{"id":33044,"date":"2018-07-11T13:20:33","date_gmt":"2018-07-11T11:20:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mannschaft.com\/?p=32873"},"modified":"2019-09-17T11:14:35","modified_gmt":"2019-09-17T09:14:35","slug":"ein-doppelbett-nur-fuer-normale-paare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ein-doppelbett-nur-fuer-normale-paare\/","title":{"rendered":"Ein Doppelbett? Nur f\u00fcr \u00abnormale\u00bb Paare!"},"content":{"rendered":"<h3>Ein Hotel in Istanbul verwehrte zwei M\u00e4nnern ein Zimmer mit Doppelbett. Grund: Zusammen schlafen sei verboten. Buchungsplattformen bef\u00fcrworten diese Praxis zwar nicht, tolerieren sie aber.<\/h3>\n<p>Alan S. stand an der Rezeption des Emerald Hotel in Istanbul und traute seinen Ohren nicht. Der Rezeptionist wollte wissen, ob der sp\u00e4ter ankommende Gast ebenfalls ein Mann sei. \u00abDas Standardzimmer mit Doppelbett ist \u2039normalen\u203a Paaren vorbehalten\u00bb, teilte ihm der Rezeptionist mit. \u00abEs ist verboten, dass zwei M\u00e4nner im selben Bett schlafen.\u00bb<\/p>\n<p>Der Z\u00fcrcher liess sich nicht beirren. Das Hotel befand sich in der N\u00e4he des Taksim-Platzes, einer unter schwulen M\u00e4nnern beliebten Gegend, und Alan hatte in der Vergangenheit nie Schwierigkeiten gehabt, mit einem anderen Mann ein Hotelzimmer in Istanbul zu bekommen. Ausserdem war das Hotel auf travelgayeurope.com empfohlen worden. \u00abIch fragte ihn, wo auf der Website oder in den Gesch\u00e4ftsbedingungen stehe, dass zwei M\u00e4nner nicht in einem Bett schlafen d\u00fcrfen.\u00bb<\/p>\n<p>Der Rezeptionist, der gem\u00e4ss Alan die ganze Zeit in einem \u00abenorm unfreundlichen und absch\u00e4tzigen Ton\u00bb sprach, entgegnete, dass nichts auf der Website vermerkt werden m\u00fcsse. Da keine anderen Standardzimmer mit getrennten Betten verf\u00fcgbar seien, m\u00fcsse das Paar in eine Juniorsuite mit Einzelbetten wechseln. Daf\u00fcr sei ein Aufpreis von 120 Euro f\u00fcr vier N\u00e4chte f\u00e4llig. Andernfalls m\u00fcsse er die Beh\u00f6rden informieren.<\/p>\n<p>Aufgrund der kritischen Lage f\u00fcr LGBTIQ-Menschen in der T\u00fcrkei gab Alan nach. Es war Donnerstagabend, es regnete und er hatte eine anstrengende Reise hinter sich. \u00abIch wusste nicht, ob ich gleich ein anderes Hotel finden w\u00fcrde und gab darum vorerst nach\u00bb, erz\u00e4hlt er der Mannschaft. Also bezahlte er den Aufpreis.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abEs ist verboten, dass zwei M\u00e4nner im selben Bett schlafen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Nichts wie weg<\/strong><br \/>\nAlan bezog das Zimmer und suchte auf seinem Laptop nach einem neuen Hotel. F\u00fcr ihn war klar, dass er mit seinem Partner keine Nacht hier verbringen wollte. Nicht wegen den Einzelbetten, sondern aufgrund der unangenehmen Erfahrung mit dem Rezeptionisten. \u00abIn einem Hotel, das derart homophob eingestellt ist, verbringe ich keine Nacht!\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Die meisten Hotels in der Umgebung waren ausgebucht, Zimmer erst ab Samstag verf\u00fcgbar. Nach einer Stunde des Suchens und Herumtelefonierens wurde Alan schliesslich f\u00fcndig. Ein Hotel in der N\u00e4he hatte ein Zimmer frei und keine Probleme damit, ihn und seinen Partner in einem Zimmer mit Doppelbett unterzubringen.<\/p>\n<p>An der Rezeption versuchte er vergeblich, die Kosten f\u00fcr die Reservierung und den Aufpreis f\u00fcr die Suite zur\u00fcckzufordern. Sowohl die Buchung als auch das Upgrade seien f\u00fcr vier N\u00e4chte bezahlt worden und nicht r\u00fcckerstattungsf\u00e4hig. Dann wurde er noch gefragt, ob er das andere Hotel \u00fcber die \u00abspezielle Situation\u00bb informiert h\u00e4tte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32881\" aria-describedby=\"caption-attachment-32881\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-32881\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 514'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/zwei-maenner-bett.