{"id":35983,"date":"2016-08-17T16:42:28","date_gmt":"2016-08-17T14:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2016\/08\/17\/mehr-pudel-weniger-wolf\/"},"modified":"2020-11-11T10:10:42","modified_gmt":"2020-11-11T09:10:42","slug":"mehr-pudel-weniger-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mehr-pudel-weniger-wolf\/","title":{"rendered":"Gl\u00fccklich als Single: Mehr Pudel, weniger Wolf"},"content":{"rendered":"<h3>Der ewige Single, ein einsamer Wolf? Unser Redaktor ist Single und untersucht die gesellschaftliche Erwartung an ein Liebesgl\u00fcck. Sein Fazit: Pers\u00f6nliches Gl\u00fcck soll und darf nicht von einer Beziehung abh\u00e4ngig sein.<\/h3>\n<p>Es war ein verregneter Dienstagabend im April, und meine Mitbewohnerin und ich hatten uns soeben in ein Esskoma erster G\u00fcte gefuttert. Nun sassen wir Schulter an Schulter am K\u00fcchentisch, die Augen auf ihr Smartphone gerichtet, und arbeiteten uns gemeinsam durch die lange Liste paarungsbereiter M\u00e4nner, die uns auf Tinder pr\u00e4sentiert wurden. Helen hatte die Dating-App gerade erst heruntergeladen, und es bereitete uns einen mordsm\u00e4ssigen Spass, unter aufgekratztem Gel\u00e4chter die unz\u00e4hligen Profile zu durchst\u00f6bern.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"HHXtv2qilk\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ehe-fuer-alle-einfach-ein-gefuehl-der-zusammengehoerigkeit\/\">\u00abDie Ehe ist einfach ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abDie Ehe ist einfach ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/ehe-fuer-alle-einfach-ein-gefuehl-der-zusammengehoerigkeit\/embed\/#?secret=HHXtv2qilk\" data-secret=\"HHXtv2qilk\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Nur wenige Stunden sp\u00e4ter war meine Wohnungsgenossin in einen angeregten digitalen Schriftwechsel mit zwei vielversprechenden Kandidaten vertieft und zog sich in ihre Gem\u00e4cher zur\u00fcck. Und so warf ich mich auf die Couch und sah mich erneut mit folgender Frage konfrontiert: Sollte ich vielleicht auch mit dem Online\u00addating beginnen? Sollte ich mein Gefieder putzen und entschlossen in den virtuellen Balztanz einsteigen? Schliesslich w\u00fcrde das meine Chancen, das Singledasein m\u00f6glichst bald hinter mir zu lassen, signifikant erh\u00f6hen. Und das sollte ja das Ziel sein. Oder &#8230; nicht?<\/p>\n<p><strong>Single da, Single dort<\/strong><br \/>\nDas Thema \u00abSinglesein\u00bb ist ein Dauerbrenner im \u00f6ffentlichen Diskurs. Gerade die Filmindustrie greift es regelm\u00e4ssig und mit derselben Verl\u00e4sslichkeit auf, mit der Radiosender zur Weihnachtszeit \u00abLast Christmas\u00bb abspielen. Das \u00fcberrascht nicht. Fast alle f\u00fchlen sich von der Thematik angesprochen. Die einen, weil sie selbst Singles sind. Die anderen haben einen Partner oder eine Partnerin \u2013 und sind entweder heilfroh dar\u00fcber, oder sie w\u00fcrden den Freund oder die Freundin am liebsten auf den Mond schiessen und zur\u00fcck in die freie Wildbahn der Singles galoppieren.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Nmk2yQtm4S\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/umfrage-der-woche-kann-man-als-single-gluecklich-sein\/\">UMFRAGE DER WOCHE: Kann man als Single gl\u00fccklich sein?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;UMFRAGE DER WOCHE: Kann man als Single gl\u00fccklich sein?