{"id":32276,"date":"2018-06-26T09:18:04","date_gmt":"2018-06-26T07:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mannschaft.com\/?p=32276"},"modified":"2021-10-01T09:52:39","modified_gmt":"2021-10-01T07:52:39","slug":"warum-ich-fuer-die-eheoeffnung-gestimmt-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/warum-ich-fuer-die-eheoeffnung-gestimmt-habe\/","title":{"rendered":"\u00abWarum ich f\u00fcr die Ehe\u00f6ffnung gestimmt habe\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>2017 hat der Deutsche Bundestag die \u00d6ffnung der Ehe beschlossen. Nur jede vierte Abgeordnete von CDU\/CSU stimmte daf\u00fcr &#8211; u.a. Peter Tauber.<\/h3>\n<p><em>Die MANNSCHAFT ver\u00f6ffentlicht in loser Folge Debattenbeitr\u00e4ge zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Die <span class=\"st\">Kommentare spiegeln ausschliesslich die Meinung der jeweiligen Autor*innen wieder, nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion. Dieser <\/span><\/em><em>Gastbeitrag zum Jahrestag der Ehe\u00f6ffnung am 30. Juni <\/em><em>stammt von Peter Tauber, Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarischer Staatssekret\u00e4r bei der Bundesministerin der Verteidigung; von Dezember 2013 bis Februar 2018 war er Generalsekret\u00e4r der CDU Deutschlands.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/2017\/06\/bundestag-oeffnet-die-ehe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vor einem Jahr hat der Deutsche Bundestag die \u00d6ffnung der Ehe auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partnerschaften beschlossen.<\/a> Ein Tag, auf den viele schwule und lesbische Paare, aber auch ihre Angeh\u00f6rigen und Freunde, lange gewartet haben. Ich geh\u00f6rte damals zu den 75 Unionsabgeordneten, die bei dieser Gewissensentscheidung mit \u00abJa\u00bb gestimmt haben. Dass der Generalsekret\u00e4r der gr\u00f6ssten Regierungspartei gegen die offizielle Beschlusslage seiner Partei abstimmt, wurde medial durchaus thematisiert. Wer meine politische Arbeit bis dahin verfolgt hatte, der wusste jedoch, dass ich in dieser Frage schon immer eine andere Haltung als die Mehrheit meiner Fraktion und auch die Parteivorsitzende vertreten habe. Und ich hatte \u00fcber die Jahre auch immer wieder R\u00fcckmeldungen bekommen, dass viele unserer Mitglieder und W\u00e4hler mit der offiziellen Beschlusslage der Partei nicht gl\u00fccklich waren.<\/p>\n<blockquote><p>Niemand hat sich seine Entscheidung leicht gemacht<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe grossen Respekt f\u00fcr andere Meinungen. Darum fand ich es teilweise unertr\u00e4glich, mit welchen Vorw\u00fcrfen diejenigen bedacht wurden, die bei ihrer Gewissensentscheidung zu einem anderen Ergebnis als ich gekommen sind. Auch sie haben Argumente vorgebracht, die man nicht teilen muss, die aber Geh\u00f6r verdienen. Dies gilt ganz besonders f\u00fcr Menschen katholischen Glaubens, f\u00fcr die die Ehe zwischen Mann und Frau ein heiliges Sakrament ist, aber allgemein f\u00fcr jeden, der eine \u00d6ffnung der Zivilehe mit seinem christlichen Eheverst\u00e4ndnis nicht \u00fcberein bringen konnte. Denn am Ende ist eine Gewissensentscheidung immer mit den Werte- und Moralvorstellungen eines jeden Einzelnen verbunden. Und das kann eben auch eine Generationenfrage sein. Niemand hat sich seine Entscheidung leicht gemacht. Ich bin jedenfalls sehr stolz darauf, dass es in der Volkspartei CDU m\u00f6glich war und ist, sich in so einer grunds\u00e4tzlichen Frage trotz unterschiedlicher Meinung mit Respekt zu begegnen. Diesen Respekt h\u00e4tte ich mir in sozialen Netzwerken und von den politischen Mitbewerbern in der damaligen Diskussion ebenfalls gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p><strong> Staat muss verbindlichen Rechtsrahmen definieren<\/strong><br \/>\nWas war f\u00fcr mich der entscheidende Punkt? Die obligatorische staatliche Zivilehe \u2013 und nur um die ging es \u2013 wurde 1874 im Rahmen des Kulturkampfes unter Otto von Bismarck eingef\u00fchrt. Sie war und ist die Grundlage f\u00fcr das verbindliche