negativ auf ihren Asylentscheid auswirken\u00bb, sagt Sangines. \u00abGleichzeitig haben sie oft M\u00fche, in der Community Anschluss zu finden.\u00bb Gr\u00fcnde daf\u00fcr gebe es mehrere, darunter etwa Hemmungen, Scham, fehlende Sprachkenntnisse oder etwa auch Rassismus innerhalb der LGBT-Szene.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Schweizer Praxis im Umgang mit Asylsuchenden beschreibt Sangines als restriktiv. Dass unter allen Fl\u00fcchtlingen LGBT-Menschen besonders gef\u00e4hrdet sind, sei der Schweizer Politik noch zu wenig bewusst. \u00abVorst\u00f6sse im Parlament, die etwa die explizite Nennung von Homosexualit\u00e4t als Asylgrund im Asylgesetz verankern wollten, wurden abgelehnt.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aufgrund der Ausgangslage f\u00fcr LGBT-\u00adFl\u00fcchtlinge hat der Verein \u00abZurich Pride Festival\u00bb mehrere Forderungen an die Politik formuliert. Dazu geh\u00f6ren eine grossz\u00fcgigere Gew\u00e4hrung von Asyl bei Menschen, die in ihren Heimatl\u00e4ndern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t gef\u00e4hrdet sind, sichere Unterk\u00fcnfte f\u00fcr LGBT-\u00adFl\u00fcchtlinge und Schutz bei Bedrohung sowie eine Sensibilisierung von Sachbearbeitenden, die \u00fcber die Asylantr\u00e4ge von LGBT-\u00adMenschen entscheiden. Ein spezielles Augenmerk gilt gem\u00e4ss Sangines auch den Dolmetscherinnen und Dolmetscher, damit sich LGBT-Menschen von ihnen nicht bedroht f\u00fchlen. Erste Schritte in die richtige Richtung seien schon beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration gemacht worden. Seit 2014 informiert ein internes Merkblatt zum Umgang mit LGBT-Fl\u00fcchtlingen, auch Schulungen f\u00fcr die Mitarbeitenden f\u00fchre es durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Petitionen werden untersch\u00e4tzt<\/b><br \/>\nKonflikte im Nahen Osten, Schwulenverfolgungen in Tschetschenien und homophobe Gesetze in Uganda oder Russland k\u00f6nnen der Durchschnittsb\u00fcrgerin und dem Durchschnittsb\u00fcrger schnell ein Gef\u00fchl der Hilflosigkeit vermitteln. Die Aussicht, fremde M\u00e4chte in die Knie zu zwingen und einen Wandel herbeizuf\u00fchren, scheint aussichtslos, wenn nicht unm\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Und wenn die Menschen hierhin fl\u00fcchten: Fordert von der Politik, dass sie bleiben d\u00fcrfen, und empfangt sie mit offenen Armen in der Schweiz und in der Community!<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">Alan David Sangines verweist auf verschiedene Petitionen und sogenannte \u00abUrgent Actions\u00bb (\u00abeindringliche Appelle\u00bb) von Amnesty International, die einem zeigen, wie man an die Regierungsvertreter dieser L\u00e4nder und die entsprechenden Botschaften in der Schweiz Protestbriefe oder Protestmails schickt. \u00abOft untersch\u00e4tzt man die Wirkung von lautstarken, weltweiten Protesten. Diese k\u00f6nnen die Schweizer Politik aber sehr wohlauf den Plan rufen und zu diplomatischen Bem\u00fchungen f\u00fchren\u00bb, sagt er. Eine M\u00f6glichkeit sei auch die finanzielle Unterst\u00fctzung von Organisationen mit Sitz in der Schweiz oder im Ausland. Schweizer Organisationen leisten hier wichtige Arbeit, w\u00e4hrend Organisationen im Ausland diejenigen Kr\u00e4fte seien, die Betroffene in Sicherheit bringen. Doch damit soll das Engagement nicht enden. \u00abUnd wenn die Menschen hierhin fl\u00fcchten: Fordert von der Politik, dass sie bleiben d\u00fcrfen, und empfangt sie mit offenen Armen in der Schweiz und in der Community!\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der weiterhin angespannten Lage in Syrien und der grassierenden Schwulen\u00adverfolgung in Tschetschenien ist das Thema Fl\u00fcchtlinge aktueller denn je. Die Zurich Pride macht LGBT-Fl\u00fcchtlinge zum Jahresmotto \u2013 und verschreibt sich damit gem\u00e4ss kritischen Stimmen der Fl\u00fcchtlingspolitik. 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