{"id":30524,"date":"2018-05-16T13:37:42","date_gmt":"2018-05-16T11:37:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mannschaft.com\/?p=30524"},"modified":"2021-11-18T16:24:44","modified_gmt":"2021-11-18T15:24:44","slug":"vom-verfolger-zum-partner-der-lgbtiq-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/vom-verfolger-zum-partner-der-lgbtiq-community\/","title":{"rendered":"Vom Verfolger zum Partner der LGBTIQ-Community"},"content":{"rendered":"<h3>Fast t\u00e4glich werden Mitglieder der LGBTIQ-Gemeinde beschimpft und verpr\u00fcgelt \u2013 die Zahlen sind seit Jahren auf einem hohen Niveau. Dabei wird ein Grossteil der \u00dcbergriffe gar nicht zur Anzeige gebracht. Die Polizei versucht das in Zusammenarbeit mit der Community zu \u00e4ndern \u2013 je nach Bundesland mit sehr unterschiedlichem Eifer.<\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">M<\/span><span class=\"s2\">\u00fcnchen<\/span>, Mai 2017: Beim Verlassen einer Bar wird Gregor von drei M\u00e4nnern angep\u00f6belt. \u00abBist du eine Scheissschwuchtel?\u00bb Einer schl\u00e4gt Gregor krankenhausreif: Die Platzwunde am Auge muss gen\u00e4ht werden, der zertr\u00fcmmerte Bereich unter dem Auge wird in einer aufwendigen OP wiederhergestellt.<\/p>\n<p class=\"p3\">Berlin, November 2017: Dan und sein Freund werden am Alexanderplatz von zwei junge M\u00e4nnern als \u00abSchwuchteln\u00bb beschimpft, einer der M\u00e4nner schl\u00e4gt mit der Faust zu, z\u00fcckt schliesslich sogar ein Messer. Das Paar rennt um sein Leben. Dan erleidet eine Gehirnersch\u00fctterung, kommt mit einem geschwollenen Auge und einer angebrochenen Nase davon.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"p1\">Es gibt noch viel Misstrauen gegen\u00fcber der Polizei.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"p3\">Zwei Beispiel von Gewalt gegen Schwule in Deutschland. Da die M\u00e4nner in beiden F\u00e4llen Anzeige erstatteten, werden diese Vorf\u00e4lle in die Statistik einfliessen, die das Bundesinnenministerium jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht. Die Zahlen f\u00fcr 2017 werden offiziell in der ersten Maiwoche bekanntgegeben, im Vorfeld des Internationalen Tags gegen Homo-, Bi- und Transphobie \u00abIDAHOT\u00bb am 17. Mai. Aber das Ministerium liess uns vorab schon wissen, dass sich die Zahlen im Vergleich zu 2016 nicht signifikant ver\u00e4ndert haben: Homo- und transphobe Gewalt bleibt ein ernstes Problem. Zudem l\u00e4sst die Entwicklung der Vorjahre kaum auf eine Verbesserung f\u00fcr queere Menschen hoffen. Wurden bis 2007 pro Jahr F\u00e4lle von Hasskriminalit\u00e4t aufgrund von sexueller Orientierung beziehungsweise geschlechtlicher Identit\u00e4t in zweistelliger H\u00f6he registriert, stieg die Zahl 2008 auf 110 F\u00e4lle (2007 waren es 63). Im Jahr 2016 lag sie schon fast dreimal so hoch, bei 316. Die meisten T\u00e4ter sind M\u00e4nner, in der Regel bereits vorbestraft.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>Das Misstrauen sitzt oft noch tief<br \/>\n<\/b><span class=\"s3\">Binnen 15 Jahren haben sich die gemeldeten LGBTIQ-feindlichen \u00dcbergriffe in Deutschland also mehr als versechsfacht. Und trotzdem muss man diese Zahlen noch mit Vorsicht geniessen, denn l\u00e4ngst nicht alle Straftaten werden angezeigt. Experten gehen von einer Dunkelziffer aus, die bei 80\u2006% oder noch h\u00f6her liegt. Einer der Gr\u00fcnde: \u00c4ltere queere Menschen erinnern sich noch gut an die Zeiten, als die Polizei nicht ihr Freund und Helfer war, sondern der Gegner. Paragraph 175, der Homosexualit\u00e4t unter Strafe stellte, wurde in Deutschland erst im Jahr 1994 abgeschafft. Auch wenn sich die Polizei mittlerweile \u00abvom Verfolger zum Partner\u00bb der Community entwickelt hat, wie es der ehemalige Berliner Polizeipr\u00e4sident Klaus Kandt mal ausgedr\u00fcckt hat, sitzt das Misstrauen teilweise noch tief.