{"id":187027,"date":"2024-01-16T09:10:09","date_gmt":"2024-01-16T08:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=187027"},"modified":"2024-01-17T19:22:45","modified_gmt":"2024-01-17T18:22:45","slug":"mangel-an-hiv-medikamenten-schlimmer-als-befuerchtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mangel-an-hiv-medikamenten-schlimmer-als-befuerchtet\/","title":{"rendered":"Mangel an HIV-Medikamenten: \u00abSchlimmer als bef\u00fcrchtet\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Verb\u00e4nde und HIV-Expert*innen bef\u00fcrchten einen Anstieg der Neuinfektionen in Deutschland.<\/h3>\n<p>Es gibt in Deutschland offenbar nicht mehr genug Medikamente zur HIV-Prophylaxe, um alle Nutzer*innen zu versorgen. Laut einer neuen Umfrage der Arbeitsgemeinschaft ambulant t\u00e4tiger HIV-Mediziner:innen (dagn\u00e4) melden knapp 90 Prozent der HIV-Schwerpunktpraxen, dass sie von den Lieferengp\u00e4ssen der Wirkstoffkombination Emtricitabin\/Tenofovirdisoproxil betroffen seien \u2013 dem einzigen Mittel, das in Deutschland f\u00fcr die HIV-Pr\u00e4expositionsprophylaxe (PrEP) zugelassen ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/premier-gabriel-attal-macht-ex-zum-aussenminister-vetternwirtschaft\/\">Frankreichs neuer Premier Attal macht seinen Ex-Partner zum Aussenminister \u2013 \u00abVettern\u00adwirtschaft\u00bb?<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Die Mehrheit gab an, dass nur noch reduzierte Packungsgr\u00f6ssen herausgegeben werden k\u00f6nnen (rund 56 Prozent); mehr als ein Drittel meldete, dass PrEP-Nutzer die regelm\u00e4\u00dfige Einnahme der Mittel unterbrechen mussten (36 Prozent). Weil das Medikament auch in der Behandlung von Menschen mit HIV eingesetzt wird, mussten wegen des Mangels auch laufende HIV-Therapien umgestellt werden (28 Prozent).<\/p>\n<p>\u00abWir sind an dem Punkt, vor dem Praxen und Apotheken seit Monaten warnen&#8220;, sagt dagn\u00e4-Vorstandsmitglied Stefan Mauss in einer Pressemitteilung am Dienstag.\u00a0Das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit (BMG) sei seitens der Berufsverb\u00e4nde bereits im November \u00fcber die drohenden Lieferprobleme informiert worden, eine Reaktion des Ministeriums sei nicht erfolgt. \u00abEs wirkt so, als k\u00fcmmere sich das BMG nicht um das Problem.&#8220;<\/p>\n<p>Da sich in Deutschland aktuell knapp 40.000 Menschen mit der PrEP vor HIV sch\u00fctzen, ist laut Mauss angesichts des Mangels ein Anstieg der Neuinfektionen unvermeidlich \u2013 ein \u00abR\u00fcckschlag f\u00fcr die jahrelange erfolgreiche Pr\u00e4ventionsarbeit.&#8220; Besonders bedrohlich k\u00f6nne die Situation f\u00fcr HIV-positive Menschen werden, die Emtricitabin\/Tenofovirdisoproxil im Rahmen einer sogenannten Salvage-Therapie einnehmen, also wenn andere Therapiem\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft sind. Ihnen fehlt pl\u00f6tzlich ein lebenswichtiges Medikament. \u00abDer Schaden ist gross&#8220;, so Mauss. Jetzt m\u00fcsse die Politik handeln, damit er nicht noch gr\u00f6sser werde.<\/p>\n<p>Im Rahmen eines digitalen runden Tisches mit Vertretern der dagn\u00e4, der Deutschen Aidshilfe (DAH), der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und der Arbeitsgemeinschaft HIV-kompetenter Apotheken (DAHKA) hat ein Sprecher des Bundesinstituts f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Ende vergangener Woche den Ernst der Lage best\u00e4tigt. So gibt es offizielle Lieferengp\u00e4sse von Emtricitabin\/Tenofovirdisoproxil laut BfArM bei drei Herstellern, die zusammen 71 Prozent des Marktes abdecken; Ratiopharm mit einem Marktanteil von 56 Prozent hat anhaltende Lieferschwierigkeiten bis mindestens M\u00e4rz genannt \u2013 das ist nicht mehr durch andere kompensierbar.<\/p>\n<p>Das BfArM habe den Verb\u00e4nden gegen\u00fcber angek\u00fcndigt, unverz\u00fcglich zu pr\u00fcfen, ob Hersteller im Ausland wirkstoffgleiche Medikamente mit europ\u00e4ischer Zulassung f\u00fcr den Gebrauch in Deutschland verf\u00fcgbar machen k\u00f6nnen. Zudem werde das BfArM auf das BMG zugehen, um zu kl\u00e4ren, ob ein offizieller Versorgungsmangel ausgesprochen werden sollte, um weitere Massnahmen zur Beschaffung der Medikamente einzuleiten. \u00abWir freuen uns \u00fcber den konstruktiven Austausch mit dem BfArM&#8220;, so Mauss. Jetzt d\u00fcrfe nicht noch mehr Zeit verloren werden. Die Pr\u00fcfung der Gestattung von Auslandsimporten sei ein wichtiger Schritt; zudem k\u00f6nne eine Erkl\u00e4rung des Versorgungsmangels durch das BMG langfristig dazu beitragen, das strukturelle Problem zu adressieren.