Zusammenleben von Mann und Frau aus Sicht des Staates. Und es ist gut, dass der Staat hier einen verbindlichen Rechtsrahmen definiert. Doch es geht ja um mehr als nur das Verh\u00e4ltnis von B\u00fcrger und Staat. Ich w\u00fcnsche mir eine Gesellschaft, in der nicht jeder sofort nach dem Staat ruft, sondern in der Menschen \u2013 auch in schwierigen Zeiten \u2013 f\u00fcreinander Verantwortung \u00fcbernehmen, und zwar verbindlich. Und f\u00fcr mich war es deswegen nur folgerichtig, wenn dies auch gleichgeschlechtlichen Paaren erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22267\" aria-describedby=\"caption-attachment-22267\" style=\"width: 2889px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-22267\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 2889 1692'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/tmp_26775-20171001_0938511979810178-e1506851041591.jpg\" alt=\"Ehe\u00f6ffnung\" width=\"2889\" height=\"1692\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22267\" class=\"wp-caption-text\">Der erste Kuss nach der ersten M\u00e4nner-Hochzeit in Berlin am 1.10.2017 (Foto: Kriss Rudolph)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Artikel 1 unseres Grundgesetzes stellt die W\u00fcrde des Menschen an die erste Stelle. <a href=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/2018\/06\/lgbtiq-schutz-ins-grundgesetz-um-minderheiten-zu-schuetzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der niemand aufgrund seiner Herkunft, seines Glaubens oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird.<\/a> Wahr ist: Gerade Homosexuelle haben trotz dieses Gebots immer wieder gesellschaftliche Ablehnung und auch eine Benachteiligung durch die Politik erleiden m\u00fcssen. Es ist wichtig, dass die Politik durch die Entscheidung vor einem Jahr das Signal ausgesendet hat, dass wir Diskriminierung und Homophobie, die in unserer Gesellschaft existiert, nicht hinnehmen.<\/p>\n<p><strong>Wunsch nach dauerhafter Beziehung hat zugenommen<\/strong><br \/>\nF\u00fcr mich war der Wunsch nach der \u00d6ffnung der Ehe auch Ausdruck eines gewonnenen Kulturkampfes. Ich erinnere mich noch gut daran, dass gerade linke Parteien in meiner Jugend immer wieder gegen die Ehe zu Felde zugezogen sind. \u00abAltmodisch\u00bb und \u00ab\u00fcberholt\u201c\u00bb sei die Ehe. Ein \u201eUnterdr\u00fcckungsinstrument\u201c gegen\u00fcber der Frau und eine staatliche Bevormundung, weil sie durch die Privilegierung, die sie Dank des Grundgesetzes geniesst, Menschen zur Heirat zwinge. Schon damals hat die politische Linke die Tatsache ignoriert, dass sich die meisten jungen Menschen eine auf Dauer angelegte Partnerschaft in Form der Ehe als ideale Beziehungsform w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Dass Krisen und Br\u00fcche im Leben oft dazu f\u00fchren, dass Ehen scheitern, hat nichts damit zu tun, dass dieser Wunsch und diese Sehnsucht nach einer solchen dauerhaften Beziehung eher noch zugenommen haben. Und das galt eben zunehmend auch f\u00fcr Schwule und Lesben, die nicht nur eine rechtliche Gleichstellung wollten. Sie wollten ihre verbindliche Partnerschaft als \u00abEhe\u00bb bezeichnen k\u00f6nnen. Und ich freue mich noch immer, dass dies vor einem Jahr gelungen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem Jahr hat der Deutsche Bundestag die \u00d6ffnung der Ehe beschlossen. Nur jede vierte Abgeordnete von CDU\/CSU stimmte daf\u00fcr &#8211; u.a. Peter Tauber. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/warum-ich-fuer-die-eheoeffnung-gestimmt-habe\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":32277,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,4371],"tags":[5449,5544],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32276"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32276"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120771,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32276\/revisions\/120771"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32277"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}