{"id":25544,"date":"2017-12-14T10:36:56","date_gmt":"2017-12-14T09:36:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mannschaft.com\/?p=25544"},"modified":"2021-04-20T15:51:53","modified_gmt":"2021-04-20T13:51:53","slug":"unsere-freunde-starben-einer-nach-dem-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/unsere-freunde-starben-einer-nach-dem-anderen\/","title":{"rendered":"\u00abUnsere Freunde starben, einer nach dem anderen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Gegr\u00fcndet nach US-amerikanischem Vorbild, k\u00e4mpfte die Aktivistengruppe \u00abAct Up\u00bb im Paris der fr\u00fchen Neunziger f\u00fcr HIV-Pr\u00e4vention und Zugang zu AIDS-Medikamenten. Regisseur Robin Campillo hat ihr Engagement im franz\u00f6sischen Spielfilm \u00ab120 BPM\u00bb realit\u00e4tsnah dokumentiert.<\/h3>\n<p><strong>R<\/strong><b>obin, wie lange hast du die Idee f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/2017\/12\/120-bpm-gemeinsam-gegen-aids\/\">\u00ab120 BPM\u00bb<\/a> mit dir herum\u00adgetragen?<\/b><br \/>\nIch dachte im Grunde schon sehr lange \u00fcber eine Realisierung dieses Filmes nach. Ich hatte mich in den Achtzigern gerade an den Filmhochschulen beworben, als AIDS zum Thema wurde. Doch der Ausbruch der Epidemie hatte eine derartige Wirkung auf mich, dass ich nach meinem Abschluss jegliches Interesse am Filmemachen verlor. Ich war angespannt und \u00e4ngstlich und konnte dem nur entgegenwirken, indem ich mich irgendwann der Aktivistengruppe \u00abAct Up\u00bb anschloss. Als ich mich dann sp\u00e4ter von meinem Kollegen Laurent Cantet doch dazu bringen liess, zum Film zur\u00fcckzukehren, wusste ich eigentlich immer, dass ich mal einen Film \u00fcber AIDS drehen wollte.<\/p>\n<p><b>Also nahmst du dich deiner pers\u00f6nlichen Erfahrungen an?<\/b><br \/>\nNicht unmittelbar. Zun\u00e4chst dachte ich f\u00fcr eine lange Zeit, dass ich einen Film \u00fcber die Anf\u00e4nge von AIDS in Frankreich drehen w\u00fcrde. Aber irgendwie passte das nicht, ich fand einfach nicht den richtigen Zugang zum Thema. Vor ungef\u00e4hr sieben Jahren fiel mir dann zum ersten Mal auf, dass ich den richtigen Ansatz f\u00fcr eine Geschichte vielleicht die ganze Zeit vor Augen hatte: meine eigene Zeit als Aktivist in den Neunzigerjahren. Pl\u00f6tzlich wusste ich ganz genau, wovon ich erz\u00e4hlen w\u00fcrde. Was nicht heisst, dass mir das nicht einen riesigen Respekt eingefl\u00f6sst h\u00e4tte. Ich hatte wirklich Angst, unsere Vergangenheit vielleicht nicht akkurat genug darzustellen und meine fr\u00fcheren Mitstreiter zu entt\u00e4uschen. Doch irgendwann hatten mich meine Produzenten davon \u00fcberzeugt, dass andauerndes Z\u00f6gern und \u00dcberlegen die Sache nicht leichter machen w\u00fcrden. Also machte ich mich nach 25 Jahren endlich an die Arbeit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25549\" aria-describedby=\"caption-attachment-25549\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-25549\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 513'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"513\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1.jpg 770w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-313x209.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-400x266.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_1-144x96.jpg 144w\" data-sizes=\"(max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25549\" class=\"wp-caption-text\">Nathan (Arnaud Valois) protestiert in \u00ab120 BPM\u00bb gegen den Pharmakonzern \u00abMelton-Pharm\u00bb, der f\u00fcr AIDS-Kranke potenziell entscheidende Forschungsdaten unter Verschluss h\u00e4lt.