{"id":28089,"date":"2018-02-17T16:47:53","date_gmt":"2018-02-17T15:47:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mannschaft.com\/?p=28089"},"modified":"2024-09-04T14:15:29","modified_gmt":"2024-09-04T12:15:29","slug":"ausgefallen-mutig-und-bizarr-die-queeren-kurzfilme-an-der-berlinale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ausgefallen-mutig-und-bizarr-die-queeren-kurzfilme-an-der-berlinale\/","title":{"rendered":"Ausgefallen, mutig und bizarr \u2013 die queeren Kurzfilme bei der Berlinale"},"content":{"rendered":"<h3>Am 22. und 25. Februar sind im Rahmen der Berlinale im \u00abQueer Mix\u00bb acht queere Kurzfilme zu sehen. Sie sind ausgefallen, ernst, mutig, regen zum Nachdenken an und sind teilweise auch bizarr.<\/h3>\n<p>Einer von ihnen wird mit dem Teddy f\u00fcr Besten Kurzfilm ausgezeichnet. Zwei \u2013 \u00abT.R.A.P\u00bb und Onde o Ver\u00e3o Vai (epis\u00f3dios da juventude) \u2013 sind auch im Rennen f\u00fcr den mit 20&#8217;000 Euro dotierten \u00abAudi Short Film Award\u00bb.<\/p>\n<p>Tickets f\u00fcr den Queer Mix sind jeweils drei Tage vor Auff\u00fchrung ab 10 Uhr vormittags erh\u00e4ltlich. Hier <a href=\"http:\/\/teddyaward.tv\/de\/programm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">findest du alle Filme<\/a> im TEDDY-Programm 2018.<\/p>\n<p><strong>T.R.A.P.<br \/>\n<\/strong>Mystischer Ort, verwunschene Geschichte: Eine Gruppe von Rittern, geht am Ufer des R\u00edo de la Plata an Land. Sie sind auf der Suche nach einem Grab, an dem sie ein Ritual abhalten wollen. W\u00e4hrend sie durch den Dschungel ziehen, geschehen Dinge, die sie im Heute landen lassen. Sie haben Sex, finden ein Auto, genie\u00dfen mit einem Bier in der Hand den Sonnenuntergang. Dann erklingt im Radio eine Nachricht, die alles in einem anderen Licht erscheinen l\u00e4sst, und es gibt kein Zur\u00fcck mehr. Im S\u00fcden Argentiniens ist es im vergangenen Sommer zu Demonstrationen gegen das italienische Mode- und Textilunternehmen Benetton gekommen. Die Firma besitzt dort riesige L\u00e4ndereien, die urspr\u00fcnglich den Mapuche geh\u00f6rten. Die Mapuche-Ureinwohner versuchen seit Jahren, ihren Besitz zur\u00fcckzuerhalten, um selbstbestimmt zu leben. Die Demonstrationen waren mit Ausschreitungen auf beiden Seiten verbunden; dabei verschwand Santiago Maldonado, der mit den Mapuche demonstrierte. \u201eNie wieder\u201c hie\u00df es seit dem Ende der Diktatur in Argentinien, nun ist es wieder soweit. Es gibt keine Flucht vor der Realit\u00e4t, es gilt sich ihr zu stellen. Der Filmemacher bricht vorherrschende Stereotypen auf, um so seine eigene Geschichte jenseits des hegemonialen Anspruchs zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Onde o Ver\u00e3o Vai (epis\u00f3dios da juventude)<\/strong><br \/>\n<em>(deutsch: Wohin der Sommer geht (Episoden aus der Jugend))<\/em><br \/>\nDie Hitze des Sommers flirrt. Eine Gruppe von Freunden f\u00e4hrt in den Wald. Die K\u00f6rper sind dicht gedr\u00e4ngt in diesem Auto. Vier auf der R\u00fcckbank, zwei vorne. Im Wald finden sie eine Schlange. Die Schlange ringelt sich \u00fcber den Fu\u00df des jungen Mannes. Das M\u00e4dchen h\u00e4lt sie in den H\u00e4nden. Zwei M\u00e4nner essen Pfirsiche. Die M\u00e4nner k\u00fcssen. Nach dem Kuss ist der Tag vor\u00fcber.<br \/>\nDie Komposition der Gruppe in einem Bildrahmen erinnert an die fr\u00fchen Filme von Asghar Farhadi, in denen ebenfalls immer wieder der Einzelne der Gruppe gegen\u00fcbersteht. Die Inszenierung der Jugend ist modern und gleichzeitig in ihren Blicken und Gesten ein Verweis auf die Malerei des Barock, ohne jemals das Heute zu vergessen. In vier Kapiteln eignet sich der 21-j\u00e4hrige David Vicente den Anfang aller Erz\u00e4hlungen der monotheistischen Religionen an und interpretiert ihn neu. Reframing his-story.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/484023959?h=848ba68699\" width=\"640\" height=\"338\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Contra-Internet: Jubilee 2033<\/strong><br \/>\nInspiriert von Derek Jarmans queerem Punk-Film <em>Jubilee<\/em> von 1978, erz\u00e4hlt <em>Contra-Internet: Jubilee 2033<\/em> die Geschichte um Ayn Rand und Mitglieder ihres Kollektivs \u2013 darunter u.a. Alan Greenspan \u2013 die sich im Jahr 1955 auf einen LSD-Trip begeben. Zach Blas erschafft, mit Susanne Sachsse in der Rolle der Ayn Rand, einen psychedelischen Fiebertraum, in dem die Philosophin und ihre Anh\u00e4nger*innen in das dystopische Silicon Valley der Zukunft versetzt werden. W\u00e4hrend die Campusse von Apple, Facebook und Google brennen, verr\u00e4t ihnen ihre Reiseleiterin \u2013 die k\u00fcnstliche Intelligenz Azuma \u2013, dass Ayn als Philosophin f\u00fcr Tech-Manager*innen eine gewisse Ber\u00fchmtheit erlangt hat, da ihre Schriften den Unternehmergeist f\u00f6rdern. Inmitten der Tr\u00fcmmer erfahren Rand und das Kollektiv von der Existenz des Internets und werden Zeugen von K\u00e4mpfen zwischen Techies und Anti-Campus-Groupies. Sie treffen auf die contra-sexuelle Internetgegner*in Nootropix, die das Ende des Internets predigt. Rand und das Kollektiv brauchen eine Verschnaufpause und finden sich am Silicon Beach wieder, wo sich St\u00fccke aus polykristallinem Silizium mit Sand und Ozean vermischen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/252460386?h=d717cac419&amp;color=ffffff&amp;title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Pop Rox<\/strong><br \/>\nJesse ist kreativ und \u00fcberhaupt nicht auf den Mund gefallen. Wie aber soll sie ihrer besten Freundin gestehen, dass sie verliebt ist? Und zwar in sie! Es vorspielen mit Fingerpuppen? Zu albern. Einen Liebesbrief schreiben?