{"id":36822,"date":"2017-06-01T17:00:18","date_gmt":"2017-06-01T15:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/06\/01\/im-fernsehen-einen-schwulen-jugend-lichen-zu-sehen-war-eine-revolution\/"},"modified":"2023-01-25T15:52:01","modified_gmt":"2023-01-25T14:52:01","slug":"im-fernsehen-einen-schwulen-jugend-lichen-zu-sehen-war-eine-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/im-fernsehen-einen-schwulen-jugend-lichen-zu-sehen-war-eine-revolution\/","title":{"rendered":"\u00abIm Fernsehen einen schwulen Jugendlichen zu sehen, war  eine Revolution.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><b>C<\/b><b>harlie, was hat dich daran gereizt, die Hauptrolle in \u00abKing Arthur\u00bb zu \u00fcbernehmen?<\/b><br \/>\nEinerseits fand ich es spannend, diesen legend\u00e4ren K\u00f6nig Arthur zu spielen. Andererseits war ich begeistert von der M\u00f6glichkeit, endlich einmal mit Guy Ritchie arbeiten zu k\u00f6nnen. Er war f\u00fcr mich der Hauptgrund, das Angebot anzunehmen. Abgesehen davon war ich ohnehin auf der Suche nach dem n\u00e4chsten Schritt in meiner Karriere, denn nach sieben Staffeln ging meine Serie \u00abSons of Anarchy\u00bb zu Ende. Dass der Film in England gedreht wurde, war ein zus\u00e4tzlicher Anreiz.<\/p>\n<p><b>Warum das?<\/b><br \/>\nAch, nach all diesen Jahren, die ich nicht zuletzt auch wegen der Serie in Kalifornien verbrachte, hatte ich einfach Heimweh. Ich hatte schon \u00fcberlegt, mir eine kleine Auszeit von den USA zu nehmen und f\u00fcr ein halbes Jahr etwas in England zu mieten. Gerade London hat sich in den letzten Jahren wieder zu einer unglaublich aufregenden Stadt entwickelt, einer echten Metropole. Dass ich meine Pl\u00e4ne in der Heimat direkt mit einem neuen Job verbinden konnte, war f\u00fcr mich ein wunderbarer Wink des Schicksals. Und ich musste mir nicht einmal selbst eine Wohnung suchen, denn das \u00fcbernahmen die \u00abKing Arthur\u00bb-Leute f\u00fcr mich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17964\" aria-describedby=\"caption-attachment-17964\" style=\"width: 599px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-17964\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 599 400'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bild_1.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17964\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6nig Arthur und das sagenumwobene Schwert Excalibur: Am 4. Mai kam das Actionabenteuer \u00abKing Arthur\u00bb in die Kinos. (Bild: Warner Bros.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Wenn man sich nun deine Muskelberge auf der Leinwand ansieht, musstest du f\u00fcr diesen Film vermutlich ziemlich viel Zeit im Fitnessstudio verbringen.<\/b><br \/>\nIch war auch schon vorher ziemlich fit. Regelm\u00e4ssige Besuche im Gym geh\u00f6ren schon lange zu meinem Alltag. Das Problem war nur, dass meine Figur in der letzten Staffel von \u00abSons of Anarchy\u00bb ziemlich traumatische Erfahrungen durchlebte, wof\u00fcr ich einige Kilos an Gewicht verlieren musste. Deswegen war ich ausgerechnet kurz vor \u00abKing Arthur\u00bb so wenig muskul\u00f6s wie schon ewig nicht mehr. Aber wie gesagt: Ich kenne mich mit Hanteln und Co. gut aus, also trainierte ich so intensiv wie nie zuvor in meinem Leben. Selbst am Set machte ich mit Guy Ritchie noch Liegest\u00fctzen. Am Ende brachte ich mehr Muskelmasse auf die Waage als je zuvor in meinem Leben.<\/p>\n<p><b>Verschreibst du dich deinen Rollen immer mit Haut und Haar?