{"id":34605,"date":"2018-08-29T20:47:18","date_gmt":"2018-08-29T18:47:18","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2018\/08\/29\/die-suesse-rache-der-geschwister-pfister\/"},"modified":"2021-12-15T08:33:49","modified_gmt":"2021-12-15T07:33:49","slug":"die-suesse-rache-der-geschwister-pfister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/die-suesse-rache-der-geschwister-pfister\/","title":{"rendered":"\u00abOffene Beziehungen gab es doch schon immer!\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Seit ihrer Urauff\u00fchrung 1874 in Wien wurde \u00abDie Fledermaus\u00bb millionenfach aufgef\u00fchrt, aber noch nie spielte ein schwules Paar die Hauptrollen des Gabriel von Eisenstein und seiner Gattin Rosalinde. Die Neuproduktion am Casinotheater in Winterthur ist ein klarer Fall f\u00fcr Christoph Marti und Tobias Bonn von den Geschwistern Pfister.<\/h3>\n<p>Seit einigen Jahren erobern die Pfisters, die ihre Fans bisher vor allem mit eigenen Programm wie \u00abHave a ball\u00bb und \u00abServus Peter \u2013 O l\u00e0 l\u00e0 Mireille\u00bb begeistern, auch die deutschsprachigen Operettenb\u00fchnen. Nach der \u00abCz\u00e1rd\u00e1sf\u00fcrstin\u00bb in K\u00f6ln, in der Christoph die Titelrolle sang und \u00abClivia\u00bb, die alle drei Pfisters an der Komischen Oper Berlin vereinten, kommt jetzt die Fledermaus in Winterthur.<\/p>\n<p>Die Handlung der Operette von Johann Strauss basiert auf der Vorgeschichte: Herr von Eisenstein setzte einst den Notar Dr. Falke nach einer rauschenden Ballnacht betrunken und als Fledermaus verkleidet aus, sodass er am n\u00e4chsten Tag verkatert und kost\u00fcmiert durch die Stadt laufen musste. Das war f\u00fcr den Notar, der seither \u00abDr. Fledermaus\u00bb genannt wird, reichlich peinlich. Er schwor \u00fcber Jahre Rache. Wie er die schliesslich einf\u00e4delt, das erz\u00e4hlt die Operette, die eigentlich den Titel \u00abDie Rache einer Fledermaus\u00bb tr\u00e4gt, aber immer nur als \u00abDie Fledermaus\u00bb auf den Spielpl\u00e4nen steht. Im Casinotheater in Wintherhur allerdings spielt man die Operette unter dem Titel \u00abDie Rache der Fledermaus\u00bb, die man als liebenswerte Abrechnung mit Johann Strauss verstanden wissen will, wie es in der Ank\u00fcndigung heisst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33913\" aria-describedby=\"caption-attachment-33913\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-33913 size-large\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 425 282'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/DSC_0197-425x282.jpg\" alt=\"Geschwister Pfister\" width=\"425\" height=\"282\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-33913\" class=\"wp-caption-text\">Christoph und Tobias von den Geschwistern Pfister, in der Mitte: Stefan Kurt\u00a0bei den Fledermaus-Proben (Foto: Promo)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Denn man entfernt sich in einigen wesentlichen Aspekten von der Vorlage. Einerseits ist die Version, die man im Hochsommer in Berlin probte und die nun im Casinotheater auf die B\u00fchne kommt, gek\u00fcrzt auf etwa zwei Stunden. \u00abSo lange dauert auch ein sch\u00f6ner Champagnerschwips, dann f\u00e4ngt der Kater an\u00bb, erkl\u00e4rt Stefan Kurt. Der zweifache Grimme-Preistr\u00e4ger, der auch schon mit den Pfisters in der Berliner \u00abClivia\u00bb-Produktion auf der B\u00fchne stand, spielt hier unter anderem den Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter Frosch.<\/p>\n<p>Die Operette verzichtet in der Inszenierung auch auf Geigen, daf\u00fcr sind Bass, Gitarre und schr\u00e4ge Rhythmen zu h\u00f6ren. Weitere Besonderheit: Regisseur Stefan Huber, der auch schon Klassiker wie \u00abLa Cage aux Folles\u00bb oder \u00abEvita\u00bb inszenierte, verortet jede Figur der \u00abFledermaus\u00bb in einer anderen Epoche, die Eisensteins stehen f\u00fcr die Bel Epoque, w\u00e4hrend ihr Stubenm\u00e4dchen Adele in den 50er Jahren angesiedelt ist und Rosalindes Ex-Lover wiederum als Hippie daherkommt.<\/p>\n<p><strong>Christoph Marti als Rosalinde Eisenstein<\/strong><br \/>\nDie auff\u00e4lligste Unterschied zu herk\u00f6mmlichen Flederm\u00e4usen ist nat\u00fcrlich, dass Christoph Marti hier die Rolle der Rosalinde Eisenstein \u00fcbernimmt. Er und sein Mann Tobias Bonn geben ein eingespieltes Ehepaar, das f\u00fcr ein bisschen Abwechslung in der Beziehung durchaus offen ist. Er l\u00e4sst sich gern zum Souper bei Prinz Orlofsky entf\u00fchren, um dort auf Teufel kommt raus zu flirten \u2013 w\u00e4hrend er offiziell wegen Beamtenbeleidigung ins Gef\u00e4ngnis geht \u2013 und sie ist gar nicht b\u00f6se, dass ihr Gatte aus dem Haus ist, erwartet sie doch Alfred, ihre Jugendliebe.<\/p>\n<p>Der Seitensprung ist ein g\u00e4ngiges Operettenmotiv. Man ist in festen H\u00e4nden, flirtet aber gerne, ist vielleicht auch offen f\u00fcr mehr. Wobei wir hier selbstverst\u00e4ndlich von heterosexuellen Figuren sprechen. Da soll noch mal jemand sagen, die Schwulen h\u00e4tten die offene Beziehung erfunden.