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von DAHKA-Vorstand Erik Tenberken ist die Lage noch dramatischer als die Zahlen des BfArM suggerieren. \u00abAktuell beliefert uns keiner der einst 14 Hersteller in gewohnten Umfang; zwei Unternehmen haben die Produktion ganz eingestellt&#8220;, sagt er. In einer DAHKA-Umfrage gaben laut dem Apotheker \u00fcber 90 Prozent der knapp hundert DAHKA-Mitglieder an, kein Emtricitabin\/Tenofovirdisoproxil mehr auf Lager zu haben. \u00abEs ist schlimmer, als wir zu f\u00fcrchten gewagt haben&#8220;, sagt Tenberken.<\/p>\n<p>Dass der Mangel in Deutschland von Herstellern im europ\u00e4ischen Ausland kompensiert werden k\u00f6nne, halten Mauss und Tenberken f\u00fcr unwahrscheinlich. \u00abDie Lage ist nirgendwo so dramatisch wie in Deutschland, aber in den Nachbarl\u00e4ndern k\u00f6nnen meist auch nur die Heimatm\u00e4rkte bedient werden&#8220;, sagt Tenberken. So haben auch Schweden, Belgien und Spanien gemeldet, dass einige Hersteller nicht liefern. Dass Apotheken im Fall von Lieferengp\u00e4ssen auch teurere, wirkstoffgleiche Mittel an Kassenpatient:innen abgeben k\u00f6nnen \u2013 etwa das Originalmedikament Truvada von Gilead \u2013 ist f\u00fcr Tenberken \u00abhilfreich, aber eher ein Tropfen auf den heissen Stein&#8220;. Gilead habe zwar angek\u00fcndigt, die Produktion zu erh\u00f6hen, doch viele Apotheken d\u00fcrften Truvada nur z\u00f6gerlich bestellen, weil sie auf den Kosten sitzen bleiben k\u00f6nnten, wenn wieder Generika verf\u00fcgbar seien. \u201eHier ist der Gesetzgeber gefordert, dass den Apotheken kein Risiko entsteht.&#8220;<\/p>\n<p>Dagn\u00e4, DAIG, DAHKA und DAH erarbeiten aktuell gemeinsam Strategien, um die Versorgung so gut wie m\u00f6glich aufrechtzuerhalten: etwa neue Dreimonatspackungen zu st\u00fcckeln oder Patient:innen auf die M\u00f6glichkeit einer anlassbezogenen PrEP hinzuweisen, die weniger Tabletten erfordert, allerdings nicht f\u00fcr alle Nutzer als geeignet gilt.<\/p>\n<p>Alle Beteiligten betonen, dass die Verantwortung nun vor allem bei der Politik liege. \u00abDie PrEP ist ein wesentlicher Bestandteil der HIV-Pr\u00e4vention \u2013 wenn dieser Schutz vor HIV weiter ausf\u00e4llt, wird das fatale Auswirkungen haben&#8220;, sagt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe. Dass auch Therapien HIV-positiver Menschen nicht mehr gew\u00e4hrleistet sind, sei erst recht nicht hinnehmbar. \u00abDie Politik darf Menschen, die dieses Medikament dringend brauchen, nicht im Stich lassen.&#8220; Wie dagn\u00e4-Vorstand Stefan Mauss sagt, gehe es auch darum, dass Patient*innen, \u00c4rzt*innen, Beratungsstellen und Sozialarbeiter*innen nicht das Vertrauen in das Gesundheitssystem verlieren. Es k\u00f6nne nicht sein, dass die Bundesregierung den Eindruck erwecke, \u00fcber Monate einen Mangel an lebenswichtigen Medikamenten hinzunehmen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/mannschaft-umfrage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Sag uns deine Meinung: Was k\u00f6nnen wir als MANNSCHAFT f\u00fcr dich besser machen?\u00a0<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mangel an HIV-Medikamenten in Deutschland: \u00abSchlimmer als bef\u00fcrchtet\u00bb <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mangel-an-hiv-medikamenten-schlimmer-als-befuerchtet\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":79563,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,25],"tags":[5468],"wps_subtitle":"Kritik am Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/187027"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=187027"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/187027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":187044,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/187027\/revisions\/187044"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/79563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=187027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=187027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=187027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}