{"id":36856,"date":"2017-06-02T11:10:09","date_gmt":"2017-06-02T09:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/06\/02\/die-unbekannte-schoene-der-aegaeis\/"},"modified":"2017-06-02T11:10:09","modified_gmt":"2017-06-02T09:10:09","slug":"die-unbekannte-schoene-der-aegaeis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/die-unbekannte-schoene-der-aegaeis\/","title":{"rendered":"Die unbekannte Sch\u00f6ne der \u00c4g\u00e4is"},"content":{"rendered":"<p>Arch\u00e4ologische Funde beweisen, dass die Insel Chios bereits vor mehreren tausend Jahren bewohnt wurde. Die gleichnamige Hauptstadt wurde wohl vor etwa 3000 Jahren gegr\u00fcndet und entwickelte sich rasch zu einer der bedeutendsten St\u00e4dte der Antike. 1566 wurde Chios von den T\u00fcrken angegriffen, die die Insel f\u00fcr mehr als 300 Jahre besetzt hielten. Nach vielen Jahrhunderten der Sklaverei im eigenen Land nahmen die Griechen 1882 ihren Mut zusammen und setzten einen grossen Teil der t\u00fcrkischen Flotte in Brand. Diese Aktion verlieh der unterdr\u00fcckten Bev\u00f6lkerung viel Kraft und Mut, doch sollte es noch bis 1912 dauern, bis Chios endlich ganz befreit war. Leider kam die Insel bereits dreissig Jahre sp\u00e4ter erneut unter die Besetzung einer fremden Macht. Am 4. Mai 1941 wurde Chios von der deutschen Wehrmacht eingenommen, welche die Insel bis 1944 besetzt hielt. In den vergangenen zwei Jahren wurde Chios aufgrund der N\u00e4he zum t\u00fcrkischen Festland zu einem der Brennpunkte der Migrationswelle. Obwohl sich die Fl\u00fcchtlingskrise zu keinem Zeitpunkt auf den Alltag der Touristen ausgewirkt hat, f\u00fchrte die negative Berichterstattung in den Medien zu stark r\u00fcckl\u00e4ufigen Besucherzahlen. In der Zwischenzeit sind die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me in Griechenland abgeebbt. Viele Fl\u00fcchtlinge leben jedoch bis heute in Lagern auf der Insel und warten auf die Bearbeitung ihrer Asylantr\u00e4ge. Mit einem Besuch der faszinierenden \u00c4g\u00e4isinsel Chios l\u00e4sst sich somit auch ein Zeichen der Solidarit\u00e4t mit den Inselbewohnern und den Migranten setzen.<\/p>\n<p><b>Windm\u00fchlen und Festungsmauern<\/b><br \/>\nDie Stadt Chios mit ihren rund 25\u2006000 Einwohnern ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel. Das wohl auff\u00e4lligste historische Geb\u00e4ude der Stadt ist die Burg von Chios, die direkt am Eingang zum Hafen liegt. Die massive Befestigungsanlage ist im 9. Jahrhundert erbaut und sp\u00e4ter immer weiter ausgebaut worden. Im Innern der Festung befindet sich das \u00e4lteste Viertel der Stadt, Kastro genannt, das vor allem f\u00fcr seine lebendige Bar- und Gastronomieszene bekannt ist. Auch entlang des nahen Hafenbeckens findet man eine grosse Auswahl an Restaurants und Tavernen, die Fischgerichte und griechische Spezialit\u00e4ten servieren und sowohl mittags als auch abends f\u00fcr ein pulsierendes Leben sorgen. Vom Hafen aus fahren mehrmals t\u00e4glich F\u00e4hren nach \u00c7e\u015fme in der nahen T\u00fcrkei sowie zu weiteren griechischen Inseln. Nur wenige Schritte vom Hafen entfernt erreicht man eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Moschee mit Minarett, die an die lange t\u00fcrkische Besatzung der Insel erinnert. Das Innere beherbergt heute ein byzantinisches Museum. Etwas n\u00f6rdlich des Stadtzentrums gelangt man auf der Stras\u00adse nach Vrontados zu den vier bekannten Windm\u00fchlen von Chios. Diese liegen malerisch am Meer und z\u00e4hlen zu den wohl bekanntesten Fotosujets der Insel.<\/p>\n<p>[infobox maintitle=&#8220;Gay Life&#8220; subtitle=&#8220;Das schwule Leben auf den griechischen Inseln konzentriert sich vor allem auf Mykonos. Aber auch die Inseln Santorini, Kreta, Rhodos, Korfu und Kos sind in j\u00fcngster Zeit bei LGBT-Touristen immer beliebter geworden. Auf Chios findet man hingegen weder Szenebars noch Gay-Hotels. Hier f\u00fchren die Menschen noch einen traditionellen Lebensstil, und die Einstellung zur Homosexualit\u00e4t ist oftmals eine Generationenfrage. J\u00fcngere Einheimische gehen meist sehr entspannt und aufgeschlossen damit um. \u00c4ltere hingegen betrachten Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde, \u00fcber die nicht gesprochen wird.