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"514\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32881\" class=\"wp-caption-text\">Im Emerald Hotel in Istanbul d\u00fcrfen zwei M\u00e4nner nur ein Zimmer mit Einzelbetten beziehen. (Symbolbild: iStock)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Hotel ist weiterhin auf hotels.com aufgef\u00fchrt<\/strong><br \/>\nSp\u00e4ter best\u00e4tigte das Management des Emerald Hotel per E-Mail die Regelung, keine M\u00e4nner im selben Bett \u00fcbernachten zu lassen.<\/p>\n<p>Alan meldete den Vorfall umgehend der Buchungsplattform hotels.com, die er f\u00fcr die Buchung und Zahlung seines Zimmers beim Emerald Hotel verwendet hatte. Der Kundendienst erstattete ihm nicht nur die Kosten des Zimmers, sondern auch das Upgrade f\u00fcr die Juniorsuite zur\u00fcck. \u00abEs ist sehr besch\u00e4mend und diskriminierend, wie sich dieses Hotel verhalten hat\u00bb, sagt Thomas Alexander, Zust\u00e4ndiger f\u00fcr Reservierungen bei hotels.com. \u00abHotels.com hat sehr gut reagiert\u00bb, sagt Alan gegen\u00fcber der Mannschaft. \u00abIch bin froh, dass ich auf ihre unkomplizierte Unterst\u00fctzung z\u00e4hlen konnte.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abKulturelle Normen und G\u00e4sterichtlinien sind je nach Land und Unterkunft unterschiedlich\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl man die homophobe Praxis ablehne, werden Hotels wie das Emerald in Istanbul von hotels.com weiter toleriert. \u00abKulturelle Normen und G\u00e4sterichtlinien sind je nach Land und Unterkunft unterschiedlich\u00bb, sagt Simon Matthews, Pressesprecher von hotels.com, gegen\u00fcber der Mannschaft. \u00abDiese Richtlinien werden von den einzelnen Unterk\u00fcnften erstellt und nicht von hotels.com. Wo m\u00f6glich, f\u00fchren wir uns bekannte Richtlinien bei den Hotelinformationen auf.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Neuer Vermerk: nicht gay-friendly<\/strong><br \/>\nIn der Tat wird das Emerald Hotel bei hotels.com seit diesem Vorfall <a href=\"https:\/\/ch.hotels.com\/ho360716\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nun als \u00abnicht gay-friendly\u00bb vermerkt<\/a>. Der Hinweis ist allerdings nicht auf den ersten Blick sichtbar und befindet sich bei den Hotelinformationen unter \u00abWissenswertes\u00bb im unteren Drittel der Website.<\/p>\n<p>Auch travelgayeurope.com, ein virtueller Reisef\u00fchrer f\u00fcr schwule Reisende, f\u00fchrte das Emerald Hotel trotz Reklamation von Alan weiterhin auf seiner Webseite auf. Nachdem Mannschaft Magazin die Betreiber um eine Stellungnahme gebeten hatte, verschwand das Hotel pl\u00f6tzlich von der Plattform, die Anfrage blieb unbeantwortet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32876\" aria-describedby=\"caption-attachment-32876\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-32876\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 578'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/taksim-schwul.jpg\" alt=\"Taksim\" width=\"770\" height=\"578\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32876\" class=\"wp-caption-text\">Mit vielen Bars und Clubs ist die Gegend rund um den Taksim-Platz bei vielen schwulen M\u00e4nnern beliebt. (Bild: iStock)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Anspruch auf R\u00fcckverg\u00fctung<\/strong><br \/>\n\u00abIch bin seit 40 Jahren in der Reisebranche t\u00e4tig\u00bb, sagt Ray Fuhrer gegen\u00fcber der Mannschaft. Er ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Pink Cloud Travel Service, einem Reiseb\u00fcro, das sich auf Reisen f\u00fcr schwule und lesbische P\u00e4rchen und Alleinreisende spezialisiert hat, und zeigt sich vom Vorfall \u00fcberrascht. \u00abNoch nie habe ich von einem solchen Erlebnis geh\u00f6rt.