<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Welche Relevanz hat denn diese Geschichte gerade heute?<\/b><br \/>\nIch weiss gar nicht, ob ich sagen w\u00fcrde, dass sie heute mehr Relevanz hat als vor zehn oder 20 Jahren. Dass ich \u00ab120 BPM\u00bb gedreht habe, hat nichts mit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage in Frankreich zu tun. So etwas w\u00e4re mir auch viel zu schlicht. Mit erhobenem Zeigefinger dem Publikum eine Lektion erteilen \u2013 das war das Letzte, was ich im Sinn hatte.<\/p>\n<p><b>Worum also ging es dir?<\/b><br \/>\nIch wollte die Erinnerung bewahren. Ich erinnere mich noch daran, wie wir schon damals Angst hatten, dass man uns und unsere Erfahrungen irgendwann vergessen w\u00fcrde. Denn unsere Freunde starben, einer nach dem anderen. W\u00fcrde irgendwer sp\u00e4ter noch erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, was wir durchgemacht haben? Wie es sich anf\u00fchlt, einen Kampf buchst\u00e4blich mit Leib und Seele auszufechten, weil unsere K\u00f6rper in Gefahr waren?<\/p>\n<blockquote><p>\u00abW\u00fcrde irgendwer sp\u00e4ter noch erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, was wir durchgemacht haben?\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Das wollte ich nun zeigen, ohne dabei belehrend zu sein. Und ich wollte ein Gef\u00fchl daf\u00fcr vermitteln, mittendrin zu stecken in einem Kampf, statt ihn zu beginnen, so wie es andere Filme \u00fcber Aktivismus ja oft tun.<\/p>\n<p><b>Du hast Angst erw\u00e4hnt. Wovor genau hast du dich damals gef\u00fcrchtet? Vor der Krankheit? Oder vor der Gesellschaft?<\/b><br \/>\nIch hatte damals, auch in jungen Jahren, kein Problem mit meiner eigenen Homosexualit\u00e4t. In Frankreich war man mehr oder weniger tolerant gegen\u00fcber Schwulen, zumindest, solange sie einigermassen diskret waren. Und das war damals f\u00fcr mich in Ordnung. Doch mit dem Aufkommen von AIDS hielt pl\u00f6tzlich ein neues Gef\u00fchl von Scham und Schande Einzug. Die alte M\u00e4r vom Schwulsein als Krankheit steckte eh noch in den K\u00f6pfen \u2013 und nun wurden wir Schwulen auch noch von einer tats\u00e4chlichen Krankheit heimgesucht. Es war grauenhaft und unvorstellbar. Oft empfand ich die Situation damals als irreales Science-Fiction-\u00adSzenario. Zumal sich dann Leute wie Michel Foucault hinstellten und sagten, AIDS sei doch bloss eine Erfindung. Nur um dann selbst daran zu sterben. Das alles l\u00e4hmte mich und meine kreativen Impulse vollkommen.<\/p>\n<p><b>Und wie kamst du dann zu Act Up?<\/b><br \/>\nLetztlich durch die Arbeit. Ich konnte zwar nicht in der Filmbranche t\u00e4tig sein, aber immerhin verdiente ich als Cutter beim Fernsehen mein Geld. Da arbeitete ich \u00fcberwiegend f\u00fcr Nachrichtensendungen \u2013 und stiess so auf Berichte \u00fcber Act Up und ihre Aktionen. Als ich mich ihnen dann anschloss, kam es manchmal sogar vor, dass ich Berichte schneiden musste, in denen ich selbst zu sehen war. Durch die Schulen gehen und Kondome verteilen zum Beispiel, so wie ich es in \u00ab120 BPM\u00bb zeige, war etwas, was ich immer wieder gemacht habe.<\/p>\n<p><b>\u00ab120 BPM\u00bb ist nat\u00fcrlich nicht der erste Film, der sich mit AIDS auseinandersetzt. Hast du dich mit anderen besch\u00e4ftigt, sei es als Inspiration, sei es zur Abgrenzung?