{"id":33799,"date":"2017-07-12T13:42:39","date_gmt":"2017-07-12T11:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/07\/12\/pink-cross-es-ist-nicht-moeglich-alle-gluecklich-zu-machen\/"},"modified":"2022-05-13T15:12:31","modified_gmt":"2022-05-13T13:12:31","slug":"pink-cross-es-ist-nicht-moeglich-alle-gluecklich-zu-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/pink-cross-es-ist-nicht-moeglich-alle-gluecklich-zu-machen\/","title":{"rendered":"\u00abEs ist nicht m\u00f6glich, alle gl\u00fccklich zu machen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Bastian Baumann tritt als Gesch\u00e4ftsleiter von Pink Cross zur\u00fcck. In seiner dreij\u00e4hrigen Amtszeit hat der Berner frischen Wind in den Schweizer Dachverband der Schwulen gebracht und unter anderem auch eine Helpline zur Bek\u00e4mpfung von Hassdelikten realisiert. Mit seiner zielgerichteten Art hat Baumann aber auch polarisiert.<\/h3>\n<p><strong>Bastian, du hast dich entschieden, Pink Cross zu verlassen. Weshalb?<\/strong><br \/>\nMehrere Gr\u00fcnde haben zu diesem Entschluss gef\u00fchrt. Gesch\u00e4ftsleiter von Pink Cross zu sein ist anspruchsvoll und einnehmend. Man hat wenig Freizeit und macht nur solange einen guten Job, wie man pers\u00f6nlich und organisatorisch einen Fortschritt sieht. Ich bin seit dreieinhalb Jahren Gesch\u00e4ftsleiter von Pink Cross. Es ist Zeit f\u00fcr einen neuen Schritt. Ich m\u00f6chte gehen, solange die Menschen meinen Weggang bedauern.<\/p>\n<p><strong>Seit wenigen Monaten teilst du die Arbeit mit Yannick Schneeberger, deinem Co-Gesch\u00e4ftsleiter, der f\u00fcr die Romandie und die Administration zust\u00e4ndig ist. War dies ein weiterer Grund f\u00fcr deinen R\u00fccktritt?<\/strong><br \/>\nEs ist nicht zielf\u00fchrend, zwei Personen auf derselben Hierarchiestufe in einem so kleinen Team mit einem so aktiven Tagesgesch\u00e4ft zu besch\u00e4ftigen. Das war jedoch nicht der Grund f\u00fcr meinen Weggang. Ich bin \u00fcberzeugt, dass die derzeitigen Herausforderungen mit einer Co-Gesch\u00e4ftsleitung durchaus gemeistert werden k\u00f6nnen, allerdings nicht so effizient wie mit einer Einzelperson. (Anm. d. Red.: Die Stelle f\u00fcr Bastians Nachfolge wurde wieder als alleiniger Gesch\u00e4ftsleiter ausgeschrieben, sein Nachfolger <a href=\"http:\/\/www.pinkcross.ch\/news\/2017\/personalwechsel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ren\u00e9 Schegg tritt als alleiniger Gesch\u00e4ftsleiter<\/a> auf.)<\/p>\n<blockquote><p>Die Ehe\u00f6ffnung sehe ich nicht im n\u00e4chsten Jahr, eher 2019 oder 2020.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Ist die Romandie keine Priorit\u00e4t mehr?<\/strong><br \/>\nDoch. Pink Cross muss die Zeit und die M\u00f6glichkeit schaffen, die Romandie zu st\u00e4rken. Das ist von zentraler Bedeutung f\u00fcr Pink Cross als nationaler Dachverband.<\/p>\n<p><strong>Seit Jahren bem\u00fcht sich Pink Cross um die Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare. Die Bef\u00fcrwortung innerhalb der Schweizer Bev\u00f6lkerung ist hoch. Eine \u00d6ffnung ist absehbar. Wolltest du diesen Sieg nicht noch f\u00fcr dich verbuchen?<\/strong><br \/>\nDas w\u00e4re nat\u00fcrlich sch\u00f6n gewesen. Wie so h\u00e4ufig dauern Gesch\u00e4fte im Schweizer Parlament l\u00e4nger, als urspr\u00fcnglich anvisiert. Diese Langsamkeit ist allerdings auch von Vorteil. Jedes halbe Jahr Verz\u00f6gerung gibt uns die M\u00f6glichkeit, unsere Anliegen zu kommunizieren. Die Bev\u00f6lkerung hat Zeit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und die Gesellschaft \u00f6ffnet sich zunehmend.