<\/b><br \/>\nEs macht mich immer nerv\u00f6s, wenn ich mit Begriffen wie \u00abMethod Acting\u00bb konfrontiert werde. Denn ich habe ja nie Schauspielerei studiert und kann deswegen wirklich nicht behaupten, dass ich einer speziellen Methode folgen w\u00fcrde. Ich gehe einfach intuitiv vor, wenn ich mir eine Rolle erarbeite. Aber es stimmt schon, dass es mich reizt, an meine Grenzen und aufs Ganze zu gehen. F\u00fcr \u00abThe Lost City of Z\u00bb zum Beispiel bin ich mit dem Filmteam monatelang im s\u00fcdamerikanischen Dschungel abgetaucht und habe mich komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Nicht einmal mein Manager oder meine Freundin konnten mich erreichen. Und f\u00fcr meinen kommenden Film \u00abPapillon\u00bb musste ich wieder richtig viel Gewicht verlieren.<\/p>\n<blockquote><p>Es macht mich nerv\u00f6s, wenn ich mit Begriffen wie \u2039Method Acting\u203a konfrontiert werde.<\/p><\/blockquote>\n<p><b>\u00abPapillon\u00bbist ein Remake des legend\u00e4ren Steve-McQueen-Films, nicht wahr?<\/b><br \/>\nStimmt, das sind ziemlich krasse Fussstapfen, in die ich da getreten bin. Aber ich sage ja: Ich suche immer die Herausforderung. Nur ein bisschen doof, dass ich f\u00fcr die Rolle wieder mit dem Rauchen angefangen habe.<\/p>\n<p><b>Echt jetzt?<\/b><br \/>\nJa, leider. Ich war ewig Gelegenheitsraucher. Aber weil ich so viel Gewicht verlieren musste, habe ich mir eine E-Zigarette zugelegt und richtig viel geraucht, was mir beim Abnehmen helfen sollte. Allerdings habe ich jetzt zum ersten Mal im Leben wirklich das Gef\u00fchl, s\u00fcchtig zu sein.<\/p>\n<p><b>Hat es denn f\u00fcr die Rolle wenigstens geholfen?<\/b><br \/>\nDas hat es, immerhin. Beim Abnehmen, und auch allgemein, um sonst in die Rolle zu kommen. Das Zweite, was geholfen hat, war Taylor Swift. Ich suchte Musik, die ich noch nie geh\u00f6rt hatte und die mich in die richtige Stimmung bringt. Bei Taylor wurde ich f\u00fcndig. Ist mir fast ein bisschen peinlich. Mit dem Film hat das gar nichts zu tun, da sitze ich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert in einer Strafkolonie in Franz\u00f6sisch-\u00adGuayana. Aber irgendwie hat Taylor daf\u00fcr in mir die genau passenden Gef\u00fchle geweckt.<\/p>\n<p><b>Deine Karriere hast du als Teenager mit einer Rolle begonnen, an die sich nicht jeder getraut h\u00e4tte. 1999 hast du in der Serie \u00abQueer as Folk\u00bb einen schwulen Jugendlichen gespielt. Bringt dich heute noch jemand mit dieser Serie in Verbindung?<\/b><br \/>\nIn England war die Serie damals eine grosse Sache, aber in Amerika wurde sie nur sehr begrenzt wahrgenommen. Zumal es dann ja auch eine eigene US-Version gab, die sehr viel l\u00e4nger lief als unsere paar Folgen damals. Aber nat\u00fcrlich kommt es hin und wieder noch vor, dass mich jemand drauf anspricht und erz\u00e4hlt, wie gut ihm die Serie damals gefallen hat. Und ich muss sagen, dass ich nie intimere und ber\u00fchrendere Begegnungen hatte als mit \u00abQueer as Folk\u00bb-Fans.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17966\" aria-describedby=\"caption-attachment-17966\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-17966\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 619 400'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bild_2.jpg\" alt=\"\" width=\"619\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17966\" class=\"wp-caption-text\">Die TV-Serie \u00abQueer als Folk\u00bb. (Bild: Warner Bros.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Zum Beispiel?<\/b><br \/>\nEs gab damals Kids, die mir schrieben, dass die Serie ihr Leben gerettet habe, weil sie mit meiner Figur zum ersten Mal in ihrem Leben ein positives Vorbild vor Augen hatten, das ihnen Orientierung gab. Man darf nicht vergessen, dass das bald zwanzig Jahre her ist und die Zeiten damals wirklich andere waren. Im Fernsehen einen schwulen Jugendlichen zu sehen, der das gleiche durchmacht wie man selbst, das war damals eine Revolution. Erst neulich wieder liess mir eine Freundin von ihrem Friseur ausrichten, dass \u00abQueer as Folk\u00bb ihm damals den Mut gab, die Enge der Provinz zu verlassen und endlich sein eigenes Leben zu leben.<\/p>\n<p><b>Dir war damals also durchaus schon bewusst, dass die Serie etwas Besonderes ist?