<\/b><br \/>\nNicht konkret in Vorbereitung auf meinen Film, aber nat\u00fcrlich habe ich im Laufe der Jahre viele Filme \u00fcber AIDS gesehen. \u00abSilverlake Life: The View From Here\u00bb hat seine Spuren hinterlassen. Das ist ein Dokumentarfilm, in dem ein Mann seinen kranken Partner mit der Kamera beim Sterben begleitet. Der hat mich sehr beeindruckt, weil er ganz nahe herangeht an die Krankheit, bis zum bitteren Ende. Am Ende ist ein realer Leichnam zu sehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25551\" aria-describedby=\"caption-attachment-25551\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-25551\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 770 513'%2F%3E\" data-src=\"http:\/\/www.mannschaft.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"513\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2.jpg 770w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-425x283.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-364x243.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-758x505.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-608x405.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-313x209.jpg 313w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-400x266.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-72x48.jpg 72w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/HO_BPM_Valois_2-144x96.jpg 144w\" data-sizes=\"(max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25551\" class=\"wp-caption-text\">Pl\u00e4ne, Diskussionen und Streitgespr\u00e4che: \u00ab120 BPM\u00bb zeigt den Alltag der Pariser Aktivistengruppe \u00abAct Up\u00bb in den fr\u00fcher Neunzigerjahren.<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Der erste grosse Hollywoodfilm \u00fcber das Thema war \u00abPhiladelphia\u00bb, der bis heute umstritten bleibt.<\/b><br \/>\nWas ich nat\u00fcrlich verstehen kann. Aber ich muss sagen, dass der Film trotzdem einen besonderen Platz in meinem Herzen hat, auch wenn ich nicht sagen kann, wie er mir heute gefallen w\u00fcrde. Damals war es sehr wichtig, dass es ihn \u00fcberhaupt gab. Ein Holly\u00adwood-Film mit prominenten Schauspielern in den Hauptrollen, der von einem schwulen Mann und von AIDS erz\u00e4hlt \u2013 das war eine grosse Sache. Und nichts, was in Frankreich vorstellbar gewesen w\u00e4re. Der erste AIDS-Film, an den ich mich bei uns erinnere, war \u00abLes Nuits Fauves\u00bb. Zwar aus der gleichen Zeit, aber im Zentrum standen ein bisexueller Mann, der HIV-positiv ist und seine Lebensgef\u00e4hrtin ansteckt. Die Botschaft war letztlich: Wer sich wirklich liebt, darf was riskieren und braucht keine Kondome. Das fanden wir nicht nur bei \u00abAct Up\u00bb damals unglaublich naiv, unverantwortlich und sehr franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p><b>Du selbst verkn\u00fcpfst nun in \u00ab120 BPM\u00bb gesellschaftspolitischen Aktivismus mit einer intimen Liebesgeschichte. Wie hast du die richtige Mischung gefunden?<\/b><br \/>\nMir gefiel der Gedanke, dass mein Film im Grunde ein grosses Haus voller Bewohnender ist und man sich als Zuschauer beim Betreten erst einmal orientieren muss. Man weiss noch gar nicht, wer letztlich Protagonist sein wird und wer Nebenfigur, und man hat auch keine Ahnung, wie sich aus diesem grossen Ganzen eine Geschichte entwickeln wird.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abIch wollte jene Zeit zeigen, wie ich sie damals pers\u00f6nlich erlebt habe.