<br \/>\nDie Ehe\u00f6ffnung sehe ich deshalb nicht im n\u00e4chsten Jahr, eher 2019 oder 2020. Das w\u00e4re mir zu lang gewesen. Das will aber nicht heissen, dass ich mich nicht weiterhin daf\u00fcr einsetzen will. Im Gegenteil.<\/p>\n<p><strong>Die Frist der parlamentarischen Initiative zur \u00d6ffnung der Ehe von Nationalr\u00e4tin Kathrin Bertschy wurde gerade um zwei Jahre verl\u00e4ngert.<\/strong><br \/>\nDie Bertschy-Initiative ist sehr offen formuliert. Der Bund wird nochmals damit beauftragt, die rechtlichen Auswirkungen einer \u00abEhe f\u00fcr alle\u00bb zu \u00fcberpr\u00fcfen, denn es gibt keinen Grund, mit der Ehe nicht auch gleich den Zugang zum Adoptionsverfahren f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare zu erm\u00f6glichen. Gegner_innen m\u00fcssten beweisen, dass LGBT-Menschen schlechte Eltern sind, was nicht m\u00f6glich sein wird.<\/p>\n<p><strong>Kommt ein grosser Abstimmungskampf auf uns zu?<\/strong><br \/>\nMit der Bertschy-Initiative befinden wir uns an einem Wendepunkt \u2013 die Rechtskommission bespricht die Art der Umsetzung. Soll die Ehe\u00f6ffnung auf Gesetzesebene oder mit einer Verfassungs\u00e4nderung angestrebt werden? Letzteres w\u00fcrde einen l\u00e4ngeren und steinigeren Weg bedeuten, da eine Verfassungs\u00e4nderung eine Annahme durch das Volk mit St\u00e4ndemehr voraussetzt. Eine Verfassungs\u00e4nderung ist noch nicht ganz vom Tisch, es sieht allerdings gut aus, dass die Debatte auf Gesetzesebene weitergef\u00fchrt wird. In diesem Fall kann jeder das Referendum ergreifen und eine Volksabstimmung erzwingen, allerdings ist dann das St\u00e4ndemehr nicht erforderlich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19121\" aria-describedby=\"caption-attachment-19121\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/bastian-baumann-pink-cross.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-19121\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 578'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/bastian-baumann-pink-cross.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"578\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19121\" class=\"wp-caption-text\">Das Hate-Crime-Projekt lag Bastian Baumann besonders am Herzen.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Du hast erw\u00e4hnt, dass du dich weiterhin f\u00fcr LGBT-Rechte einsetzen willst. Was hast du als n\u00e4chstes vor?<\/strong><br \/>\nIch will mich im PR- und Kommunikationsbereich und im Lobbying selbstst\u00e4ndig machen. Allerdings brauche ich zuerst eine kreative Auszeit <em>(lacht)<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Als Gesch\u00e4ftsleiter hast du den Auftritt von Pink Cross aufgefrischt, junge Mitglieder gewonnen und die M\u00f6glichkeiten von Social Media ausgenutzt. Kurz: Du hast Pink Cross an allen Fronten gest\u00e4rkt. Worauf bist du am meisten stolz?<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend meiner Amtszeit haben wir immer einen finanziellen Gewinn gemacht, einen relativ hohen sogar f\u00fcr eine Non-Profit-Organisation. Organisatorisch gesehen konnten wir das \u00dcberleben von Pink Cross damit sichern und auch eine neue Stelle schaffen. Wir sind pro Jahr um mehrere hundert Mitglieder gewachsen und haben auf Social Media und in den klassischen Medien eine sehr hohe Reichweite erreicht.