\u00bb<\/p>\n<p>Fuhrer lobt die schnelle und verst\u00e4ndnisvolle Reaktion von hotels.com, f\u00fcgt aber hinzu, dass die Buchungsplattform mit der R\u00fcckerstattung der Reservationskosten ihren rechtlichen Pflichten nachgekommen sei. \u00abEin Hotel muss in seinen Richtlinien klar festhalten, dass es zwei M\u00e4nner in einem Doppelbett nicht duldet\u00bb, sagt der Reiseexperte. \u00abTut es das nicht, hat der Gast Anspruch auf eine R\u00fcckverg\u00fctung.\u00bb Dass die Buchungsplattform auch die Kosten des Upgrades f\u00fcr ein Zimmer mit Einzelbetten zur\u00fcckerstattet habe, sei allerdings keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<br \/>\n\u00abWir pr\u00fcfen bei allen Unterk\u00fcnften, mit denen wir zusammenarbeiten, ob sie den Bed\u00fcrfnissen unserer Kundschaft entsprechen\u00bb, sagt Fuhrer. \u00abK\u00e4me es vor Ort aber doch zu einer Ablehnung durch das Personal eines unserer Partnerhotels, w\u00fcrden wir sofort einen Ersatz organisieren.\u00bb Das sei bei Pink Cloud aber noch nie vorgekommen.<\/p>\n<p>Wer seine Reise selbst organisiert und unsicher ist, ob schwule Paare willkommen sind, kontaktiert das Hotel am besten noch vor der Buchung, empfiehlt Fuhrer. \u00abDamit kann man solchen Situationen aus dem Weg gehen.\u00bb Bei Aufenthalten in L\u00e4ndern, in denen homosexuelle Beziehungen kriminalisiert oder gesellschaftlich eher tabuisiert sind, tue man gut daran, sich im Vorfeld gr\u00fcndlich mit Land und Leuten auseinanderzusetzen. \u00abOder sich an Leute wenden, die sich besser auskennen.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>\u00abMan darf nicht vergessen, dass andere Kulturen eine andere Einstellung haben zu homosexuellen Beziehungen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die Betten auseinandergeschoben<\/strong><br \/>\nFuhrer betont, dass es sich bei Alans Erlebnis um eine seltene Ausnahme handle, und man sich dadurch nicht abschrecken lassen d\u00fcrfe. \u00abHoteliers auf der ganzen Welt sind darum bem\u00fcht, ihre G\u00e4ste willkommen zu heissen und ihnen einen m\u00f6glichst sch\u00f6nen Aufenthalt zu erm\u00f6glichen. Das gilt auch f\u00fcr die T\u00fcrkei\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Als Reiseberater ist Fuhrer oft unterwegs und hat schon erlebt, dass man ihn und seinen Partner mit hochrotem Kopf beim Check-in im Hotel begr\u00fcsst habe, um dann im Zimmer noch kurzerhand die Betten auseinanderzuschieben. \u00abMan darf nicht vergessen, dass andere Kulturen eine andere Einstellung haben zu homosexuellen Beziehungen. Das muss man respektieren.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Kein T\u00fcrkei-Besuch mehr geplant<\/strong><br \/>\nAlan hat nicht vor, in absehbarer Zeit wieder in die T\u00fcrkei zur\u00fcckzukehren. Sein Besuch hat ihm allgemein nicht sehr gefallen, nicht nur wegen der negativen Erfahrung im Emerald Hotel. \u00abDie Stimmung in der Stadt war sehr bedr\u00fcckt\u00bb, sagt er. \u00abAuch Freunde haben mir best\u00e4tigt, dass sich die Situation in Istanbul zurzeit negativ entwickelt.\u00bb<\/p>\n<p>Er will in Zukunft ohnehin nicht wieder in ein Land reisen, das gegen\u00fcber schwulen Beziehungen konservativ eingestellt ist. Falls doch, w\u00fcrde er zuerst abkl\u00e4ren, ob es sich beim Hotel um eine gay-friendly Unterkunft handelt. Sein Zimmer w\u00fcrde er sofort wieder mit hotels.com buchen. Die kulante Reaktion des Kundendiensts hat der Buchungsplattform einen treuen Kunden beschert. \u00abIch bin froh, hatte ich das Doppelzimmer \u00fcber sie und nicht direkt \u00fcber das Hotel gebucht\u00bb, sagt er. \u00abHotels.com hat mir gezeigt, dass sie auch im Notfall f\u00fcr mich da sind.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Hotel in Istanbul verwehrte zwei M\u00e4nnern ein Zimmer mit Doppelbett. Grund: Zusammen schlafen sei verboten. 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