{"id":190901,"date":"2024-03-04T19:03:53","date_gmt":"2024-03-04T18:03:53","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=190901"},"modified":"2024-03-06T18:42:05","modified_gmt":"2024-03-06T17:42:05","slug":"aids-queero-brigitte-zika-holoubek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/aids-queero-brigitte-zika-holoubek\/","title":{"rendered":"\u00abIch habe so viele Freunde verloren. Ich musste etwas tun\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Die Aktivistin Brigitte Zika-Holoubek ist mit dem \u00abNames Project Vienna\u00bb die \u00f6sterreichische Siegerin des Votings zum Queero 2023. Sie k\u00e4mpft gegen das Vergessen von an Aids gestorbenen Menschen.<\/h3>\n<p>Brigitte Zika-Holoubek hat in der queeren Community \u00d6sterreichs einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Gemeinsam mit Friedl Nussbaumer gr\u00fcndete sie 1992 nach amerikanischem Vorbild das \u00abNames Project Vienna\u00bb gegen das Vergessen der an <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/welt-aids-konferenz-unwissentliche-weitergabe-bleibt-ein-problem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aids<\/a> verstorbene Menschen. F\u00fcr ihr Engagement wurde die lesbische Aktivistin von den MANNSCHAFT-Leser*innen in \u00d6sterreich zur Queeros-Siegerin 2023 gew\u00e4hlt. \u00abIch freue mich sehr dar\u00fcber\u00bb, sagt die Gewinnerin. &#8222;Die Auszeichnung zeigt, wie wichtig das Names Project ist.\u00bb<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/die-gesetze-reichen-nicht-aus-um-unsere-vielfalt-zu-schuetzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00abDie Gesetze reichen nicht aus, um unsere Vielfalt zu sch\u00fctzen!\u00bb Neue Umfrage zu M\u00e4nnern der queeren Community \u00fcber Gesellschaft, Beziehungen und Politik\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Auch wenn Aids durch die Kombinationstherapie zu einer behandelbaren Krankheit wurde, darf nie vergessen werden, wie viele Menschen daran gestorben sind. F\u00fcr die schwule Community war Aids noch vor nicht allzu langer Zeit eine Katastrophe. Als 1992 mit dem Names Project Vienna begonnen wurde, seien in Wien so viele Menschen an Aids gestorben, erz\u00e4hlt Zika-Holoubek im Gespr\u00e4ch mit MANNSCHAFT: \u00abEs war schlimm. Ich habe so viele befreundete Menschen verloren. Ich konnte nicht ruhig bleiben, sondern musste etwas tun.\u00bb<\/p>\n<p>Zika-Holoubek ist nicht nur in Wien bekannt. Sie hat das Names Project in Schulen in ganz \u00d6sterreich vorgestellt. \u00abDabei ging es nicht nur um das Gedenken an Aids verstorbene Menschen, sondern es wurden auch Fragen gestellt zu Themen wie Vorsorge und Schutz vor HIV, Homosexualit\u00e4t und Coming-out\u00bb, erz\u00e4hlt die 76-j\u00e4hrige Aktivistin im Gespr\u00e4ch mit MANNSCHAFT. Besonders gefreut habe sie sich, als sich einmal in einer Schule in der \u00f6sterreichischen Provinz nach ihrer Pr\u00e4sentation zwei junge Menschen vor den Mitsch\u00fcler*innen als queer geoutet haben. Auch auf Kongressen in europ\u00e4ischen Staaten hat Zika-Holoubek gesprochen: \u00abIch war sogar in Moskau.\u00bb Sie ermutigte Menschen in anderen L\u00e4ndern, \u00e4hnliche Gedenkinitiativen zu starten. Ihrem ehrenamtlichen Engagement ist es zu verdanken, dass das Names Project in Vienna das gr\u00f6sste in Europa ist.<\/p>\n<p>Bei der Initiative werden individuell gestaltete Gedenkt\u00fccher mit den Namen und teilweise mit den Fotos der an Aids verstorbenen Menschen hergestellt. Diese werden zu gr\u00f6\u00dferen quadratischen Einheiten zusammengen\u00e4ht und zu bestimmten Anl\u00e4ssen an prominenten Orten aufgelegt, damit sie auch in der \u00d6ffentlichkeit sichtbar sind. In Wien waren die T\u00fccher unter anderem in der Uno-City und im Stephansdom zu sehen. \u00abJedes einzelne Tuch ist ein Zeugnis der Liebe und ein Beweis, dass die Verstorbenen nicht vergessen werden\u00bb, sagt Zika-Holoubek.<\/p>\n<p><strong>Kampf gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung<\/strong><br \/>\nZu Beginn der Aids-Krise setzte sich die Aktivistin in \u00d6sterreich f\u00fcr eine menschenw\u00fcrdige Betreuung von an Aids erkrankten Menschen ein. \u00abWir k\u00f6nnen es uns heute gar nicht vorstellen. Doch in den 1980er und 1990-er Jahren waren die Verh\u00e4ltnisse in den Krankenh\u00e4usern teilweise schlimm\u00ab, sagt sie. Damals gab es in Wien zwei Aids-Stationen. Eine befand sich im Allgemeinen Krankenhaus (AKH), die andere im Pulmologischen Zentrum auf der Baumgartner H\u00f6he. Die Besuchszeiten f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Freund*innen seien oft nur auf eine Stunde am Tag begrenzt gewesen, erinnert sich Zika-Holoubek.