<\/p>\n<blockquote><p>Das Thema Fremdgehen gibt es schon immer<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abAch, die gab es doch schon immer\u00bb, sagt Tobias. Und Christoph stimmt ihm zu. \u00abDa bin ich auch wirklich froh, da haben wir es kulturhistorisch als Schwule einfacher.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDas Thema Fremdgehen gibt es schon immer, auch in der Theaterliteratur\u00bb, erkl\u00e4rt Tobias. \u00abMan ist verheiratet, hat was man immer wollte, aber es bleiben Sehns\u00fcchte. Solche Konflikte kennen die Leute, darum funktioniert es beim Publikum auch so gut.\u00bb<\/p>\n<p>Die Produktion in Winterthur ist f\u00fcr beide die erste Fledermaus, und sie freuen auch sehr darauf. Nicht nur weil sie die Musik lieben, sondern auch weil sie den Plan zu dieser Produktion selber ausgeheckt haben, gemeinsam mit den beiden Stefans und Max Gertsch, einem Gr\u00fcndungsmitglied der Pfisters.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33922\" aria-describedby=\"caption-attachment-33922\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-33922 size-large\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 425 365'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Stefan-Kurt-e1535567772525-425x365.jpg\" alt=\"Geschwister Pfister\" width=\"425\" height=\"365\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-33922\" class=\"wp-caption-text\">Stefan Kurt (Foto: Promo)<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00abEine Produktion unter alten Freunden\u00bb, erkl\u00e4rt Stefan Kurt, der mit Stefan Huber zusammen auf dem Konservatorium f\u00fcr Musik und Theater Bern war, auf die auch Christoph und Tobias gingen, nur ein paar wenige Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>Die n\u00e4chsten Produktionen sind schon einget\u00fctet<\/strong><br \/>\nNach der Fledermaus sind auch die n\u00e4chsten Produktionen f\u00fcr die Pfisters schon einget\u00fctet: In N\u00fcrnberg l\u00e4uft ab Februar \u00abBall im Savoy\u00bb und im Mai folgt \u00abRoxy und ihr Wunderteam\u00bb, ebenfalls von Paul Abraham, eine Fussball-Operette, die die Komische Oper Berlin mit den Pfisters auf die B\u00fchne bringt. Dass da kaum noch Zeit f\u00fcr die eigenen Pfisters-Produktionen bleibt, hat Vor- und Nachteile.<\/p>\n<p>\u00abWir haben uns das alles ausgesucht, jedes einzelne Projekt ist grossartig\u00bb, sagt Tobias. \u00abDaf\u00fcr mussten wir unser n\u00e4chstes eigenes Projekt schon dreimal verschieben. Das findet jetzt aber 2019 statt.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Seit 33 Jahren ein Paar<\/strong><br \/>\nChristoph findet es mal ganz angenehm, Engagements wie in Winterthur anzunehmen. \u00abDa m\u00fcssen wir uns um nichts k\u00fcmmern, nur den Text k\u00f6nnen und rechtzeitig auf der Probe sein.\u00bb Bei den eigenen Produktionen kommen sie manchmal an ihre Grenzen, denn man hat nie Feierabend, weil man von A bis Z f\u00fcr alles Verantwortung tr\u00e4gt. Da k\u00f6nnen sich die beiden, die seit 33 Jahren ein Paar sind und auch fast so lange zusammen auf der B\u00fchne stehen, schon mal in die Haare kriegen. Aber sie arbeiten nach wie vor gerne zusammen, sagen sie. Und wenn man sieht, wie sie in der Probenpause miteinander turteln, hat man daran auch \u00fcberhaupt keinen Zweifel.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, den 30. August hebt ihre Fledermaus in Winterthur ab. Dass 24 Kilometer weiter, in Z\u00fcrich, dieselbe Strauss-Operette gegeben wird \u2013 geschenkt! Diese Produktion zu toppen, so h\u00f6rt man, d\u00fcrfte nicht allzu schwerfallen. Nicht umsonst spielt man im Casinotheater \u00abDie Rache der Fledermaus\u00bb. Das ist eine Ansage.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.casinotheater.ch\/theater\/spielplan\/die-rache-der-fledermaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Info: https:\/\/www.casinotheater.ch\/theater\/spielplan\/die-rache-der-fledermaus<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ihrer Urauff\u00fchrung 1874 in Wien wurde \u00abDie Fledermaus\u00bb millionenfach aufgef\u00fchrt, aber noch nie spielte ein schwules Paar die Hauptrollen des Gabriel von Eisenstein und seiner Gattin Rosalinde. Die Neuproduktion am Casinotheater in Winterthur ist ein klarer Fall f\u00fcr Christoph Marti und Tobias Bonn von den Geschwistern Pfister. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/die-suesse-rache-der-geschwister-pfister\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":34606,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[83],"tags":[128,2914,5486,5523],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34605"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34605"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126219,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34605\/revisions\/126219"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}