&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/umfrage-der-woche-kann-man-als-single-gluecklich-sein\/embed\/#?secret=Nmk2yQtm4S\" data-secret=\"Nmk2yQtm4S\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Single sein: \u00abFreiheit und Autonomie\u00bb<\/strong><br \/>\nFragen rund um das Singledasein sind auch insofern relevant, als dieses f\u00fcr eine wachsende Zahl von Menschen eine Lebensrealit\u00e4t darstellt. Noch nie haben so viele M\u00e4nner und vor allem Frauen allein gelebt wie heute. Demnach leben in der Schweiz heute 1,3 Millionen Menschen allein, in Deutschland sollen es rund 20 Millionen Alleinstehende sein. W\u00e4hrend vor f\u00fcnfzig Jahren erst 14 Prozent aller Privathaushaltungen nur eine Person umfasst h\u00e4tten, so seien es 2010 bereits 35 Prozent gewesen, schreibt der Soziologieprofessor Fran\u00e7ois H\u00f6pflinger. \u00abUnd bis 2030 d\u00fcrfte ihr Anteil auf gut 41 Prozent ansteigen.\u00bb Dabei umfasst der Begriff der \u00abAlleinstehenden\u00bb eine Vielzahl von Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentw\u00fcrfen und Schicksalen: Ein 85-j\u00e4hriger, auf Betreuung angewiesener Witwer kann kaum mit einer dynamischen 30-J\u00e4hrigen verglichen werden, die ohne feste Paarbeziehung lebt und zufrieden ist damit. \u00abSingle ist nicht gleich Single\u00bb, beschreibt es H\u00f6pflinger.<\/p>\n<blockquote><p>Die Bezeichnung Single kann f\u00fcr ein besonderes Lebens\u00adgef\u00fchl stehen \u2013 und zwar f\u00fcr ein sch\u00f6nes.<\/p><\/blockquote>\n<p>Trotzdem zeugen die genannten Zahlen von einer gesellschaftlichen Entwicklung, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat: \u00abAlleinleben gilt in modernen Gesellschaften als Hinweis auf eine verst\u00e4rkte Individualisierung und die Abwertung traditioneller Lebensformen\u00bb, so der Soziologe. Gerade in den Massenmedien seien heute \u00abFreiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung Werthaltungen, die mit einem (bewussten) Single\u00addasein in Verbindung gebracht werden\u00bb.<\/p>\n<p><strong>In und trendy?<\/strong><br \/>\nAls Single ist man demnach frei, autonom und \u00abselbstverwirklicht\u00bb. Klingt geradezu beneidenswert? F\u00fcr Autorin Anna Kalisch zum Beispiel steht fest: \u00abDie Bezeichnung Single kann f\u00fcr ein besonderes Lebensgef\u00fchl stehen \u2013 und zwar f\u00fcr ein sch\u00f6nes\u00bb, schreibt sie auf elitepartner.ch. Eine Befragung von \u00fcber 4000 Singles habe gezeigt, dass viele gern allein seien und sich nur dann auf eine Beziehung einlassen w\u00fcrden, wenn der oder die Richtige daherk\u00e4me. Diese Einstellung ist nachvollziehbar: Singles sind ungebunden, k\u00f6nnen \u00fcbers Wochenende spontan verreisen und ihre Zeit kompromisslos und nach eigenem Gutd\u00fcnken einteilen. Sie k\u00f6nnen sich mit Freunden treffen, wandern gehen oder Brettspielabende organisieren, wann immer sie wollen. Zudem steht es ihnen frei, am Wochenende durch s\u00e4mtliche Clubs der Stadt zu tingeln und jede Person abzuschleppen, die ebenfalls Lust auf eine Runde Bettgymnastik versp\u00fcrt.<\/p>\n<p><strong>Singles: Seltsame Sonderlinge?<\/strong><br \/>\nDieses \u00abIch bin Single und zufrieden\u00bb-\u00adArgumentarium h\u00f6rt sich eigentlich sehr \u00fcberzeugend an. Und trotzdem: Als partnerlose Person kann man sich gelegentlich des Eindrucks nicht erwehren, als fehle einem etwas ganz Wichtiges im Leben \u2013 oder zumindest wird einem dieser Eindruck vermittelt. Elias, ein guter Freund von mir, hat es k\u00fcrzlich so gesagt: \u00abManchmal nervt es mich. Viele Leute verhalten sich so, als sei es nicht nur die Norm, in einer Beziehung zu leben, sondern geradezu das ultimative Ziel.