<\/p>\n<p>Die erkrankten Menschen seien alleine in den Zimmern gestorben. Erst wenn die medizinischen Ger\u00e4te den Tod angezeigt haben, sei das Pflegepersonal gekommen. \u00abSo etwas wie eine Sterbebegleitung hat es damals nicht gegeben\u00ab, betont die Aktivistin. Sie setzte sich f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der Zust\u00e4nde ein. Sie schafft es, dass die Besuchszeiten ausgeweitet und die Menschen bis zum Tod rund um die Uhr von Freund*innen und Partner*innen begleitet werden konnten. Daf\u00fcr musste Zika-Holoubek und ihre Mitstreiter*innen im Gesundheitssystem einige Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden. \u00abMeine Sturheit hat mir dabei geholfen\u00bb, sagt die Aktivistin schmunzelnd.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/judas-priest-das-haerteste-sprachrohr-der-lgbtiq-community\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00abDie Platten\u00adfirma sagte, ich solle mich nicht in Schwulen\u00adbars blicken lassen.\u00bb MANNSCHAFT+ sprach mit Rob Halford von Judas Priest<\/em> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Der Schock \u00fcber die hohe Anzahl der Erkrankten und Verstorbenen sass auch in \u00d6sterreich tief. Von der Homosexuellen Initiative Wien (Hosi Wien) waren viele Menschen betroffen. Eine weitere Herausforderung war die Stigmatisierung von Aids. Denn damals waren irrationale \u00c4ngste vor einer Ansteckung weit verbreitet. Bestattungsunternehmen weigerten sich, Verstorbene zu beerdigen. Dann gab es in \u00d6sterreich Bisch\u00f6fe, die von Aids als Strafe Gottes sprachen.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsame Trauerarbeit<\/strong><br \/>\nDie Idee des Names Projects stammt von Gay-Rights-Aktivist*innen aus den USA. Zika-Holoubek las davon und war so begeistert, dass sie mit Friedl Nussbaumer, dessen Partner Michael Handl an Aids verstorben ist, in Wien ein solches Projekt organisierte. Angeh\u00f6rige, Freund*innen und Partner*innen der an Aids verstorbenen Menschen trafen sich jeden Sonntag in der Werkstatt des Lederschneiders Peter Holub, um an den Erinnerungst\u00fcchern zu arbeiten. Holub stellte kostenlos die R\u00e4umlichkeiten und Ger\u00e4te zur Verf\u00fcgung. Die Aktivist*innen und Trauerenden brachten Kuchen und Getr\u00e4nke mit. Sie waren mit ihrem Schmerz nicht alleine. Die Herstellung der T\u00fccher half ihnen bei der Trauerarbeit. Gemeinsam tauschten sie Erinnerungen aus. Damit entstand ein Wir-Gef\u00fchl. Jedes Tuch wurde individuell &#8211; oft mit Lieblingsbildern und Lieblingsgegenst\u00e4nden &#8211; gestaltet.<\/p>\n<blockquote><p>Wir waren \u00fcberrascht, dass so viele gekommen sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Jede*r konnte mitmachen. Zika-Holoubek erinnerte sich an die Mutter eines verstorbenen Sohnes. Diese habe mit der Aids-Diagnose auch von der Homosexualit\u00e4t ihres Sohnes erfahren. Sie wollte mit der Bew\u00e4ltigung der Trauer nicht alleine bleiben und fragte, ob sie auch beim Names Project dabei sein konnte. Es gab aber auch Verstorbene, die keine Freund*innen und Angeh\u00f6rigen hatten. Auch f\u00fcr sie stellten die Aktivist*innen T\u00fccher her. Ein weiterer Teil der Initiative ist es, die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr den Kampf gegen HIV und Aids zu sensibilisieren. Das erste Mal wurden die T\u00fccher in der Wiener UNO City aufgelegt. Zu dieser und vielen anderen Veranstaltungen kamen viele Menschen. \u00abWir waren \u00fcberrascht, dass so viele gekommen sind\u00bb, sagt Zika-Holoubek.<\/p>\n<p>Auch wenn sich durch die Kombinationstherapie viel ver\u00e4ndert hat, wird die Erinnerung an die vielen verstorbenen Menschen bis heute hochgehalten. So werden die T\u00fccher anl\u00e4sslich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember bei einem Fackelzug in der Wiener Innenstadt mitgetragen. Beim Aids-Memorial-Day im Mai versammeln sich Aktivist*innen, Freund*innen und Angeh\u00f6rige jedes Jahr beim Wiener Aids-Memorial. Dieses befindet sich bei der Wallfahrtskirche Maria Gr\u00fcn im zweiten Bezirk in der N\u00e4he des Lusthauses im Wiener Prater.<\/p>\n<p>Die T\u00fccher werden von der Hosi Wien aufbewahrt. \u00abDie Hosi Wien ist voll von jungen Menschen. Und ich freue mich, dass sie hinter dem Names Project stehen\u00bb, sagt Zika-Holoubek. Damit mache sie sich um die Zukunft des Projekts keine Sorgen. Auch sonst besteht viel Interesse an der Gedenkinitiative. So sind ein Buch und ein Dokumentationsfilm \u00fcber das Names Project Vienna in Planung.<\/p>\n<p><strong>Wenn die Pharmaindustrie eine sexuelle Revolution einl\u00e4utet: M\u00fcssen schwule M\u00e4nner zu Langzeitpatienten werden, um ihre Sexualit\u00e4t ausleben zu k\u00f6nnen? Dieser Frage stellt sich der Fotograf Samuel Spreyz <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/prep-grindr-dates-will-niemand-mehr-kondome-benutzen\/\">(MANNSCHAFT+)<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aktivistin Brigitte Zika-Holoubek ist mit dem \u00abNames Project Vienna\u00bb die \u00f6sterreichische Siegerin des Votings zum Queero 2023. 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