{"id":33733,"date":"2017-06-23T08:13:07","date_gmt":"2017-06-23T06:13:07","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/2017\/06\/23\/bottom-shaming-wenn-passive-schwule-beleidigt-werden\/"},"modified":"2020-07-22T09:36:52","modified_gmt":"2020-07-22T07:36:52","slug":"bottom-shaming-wenn-passive-schwule-beleidigt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/bottom-shaming-wenn-passive-schwule-beleidigt-werden\/","title":{"rendered":"\u00abBottom Shaming\u00bb \u2013 wenn \u00abpassive\u00bb Schwule beleidigt werden"},"content":{"rendered":"<h3>Verweiblicht, schwach, zu tuntig. Immer wieder werden homo\u00adsexuelle M\u00e4nner von anderen Schwulen diskriminiert, weil gewisse Rollenbilder aus der heterosexuellen Welt unreflektiert \u00fcbernommen werden. Das muss und darf nicht sein.<\/h3>\n<p>Ein m\u00e4nnlicher Fussballfan, der kein Bier trinkt und sich vegan ern\u00e4hrt. Eine filigrane Ballerina, die auf Heavy Metall steht und das ABC r\u00fclpst. Ein weibliches Topmodel, das zuhause Holz hackt und Traktor f\u00e4hrt. Klingt alles irgendwie seltsam und passt nicht so richtig? Klar, diese Beschreibungen spielen mit Klischees. Sie sollen aber etwas aufzeigen: Mit vielen Rollen, die Menschen im Alltag einnehmen \u2013 sei es diejenige des Fussballfans oder der Ballerina, sei es diejenige einer Mutter oder eines Vaters \u2013 sind gewisse Erwartungshaltungen verkn\u00fcpft. Dieses Rollendenken hilft uns, den Alltag zu strukturieren und zu vereinfachen. Wir k\u00f6nnen absch\u00e4tzen, wie sich unser Gegen\u00fcber verhalten wird. Dementsprechend sorgt oftmals f\u00fcr Erstaunen oder Verwirrung, wer anders ist und handelt als angenommen.<\/p>\n<p><b>Mann und Mann als Mann und \u00abFrau\u00bb?!<\/b><br \/>\nBesonders bedeutsam \u2013 und seit Jahren \u00f6ffentliches Diskussionsthema \u2013 sind Fragen rund um weibliche und m\u00e4nnliche Rollenbilder: Was macht Frauen aus? Wann ist ein Mann ein Mann? Und wie soll das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau ausgestaltet werden? Die Definition der weiblichen und m\u00e4nnlichen Geschlechterrollen ist eine Typisierung, die auch Homosexuelle betrifft. So gibt es kaum einen Schwulen, der noch nie mit folgender Frage konfrontiert war: \u00abWer von euch beiden ist im Bett eigentlich die Frau?\u00bb Die logische Antwort ist nat\u00fcrlich: Keiner ist \u00abdie Frau\u00bb! Wir sind beide M\u00e4nner! Schliesslich ist dies der entscheidende Punkt schwuler Beziehungen. Und das ist ja eigentlich auch allen klar.<\/p>\n<p><b>Heterosexuelle Normen, so weit das Auge reicht<\/b><br \/>\nWarum also die h\u00e4ufige Frage, wer beim Sex die \u00abaktive\u00bb und wer die \u00abpassive\u00bb Rolle \u00fcbernimmt? F\u00fcr heterosexuelle Menschen werde es auf diese Art und Weise einfacher, den Sex zwischen zwei M\u00e4nnern nachzuvollziehen, schreibt Journalist Madison Moore auf thoughtcatalog.com. Das heisst nichts anderes, als dass Heteros schwulen Geschlechtsverkehr ihrem eigenen Rollenverst\u00e4ndnis entsprechend interpretieren.<\/p>\n<p>Grund daf\u00fcr ist nicht zuletzt der sogenannte Heterosexismus. Darunter ist ein gesellschaftlich tief verankertes Denk- und Verhaltenssystem zu verstehen, das Heterosexualit\u00e4t als die \u00fcberlegene sexuelle Orientierung einordnet. \u00abIn unserer Kultur ist Heterosexismus meist omnipr\u00e4sent\u00bb, sagt der Z\u00fcrcher Psychotherapeut und Buchautor Tim Wiesendanger. Dabei w\u00fcrden gesellschaftliche Umgangsformen vorgegeben, denen sich kaum jemand entziehen k\u00f6nne. \u00abMenschen aller sexuellen Orientierungen verinnerlichen heterosexistische Wertvorstellungen\u00bb, sagt Wiesendanger.