\u00bb Es sei zum Standard geworden, meinte er. Und illustrierte dies mit dem Beispiel, dass man sogar \u00abin die krassesten Actionfilme meist noch eine Romanze reinpackt\u00bb. Wir kennen sie alle, diese Szenen: Der Held und die Heldin, zu einem innigen Kuss vereint, w\u00e4hrend um sie herum alles im Chaos versinkt, Aliens die Welt zerbomben oder ein todbringender Supertornado auf die beiden zurast und K\u00fche und Lastwagen durch die Luft wirbelt. \u00abAls ob ein Leben nur komplett sei, wenn man einen Partner oder eine Partnerin hat\u00bb, so Elias.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"w15uS2JHx0\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/liebes-aus-bei-prince-charming-lars-hat-sich-von-mir-getrennt\/\">Liebes-Aus bei \u00abPrince Charming\u00bb: \u00abLars hat sich von mir getrennt\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Liebes-Aus bei \u00abPrince Charming\u00bb: \u00abLars hat sich von mir getrennt\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/liebes-aus-bei-prince-charming-lars-hat-sich-von-mir-getrennt\/embed\/#?secret=w15uS2JHx0\" data-secret=\"w15uS2JHx0\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Von diesem \u00abStandard\u00bb spricht auch Soziologieprofessor H\u00f6pflinger. Das Bild des gl\u00fccklichen und selbstverwirklichten Singles sei nur die eine Seite der Medaille: In den letzten f\u00fcnfzehn, zwanzig Jahren habe eine \u00abRenaissance von Partnerschaftsidealen\u00bb wie jenen der \u00abewigen Liebe\u00bb stattgefunden. Ein Ph\u00e4nomen, das der Hamburger Single- und Paarberater Eric Hegmann aus seiner Arbeit sehr gut kennt. \u00abAlle meine Klientinnen und Klienten eint der Wunsch nach einer langfristigen Beziehung\u00bb, sagt er gegen\u00fcber der Mannschaft. \u00abUnd zwar am liebsten nach der sogenannten \u2039AMEFI-\u00adIdee\u203a: Alles mit einem f\u00fcr immer.\u00bb Dabei w\u00fcrden sich \u00abgerade j\u00fcngere Singles dieses romantische Ideal\u00bb w\u00fcnschen.<\/p>\n<blockquote><p>Manchmal habe ich fast das Gef\u00fchl, dass mit mir etwas nicht stimmt und dass ich mein Singlesein erkl\u00e4ren und rechtfertigen muss.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Singleleben: Unvollst\u00e4ndig?<\/strong><br \/>\nDie Folgen dieses Trends: Die \u00abdefizitorientierten Bilder zum Alleinsein\u00bb seien wieder verst\u00e4rkt worden, sagt Soziologe Fran\u00e7ois H\u00f6pflinger. Etwa, wenn \u00f6ffentlich diskutiert werde, dass alleinlebende M\u00e4nner ein deutlich h\u00f6heres Erkrankungs- und Sterberisiko aufwiesen als M\u00e4nner in einer Partnerbeziehung. Oder erst k\u00fcrzlich konnte man in einer Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine lesen, dass Schwule nur halb so h\u00e4ufig von Depressionen betroffen seien, wenn sie mit einem Partner oder Ehemann zusammenlebten.