<\/p>\n<p>Generell nimmt die griechisch-orthodoxe Kirche, die neben dem traditionellen Familienbild keine alternativen Lebensformen akzeptiert, auf Chios noch eine wichtige Stellung ein. Im Dezember 2015 hat Griechenland weitreichende Reformen bez\u00fcglich der Rechte von Schwulen und Lesben beschlossen. Dies, nachdem das Land zuvor vom Europ\u00e4ischen Gerichtshof verurteilt worden war, weil es die eingetragene Partnerschaft nur heterosexuellen Paaren erlaubte. Zwar k\u00f6nnen nun auch gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft eintragen, doch ist die vollst\u00e4ndige \u00d6ffnung der Ehe derzeit in Griechenland immer noch kein Thema.<br \/>\n2015 wurde \u00fcbrigens auch der zuvor noch im Gesetzbuch stehende Paragraf 347, das Verbot der widernat\u00fcrlichen Unzucht zwischen M\u00e4nnern, offiziell abgeschafft.&#8220; bg=&#8220;blue&#8220; color=&#8220;black&#8220; opacity=&#8220;off&#8220; space=&#8220;30&#8243; link=&#8220;no link&#8220;]<\/p>\n<p><b>Geisterstadt mit dunkler Geschichte<\/b><br \/>\nVerl\u00e4sst man Chios Stadt anschliessend mit dem Mietwagen in westlicher Richtung, schl\u00e4ngelt sich die Strasse immer h\u00f6her die kargen Berge hinauf. Unterwegs bieten sich viele atemberaubende Ausblicke in die T\u00e4ler und bis zum Meer. Nach rund vierzig Minuten erreicht man am Ende einer Schlucht die verlassene Geisterstadt Anavatos. Bis ins 19. Jahrhundert florierte diese Siedlung, die von den Bewohnern zum Schutz von Piraten hoch auf einem Felsen erbaut wurde. Doch dann lehnten sich 1821 einige Inselbewohner gegen die t\u00fcrkischen Besatzer auf, was jedoch misslang und von den T\u00fcrken ein Jahr sp\u00e4ter schwer bestraft wurde. Viele Menschen versuchten deshalb, sich in Kirchen, Kl\u00f6stern und in den Bergen in Sicherheit zu bringen. Leider wurde auch Anavatos von den Angreifern erreicht, die unter den Bewohnern ein regelrechtes Massaker anrichteten. Viele Menschen sprangen aus Todesangst von den Felsen in die Schlucht, da sie keinen anderen Ausweg mehr sahen. Seit diesen dramatischen Ereignissen kehrten nie mehr Bewohner in dieses St\u00e4dtchen zur\u00fcck. Die meisten der verlassenen H\u00e4user sind bis heute gut erhalten, und Besucher k\u00f6nnen sich auf dem Gel\u00e4nde dieser Geisterstadt frei bewegen. Nach weiteren zehn Kilometern erreicht man an der Westk\u00fcste der Insel den Kieselstrand von Elinda. An dieser wundersch\u00f6nen Bucht ist die Natur noch Herrscher und sieht man selbst in der Hochsaison nur wenige Sonnenanbeter. Das glasklare Wasser sorgt hier auch an ganz heis\u00adsen Tagen f\u00fcr eine willkommene Abk\u00fchlung, da an dieser Stelle das kalte Wasser einer unterirdischen Quelle durch den Kieselstrand ins Meer sickert. Deshalb liegt die Wassertemperatur in Standn\u00e4he stets ein paar Grad unter der eigentlichen Meerestemperatur.<\/p>\n<p><b>Klebriger Schatz<\/b><br \/>\nVon Elinda aus kann man nun der kurvigen K\u00fcstenstrasse entlang nach S\u00fcden fahren, wo sich einige der sch\u00f6nsten St\u00e4dtchen und Str\u00e4nde der Insel befinden. Bekannt ist diese Gegend vor allem auch wegen dem dort produzierten Mastix, dem Harz eines Pistazienstrauches. Dieser wertvollen Substanz wird eine heilsame Wirkung nachgesagt und sie wird unter anderem in Lik\u00f6ren, S\u00fcssigkeiten, Zahnpasta und Kosmetika verarbeitet. Obwohl Mastix im Mittelmeerraum an mehreren Stellen w\u00e4chst, geben nur die B\u00e4ume im S\u00fcden der Insel Chios ihren Harz in Klumpenform ab. Damit der Stoff anschliessend weiterverarbeitet werden kann, ben\u00f6tigt es genau diese getrockneten Klumpen. Die Menschen in Chios leben sehr gut von ihrem Monopol im Mastix-Business, und mit den rund zwei Millionen Mastixb\u00e4umen, die im S\u00fcden der Insel wachsen, lassen sich jedes Jahr rund 200\u2006000 Kilogramm Mastix produzieren.