<\/p>\n<p>Politisch haben wir all unsere Anliegen weitergebracht \u2013 mit der Ausnahme vom\u00a0 \u00abAktionsplan zum Schutz vor Diskriminierung\u00bb, der leider abgest\u00fcrzt ist, dem Bundesrat aber immerhin Versprechen abgerungen hat. Besonders am Herzen liegt mir das Hate Crime Projekt \u2013 daf\u00fcr engagiere ich mich seit dem ersten Tag. Stolz bin ich auch auf den Sieg bei der CVP-Initiative, der mir gezeigt hat, wie es ist, im Abstimmungskampf aktiv zu sein. Man gibt alles, arbeitet von morgens bis abends und hat mit verschiedenen Playern zu tun. Meine Grossmama lag kurz vor dem Abstimmungssonntag im Sterben. Ich hatte durch die ganze Arbeit viel zu wenig Zeit f\u00fcr sie. Und trotzdem weiss ich, dass sie \u00fcber unseren Erfolg stolz gewesen w\u00e4re. Sie war eine grossartige Unterst\u00fctzerin. Und trotz einiger Kritik von unterschiedlichen Seiten kam im Arbeitsalltag auch viel Zuspruch. Man sagte mir: \u00abIch f\u00fchle mich durch dich repr\u00e4sentiert.\u00bb Das war sehr sch\u00f6n.<\/p>\n<p><strong>Ist dir etwas nicht gelungen?<\/strong><br \/>\nDer Miteinbezug der Romandie. Diesen messen wir anhand der Zufriedenheit unserer franz\u00f6sischsprechenden Mitglieder und der Anzahl der Events und Projekte, an denen wir beteiligt sind. Ich habe den R\u00f6stigraben untersch\u00e4tzt. Die Mentalit\u00e4t ist anders, auch die Art und Weise, wie Projekte organisiert und durchgef\u00fchrt werden. Das ist sehr herausfordernd. Die Zeit, die man daf\u00fcr investieren muss, hatte ich schlichtweg nicht, und das bedaure ich. Dem Anspruch, die Romandie und das Tessin miteinzubeziehen, m\u00fcssen wir k\u00fcnftig viel mehr gerecht werden.<\/p>\n<p><strong>Hast du deine Erwartungen an dich selber erf\u00fcllen k\u00f6nnen?<\/strong><br \/>\nMeine Erwartungen waren sicherlich nicht realistisch. Ich habe viel gelernt und soviel gegeben, wie ich konnte. Die Launen der Community sind unterschiedlich und jeden Tag f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut. Oft habe ich mich gefragt: \u00abWarum sind alle so w\u00fctend?\u00bb<br \/>\nIch bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Obwohl ich den demokratischen Prozess sch\u00e4tze, sind mir viele Projekte zu langsam vorangegangen. Viel Zeit und Energie sind f\u00fcr community-interne Besprechungen statt f\u00fcr andere, ebenfalls wichtige Aspekte aufgewendet worden. Oft haben wir vor dem ersten Schritt abgebrochen, weil uns der Mut fehlte oder wir den gemeinsamen Nenner nicht fanden. Ideen wurden totgeredet. Das hat mich frustriert. Ich sch\u00e4tze Ecken und Kanten, sowohl bei Menschen als auch bei Projekten. Sie machen diese erst spannend, sonst g\u00e4be es nichts zu besprechen. Mir ist aufgefallen, dass man sich in der LGBT-Community manchmal vor Kanten f\u00fcrchtet.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abIch habe durchaus zur Kenntnis genommen, dass wir in den Augen anderer Organisationen teilweise zu dominant kommuniziert haben.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Andere LGBT-Organisationen werfen dir Aufmerksamkeitshascherei vor. Oft h\u00e4ttest du im Alleingang gehandelt, ohne R\u00fccksprachen zu nehmen.<\/strong><br \/>\nDieser Vorwurf kam tats\u00e4chlich. Es braucht eine F\u00fchrungskraft, um Projekte zum Fliegen zu bringen. Ich habe gelernt, dass es nicht m\u00f6glich ist, alle gl\u00fccklich zu machen. Das verwischt die Idee und das Ziel des Projekts. Ich habe Unzufriedene in Kauf genommen, wenn ich daf\u00fcr eine Mehrheit gl\u00fccklich stellen konnte. Irgendjemand f\u00fchlte sich immer betupft.