<br \/>\nDie verst\u00e4rkte Betonung der negativen Seitens des Singledaseins kann bizarre Konsequenzen haben. \u00abManchmal habe ich fast das Gef\u00fchl, dass mit mir etwas nicht stimmt\u00bb, sagt Elias, \u00abund dass ich mein Singlesein erkl\u00e4ren und rechtfertigen muss\u00bb. Bei anderen Partnerlosen f\u00fchrt das Ideal der trauten Zweisamkeit dazu, dass sich ihre Gedanken \u00abnur noch um dieses verdammte Alleinsein drehen\u00bb. So beschreibt es Yvonne Staat auf beobachter.ch. Ihre Freundin Bettina sei seit sechs Jahren Single und habe schwer damit zu k\u00e4mpfen. \u00abWenn wir uns treffen, kann sie \u00fcber nichts anderes mehr reden. Bettina ist schuld, dass mir das Single\u00addasein wie ein Leiden vorkommt. Wie Hunger. Die Suche nach Nahrung wird zum Lebensinhalt, der Mangel zum Dauergedanken.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Allein \u00abd\u00fcrfen\u00bb statt \u00abm\u00fcssen\u00bb<\/strong><br \/>\nUnd schon sind aus Singles traurige, einsame W\u00f6lfe geworden, die ausgezehrt und nach Zuneigung lechzend durch einen Wald von gl\u00fccklichen P\u00e4rchen hetzen, auf der verzweifelten Suche nach der grossen Liebe. Eben waren Singles noch cool. Jetzt sind sie \u2013 bemitleidenswert? \u00abAbsolut nicht\u00bb, findet Sylvia Locher. Sie ist die Pr\u00e4sidentin von Pro Single Schweiz, der Interessengemeinschaft der Alleinlebenden. \u00abDas Mitleid, das uns Singles bisweilen entgegengebracht wird, ist anstrengend. Eines will ich festhalten: Man muss mit uns kein Mitleid haben\u00bb, sagt sie. Klar, eine Partnerschaft k\u00f6nne unterst\u00fctzend wirken. Genauso k\u00f6nne sie aber auch viel Energie kosten und einen unn\u00f6tig einspannen und binden. \u00abManchmal bin ich sehr froh, dass ich das nicht mitmachen muss.\u00bb So sieht es auch Christian, ein guter Freund von mir. Er ist 35-j\u00e4hrig und seit mehreren Jahren Single. \u00abIch mag meine Routine, meine Abl\u00e4ufe. Das passt alles, und manchmal will ich einfach nicht, dass jemand in mein kleines Reich eindringt und mir alles durcheinanderbringt\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>\u00abAlleine k\u00f6nnen\u00bb, nicht \u00abmit jemand anderem m\u00fcssen\u00bb. Es ist dieses Lebensgef\u00fchl, das viele Singles geniessen. Und es ist eine Einstellung, die partnerlosen Menschen gelegentlich den Vorwurf einbringt, sie seien beziehungsunf\u00e4hige Egomanen. In den Worten H\u00f6pflingers: \u00abDer Single \u2013 in den Siebzigerjahren Repr\u00e4sentant eines befreienden Individualismus \u2013 wurde im Zuge der Finanzkrise zur Repr\u00e4sentation eines \u00fcberbordenden Egoismus.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Schwule sind nur halb so h\u00e4ufig von Depressionen betroffen, wenn sie mit einem Partner oder Ehemann zusammen\u00adleben.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Armer, verkommener, narzisstischer Single<\/strong><br \/>\nDer Single als die Verk\u00f6rperung einer egoistischen Lebensweise also? Wenn man die Ausf\u00fchrungen des Soziologen Horst W. Opaschowski betrachtet, dann scheint diese Beschreibung zumindest auf die sogenannten \u00abfreiwilligen Singles\u00bb zuzutreffen. Jene, \u00abdie ganz bewusst allein im eigenen Haushalt leben und mit ihrer jetzigen Lebenssituation durchaus zufrieden sind\u00bb. Sie \u00abk\u00f6nnen sich kaum vorstellen, diese freie und unabh\u00e4ngige Lebensform wieder aufzugeben, und k\u00f6nnen oder wollen sich Partnerschaft, Kinder und Familie nicht leisten, weil sie sich dann in ihrem Freizeitkonsum einschr\u00e4nken m\u00fcssten\u00bb. Diese \u00ab\u00fcberzeugten\u00bb Singles h\u00e4tten oft Angst vor zu viel N\u00e4he, ausserdem verb\u00e4rgen sich hinter ihrem Lebenswandel \u00abmitunter die Grundz\u00fcge einer narzisstischen Pers\u00f6nlichkeit\u00bb. Des Weiteren k\u00f6nnen und wollen laut Opaschowski viele Singles nicht teilen, sie befinden sich \u00abwie keine andere Bev\u00f6lkerungsgruppe auf dem Konsumtrip\u00bb, und sie tun viel f\u00fcr sich selbst: Ausschlafen und faulenzen zum Beispiel, und vom Tanzengehen und \u00abVideofilmsehen\u00bb hielten sie mehr als die \u00fcbrige Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<blockquote><p>Das Mitleid, das uns Singles bisweilen entgegengebracht wird, ist anstrengend.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00ab\u00dcberzeugter\u00bb Single?<\/strong><br \/>\nKein wirklich positives Bild, das da von Singles gezeichnet wird. Zuerst emp\u00f6rte ich mich \u00fcber diese Erl\u00e4uterungen und f\u00fchlte mich \u2013 ich gebe es zu \u2013 angegriffen und getadelt. Wie ein kleiner Schuljunge mit einer Eselsohrenm\u00fctze auf dem Kopf, vom Lehrer in die Sch\u00e4m- und Schandecke gestellt. Ich war versucht, das Gelesene als \u00fcbertrieben abzutun, einfach wegzuwischen. Doch so ganz gelang mir das nicht. Ich kam ins Gr\u00fcbeln und hinterfragte mich selbst in mehrfacher Hinsicht. Ich habe keinen Freund, bin mit meiner Lebenssituation aber sehr wohl zufrieden. Macht mich das zu einem \u00ab\u00fcberzeugten\u00bb Single? Habe ich vielleicht wirklich Angst vor N\u00e4he oder M\u00fche, zu teilen? Konsumiere ich mehr als meine Freunde und Freundinnen, die in Beziehungen leben? Friste ich ein oberfl\u00e4chliches Dasein, das sich nur um mich selbst dreht?<\/p>\n<p>Nun, ich denke und hoffe, diese Fragen mit einem Nein beantworten zu k\u00f6nnen. Fakt ist: Ich kann mir sehr wohl vorstellen, wieder in einer Beziehung zu sein \u2013 und so ergeht es auch den meisten meiner Single\u00adfreunde, die sehr zufrieden sind mit ihrem Leben. Ich f\u00fcr meinen Teil vermag mich f\u00fcr das zuvor erw\u00e4hnte, romantische \u00abAlles mit einem f\u00fcr immer\u00bb-Ideal problemlos zu erw\u00e4rmen. Schliesslich kann es wundersch\u00f6n sein, neben dem Freund einzuschlafen, seine W\u00e4rme und diese besondere Vertrautheit zu sp\u00fcren, gemeinsam zu verreisen oder nach der Arbeit zusammen zu kochen und alles zu besprechen, was einen besch\u00e4ftigt. Als passionierter Tagtr\u00e4umer stelle ich mir immer wieder vor, \u00abden einen\u00bb zu finden. Wenn ich einen Song h\u00f6re, der mir gef\u00e4llt, dann wird dieser schnell einmal zur Musik, zu der wir in meiner M\u00e4rchenfantasie unseren Hochzeitstanz tanzen. Als mein Bruder seiner Frau das Jawort gab, als zwei meiner besten Freundinnen ihre Ehem\u00e4nner ehelichten, weinte ich vor R\u00fchrung. Kurzum: Ich bin alles andere als ein zynischer Liebesmuffel oder ein \u00fcberzeugter \u00abewiger Junggeselle\u00bb, sondern durchaus ein Romantiker, der die positiven Seiten von Partnerschaften sieht.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"nU9c0XViYk\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/asexualitaet-aromantik-katha-anni\/\">\u00abUns wird ein erf\u00fclltes Leben von Grund auf abgesprochen\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abUns wird ein erf\u00fclltes Leben von Grund auf abgesprochen\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/asexualitaet-aromantik-katha-anni\/embed\/#?secret=nU9c0XViYk\" data-secret=\"nU9c0XViYk\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Trotzdem \u2013 oder vielleicht gerade deshalb \u2013 will ich an dieser Stelle eine Lanze f\u00fcr das Singledasein brechen. Zum einen, weil es mich st\u00f6rt, wenn man Singles Egozentrismus und eine oberfl\u00e4chliche Lebensweise vorwirft. Selbst wenn jemand diese sogenannten \u00abBindungs\u00e4ngste\u00bb haben und lieber partnerlos sein sollte, dann ist das meiner Meinung nach v\u00f6llig in Ordnung. Das macht einen Menschen noch lange nicht zum selbsts\u00fcchtigen und asozialen Einzelg\u00e4nger. Es sollte als legitime Lebenseinstellung akzeptiert sein, wenn man sich nicht binden will. Punkt.<\/p>\n<p><strong>Beziehung: Alles besser?<\/strong><br \/>\nZum anderen geht es mir darum, ein kleines Zeichen gegen das omnipr\u00e4sente Zweisamkeitsideal zu setzen, von dem ich selbst zu lange bestimmt und gesteuert war. Tats\u00e4chlich f\u00fchlte ich mich wie ein einsamer Wolf, der ruhe- und rastlos durch die Gegend wetzt und in kalter Nacht einen blass-weissen Mond anheult. Ich war getrieben von diesem \u00abHunger\u00bb nach Liebe, wobei ich gar nie wirklich dar\u00fcber nachdachte, warum genau diese Beziehungssehnsucht in mir brannte. War es, weil ich in meinen Beziehungen gl\u00fccklicher war, als ich es jetzt bin? Nun, dem ist nicht so. Mein Leben war anders, aber nicht besser. Ich durfte in meinen Beziehungen viel Sch\u00f6nes erfahren. Tr\u00e4fe ich jemanden, mit dem ich dies wieder erleben kann, dann w\u00fcrde ich nicht die Flucht ergreifen. Doch der springende Punkt ist folgender: Es muss nicht sein. Ich bin in meinem Singledasein sehr viel gel\u00f6ster geworden, und das ist \u00e4usserst angenehm. Ich f\u00fchle mich nicht mehr wie besagter Wolf, sondern eher wie ein Pudel. Ein Pudel, der wohlig-warm am Kaminfeuer d\u00f6st und ab und zu nach draussen zottelt, um witternd die Schnauze in den Wind zu strecken. Vielleicht liegt ja ein interessanter Duft in der Luft. Der eines Labradors zum Beispiel, der in der N\u00e4he um die H\u00e4user zieht und den kennen zu lernen sich lohnen w\u00fcrde. Und wenn nicht? Ganz einfach: Dann tolle ich \u00fcber gr\u00fcne Wiesen, schn\u00fcffle an Blumen und jage einem roten Ball nach. Das macht auch Spass.<\/p>\n<blockquote><p>Nebst der Liebe gibt es noch sehr viele andere Aspekte menschlichen Lebens, die das irdische Dasein wertvoll und spannend machen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Weniger Schwarz-Weiss <\/strong><br \/>\nWas ich damit sagen will: Nebst der Liebe gibt es noch sehr viele andere Aspekte menschlichen Lebens, die das irdische Dasein wertvoll und spannend machen. Das ist sicher nicht die neuste und sensationstr\u00e4chtigste Information aller Zeiten. Aber durchaus ein Gedanke, den man sich mal wieder ins Bewusstsein rufen darf. Genauso wie den Gedanken, dass nirgends festgeschrieben steht, man m\u00fcsse entweder in einer \u00abklassischen Beziehung\u00bb oder ein \u00abklassischer Single\u00bb sein. Der Variationen und Spielarten zwischenmenschlicher Beziehungsgestaltung gibt es viele \u2013 eine Tatsache, von der gerade Homosexuelle immer wieder Gebrauch machen. Seien es offene oder polyamore Beziehungen, seien es der Kontakt zu Freunden \u00abmit gewissen Vorz\u00fcgen\u00bb oder das Leben als sogenannter \u00abMingle\u00bb \u2013 die menschlichen Bed\u00fcrfnisse nach Vertrautheit, Sex, Zuneigung und N\u00e4he k\u00f6nnen auf verschiedenste Arten gedeckt werden.