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vielleicht. Oder es ihr einfach sagen? Mit gro\u00dfer Anteilnahme und einer Prise Ironie beschreibt der Film die Gef\u00fchlswelt des verliebten Teenagers, hin- und hergerissen zwischen wilder Entschlossenheit und der Angst, entt\u00e4uscht zu werden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/QWBc92tTzPA\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Juck<\/strong><br \/>\nJuck ist Sex. Juck ist Energie. Juck ist Protest. Juck ist Therapie. Juck ist Aktion. Juck ist Dominanz. Juck ist Provokation. Juck ist Toleranz. Juck ist Bewegung. Juck ist Fantasie. Juck ist Erregung. Juck ist Utopie. Juck ist, sich selbst zu sehen, auch wenn es schwer ist. Juck ist, sich nicht f\u00fcr seine Existenz zu entschuldigen. \u201eWeiblichkeit ist ein Wort, das wir mit allem f\u00fcllen k\u00f6nnen, was wir wollen\u201c, sagen sie. Sie f\u00fcllen es mit Juck.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/478870792?h=a4b69a50a2\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Three Centimetres<\/strong><br \/>\nEin Moment des Stillstands, der Schwebe. Vier Freundinnen sitzen in der Gondel eines Riesenrads; die Kamera nimmt das Mittelmeer vor der libanesischen K\u00fcste mit in den Blick, beobachtet, wie die M\u00e4dchen einsteigen, dreht eine Runde, f\u00e4hrt mit ihnen bis nach oben. Dann stoppt das Rad und auch die Kamera h\u00e4lt inne. Die Unterhaltung ist bereits zuvor ins Stocken geraten, als Manal gesteht, dass sie mit einer Frau zusammen ist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Sl2YOBfaDZ4\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Je fais o\u00f9 tu me dise<\/strong><br \/>\nNach <em>L\u00e9chez-nous, Miaou, Miaou!<\/em> (<em>Generation 2016<\/em>) erz\u00e4hlt Marie de Maricourt erneut von einer schillernden Rebellion sexueller Identit\u00e4t. Sarahs Sehns\u00fcchte scheinen in ihrem Elternhaus keinen Platz zu haben. Die fremdbestimmte Atmosph\u00e4re in dem gutb\u00fcrgerlichen Haushalt erlebt die junge Frau beengender als ihren Rollstuhl. Mithilfe einer heimlichen Komplizin findet sie jedoch Wege, das d\u00fcstere Anwesen in einen Tempel der Wonne zu verwandeln.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9mXDaPRjHCA\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Evidentiary Bodies<\/strong><br \/>\nEin Publikum, versunken in drei Leinw\u00e4nde, sp\u00fcrt die Umklammerung der Krankheit, die Isolation des physischen K\u00f6rpers. Die endlose Filmschleife l\u00e4uft, doch sie kann der Protagonistin keinen Halt geben. Die Zeit ist dehnbar, der K\u00f6rper ver\u00e4ndert sich und der Film beginnt erneut. Eine Trilogie des Selbst, Zeugin von Verfall und Leid, das Undenkbare vollbringend, unaufhaltsam, ein Totentanz. Drei umgibt, umschlie\u00dft, umarmt die Eine, die nicht f\u00fcr sich stehen kann. Wir \u2013 menschliche Wesen auf einem kleinen Globus, vereint durch evolution\u00e4re Struktur und biologische DNA \u2013 haben die Chance, durch Empathie und Identifikation mit dem empfindsamen K\u00f6rper zueinanderzufinden. Ein unausgesprochenes Pl\u00e4doyer an die Zuschauer*innen, Mitgef\u00fchl zu sp\u00fcren, Verletzlichkeit zuzulassen, die Evidenz des K\u00f6rpers zu erkennen, eines K\u00f6rpers, der auch ihr eigener K\u00f6rper ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Queere Kurzfilme an der Berlinale: Der \u00abQueer Mix\u00bb r\u00fcckt LGBT+-Filmschaffen aus aller Welt ins Zentrum, zu sehen am 22. und 25. Februar. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/ausgefallen-mutig-und-bizarr-die-queeren-kurzfilme-an-der-berlinale\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":159088,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[],"tags":[5437,5539],"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28089"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28089"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28089\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":159103,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28089\/revisions\/159103"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/159088"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}