<\/p>\n<p>Schlussendlich haben mir der Vorstand und die Mitglieder einen klaren Auftrag erteilt: Wachstum, Medienpr\u00e4senz und eine klare Positionierung von Pink Cross. H\u00e4tte man mir gesagt, dass wir nur anderen zu dienen haben ohne jeglichen Selbstzweck, w\u00e4re meine Strategie eine andere gewesen.<\/p>\n<p><strong>Tritt Pink Cross zu dominant auf?<\/strong><br \/>\nIch habe durchaus zur Kenntnis genommen, dass wir in den Augen anderer Organisationen teilweise zu dominant kommuniziert haben. Es kann aber nicht sein, dass wir uns zur\u00fccknehmen m\u00fcssen, weil andere Aufholbedarf haben. Wir nehmen niemandem den Platz weg. Ich w\u00e4re ein schlechter Gesch\u00e4ftsleiter, wenn ich unseren Dachverband bremsen w\u00fcrde. Wir wollen niemandem in der Sonne stehen, m\u00fcssen aber auch vorw\u00e4rts machen.<\/p>\n<p><strong>Letztes Jahr warf die Lesbenorganisation LOS den Medien in einer Medien\u00admitteilung vor, nur schwule M\u00e4nner zu thematisieren und Lesben aussen vor zu lassen. Ein Seitenhieb gegen Pink Cross?<\/strong><br \/>\nMeiner Meinung nach war das eine missgl\u00fcckte Medienstrategie. Ich glaube der LOS, dass sie lediglich die Medien kritisieren wollte. Aber Medienkritik bringt nichts. Man holt sie ins Boot, indem man mit ihnen zusammenarbeitet, ihnen Geschichten liefert, sie als Partnerinnen versteht und nicht damit, sie \u00f6ffentlich zu kritisieren oder erziehen zu wollen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist die Geschichte im Blick, der mir mit der Schlagzeile <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/news\/politik\/krach-innerhalb-der-schweizer-lgtbi-community-lesben-sauer-auf-schwule-id5280947.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abLesben sauer auf Schwule\u00bb<\/a> einen Schlag ins Gesicht versetzen wollte. Das habe ich kommen sehen. Nachdem mich der Journalist angerufen hatte, bat ich die LOS, die Geschichte fallenzulassen. Das tat sie nicht. Die Medien drehten den Spiess um und die LOS dementierte nicht stark genug. So wurde die Geschichte aufgebauscht und die Community zeigte sich entsetzt. Ich bin \u00fcberzeugt, dass dies nicht die Absicht der LOS war. Ihr ging es lediglich darum, diese Medienkritik auszusprechen.<\/p>\n<p><strong>Sind Lesben gegen\u00fcber Schwulen medial benachteiligt?<\/strong><br \/>\nJa, das glaube ich. Einerseits sind Frauen in vielen Angelegenheiten benachteiligt \u2013 Lesben sogar doppelt. Andererseits ecken sie in der Gesellschaft weniger an, sie l\u00f6sen weniger Aggressionen aus als zwei M\u00e4nner. H\u00e4ufig schl\u00fcpfen sie unter dem Radar durch. Wenn man Gesetze gegen Homosexuelle betrachtet, dann ist es nicht selten der Fall, dass sexuelle Handlungen zwischen M\u00e4nnern verboten sind, nicht aber zwischen Frauen. Das ist zwar positiv, hat aber auch zur Folge, dass Lesben durchaus weniger wahrgenommen wurden und werden.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abIn der Politik braucht man Geduld, viel Geduld, und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wie macht man sich sichtbarer?<\/strong><br \/>\nLesbische Frauen alleine sind der Schl\u00fcssel f\u00fcr das Problem. Man soll nicht dar\u00fcber reden, wie schade es ist, dass man nicht sichtbar ist oder andere zu dominant sind. Eine h\u00f6here Sichtbarkeit wird erreicht, indem man Rollenbilder vermittelt und Geschichten liefert. Das kann ihnen niemand abnehmen.<\/p>\n<p><strong>Was hast du in den letzten drei Jahren \u00fcber die Politik und die LGBT-Szene in der Schweiz gelernt?