<\/p>\n<p><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload alignnone size-full wp-image-18504\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 500 750'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bottom-Shaming_2.jpg\" alt=\"Bottom Shaming\" width=\"500\" height=\"750\" \/><\/p>\n<p><b>Der \u00abHeld\u00bb und die \u00abHure\u00bb<\/b><br \/>\nDas Problem dabei ist, dass in diesen Umgangsformen und Wertvorstellungen noch immer althergebrachte und sexistische Rollenbilder mitschwingen. \u00abM\u00e4nner gelten als dominant und sexuell aggressiv\u00bb, sagt der amerikanische <a href=\"http:\/\/www.matthewjdempsey.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Psychotherapeut Matthew Dempsey<\/a>. \u00abSie erscheinen dadurch als stark, m\u00e4chtig und somit wertvoller.\u00bb Frauen hingegen w\u00fcrden nach wie vor als feminin, verletzlich, unterw\u00fcrfig und sexuell passiv betrachtet \u2013 und somit auch als schw\u00e4cher und weniger wertvoll. Stereotype wie diese f\u00fchren denn auch dazu, dass gleiches Verhalten von Frau und Mann oft ganz unterschiedlich interpretiert wird. Dieses Ph\u00e4nomen beschreibt Autorin Monika Preuk auf FOCUS Online mit dem klassischen Beispiel: \u00abEin sexuell aktiver Mann ist ein \u2039Draufg\u00e4nger\u203a, die ebenso aktive Frau eine \u2039Schlampe\u203a.\u00bb<\/p>\n<p><b>Die Macht des Schubladendenkens<\/b><br \/>\nAuch unter Schwulen ist die Frage nach der aktiven oder passiven Rolle im Bett immer wieder Thema. Sei es, wenn man sich mit Freunden \u00fcber n\u00e4chtliche Errungenschaften und sexuelle Abenteuer unterh\u00e4lt, sei es im Club oder in der Bar, wenn man andere M\u00e4nner ansieht und ihnen oft aufgrund ihrer blossen Erscheinung automatisch die eine oder andere Rolle zuschreibt. Grossen, kr\u00e4ftigen Kerlen unterstellen wir meist den Part des Aktiven, bei zierlichen Twinks hingegen geht man von devoten Passiven aus. Und da sind sie: Die Vorurteile, die in unseren K\u00f6pfen eine Party feiern und sich ungehemmt austoben.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"8T4fqlv79O\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/06\/30\/rassismus-ich-liebe-die-community-aber-wir-sind-nicht-fehlerfrei\/\">\u00abIch liebe die Community, aber wir sind nicht fehlerfrei\u00bb<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;\u00abIch liebe die Community, aber wir sind nicht fehlerfrei\u00bb&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/06\/30\/rassismus-ich-liebe-die-community-aber-wir-sind-nicht-fehlerfrei\/embed\/#?secret=8T4fqlv79O\" data-secret=\"8T4fqlv79O\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><b>Klare Verh\u00e4ltnisse?<\/b><br \/>\nVon einem pragmatischen Standpunkt aus gesehen mag die Aktiv-passiv-Etikettierung durchaus Sinn ergeben. \u00abIn gewisser Weise macht es Sex unter Schwulen unkomplizierter\u00bb, schreibt Journalist Madison Moore. \u00abJeder weiss, was er zu tun hat.\u00bb Und so werden denn Profile auf Kontakt-Apps wie Grindr oft auch gleich mit der entsprechenden Information versehen: \u00abBin lieber \u2039oben\u203a, bin lieber \u2039unten\u203a\u00bb.