{"id":186476,"date":"2024-01-08T15:19:41","date_gmt":"2024-01-08T14:19:41","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=186476"},"modified":"2024-01-10T09:10:40","modified_gmt":"2024-01-10T08:10:40","slug":"vom-life-ball-bis-tuntathlon-einblicke-ins-archiv-der-queeren-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/vom-life-ball-bis-tuntathlon-einblicke-ins-archiv-der-queeren-bewegung\/","title":{"rendered":"Vom Life Ball bis Tuntathlon \u2013 Einblicke ins Archiv der queeren Bewegung"},"content":{"rendered":"<h3>Wie spannend und vielf\u00e4ltig die queere Geschichte in \u00d6sterreich ist, zeigt das Buch \u00abQueer Vienna: Einblicke in ein Bewegungsarchiv\u00bb. Es enth\u00e4lt elf Beitr\u00e4ge von Studierenden \u00fcber die queere Community, die teils noch nie erz\u00e4hlt worden sind.<\/h3>\n<p>Das Besondere ist, dass jede Geschichte mit einem wichtigen Gegenstand aus der queeren Community zu tun hat. Dazu haben sich die Studierenden zu Forschungszwecken in das queere Wiener Archiv Qwien auf Spurensuche begeben.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/mannschaft-umfrage\/\">MANNSCHAFT-Umfrage: Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr dich besser machen? Sag uns deine Meinung!<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Qwien versteht sich als Archiv, Bibliothek und Forschungsstelle f\u00fcr die queere Geschichte in Wien und \u00d6sterreich. Dort werden nicht nur B\u00fccher, Zeitschriften, Fotos und Plakate, sondern auch Gegenst\u00e4nde aufbewahrt. Die Studierenden suchten sich einzelne Objekte aus, um die jeweils dahinter liegende Geschichte zu erforschen. Im ersten Beitrag geht es beispielsweise um zwei verbogene Alu-Stangen, die in Qwien zwischen Bibliotheksregalen unter der Decke lagen. Die Autorin Livia Suchentrunk dachte zun\u00e4chst, dass es sich dabei um Sperrm\u00fcll handelt. Doch ihre Nachforschungen ergaben, dass die Alustangen aus einer aufw\u00fchlenden und traurigen Episode in der queeren Geschichte \u00d6sterreichs stammen. An den Alustangen hing ein Transparent, das die Anerkennung von homosexuellen Personen als Opfer des Nationalsozialismus forderte.<\/p>\n<p>Getragen wurde es von Aktivist*innen der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien und der Rosa Lila Villa am 24. November 1988 am Wiener Albertinaplatz. An diesem Tag wurde in einem feierlichen Festakt mit vielen Prominenten und Politiker*innen das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus von Alfred Hrdlicka enth\u00fcllt. Die queeren Aktivist*innen protestierten bei der Veranstaltung friedlich, dass homosexuelle Personen vom \u00f6sterreichischen Staat nicht als Opfer der NS-Zeit anerkannt wurden. Doch die Politiker*innen wollten davon nichts h\u00f6ren. Es kam zu einem brutalen Einsatz von Polizisten, die das Transparent von den Alustangen herunterrissen und zerfetzten. Zahlreiche queere Aktivist*innen wurden \u00abbeschimpft, gestossen, geschlagen und sogar verhaftet\u00bb, wie aus einem Zeitungsbericht hervorgeht.<\/p>\n<p>In einem anderen Beitrag geht es um einen Lebkuchen in Rosa-Winkel-Form aus den 1980er Jahren. Der Lebkuchen wird bei Qwien bis heute in einer unauff\u00e4lligen Pappschachtel mit Papierservietten aufbewahrt. Er soll an homosexuelle H\u00e4ftlinge in Konzentrationslagern w\u00e4hrend der NS-Zeit erinnern. Diese mussten in den Konzentrationslagern auf ihrer Kleidung ein rosarotes Stoffdreieck, auch \u00abRosa Winkel\u00bb genannt, tragen. Sie waren mit diesem Erkennungszeichen besonders heftigen Grausamkeiten ausgesetzt. In den 1980er Jahren haben in \u00d6sterreich queere Aktivist*innen Lebkuchen in Rosa-Winkel-Form und Punschtorten f\u00fcr Protestaktionen verwendet. Die Lebkuchen wurden 1988 beispielsweise an Politiker*innen, Zeitungsredaktionen und an den Wiener Polizeipr\u00e4sidenten geschickt, um auf die Verfolgung von homosexuellen Menschen in der NS-Zeit aufmerksam zu machen und deren Rehabilitierung zu fordern.