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"p3\">Um das Verh\u00e4ltnis zur Community zu verbessern, hat die Polizei fast \u00fcberall in Deutschland sogenannte Ansprechpartner f\u00fcr gleichgeschlechtliche Lebensweisen AGL geschaffen. Je nach Bundesland gibt es aber grosse Unterschiede. Nur in zwei Stadtstaaten sind diese LGBTIQ-Kontaktstellen als Full-Time-Job angelegt: Die Berliner Polizei hat schon seit \u00fcber 26 Jahren zwei hauptamtliche AGLs, 2012 zog die Staatsanwaltschaft nach. Hamburg hat seine polizelichen Ansprechpersonen im Sommer 2016 zu zwei hauptamtlichen \u00c4mtern ausgebaut.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>Zwei von drei Sachsen finden Homo\u00adsexualit\u00e4t unnat\u00fcrlich<br \/>\n<\/b>In Sachsen wiederum gibt es gar keine. Dort stehen als Ansprechpartner bei LGBTIQ-\u00adThemen die Gleichstellungsbeauftragten sowie die Personalreferate der Dienststellen zur Verf\u00fcgung. \u00abDas Anliegen wird auch von den Personalvertretungen aufgegriffen\u00bb, teilt uns die s\u00e4chsische Polizei auf Anfrage mit. Halbherziger kann man das Thema Hassgewalt kaum angehen. Dabei ist Homophobie in Sachsen stark verbreitet: Laut \u00abSachsen-Monitor\u00bb 2017, bei dem das Institut dimap im Auftrag der Staatskanzlei den Menschen im Freistaat auf den Zahl f\u00fchlt, halten 36 % der Befragten homosexuelle Beziehungen f\u00fcr \u00abunnat\u00fcrlich\u00bb.<\/p>\n<p class=\"p3\">Fast \u00fcberall sonst in der Republik sind Polizisten immerhin nebenamtlich als LGBTIQ-Kontaktperson t\u00e4tig. In Bremen beispielsweise, wo es dieses Amt erst seit 2015 gibt, steht den beiden AGL durchschnittlich ein Tag pro Woche zur Verf\u00fcgung. Nebenamtliche Ansprechpartner berichten \u00fcbereinstimmend, dass ihre Zeit oft nicht ausreicht und viel Eigeninitiative nach Feierabend gefragt ist. Sachsen-Anhalt k\u00f6nnte als n\u00e4chstes daraus eine Lehre ziehen und das Amt zu einem hauptamtlichen aufwerten, das sieht der Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Gr\u00fcnen vor; es kann allerdings noch zwei Jahre dauern.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>Amt im Pr\u00e4sidium eingefordert<br \/>\n<\/b>In Brandenburg ist Polizeioberkommissar Marco Klingberg (47), im Hauptamt t\u00e4tig als Einsatzbearbeiter im Einsatz- und Lagezentrum bei der Notrufannahme und \u2013bearbeitung, schon seit 2005 der zust\u00e4ndige nebenamtliche AGL. Zuvor hatte das damalige Polizeipr\u00e4sidium Frankfurt\/Oder eine Ansprechperson benannt und Klingberg fand, das dies auch im Polizeipr\u00e4sidium Potsdam angebracht sei und forderte das Amt bei der Polizeif\u00fchrung ein. Ihm waren F\u00e4lle von Diskriminierung innerhalb der Beh\u00f6rde bekannt, dazu kamen \u00dcbergriffe auf Mitglieder der LGBTIQ-Gemeinde in Brandenburg. Das Pr\u00e4sidium liess sich \u00fcberzeugen und machte den Weg frei f\u00fcr das Amt \u2013 wohl auch zu, weil man damals \u00abpolitisch gut dastehen wollte\u00bb, sagt Klingberg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30615\" aria-describedby=\"caption-attachment-30615\" style=\"width: 3872px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"ls-is-cached lazyloaded loaded wp-image-30615 size-full\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586.jpg\" sizes=\"(max-width: 3872px) 100vw, 3872px\" srcset=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586.jpg 3872w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-400x268.jpg 400w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-300x201.jpg 