<\/p>\n<p><b>Dem\u00fctigung unter Schwulen<\/b><br \/>\nDieses Rollendenken kann jedoch auch negative Auswirkungen haben. Dann n\u00e4mlich, wenn Schwule unreflektiert jene sexistischen Stereotype kopieren, die M\u00e4nner als \u00fcberlegen einstufen und Frauen als schwach abstempeln. Auf Schwule angewendet bedeutet dieses Konzept, dass aktive Sexualpartner \u2013 im Englischen als \u00abtops\u00bb bezeichnet \u2013\u00abrichtige\u00bb M\u00e4nner sind. Die Passiven \u2013 \u00abbottoms\u00bb \u2013 hingegen gelten als unm\u00e4nnlich, da sie im Bett ja die \u00abFrauenrolle\u00bb \u00fcbernehmen. \u00abTats\u00e4chlich gibt es Schwule, die den Aktiven eine h\u00f6here Wertigkeit zusprechen als den Passiven\u00bb, sagt der Z\u00fcrcher Psychotherapeut Tim Wiesendanger gegen\u00fcber der Mannschaft.<\/p>\n<blockquote><p>Tats\u00e4chlich gibt es Schwule, die den Aktiven eine h\u00f6here Wertigkeit zusprechen als den Passiven. (Tim Wiesendanger, Psychotherapeut)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die fragw\u00fcrdige Tendenz, Bottoms gegen\u00fcber den Tops abzuwerten, wird auf Englisch \u00abbottom shaming\u00bb genannt. \u00abWenn ein Mann schon einmal gleichgeschlechtlichen Sex hatte, dann weiss er auch, dass es dabei zu Herabw\u00fcrdigungen kommen kann\u00bb, schreibt Journalist Madison Moore. Passive M\u00e4nner w\u00fcrden von den Tops nicht selten als \u00abSchlampen, Schwanzlutscher oder Schwuchteln\u00bb bezeichnet.<\/p>\n<p><b>Das Ideal des \u00abrichtigen\u00bb Mannes<\/b><br \/>\nDer Grund f\u00fcr diese Behandlung liegt im erw\u00e4hnten m\u00e4nnlichen Rollenbild, das weiterhin in vielen K\u00f6pfen verwurzelt ist. M\u00e4nner m\u00fcssen demnach selbstsicher sein und energisch auftreten. Sie sind sexuell bestimmend und, ganz wichtig: Der Hintern eines Mannes ist und bleibt verriegelt wie der Tresor einer Bank! Dort kommt nichts rein. Penetriert werden schliesslich nur Frauen und Schwule! Besonders stark ausgepr\u00e4gt ist\u00a0 diese konservative Denkweise zum Beispiel im arabischen Raum. \u00abAls schwul gilt dort nur derjenige, der beim Sex penetriert wird \u2013 nicht aber jener, der in einen anderen Mann eindringt\u00bb, erkl\u00e4rt Tim Wiesendanger.<\/p>\n<p>In unserem Kulturkreis sind diese patriarchalen Denkmuster zwar weniger stark ausgepr\u00e4gt, eliminiert sind sie aber noch nicht. Insgesamt besteht nach wie vor der Druck, dem traditionellen M\u00e4nnerbild entsprechen zu m\u00fcssen. \u00abGeschlechtsuntypisches Verhalten wird in unserer Kultur sehr negativ bewertet\u00bb, schreibt die deutsche Diplom-Psychologin Nicola Wendenburg.<\/p>\n<p>Und Psychotherapeut Matthew Dempsey ist \u00fcberzeugt: \u00abDie Welt, in der wir leben, zwingt M\u00e4nner stets aufs Neue dazu, ihre M\u00e4nnlichkeit unter Beweis zu stellen\u00bb. Als Beispiel hierf\u00fcr d\u00fcrfte das Verhalten pubertierender Jungs dienen, wenn sie in Gruppen unterwegs sind. Dann erwecken sie bisweilen den Eindruck, als h\u00e4tte jeder Einzelne von ihnen einen br\u00fcnstigen Gorilla verschluckt. Der Umgang untereinander: Imponiergehabe erster G\u00fcte, ein veritables Weitpinkeln. Man rempelt sich an, Beleidigungen geh\u00f6ren zur Tagesordnung und meist ist irgendetwas oder irgendjemand \u00abvoll schwul\u00bb. Das mag spielerisch gemeint und alles halb so wild sein. Und doch zeigt es auf, dass in den K\u00f6pfen der jungen M\u00e4nner gewisse Bilder verhaftet sind: \u00abKrass- und Starksein ist wichtig und erstrebenswert! Das katapultiert mich an die Spitze der Hackordnung und macht mich zum Alpha-\u00adWolf. Und schliesslich spielt es mir beim Buhlen um die M\u00e4dchen die besten Karten in die Hand.