<\/p>\n<p>Dementsprechend sollte man versuchen, sich in Bezug auf die Beziehungsthematik zu entspannen, sich von Erwartungshaltungen zu l\u00f6sen, und nicht st\u00e4ndig davon ausgehen, dass das Gras auf der anderen Seite gr\u00fcner ist. Als Single ist man weder dauertraurig, noch hat man immer nur Spass. Nat\u00fcrlich kommt der einsame, kalte Winterabend, an dem man sich einen Partner w\u00fcnscht. Oder der tr\u00fcbe \u00abSonntag danach\u00bb, wenn die Partyeuphorie verebbt ist, die Kopfschmerzen in den Schl\u00e4fen pochen und die \u00abEroberung\u00bb des Vorabends soeben die Wohnung verlassen hat. Doch in diesen Momenten sollte man nicht vergessen, dass eben auch in einer Beziehung nicht alles nur rosig ist. Das best\u00e4tigen unter anderem die Scheidungsstatistiken. Oder der oft geh\u00f6rte Satz, Beziehungen seien \u00abharte Arbeit\u00bb. Dass diese lohnenswert sein und die sch\u00f6nsten Fr\u00fcchte tragen kann, versteht sich von selbst. Doch kann es auch passieren, dass ein einziger Sturm die ganze Ernte zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>\u00abAllein\u00bb, nicht einsam<\/strong><br \/>\nAuf einen ganz zentralen Punkt sei hier noch hingewiesen: \u00abDie soziale Familie ist f\u00fcr Singles enorm wichtig, und immer wieder stelle ich fest, dass viele ihre Kontakte intensiv pflegen\u00bb, sagt Sylvia Locher von Pro Single Schweiz. Das sei auch richtig so, um ein vitales Beziehungsnetz m\u00fcsse man sich schon in jungen Jahren k\u00fcmmern. \u00abUnd man muss den Wert von Freundschaften erkennen und als bedeutenden Bestandteil des Lebens w\u00fcrdigen.\u00bb Von der Wichtigkeit dieser Beziehungspflege ist auch Single- und Paarberater Eric Hegmann \u00fcberzeugt, gerade auch f\u00fcr Homosexuelle. \u00abViele schwule M\u00e4nner bauen sich \u00fcber die Jahre eine Ersatzfamilie auf, die ihnen zur Seite steht \u2013 das tut gut.\u00bb So verf\u00fcgten viele Schwule \u00fcber ein grosses soziales Netz, das Austausch und N\u00e4he erm\u00f6gliche. Ein Netz, das f\u00fcr einen wichtigen Unterschied sorgen kann: Den Unterschied zwischen partnerlos und einsam sein.<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Etwas weniger Wolf, etwas mehr Pudel! Dann wird Singlesein einfach zu einer von vielen sch\u00f6nen Arten, zu leben. Nicht mehr und nicht weniger. Und was Helen angeht: Die etwas gar vielen plumpen Anmachspr\u00fcche in ihrem Posteingang sowie ein m\u00e4ssiges erstes Date haben ihre anf\u00e4ngliche Tinder-Euphorie bis auf Weiteres ged\u00e4mpft. Sie nimmt es gelassen \u2013 und hat sich zu mir vor den Kamin gesellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ewige Single, ein einsamer Wolf? Unser Redaktor \u2013 und Single \u2013 \u00fcber die gesellschaftliche Erwartung an das Liebesgl\u00fcck. Fazit: Pers\u00f6nliches Gl\u00fcck soll und darf nicht von einer Beziehung abh\u00e4ngig sein. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mehr-pudel-weniger-wolf\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":35984,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4397,4371],"tags":[5443,5486],"wps_subtitle":"Noch nie haben so viele M\u00e4nner und vor allem Frauen allein gelebt wie heute","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35983"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35983"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35983\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}