300w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-768x514.jpg 768w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-1024x685.jpg 1024w\" alt=\"LGBTIQ-Community\" width=\"3872\" height=\"2592\" data-expand=\"600\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586.jpg\" data-srcset=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586.jpg 3872w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-400x268.jpg 400w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-300x201.jpg 300w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-768x514.jpg 768w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/DSC03586-1024x685.jpg 1024w\" data-sizes=\"(max-width: 3872px) 100vw, 3872px\" data-was-processed=\"true\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30615\" class=\"wp-caption-text\">Marco Klingberg (Foto; Pressestelle Polizeipr\u00e4sidium Land Brandenburg)<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p3\">Als Kontaktperson im Polizeipr\u00e4sidium wirkt er sowohl nach innen wie auch nach aussen. Wenn Menschen Opfer einer homo- oder transphoben Straftat werden, aber sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten, dann unterst\u00fctzt er sie dabei. Umgekehrt kann sich der Sachbearbeiter, der eine Anzeige aufnimmt, mit Fragen an ihn wenden. Bei Ermittlungen im Zuge von Straftaten ist Klingberg nicht eingebunden.<\/p>\n<p class=\"p3\">Daf\u00fcr arbeitet er im Bereich Opferschutz mit verschiedenen Vereinen zusammen und kl\u00e4rt auf: Was passiert, wenn eine Anzeige erstattet wurde? Oder er bereitet Kollegen darauf vor, wie sie sich verhalten sollten, wenn sie es mit F\u00e4llen von h\u00e4uslicher Gewalt in schwulen oder lesbischen Beziehungen zu tun bekommen.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>Versteckspiel seit \u00fcber 20 Jahren<br \/>\n<\/b>Manchmal suchen Kollegen das Gespr\u00e4ch mit ihm, die es nicht wagen, sich in der Beh\u00f6rde zu outen. Klingenberg erz\u00e4hlt von einem Polizisten, der sich eine zweite Biographie zu seinem eigentlichen Leben aufgebaut hat. Seit Mitte der Neunzigerjahre geht sein Versteckspiel schon, und nun glaubt er, nicht mehr zur\u00fcckzuk\u00f6nnen: Er hat Angst, als unglaubw\u00fcrdig zu gelten, weil er den anderen so lange etwas vorgemacht hat.<\/p>\n<blockquote><p>Mit dem Coming-out war eine Last von mir genommen<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"p3\">Klingberg versucht dem Kollegen zu helfen. \u00abNicht indem ich ihm zum Coming-out \u00fcberrede, das muss jeder Kollege selber entscheiden.\u00bb Aber Ratschl\u00e4ge kann er ihm geben und ihm aufzeigen, wie er selbst als geouteter Polizist lebt und arbeitet, ohne ausgegrenzt zu werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\">Als Klingberg 1989 bei der Polizei anfing, war er selbst noch ungeoutet. Aber nach kurzer Zeit war es ihm l\u00e4stig, sich immer wieder etwas einfallen zu lassen, was er den Kollegen erz\u00e4hlen k\u00f6nnte, das er am Wochenende unternommen habe. Ausserdem wollte er seinen Freund nicht l\u00e4nger verleugnen. 1992 outete er sich schliesslich. \u00abEine Last war von mir genommen\u00bb, erinnert er sich. Die Kollegen nahmen es positiv auf, offene Diskriminierung bei der Polizei hat er nicht erlebt. Andere Kollegen k\u00f6nnen das nicht von sich behaupten. Bl\u00f6de Kommentare muss sich der eine oder die andere immer noch anh\u00f6ren. Auch sowas ist ein Fall f\u00fcr den Ansprechpartner.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>Wie umgehen mit trans Kolleg*innen?