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_18505\" aria-describedby=\"caption-attachment-18505\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-18505\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 578'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bottom-Shaming_3.jpg\" alt=\"Bottom Shaming\" width=\"770\" height=\"578\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18505\" class=\"wp-caption-text\">Die US-Kultserie \u00abLooking\u00bb thematisierte \u00abBottom Shaming\u00bb. Und erntete daf\u00fcr viel Lob.<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Homophobie unter Homosexuellen<\/b><br \/>\nBisweilen versp\u00fcren auch manche Schwule den Druck, dem vermeintlichen Ideal des \u00abrichtigen Kerls\u00bb zu entsprechen. Aus dem Bed\u00fcrfnis heraus, dazuzugeh\u00f6ren und von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, lehnen sie Verhaltensweisen ab, die nicht den heterosexistischen Gesellschafts- und M\u00e4nnlichkeitsnormen entsprechen. Mit der Folge, dass sie passive Sexualpartner oder feminin wirkende Schwule degradieren.<\/p>\n<p>Ein solches Benehmen deutet auf eine sogenannte \u00abinternalisierte Homophobie\u00bb hin. Laut Tim Wiesendanger wird damit das Ph\u00e4nomen bezeichnet, dass Homosexuelle teilweise nicht nur heterosexistische, sondern gar homophobe Werte verinnerlichen und andere Homosexuelle verbal oder gar physisch angreifen. Dabei tendieren laut dem Psychotherapeuten vor allem diejenigen schwulen M\u00e4nner zu solchem Denken und Handeln, die \u00fcber kein ausgepr\u00e4gtes Selbstwertgef\u00fchl verf\u00fcgen. Je homophober ein Schwuler eingestellt sei, umso machohafter sei sein Verhalten und umso st\u00e4rker seine Tendenz, andere Schwule zu diskriminieren und abzuwerten. \u00abDamit greift er nat\u00fcrlich letztlich sich selbst an.\u00bb<\/p>\n<p><b>Den inneren Kampf beenden<\/b><br \/>\nIm Endeffekt r\u00fchrt \u00abBottom shaming\u00bb also aus einer Situation, die f\u00fcr den \u00abT\u00e4ter\u00bb selbst belastend ist. Ein homosexueller Mann, der andere Schwule herabw\u00fcrdigt, hadert in der Regel mit seiner eigenen sexuellen Orientierung, ist nicht im Reinen mit sich selbst und unsicher. Gem\u00e4ss Wiesendanger zeigen sich die Folgen dieses inneren Kampfes in verschiedensten Formen psychischer oder psychosomatischer St\u00f6rungen. \u00abZum Beispiel in der Form von Depressionen oder Zwangs-, Schlaf- und Angstst\u00f6rungen.\u00bb Weitere Auswirkungen k\u00f6nnen Suchtprobleme, Herz-Kreislauf- und Atembeschwerden oder eine erh\u00f6hte Suizidalit\u00e4t sein.