<\/p>\n<p>Die Kleinstadt Mesta, die bereits im Mittelalter erbaut wurde, ist eines der bekanntesten Zentren der Mastixproduktion. In den schmalen, gepflasterten Gassen des Ortes findet man gem\u00fctliche Tavernen, Caf\u00e9s und versteckte Boutiquen. Ebenfalls sehenswert ist die orthodoxe Kirche am zentralen Turmplatz mit ihren gut erhaltenen Wand- und Deckenmalereien. Die H\u00e4user am Rande der Stadt bildeten fr\u00fcher gleichzeitig die Stadtmauer. Deshalb verf\u00fcgen sie nur auf der gegen das Innere des Dorfes gerichteten Seite \u00fcber Fenster. Bei einem Rundgang durch Mesta f\u00e4llt zudem auf, dass man im historischen Zentrum in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden unter B\u00f6gen\u00a0 zwischen den H\u00e4usern durchgehen muss. Diese wurden fr\u00fcher erbaut, um die einzelnen H\u00e4user im Falle eines Angriffes zu stabilisieren.<\/p>\n<p>[infobox maintitle=&#8220;Auf einen Blick&#8220; subtitle=&#8220;<b>Anreise:\u00a0<\/b>Die griechische Fluggesellschaft Aegean bietet F\u00fcge ab Z\u00fcrich und diversen deutschen St\u00e4dten via Athen nach Chios an (ab CHF 220.\u2013 \/ EUR 110.\u2013).\u00a0\u2013 aegeanair.com<\/p>\n<p><b>Beste Reisezeit:\u00a0<\/b>W\u00e4hrend des Sommers von April bis Oktober. In den \u00fcbrigen, k\u00fchleren Monaten sind viele Hotels, Restaurants und touristische Einrichtungen geschlossen.<\/p>\n<p><b>Sprache:\u00a0<\/b>Die offizielle Landessprache ist Griechisch. Vielerorts kann man sich jedoch gut mit Englisch durchschlagen.<\/p>\n<p><b>Einreise:\u00a0<\/b>Schweizer und EU-B\u00fcrger ben\u00f6tigen eine g\u00fcltige Identit\u00e4tskarte oder einen Personalausweis.<\/p>\n<p><b>Sicherheit:\u00a0<\/b>Die Insel Chios gilt als sicheres Reiseziel.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen:<\/b>\u00a0\u2013 chios.gr\/en&#8220; bg=&#8220;brown&#8220; color=&#8220;black&#8220; opacity=&#8220;off&#8220; space=&#8220;30&#8243; link=&#8220;no link&#8220;]<\/p>\n<p><b>Traumst\u00e4nde und malerische Buchten<\/b><br \/>\nPirgi, ein weiteres sehenswertes St\u00e4dtchen, befindet sich nur wenige Kilometer von Mesta entfernt. Bekannt ist diese Ortschaft vor allem f\u00fcr ihre bemalten Fassaden, die bis heute mit geometrischen Formen dekoriert werden. Wer die engen Gassen von Pirgi zu Fuss entdeckt, kommt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter automatisch am zentralen Hauptplatz vorbei, auf welchem sich die Bewohner der Stadt in den Tavernen treffen und sich an den Marktst\u00e4nden mit frischem Gem\u00fcse und lokalen Fr\u00fcchten versorgen. Hier kann man etwas essen oder sich mit Proviant ausstatten, bevor man sich auf den Weg zu den abgelegenen Str\u00e4nden der S\u00fcdk\u00fcste macht. Eine der malerischsten Buchten der Insel ist Agia Dinami, die \u00fcber eine gut ausgebaute Strasse zu erreichen ist. Bei der Anfahrt erkennt man den schneeweissen Strandabschnitt und das t\u00fcrkisblau schimmernde Meer schon von Weitem. Hat man es sich dann auf dem Badetuch bequem gemacht, k\u00f6nnte man sich irgendwie auch in der Karibik w\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer toller Strand, den man nicht verpassen darf, ist der Kieselstrand von Vroulidia. Er befindet sich zwischen steilen Klippen am s\u00fcdlichsten Punkt der Insel und ist nur \u00fcber eine steile Treppe zu erreichen. Etwas weiter \u00f6stlich liegt das gem\u00fctliche Fischerdorf Emporios, in dem man gute Fisch- und Meeresfr\u00fcchterestaurants findet. Am Ende des Dorfes f\u00fchrt ein Weg zum schwarzen Lavastrand von Mavra Volia, der aus schwarzen, abgeschliffenen Steinen besteht. Die eindr\u00fcckliche Lage mit der steilen Felswand, die sich direkt hinter dem Strand erhebt und ihn zu drei Seiten abschliesst, macht einen Besuch dieses Lavastrandes zu einem unvergesslichen Erlebnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chios, die f\u00fcnftgr\u00f6sste Insel Griechenlands, erwacht nur langsam aus ihrem touristischen Dornr\u00f6schenschlaf. Grosse Hotelkomplexe und lautstarke Animation sucht man hier vergeblich. Daf\u00fcr warten einsame Traumstr\u00e4nde, eindr\u00fcckliche Landschaften und verwinkelte D\u00f6rfer auf ihre Entdeckung. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/die-unbekannte-schoene-der-aegaeis\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":36857,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[190],"tags":[284,5511],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36856"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36856"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36856\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36857"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}