<br \/>\n<\/b>Vor einigen Jahren hat Klingberg mal einen transsexuellen Kollegen unterst\u00fctzt, der von der Fachhochschule in den Schutzdienst wechselte, um in einer Polizeiwache zu arbeiten. Der Stab des Schutzbereiches schrieb ihn damals an: Man wisse nicht, ob man den neuen Kollegen integrieren k\u00f6nne. Dass man es konnte, dabei half AGL Klingberg. Der damalige Leiter des Schutzbereiches hatte urspr\u00fcnglich vor, alle Kollegen vorab zu informieren, dass sie einen trans Mann als Kollegen bek\u00e4men. Klingberg intervenierte: Das macht der Neue selber, wenn er bereit ist. Auch wollte man ihm einen eigenen Raum einrichten, wo er sich umziehen sollte. Kommt nicht in Frage, stellte Klingberg klar: Der zieht sich bei den M\u00e4nnern um.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"p1\">F\u00fcr ein Coming-out muss sich jeder Kollege selber entscheiden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"p3\">20 bis 30 % seiner Arbeitszeit widmet er LGBTIQ-Fragen. Die Zeit reicht aber nicht, sagt er. Wenn er Beratungstermine wahrnimmt, macht er das ausserhalb seiner \u00fcblichen Dienste oder an freien Tagen. Das kann er sich zwar als Dienstzeit gutschreiben lassen. Aber ideal, sagt Klingberg, w\u00e4re eine hauptamtliche Stelle. Zumal seine Stelle noch nicht sehr publik in Brandenburg ist, findet Klingberg. Das sei das Problem, wenn man es im Nebenamt macht, da k\u00f6nne man nicht sehr pr\u00e4sent sein.<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s3\">I<\/span>n Hamburg hat man das erkannt und im Sommer 2016 Tatsachen geschaffen. Dort ist Christine Osbahr (52) eine von zwei hauptamtlichen Kontaktpersonen. Seit 1996 bei der Hamburger Polizei, war sie zuvor unter anderem in der Drogenpr\u00e4vention t\u00e4tig, im Jugendschutz und im Reviervollzugsdienst in St.\u00a0Georg. Als Ansprechpartnerin f\u00fcr gleichgeschlechtliche Lebensweisen sieht ihr Aufgabenfeld \u00e4hnlich aus wie bei ihrem Kollegen in Brandenburg: Die lesbische Polizistin hilft Opfern von Straftaten bei der Aufnahme von Anzeigen und vermittelt sie an Opferhilfegruppen und Beratungsstellen, h\u00e4lt Vortr\u00e4ge an der Polizeiakademie zum Thema Hasskriminalit\u00e4t etc. Sie wird aber auch bei Bedarf bei Ermittlungen einbezogen. Wie im Fall zweier \u00e4lterer Herren, seit \u00fcber 40 Jahren ein Paar, die in der Seniorenwohneinrichtung, wo sie leben, massiven homophoben Beschimpfungen ausgesetzt waren. Andere Bewohner beleidigten die M\u00e4nner immer wieder, was sich schliesslich auch auf die Gesundheit der beiden ausgewirkt habe. Osbahr und ihre Kollegen nahmen Anzeigen auf und sprachen mit den Betreibern der Anlage. \u00abDas ging mir wahnsinnig zu Herzen, aber jetzt haben die beiden Ruhe.\u00bb<\/p>\n<figure id=\"attachment_30617\" aria-describedby=\"caption-attachment-30617\" style=\"width: 5184px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"loaded ls-is-cached lazyloaded wp-image-30617 size-full\" src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677.jpg\" sizes=\"(max-width: 5184px) 100vw, 5184px\" srcset=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677.jpg 5184w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-400x300.jpg 400w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-300x225.jpg 300w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-768x576.jpg 768w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-1024x768.jpg 1024w\" alt=\"LGBTIQ-Community\" width=\"5184\" height=\"3888\" data-expand=\"600\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677.jpg\" data-srcset=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677.jpg 5184w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-400x300.jpg 400w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-300x225.jpg 300w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-768x576.jpg 768w, https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/P1620677-1024x768.jpg 