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/j47X57KHQ1s\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><b>Erh\u00f6htes Infektionsrisiko<\/b><br \/>\nNat\u00fcrlich ist \u00abBottom shaming\u00bb aber auch f\u00fcr denjenigen belastend, der das Ziel solcher Beleidigungen ist. Er wird in seiner Pers\u00f6nlichkeit und seiner W\u00fcrde verletzt. Dar\u00fcber hinaus kann \u00abBottom shaming\u00bb auch die k\u00f6rperliche Gesundheit des Betroffenen gef\u00e4hrden. Der Journalist Jorge Rodriguez weist auf advocate.com auf die Gefahr hin, dass Bottoms immer wieder darauf verzichten w\u00fcrden, mit ihren \u00c4rzten \u00fcber die sogenannte Pr\u00e4expositionsprophylaxe \u00abPrEP\u00bb zu sprechen \u2013 eine biomedizinische Pr\u00e4ventionsmassnahme, bei der HIV-negative Personen vorsorglich Anti-HIV-Medikamente einnehmen, um sich vor einer m\u00f6glichen Infektion zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<blockquote><p>Bottom shaming distanziert Schwule voneinander. (Matthew Dempsey, Psychotherapeut)<\/p><\/blockquote>\n<p>Gem\u00e4ss einer Studie der Universit\u00e4t von Kalifornien infiziere sich der aktive Geschlechtspartner mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 500, wenn er ungesch\u00fctzt mit einem HIV-positiven Bottom verkehre, schreibt Rodriguez. \u00abF\u00fcr den Passiven betr\u00e4gt das Infektionsrisiko hingegen 1 zu 50, wenn er mit einem HIV-positiven Top schl\u00e4ft.\u00bb Trotz dieser gr\u00f6sseren Ansteckungsgefahr seien die Passiven eher dazu geneigt, das Thema ihren \u00c4rzten gegen\u00fcber nicht anzusprechen. \u00abLaut Experten f\u00fcrchten sich viele Passive davor, f\u00fcr ihre sexuellen Vorlieben verurteilt zu werden\u00bb, f\u00fchrt Rodriguez aus.<\/p>\n<p><b>\u00dcbernahme sch\u00e4dlicher Verhaltensmuster<\/b><br \/>\nSchliesslich wirkt sich \u00abbottom shaming\u00bb auch negativ auf die Community als solche aus. Diese Art der Diskriminierung sorgt f\u00fcr Spannungen unter Schwulen und macht die Szene zu einer trostloseren Umgebung. Psychotherapeut Matthew Dempsey sagt es so: \u00abBottom shaming distanziert Schwule voneinander.\u00bb<\/p>\n<p>Das darf nicht sein. Wenn M\u00e4nner die Gesellschaft anderer M\u00e4nner suchen, dann sollten sie nicht auf dieselben beleidigenden Denkweisen stossen, die ihnen teilweise in der heterosexuellen Welt bereits begegnen. Es kann nicht angehen, dass Schwule \u00fcberholte, sexistische Rollenbilder aus der Heterowelt entnehmen und sie auf die eigene Community \u00fcbertragen. Zumal es genau diese Rollenvorstellungen sind, die f\u00fcr manche homosexuelle Menschen nach wie vor belastend wirken und gerade auch bei j\u00fcngeren Personen das Gef\u00fchl ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, aus der Norm zu fallen und nicht gut genug zu sein.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"IEUhIUY39v\"><p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/21\/analverkehr-warum-verzichten-einige-auf-die-penetration-beim-sex\/\">Rein und Raus &#8211; Geht&#8217;s beim Sex auch ohne Penetration?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Rein und Raus &#8211; Geht&#8217;s beim Sex auch ohne Penetration?&#8220; &#8212; Mannschaft Magazin\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/2020\/04\/21\/analverkehr-warum-verzichten-einige-auf-die-penetration-beim-sex\/embed\/#?secret=IEUhIUY39v\" data-secret=\"IEUhIUY39v\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p><b>Der m\u00e4nnliche G-Punkt<\/b><br \/>\nIm Zusammenhang mit \u00abBottom shaming\u00bb sollen zwei weitere Punkte nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Zum einen ist ein Mann in der Regel aus einem ganz einfachen Grund \u00abpassiv\u00bb im Bett: Weil er es geniesst! Immerhin wurden