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Deswegen f\u00e4ngt der Film auch ganz unmittelbar an: Das Publikum erh\u00e4lt keine erkl\u00e4rende Einf\u00fchrung, sondern ist gleich mittendrin in den Diskussionen, in denen es gilt, sich zurechtzufinden. Da geht es dem Zuschauer wie Nathan, der im Film neu zu Act Up st\u00f6sst. Doch gleichzeitig wollte ich eben jene Zeit genauso zeigen, wie ich sie damals pers\u00f6nlich erlebt habe. Und die bestand eben nicht nur aus Aktivismus und Streitgespr\u00e4chen, sondern auch aus ganz intimen, privaten Momenten und Beziehungen.<\/p>\n<p><b>Ist die Beziehung zwischen Nathan und Sean eine, die du selbst erlebt hast?<\/b><br \/>\nNicht ich, aber ein Freund von mir. Der verliebte sich, wie so viele von uns, in einen Kerl, der positiv war. Unter anderen Umst\u00e4nden w\u00e4re die Geschichte vielleicht nach ein paar Monaten beendet gewesen, aber dann wurde der andere krank und mein Freund blieb bis zu seinem Tod bei ihm und pflegte ihn. Aus Liebe, aus einem Gef\u00fchl von Verantwortung, aus Mitleid \u2013 das war eine emotional h\u00f6chst komplizierte Gemengelage. Aber es geh\u00f6rte zu unserer Situation dazu. Im Film sagt Sean zu Nathan kurz vor dem Ende im Krankenhaus: \u00abEs tut mir leid, dass du es sein musstest.\u00bb Das ist f\u00fcr mich der vielleicht wichtigste Satz des Films.<\/p>\n<p><b>Ein Engagement wie jenes von Act Up gibt es heutzutage im Kontext von AIDS kaum noch. Weil es nicht mehr n\u00f6tig ist?<\/b><br \/>\nOh nein, davon kann keine Rede sein. Es ist nur einfach sehr schwer, die Menschen zu mobilisieren, wenn es nicht mehr wie damals ganz unmittelbar ums \u00dcberleben geht. Heute ist eine HIV-Diagnose nicht automatisch ein Todesurteil, und gerade PrEP hat noch einmal alles ver\u00e4ndert. Dabei gibt es unglaublich viel, wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen sollten.<\/p>\n<blockquote><p>\u00abEs ist sehr schwer, die Menschen zu mobilisieren, wenn es nicht mehr wie damals ganz unmittelbar ums \u00dcberleben geht.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Das politische Klima ist \u00fcberall auf der Welt erschreckend, die Pharmaindustrie und ihre Lobby hat viel zu viel Macht und in Afrika kann es sich kaum jemand leisten, jeden Tag teure Medikamente zu schlucken. Act Up gibt es immer noch \u2013 und es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, die Organisation w\u00fcrde wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #258c89;\">Schon in den Achtzigerjahren studierte der in Marokko geborene Franzose Robin Campillo an der Filmhochschule, doch erst ein Jahr sp\u00e4ter begann er schliesslich, f\u00fcrs Kino zu arbeiten. Als Cutter und Autor etwa arbeitete er mit dem Regisseur Lauren Cantet an Filmen wie \u00abAuszeit\u00bb oder \u00abDie Klasse\u00bb zusammen und erhielt f\u00fcr Letzteren auch den renommierten C\u00e9sar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #258c89;\">Seinen ersten eigenen Spielfilm, die Zombiegeschichte \u00abLes revenants\u00bb, brachte Campillo 2004 auf die Leinwand. Neun Jahre sp\u00e4ter folgte \u00abEastern Boys\u00bb \u00fcber einen schwulen Pariser, der eine Beziehung mit einem jungen Ukrainer beginnt. Sein neuer Film \u00ab120 BPM\u00bb feierte Weltpremiere beim Festival von Cannes, wo er den Grossen Preis der Jury gewann. Ausserdem ist das AIDS-Drama Frankreichs Einreichung f\u00fcr den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film. Schweizer Kinostart ist am 18. Januar 2018.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegr\u00fcndet nach US-amerikanischem Vorbild, k\u00e4mpfte die Aktivistengruppe \u00abAct Up\u00bb im Paris der fr\u00fchen Neunziger f\u00fcr HIV-Pr\u00e4vention und Zugang zu AIDS-Medikamenten. 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