<\/strong><br \/>\nIn der Politik braucht man Geduld, viel Geduld, und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Tritt man zu stark auf, l\u00f6st man Widerstand aus. Politiker_innen lassen sich nicht gerne unter Druck setzen. Du musst ihnen deine Idee so vermitteln, dass sie sie als ihre eigene empfinden. Diese Arbeit ist spannend und sehr taktisch, setzt allerdings viel Zeit und Diskussionsbereitschaft voraus.<br \/>\nWas die LGBT-Szene angeht, so l\u00e4uft man Gefahr, sich als homogene Masse zu verstehen. Nur weil wir schwul, lesbisch, bisexuell oder trans sind, heisst das noch lange nicht, dass wir alle gleich sind. Unterschiedlichste Personen, Meinungen und Werte treffen aufeinander. Unsere abweichende sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t als alleinige Gemeinsamkeit ist zur Nebens\u00e4chlichkeit geworden. Ein Umdenken ist gefragt. Es gibt nicht die schwule Person oder die typische Transperson. Diese Vielf\u00e4ltigkeit m\u00fcssen wir erkennen.<\/p>\n<p><strong>In der Schweiz ziehen vier LGBT-Dachverb\u00e4nde am selben Strick und sprechen \u00e4hnliche Forderungen aus. W\u00fcrden wir nicht viel Zeit, Geld und M\u00fche sparen, wenn wir, \u00e4hnlich wie andere L\u00e4nder, eine einzige LGBT-Dachorganisation gr\u00fcndeten?<\/strong><br \/>\nDiese Frage ist f\u00fcr die kommenden Jahre begraben, sp\u00e4testens seit letztem Jahr, als sich die F\u00fchrungskr\u00e4fte der Dachverb\u00e4nde an einem runden Tisch dagegen aussprachen. Wenn, dann m\u00fcssen die Mitglieder der einzelnen Organisationen diese Idee an der GV thematisieren.<br \/>\nIch finde ja, wir w\u00fcrden bei einem Zusammenschluss Ressourcen b\u00fcndeln und sparen. Die ohnehin schon wenigen Spendengelder teilt man sich unter den NGOs auf, unter den LGBT-Organisationen ist dieser Kuchen noch kleiner. Ein einziger Dachverband w\u00fcrde allerdings nicht alle Probleme l\u00f6sen, auch dasjenige der vorhin angesprochenen Vielfalt nicht. Ein Zusammenschluss w\u00e4re allerdings ein Mittel, um den Konkurrenzdruck auszuschalten und den Futterneid zu mindern. Beide sind in meinen Augen sch\u00e4dlich und helfen niemandem weiter.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Herausforderungen der n\u00e4chsten Jahre?<\/strong><br \/>\nPolitisch m\u00fcssen wir dranbleiben. Ich sehe Pink Cross als alten und gn\u00e4digen Dampfer, der langsam vor sich hin tuckert und seine Ziele nicht aus den Augen verlieren darf. Was machen wir eigentlich? Was bringt unsere Arbeit konkret? In welche Projekte wollen wir Geld investieren? Die junge Generation denkt offener und h\u00e4lt nicht viel von Boxen und Labels. Man darf den Zeitpunkt nicht verpassen, sich anzupassen.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00f6chtest du der Community mit auf den Weg geben?<\/strong><br \/>\nSie soll vom Smartphone aufschauen und beobachten, was draussen in der Realit\u00e4t l\u00e4uft. Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, uns gegenseitig zu kritisieren. Stattdessen sollten wir uns gegenseitig sch\u00e4tzen, unterst\u00fctzen und schauen, wo wir gemeinsam den Weg freimachen k\u00f6nnen f\u00fcr eine vorurteilsfreie und gleichberechtigte Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bastian Baumann tritt als Gesch\u00e4ftsleiter von Pink Cross zur\u00fcck. In seiner dreij\u00e4hrigen Amtszeit hat der Berner frischen Wind in den Schweizer Dachverband der Schwulen gebracht und unter anderem auch eine Helpline zur Bek\u00e4mpfung von Hassdelikten realisiert. 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