M\u00e4nner von Mutter Natur mit der Prostata ausgestattet \u2013 jener Geschlechtsdr\u00fcse, die nicht nur einen Teil des Spermas produziert, sondern deren rektale Stimulation auch einen Orgasmus ausl\u00f6sen kann. \u00abDie Prostata ist der m\u00e4nnliche G-Punkt\u00bb, sagt die US-amerikanische Sex-Expertin Jennifer Berman. Die sogenannte Prostatamassage verursacht aber nicht nur sexuelle Hochgef\u00fchle, sondern wirkt laut Jennifer Berman auch einer Vergr\u00f6sserung und Entz\u00fcndung der Dr\u00fcse entgegen und minimiert das Risiko von Prostatakrebs.<\/p>\n<blockquote><p>Wer beim Sex die passive Rolle einnimmt, muss sich einer anderen Person gegen\u00fcber \u00f6ffnen \u2013 physisch, aber auch emotional. Das verlangt Mut und St\u00e4rke.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum anderen sei an dieser Stelle festgehalten, dass es rein gar nichts mit Schw\u00e4che zu tun hat, im Bett \u00abpassiv\u00bb zu sein. \u00abWer beim Sex die passive Rolle einnimmt, muss sich einer anderen Person gegen\u00fcber \u00f6ffnen &#8211; physisch, aber auch emotional\u00bb, sagt Psychotherapeut Matthew Dempsey. \u00abDas verlangt Mut und St\u00e4rke.\u00bb<\/p>\n<p><b>Mehr Akzeptanz<\/b><br \/>\nDer Psychotherapeut weist darauf hin, dass es normal sei, sexuelle Pr\u00e4ferenzen zu haben. \u00abWenn ein Schwuler ausschliesslich aktiv sein will, weil ihm die passive Rolle nicht zusagt, dann ist das ebenso in Ordnung wie wenn ein Schwuler nur passiv sein will.\u00bb<\/p>\n<p>Hingegen sollten Vorstellungen davon, was als typisch \u00abm\u00e4nnlich\u00bb oder typisch \u00abweiblich\u00bb oder \u00abschwul\u00bb gilt, nicht dazu f\u00fchren, dass sich jemand in seinen M\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nken l\u00e4sst. Es w\u00e4re schade, wenn M\u00e4nner ihre passive Seite unerforscht lassen, weil sie sich ihrer sch\u00e4men. \u00abStatt andere Menschen herabzuw\u00fcrdigen, m\u00fcssen wir unsere Scham und unsere Vorurteile hinterfragen\u00bb, sagt Matthew Dempsey. So werde man nicht nur mit sich selbst zufriedener, auch das Wohlbefinden unter homosexuellen M\u00e4nnern allgemein werde gr\u00f6sser.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong> \u00abDie anale Stimulation lohnt sich f\u00fcr jeden\u00bb, sagt Sexologin Ann-Marlene Henning <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/2018\/11\/15\/ueber-probleme-im-bett-spricht-mann-nicht\/\">im Interview mit MANNSCHAFT<\/a>. \u00abWarum? Weil der Anus ein unheimlich sensibler, erotischer Bereich ist. Und gerade beim Mann ist dadurch auch die Stimulation der Prostata m\u00f6glich.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verweiblicht, schwach, zu tuntig. Immer wieder werden homo\u00adsexuelle M\u00e4nner von anderen Schwulen diskriminiert, weil gewisse Rollenbilder aus der heterosexuellen Welt unreflektiert \u00fcbernommen werden. Das muss und darf nicht sein. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/bottom-shaming-wenn-passive-schwule-beleidigt-werden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":87271,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4384,4371],"tags":[5488,5484],"wps_subtitle":"\u00abWer beim Sex die passive Rolle einnimmt, muss sich einer anderen Person gegen\u00fcber \u00f6ffnen \u2013 physisch, aber auch emotional. 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