<\/p>\n<p>In einem anderen Beitrag geht es um die <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bestuerzung-ueber-palaestina-flagge-an-rosa-lila-villa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rosa Lila Villa<\/a>, die 1982 als erstes Lesben- und Schwulenhaus in Wien ihre T\u00fcren \u00f6ffnete. Besonders wichtig war die dort untergebrachte Informations- und Beratungsstelle Rosa Lila Tip. Hier konnten sich queere Menschen \u00fcber Homosexualit\u00e4t, <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/weil-das-zu-mir-gehoert-die-coming-outs-2023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Coming-out<\/a> und Aids beraten lassen.<\/p>\n<p>Spannend ist auch die Geschichte zweier weisser Smokings, die bei Qwien aufbewahrt werden. Sie wurden von Alkis Vlassakakis und Peter Holub auf dem Wiener Life Ball getragen. Die beiden M\u00e4nner forderten die Prominenz auf, ihre selbstgeschneiderten Anz\u00fcge mit Unterschriften zu signieren. Der Life Ball war in \u00d6sterreich eine wichtige und grosse Benefiz-Veranstaltung, um Spenden f\u00fcr HIV-Infizierte und an Aids erkrankte Menschen zu sammeln.<\/p>\n<p>Im Archiv von Qwien werden auch zwei signierte Fussb\u00e4lle aus Schaumstoff aufbewahrt. Diese stammen vom Wiener Tuntathlon aus dem Jahr 2008, als in \u00d6sterreich die Fussball-Europameisterschaft ausgetragen wurde. Der Tuntathlon ist eine queere Parodie einer Sportveranstaltung, die jedes Jahr in Wien im Sommer stattfindet und nicht nur bei queeren Menschen sehr beliebt ist. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb von selbsternannte Tunten jedweder Genderidentit\u00e4t im Handtaschenwurf, Synchronb\u00fcgeln und St\u00f6ckelschuh-Staffettenlauf.<\/p>\n<p>Das Buch \u00fcber die queere Geschichte \u00d6sterreichs ist im vergangenen Jahr in der Reihe \u00c6ther mit der Buchnummer 8 erschienen. Bei \u00c6ther handelt es sich um ein Lehrformat, bei dem sich Studierende mit komplexen Sachverhalten auseinandersetzen und die Ergebnisse anschliessend einer breiteren \u00d6ffentlichkeit vermitteln. Herausgegeben wird \u00c6ther vom Schweizer intercom Verlag, ein nicht-gewinnorientierter Verein in Z\u00fcrich. Das Buch ist im Buchhandel erh\u00e4ltlich, die einzelnen Beitr\u00e4ge k\u00f6nnen auch kostenlos im Internet abgerufen werden.<\/p>\n<p><strong><em>Andreas Brunner, Sebastian Felten, Hannes Sulzenbacher (Hrsg.): Queer Vienna: Einblicke in ein Bewegungsarchiv &#8211; \u00c6ther Nummer 8. intercom Verlag, Z\u00fcrich 2023.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwul auf dem Land: \u00abMenschen haben ein falsches Bild von Farmern.\u00bb Jamie und Daniel geben Einblicke in das Leben, die Liebe und den Wandel auf einer australischen Farm <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schwule-auf-dem-land-die-menschen-haben-ein-falsches-bild-von-farmern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT+).<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie spannend und vielf\u00e4ltige die queere Geschichte in \u00d6sterreich ist, zeigt das Buch \u00abQueer Vienna: Einblicke in ein Bewegungsarchiv\u00bb. Es enth\u00e4lt 11 Beitr\u00e4ge von Studierenden \u00fcber die queere Community, die teils noch nie erz\u00e4hlt worden sind <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/vom-life-ball-bis-tuntathlon-einblicke-ins-archiv-der-queeren-bewegung\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2649,"featured_media":86542,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4382,2527],"tags":[5468,5538,5461],"wps_subtitle":"Es geht um Smokings und Lebkuchen","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186476"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2649"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=186476"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186476\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":186578,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186476\/revisions\/186578"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/86542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=186476"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=186476"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=186476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}