{"id":196415,"date":"2024-05-13T07:22:00","date_gmt":"2024-05-13T05:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=196415"},"modified":"2024-05-16T07:48:55","modified_gmt":"2024-05-16T05:48:55","slug":"nach-skandal-esc-von-malmoe-will-diesen-eurovision-einfach-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/nach-skandal-esc-von-malmoe-will-diesen-eurovision-einfach-vergessen\/","title":{"rendered":"Nach Skandal-ESC: \u00abIch will Malm\u00f6 einfach vergessen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>An diesem ESC-Abend ist nicht nur der Pokal kaputtgegangen. Die Veranstalter*innen m\u00fcssen sich Fragen gefallen lassen: Die schlimmsten Anfeindungen gegen Israel kamen aus der Herzkammer des Songwettbewerbs.<\/h3>\n<p>Von Melissa Erichsen und Christof Bock, dpa<\/p>\n<p>Es gibt diese Szene, die symbolisch f\u00fcr den ganzen Eurovision Song Contest (ESC) 2024 steht: Am fr\u00fchen Sonntagmorgen liegt pl\u00f6tzlich der gl\u00e4serne ESC-Pokal in Tr\u00fcmmern. Mitten auf der B\u00fchne von Malm\u00f6 in Schweden. Nemo hat erst vor wenigen Augenblicken den Sieg beim gr\u00f6ssten Songwettbewerb der Welt eingefahren <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/nemo-gewinnt-fuer-die-schweiz-den-eurovision-song-contest\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>, als das Missgeschick passiert. Vom Pokal bleibt der abgebrochene Stumpf am Boden stehen. Die Troph\u00e4e wird binnen Sekunden ersetzt. Doch was das TV-Publikum in den Stunden davor erlebt hat, hat aus dem ganzen Musikspektakel einen Scherbenhaufen gemacht. \u00abDie Troph\u00e4e kann repariert werden &#8211; vielleicht braucht der ESC auch ein kleines bisschen Instandsetzung\u00bb, sagt der Schweizer Act sp\u00e4ter vieldeutig.<\/p>\n<blockquote><p>So viel Hass in der Eurovision Bubble. Sowas gab es nie!<\/p><\/blockquote>\n<p>Israels K\u00fcnstlerin Eden Golan ist in diesem Finale lange tapfer geblieben &#8211; doch nach ihrem Auftritt bricht sie in Tr\u00e4nen aus. Sie sieht sich immer wieder uns\u00e4glichen Anfeindungen ausgesetzt. Das Schlimmste daran: Sie kommen nicht wie erwartet vor allem aus dem Netz oder beschr\u00e4nken sich gar auf Demos draussen vor der T\u00fcr. Die lautesten Hass-Schreie, Pfiffe und Buhrufe erklingen aus dem Publikum der Halle. Menschen drehen Golan bei deren Auftritt demonstrativ den R\u00fccken zu. Sie fokussiert sich auf die Jubelrufe, die stets \u00fcberwiegen. \u00abEs gibt so viele Menschen, die mich unterst\u00fctzen.\u00bb Doch was bitter auff\u00e4llt: Auch ESC-K\u00fcnstler*innen fallen Eden Golan in den R\u00fccken. Das ist neu, unerwartet.<\/p>\n<p>\u00abSo viel Hass in der Eurovision Bubble. Sowas gab es nie\u00bb, sagt ein trauriger Fan gegen\u00fcber MANNSCHAFT, der seit vielen Jahren zu den Final-Veranstaltungen reist. Seinen Namen m\u00f6che er nicht in unserem Artikel lesen. \u00abIch will diesen Eurovision einfach vergessen\u00bb, sagt er, kurz bevor er am Sonntag in den Flieger zur\u00fcck nach Berlin steigt. \u00abIn Europa sollen keine Panzer, Scharfsch\u00fctzen, Hubschrauber und Polizei aus drei L\u00e4ndern n\u00f6tig sein, den Contest zu sch\u00fctzen.\u00bb<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/germanys-next-topmodel-dominic-verabschiedet-sich-mit-appell-an-queers\/\">\u00abGermany\u2019s Next Topmodel\u00bb: Dominic verabschiedet sich mit motivierendem Appell an Queers<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Nemo zu den Spannungen beim ESC<br \/>\n<\/strong>\u00abIch muss sagen, dass diese ganze Erfahrung wirklich intensiv und nicht nur angenehm war. Es gab eine Menge Dinge, die zeigten, dass es nicht nur um Liebe und Einheit geht, und das hat mich wirklich traurig gemacht\u00bb, sagt auch Nemo zu den Spannungen dieses Jahrgangs, die mit dem Gaza-Krieg und den vielen tausend Toten zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Dass die Welt auch beim ESC nicht mehr nur aus Regenb\u00f6gen und Einh\u00f6rnern besteht, ist schon Tage zuvor beim gemeinsamen Auftritt aller K\u00fcnstler*innen vor der Presse deutlich geworden. Die Zulassung Israels ist das Hauptthema aller Fragen an Eden Golan. Ihren R\u00fccken gest\u00e4rkt bekommt sie aus dem Kreis der Kolleg*innen nicht.<\/p>\n<p>Ein Journalist fragt die 20-J\u00e4hrige, ob sie sich Gedanken mache, die anderen Acts mit ihrer Anwesenheit in Gefahr zu bringen. Als Golan zun\u00e4chst nicht antworten will, bekommt sie aus ihrem Kollegenkreis am Podium Druck. \u00abWarum nicht?