1024w\" data-sizes=\"(max-width: 5184px) 100vw, 5184px\" data-was-processed=\"true\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30617\" class=\"wp-caption-text\">Christina Osbahr (re) aus Hamburg und ihr Polizeipr\u00e4sident (Foto: Polizei Hamburg)<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p5\"><b>Mit offenen Armen und offenem Geist<br \/>\n<\/b>Osbahr ist froh, dass man in Hamburg einen proaktiven Ansatz verfolgt und die \u00c4mter der Ansprechpartner von zuletzt vier halben Stellen auf zwei ganze Stellen ausgebaut hat. Es geht nur so, sagt sie und erkl\u00e4rt: \u00abVeranstaltungen von Opferhilfen oder Beratungsstellen, an denen man als AGL teilnimmt, finden oft am Abend statt und dauern vielleicht auch etwas l\u00e4nger. Dann kann man nicht am n\u00e4chsten Morgen um 5 Uhr im Streifenwagen sitzen. Oder wenn man gerade zu einem Einsatz unterwegs ist und das LGBTIQ-Handy klingelt, dann l\u00e4sst man es klingeln. Das schafft nicht gerade Vertrauen, wenn dann Menschen vergeblich anrufen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p3\">Dabei wirbt sie als Ansprechperson genau daf\u00fcr \u2013 f\u00fcr Vertrauen. \u00abIch will der Community zeigen: Es gibt bei der Polizei eine Stelle, wo ihr mit offenen Armen und einem offenen Geist empfangen werdet und wo ihr ohne Vorbehalte oder \u00c4ngste haben zu m\u00fcssen Anzeige erstatten k\u00f6nnt.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p3\">Und das kommt an. Die R\u00fcckmeldungen, die sie erh\u00e4lt, machen sie stolz: \u00abSeit Sie diesen Job machen, ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Polizei und Community so gut, wie lange nicht mehr\u00bb, sagt man ihr. Auch beim queeren Beratungs- und Begegnungszentrum Magnus- Hirschfeld-Centrum geniesst sie einen hervorragenden Ruf: \u00abZu der Osbahr kannste gehen\u00bb, heisst es dort.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>R\u00fcckendeckung des Polizeipr\u00e4sidenten<br \/>\n<\/b>Wichtig f\u00fcr den Ausbau der Ansprechpartner war der R\u00fcckhalt des Hamburger Polizeipr\u00e4sidenten Ralf Martin Meyer, den Osbahr ausdr\u00fccklich lobt. Schliesslich ist das Personal wie \u00fcberall bei der Polizei knapp, und dass die AGL aufgestockt wurden, findet sie \u00abgrossartig\u00bb. Meyer sei auch der erste Polizeipr\u00e4sident Deutschlands gewesen, der auf der CSD-Parade mitgelaufen ist und der auch jedes Jahr daf\u00fcr sorgt, dass zum Christopher Street Day die Regenbogenfahne am Pr\u00e4sidium gehisst wird.<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s4\">Osbahr w\u00fcrde es begr\u00fcssen, wenn es in Deutschland mehr Ansprechpartner g\u00e4be, die im Hauptamt t\u00e4tig sein k\u00f6nnen. Die mit derselben Pr\u00e4senz und Sichtbarkeit wie sie selbst f\u00fcr ein besseres Miteinander zwischen Polizei und Community sorgen. Und dass es f\u00fcr Polizisten, die dieses Amt aus\u00fcben, festgelegte Standards gibt, w\u00fcnscht sich Osbahr. Im Moment h\u00e4ngt noch viel an der Eigeninitiative und der Kreativit\u00e4t der jeweiligen Polizisten. Auch eine Art zusammenfassende Organisation gibt es \u00fcbrigens nicht: So fanden bisher erst zwei Bundesreffen der polizeilichen Ansprechpartner f\u00fcr gleichgeschlechtliche Lebensweisen statt \u2013 das letzte war Ende 2014 in Bremen.