<\/b><br \/>\nDas konnte man in England nicht mitkriegen. Damals durfte man in England unter achtzehn Jahren noch keinen schwulen Sex haben, w\u00e4hrend f\u00fcr Heteros die Grenze bei sechzehn lag. Und dann spielte ich diesen F\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen, im Bett mit einem \u00e4lteren Typen. Wir haben die ohnehin schon laufenden Diskussionen ordentlich befeuert. Meine Vorreiterrolle in der Serie nahm bisweilen bizarre Ausmasse an. Einmal wurde ich sogar ins House of Parliament eingeladen, um \u00fcber das Mindestalter f\u00fcr schwulen Sex zu sprechen. Ich, als achtzehn Jahre alt gewordener Hetero. Das war mir dann doch ein bisschen zu viel. Also habe ich abgesagt und mich lieber draussen vor der T\u00fcr den Demonstranten angeschlossen.<\/p>\n<blockquote><p>Es gab Kids, die mir schrieben, dass \u2039Queer as Folk\u203a ihr Leben gerettet habe.<\/p><\/blockquote>\n<p><b>War es etwas Besonderes f\u00fcr dich, dass du nun bei \u00abKing Arthur\u00bb wieder mit deinem \u00abQueer as Folk\u00bb-Kollegen Aidan Gillen vor der Kamera gestanden bist?<\/b><br \/>\nAuf jeden Fall. Aidan war der erste professionelle Schauspieler, mit dem ich in meinem Leben zusammengearbeitet hatte. Von niemandem habe ich mehr \u00fcber diesen Job gelernt \u2013 und dar\u00fcber, wie man sich in dieser Branche bewegt. Von der Aufrichtigkeit und Leidenschaft, aber auch der Professionalit\u00e4t, mit der er diesem Beruf nachgeht, habe ich mir so manche Scheibe abgeschnitten. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn damals am Anfang meines Weges an meiner Seite hatte. Deswegen habe ich mich riesig gefreut, als Guy mir erz\u00e4hlte, dass er Aidan eine Rolle in \u00abKing Arthur\u00bb gegeben hat.<\/p>\n<p><b>Seid ihr \u00fcber all die Jahre in Kontakt geblieben?<\/b><br \/>\nEhrlich gesagt nicht. Vor zehn Jahren sind wir uns mal bei einem Festival in Edin\u00adburgh \u00fcber den Weg gelaufen und haben uns so dar\u00fcber gefreut, dass wir zusammen ein Bier trinken gingen. Aber tats\u00e4chlich war das in all den Jahren seit \u00abQueer as Folk\u00bb das einzige Mal, dass wir uns gesehen haben.<\/p>\n<p><b>Was w\u00fcrdest du denn im R\u00fcckblick sagen, welche deiner bisherigen Rollen deine wichtigste war?<\/b><br \/>\nDas l\u00e4sst sich so nicht beantworten. Nat\u00fcrlich war die in \u00abQueer as Folk\u00bb ganz entscheidend, schon weil es die erste war. Aber unter kreativen Gesichtspunkten war bislang \u00abSons of Anarchy\u00bb sicher das Gr\u00f6sste, was mir passiert ist. Und \u00abThe Lost City of Z\u00bb. Aber auch meine Filme mit Guillermo Del Toro waren unvergessliche Erfahrungen, \u00abPacific Rim\u00bb, weil ich als alter \u00abStar Wars\u00bb-Fan immer schon auf Sci-Fi stand, und \u00abCrimson Peak\u00bb, weil es f\u00fcr mich mal etwas ganz anderes, nicht so k\u00f6rperliches war. Und nat\u00fcrlich will ich auch Guy Ritchie und \u00abKing Arthur\u00bb in dieser Aufz\u00e4hlung nicht aussen vor lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit \u00abQueer as Folk\u00bb begann 1999 die Karriere von Charlie Hunnam, der im Mai als King Arthur im gleichnamigen Actionabenteuer von Guy Ritchie zu sehen<br \/>\nist. Beim Treffen mit der Mannschaft im Londoner Hotel Claridge\u2019s sinniert der britische Schauspieler \u00fcber seine erste Rolle als schwuler Jugendlicher. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/im-fernsehen-einen-schwulen-jugend-lichen-zu-sehen-war-eine-revolution\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":36823,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[5539],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36822"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36822"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":160349,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36822\/revisions\/160349"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}