\u00bb, fragt der Niederl\u00e4nder Joost Klein, der zuvor sein Gesicht demonstrativ unter einer Flagge vergraben hat. Golan entgegnet: \u00abIch denke, wir sind alle f\u00fcr einen und nur einen einzigen Grund hier. Und die EBU hat alle Massnahmen ergriffen, um dies einen sicheren und verbindenden Platz f\u00fcr alle zu machen.\u00bb<\/p>\n<p>Seitenhiebe auch von der griechischen K\u00fcnstlerin. Auff\u00e4lliges G\u00e4hnen, Schnarchger\u00e4usche, rollende Augen. Schliesslich legt die Musikerin den Kopf auf den Tisch, w\u00e4hrend ihre israelische Kollegin das Wort hat. Es bleibt nicht bei solchen unh\u00f6flichen Gesten. Bambie Thug sagt in einem Interview auf die Frage, ob Israels Teilnahme den ESC belaste: \u00abEs \u00fcberschattet alles und widerspricht allem, was die Eurovision sein soll.\u00bb<\/p>\n<blockquote><p>Scheiss auf die EBU!<\/p><\/blockquote>\n<p>Der irische Act weiter: \u00abWir sind das, was die Eurovision ist. Die EBU ist nicht das, was die Eurovision ist. Scheiss auf die EBU. Es interessiert mich nicht mehr. Scheiss auf sie. Es sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Gemeinschaft, die dahinter steht, die Liebe, die Kraft und die Unterst\u00fctzung von uns allen, die die Dinge ver\u00e4ndern.\u00bb Bambie Thug schloss mit den Worten: \u00abDie Welt hat gesprochen. Die Queers kommen. <em>Non-binaries for the fucking win.<\/em>\u00bb<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7edwoo75t3o?si=9Y-fOUNryYRFacXm\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Noch vor Beginn des zweiten Halbfinales, bei dem Israel seinen ESC-Auftritt hat, beziehen die Veranstalter &#8211; die Europ\u00e4ische Rundfunkunion (EBU) &#8211; Stellung zu dem Druck aus der \u00d6ffentlichkeit. Man sei sich \u00abder tiefen Gef\u00fchle und der starken Meinungen bewusst, die der diesj\u00e4hrige Eurovision Song Contest &#8211; vor dem Hintergrund eines schrecklichen Krieges im Nahen Osten &#8211; hervorgerufen hat\u00bb. Meinungen seien legitim und verst\u00e4ndlich. Die Entscheidung, Israel mit aufzunehmen, sei jedoch im Ermessen der EBU. \u00abDiese K\u00fcnstler kommen zur Eurovision, um ihre Musik, ihre Kultur und die universelle Botschaft der Einheit durch die Sprache der Musik zu vermitteln.\u00bb<\/p>\n<p>Doch das verf\u00e4ngt nicht. Und als ob diese Baustelle nicht reichen w\u00fcrde, kommt in quasi letzter Minute noch eine dazu. Joost Klein (\u00abEuropapa\u00bb) wird disqualifiziert<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/laufende-ermittlungen-wird-niederlaender-joost-klein-disqualifiziert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Er soll eine bedrohliche Geste gegen\u00fcber einer Kamerafrau gezeigt haben, die ihn filmte, obwohl er das nicht wollte. Am Final-Abend r\u00e4chen sich die Holl\u00e4nder und andere Klein-Fans mit Buhrufen und Gr\u00f6len gegen den vornehm gekleideten ESC-Chef Martin \u00d6sterdahl, der in normalen Jahren v\u00f6llig unbehelligt und froh hoch \u00fcber dem Publikum die Punktevergabe einleitet &#8211; das Herzst\u00fcck des ESC. Seine Stimme bleibt kaum zu h\u00f6ren, so laut schallt es aus dem Saal. Dazu gesellen sich die Gegner Israels: Jeder Punkt f\u00fcr das Land wird mit Buhs bestraft.<\/p>\n<p>Wer den ESC schon viele Jahre am Fernseher verfolgt, weiss: Die EBU hat es gern v\u00f6llig unter Kontrolle, welches Bild ihr wichtigstes Eurovisionsprojekt nach aussen abgibt. Schon in der Vergangenheit wurden Pfiffe und Buhrufe mit kleinen Mikrofon-Tricks heruntergepegelt, etwa im Kontext mit der Ukraine und Russland. Die Kameraf\u00fchrung blendet traditionell gern alles Unangenehme aus: Protestplakate, w\u00fctende Gesichter und unangenehme Meinungen.<\/p>\n<p>Das dies in der heutigen Zeit nicht mehr funktioniert, d\u00fcrfte f\u00fcr den ESC 2025 in der Schweiz eine Lehre sein. Dann wird Sieger-Act Nemo mit Sicherheit wieder Teil der Show sein. \u00abIch hoffe wirklich, dass der Eurovision auch in Zukunft f\u00fcr Frieden und Liebe stehen wird und kann. Ich denke, daran muss noch viel gearbeitet werden\u00bb, sagt Nemo &#8211; die Ersatztroph\u00e4e neben sich.<\/p>\n<p><strong>\u00abFragile as Glass\u00bb \u2013 Ein Fotobuch \u00fcber queeres Leben in Zeiten des Ukrainekrieges (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/fragile-as-glass-queeres-leben-in-zeiten-des-ukrainekrieges\/\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesem ESC-Abend ist nicht nur der Pokal kaputtgegangen. 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