<\/span><\/p>\n<blockquote><p>Die meisten Gefl\u00fcchteten kennen Polizei aus ihrer Heimat nur als Verfolgungsorgan, da ist die Anzeigebereitschaft nochmal niedriger<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"p3\">Marco Klingberg aus Brandenburg ist optimistisch, dass sein Amt aufgewertet und <span class=\"s3\">vielleicht ebenfalls zu einem hauptamtlichen ausgebaut wird. Die Landesregierung hat Ende 2017 den \u00abAktionsplan f\u00fcr Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, f\u00fcr Selbstbestimmung und gegen Homo- und Transphobie in Brandenburg\u00bb beschlossen und will k\u00fcnftig LGBTIQ-Themen in der Aus- und Weiterbildung bei der Polizei besser umsetzen und die Gewaltpr\u00e4vention angehen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p5\"><b>F\u00fcr viele Massnahmen fehlt die Zeit<br \/>\n<\/b>Vorerst bleibt Klingberg oft nur der Konjunktiv. In Bereichen, wo sich Kriminalit\u00e4t h\u00e4uft, k\u00f6nnte man sich mit anderen Verb\u00e4nden zusammenschliessen, etwa in Fussballvereinen. Denn wenn bei Spielen Banner mit homophoben Spr\u00fcchen gezeigt werden, ist das ist eine Straftat. Leider fehlt die Zeit, das umzusetzen. Auch beim Thema Gewalt gegen queere Fl\u00fcchtlinge m\u00fcsste man etwas unternehmen. \u00abDie meisten kennen Polizei aus ihrer Heimat nur als Verfolgungsorgan, da ist die Anzeigebereitschaft nochmal niedriger\u00bb, sagt Klingberg. Damit sein Amt ausgebaut wird, m\u00fcsste es auch die Community einfordern, findet er. Das w\u00e4re auch Aufgabe der queeren Szene, findet der Polizist. \u00abWenn ich es allein fordere, wird es wahrscheinlich nicht passieren.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p3\">Und es ist wichtig, dass Opfer von Straftaten zur Polizei gehen oder sich an die jeweiligen LGBTIQ-Ansprechpartner wenden. Denn wenn Gewalttaten gegen Schwule oder Transpersonen nicht angezeigt werden, k\u00f6nnen \u00dcbergriffe auch zuk\u00fcnftig schwer verhindert werden, weil sich die T\u00e4ter in Sicherheit wiegen und weitere Straftaten ohne Angst vor Strafverfolgung begehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"p1\">Die Aufkl\u00e4rungschancen sind gr\u00f6sser, wenn<br \/>\nunmittelbar nach der Tat Anzeige erstattet wird.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"p3\">Ein Problem ist allerdings auch, dass ein Grossteil gar nicht aufgekl\u00e4rt wird \u2013 in Deutschland gelingt das nur bei jedem dritten Fall von LGBTIQ-feindlicher Gewalt. Das liegt zwar \u00fcber dem Durchschnitt, reicht aber nat\u00fcrlich bei weitem nicht. In der Hauptstadt wurden in der Vergangenheit im Schnitt sogar 40\u2006% der F\u00e4lle aufgekl\u00e4rt, was vergleichsweise hoch ist, auch gemessen an der Anonymit\u00e4t der Grossstadt, findet Ines Karl. Die Berliner Oberstaatsanw\u00e4ltin ist zusammen mit einem Kollegen als LGBTIQ-Ansprechpersonen bei der Staatsanwaltschaft t\u00e4tig; in einer europaweit einzigartigen Spezialabteilung, die Hasskriminalit\u00e4t gegen Homo- und trans Menschen verfolgt.<\/p>\n<p class=\"p5\"><b>Anzeigen, anzeigen, anzeigen!<br \/>\n<\/b>Warum bei einem Grossteil der F\u00e4lle kein*e T\u00e4ter*innen ermittelt wird bzw. die Ermittlungen eingestellt werden, hat laut Karl unterschiedliche Gr\u00fcnde: Entweder man kann einem T\u00e4ter die Tat nicht nachweisen etwa wenn Aussage gegen Aussage steht oder wenn die Erinnerung an die Tat durch Alkohol oder andere Substanzen getr\u00fcbt war. Manche Anzeigenden h\u00e4tten laut Karl auch psychische Probleme, sodass ihren Angaben nicht immer ohne Weiteres gefolgt werden kann. Wichtig ist aber, nach einer Straftat zur Polizei zu gehen. \u00abDie Aufkl\u00e4rungschancen sind gr\u00f6sser, wenn unmittelbar nach der Tat Anzeige erstattet wird, dann greift die Spurensicherung oder eine eventuellen Videoauswertung in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln\u00bb, sagt Ines Karl und empfiehlt: \u00abAnzeigen, anzeigen, anzeigen \u2013 auch um Serient\u00e4ter*innen zu erkennen und zu ermitteln.\u00bb<\/p>\n<hr class=\"strich\" \/>\n<h3 class=\"lavendeltitel\">Ein Land im Dornr\u00f6schenschlaf<\/h3>\n<p class=\"lavendel\">In der Schweiz wird nicht erfasst, wenn LGBTIQ-\u00adMenschen diskriminiert oder Opfer von Gewalt werden. Dabei hatte der Bundesrat in Bern im August 2015 auf die Anfrage der BDP-Politikerin Rosmarie Quadranti geantwortet, er halte es f\u00fcr wichtig, \u00abMinderheiten zu sch\u00fctzen und die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung, namentlich aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechts\u00adidentit\u00e4t, zu f\u00f6rdern\u00bb. Diskriminierende Handlungen gegen LGBTIQ seien sicherlich verbreitet, es fehlten aber Zahlen, um dies zu belegen. W\u00f6rtlich hiess es: \u00abDer Bundesrat erachtet es als sinnvoll, \u2039Hate Crimes\u203a zu erfassen und entsprechende Daten zu ver\u00f6ffentlichen.\u00bb Passiert ist aber nichts. Wie Recherchen der Newsplattform \u00abWatson\u00bb im vergangen Jahr ergaben, ist die Einf\u00fchrung einer solchen Statistik vom Tisch. Eine Mehrheit der Kantone habe sich dagegen ausgesprochen, wie das zust\u00e4ndigen Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) mitteilte. Einer der Gr\u00fcnde: \u00abein ung\u00fcnstiges Aufwand-Ertrag-Verh\u00e4ltnis\u00bb. Anders ausgedr\u00fcckt: lohnt sich nicht!<\/p>\n<p class=\"lavendel\">Die Schweiz, so konstatiert die \u00abLGBT+ Helpline\u00bb, eine Meldestelle f\u00fcr homo- und transphobe Gewalt, befinde sich in \u00abeinem Dornr\u00f6schenschlaf\u00bb, weil man davon ausgeht, dass Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTIQ-Menschen gar nicht stattfindet. Dem widersprechen verschiedene nicht respr\u00e4sentative Umfragen: So wurde 2012 anl\u00e4sslich einer Diplomarbeit \u00fcber Hassgewalt eine Umfrage unter 261 LGBTIQ-\u00adPersonen durchgef\u00fchrt. Drei von vier Befragten waren schon mal bel\u00e4stigt oder beleidigt worden. Weiteres Ergebnis: Fast jeder dritte Homosexuelle f\u00fchlt sich nicht sicher, von den trans Personen sagen das sogar \u00fcber 70\u2006%. Laut einer Umfrage zur Z\u00fcrich Pride in 2016 sind zwei von drei LGBTIQ-Menschen in den letzten zw\u00f6lf Monaten schon einmal Opfer von Beleidigung, unterlassener Hilfe\u00adleistung oder Gewalt gewesen.<\/p>\n<p class=\"lavendel\">In Ermangelung offizieller Statistiken bauen nun mehrere LGBTIQ-Organisationen eine Plattform auf, um trans- und homophobe Hassverbrechen statistisch zu erfassen. LGBTIQ-\u00adAnsprechpersonen bei der Polizei gibt es in der Schweiz ebenfalls nicht; darum verfolgt die queere Polizistenorganisation PinkCop den Ansatz, Polizist*innen zu sensibilisieren und sie zu schulen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich werden in Deutschland Mitglieder der LGBTIQ-Gemeinde beschimpft und verpr\u00fcgelt \u2013 die Zahlen sind seit Jahren auf einem hohen Niveau. Dabei wird ein Gro\u00dfteil der \u00dcbergriffe gar nicht zur Anzeige gebracht. Die Polizei versucht das, in Zusammenarbeit mit der Community zu \u00e4ndern \u2013 je nach Bundesland sieht das in der Praxis sehr unterschiedlich aus. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/vom-verfolger-zum-partner-der-lgbtiq-community\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":30600,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,2,4371],"tags":[5501,5461],"wps_subtitle":"Das Misstrauen der Polizei gegen\u00fcber sitzt teilweise noch tief","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30524"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30524"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30524\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":124199,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30524\/revisions\/124199"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}