{"id":186357,"date":"2024-01-08T07:58:06","date_gmt":"2024-01-08T06:58:06","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=186357"},"modified":"2024-01-08T08:25:39","modified_gmt":"2024-01-08T07:25:39","slug":"thomas-hitzlsperger-10-jahre-out-homosexualitaet-fuer-viele-immer-noch-ein-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/thomas-hitzlsperger-10-jahre-out-homosexualitaet-fuer-viele-immer-noch-ein-problem\/","title":{"rendered":"10 Jahre out: Homosexualit\u00e4t \u00abf\u00fcr viele immer noch ein Problem\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Zehn Jahre liegt das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zur\u00fcck. Das eines aktiven Profis gab es hierzulande seitdem immer noch nicht. Die Gr\u00fcnde sind vielf\u00e4ltig.<\/h3>\n<p>Thomas Hitzlsperger wundert sich nicht, dass er immer noch zu dem Thema befragt wird. Daran, dass Homosexualit\u00e4t zumindest in der breiten Wahrnehmung scheinbar nach wie vor etwas Aussergew\u00f6hnliches ist, hat sich seit dem Coming-out des fr\u00fcheren Fussball-Nationalspielers nur bedingt etwas ge\u00e4ndert. Dass hierzulande noch kein aktiver Profi seine Homosexualit\u00e4t \u00f6ffentlich gemacht hat, wirft auch die Frage auf: Wie divers sind wir wirklich?<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/power-paar-pernille-harder-und-magdalena-eriksson-im-doppelinterview\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Pernille Harder und Magdalena Eriksson im Doppelinterview: Die Fussballerinnen sprechen \u00fcber Diversit\u00e4t im Sport und ihren Beziehungsalltag\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00abEs ist nicht ausschliesslich ein Problem im Profifussball, sondern auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie ich in den letzten zehn Jahren erlebt habe\u00bb, sagte Hitzlsperger der Deutschen Presse-Agentur. \u00abSonst h\u00e4tten sich auch viel mehr Spieler nach der Karriere geoutet, aber das ist nicht geschehen. Es ist f\u00fcr viele Menschen immer noch ein Problem, wenn man von der gesellschaftlichen Norm abweicht.\u00bb<\/p>\n<p>Am 8. Januar 2014 machte Hitzlsperger seine Homosexualit\u00e4t \u00f6ffentlich \u2013 im zweiten Anlauf, wie er im <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/thomas-hitzlsperger-schwul-es-gab-auch-liebesbriefe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit MANNSCHAFT+<\/a> sagte, und erst nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/hitzlsperger-ist-fuenf-jahre-out-ich-koennte-nicht-gluecklicher-sein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. \u00abEs war vor allem aufregend. Ich war gut vorbereitet und angespannt, aber auch total froh, wie es dann gelaufen ist\u00bb, sagte der heute 41-J\u00e4hrige r\u00fcckblickend \u00fcber sein Coming-out, das damals f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen sorgte. \u00abIch habe fast ausnahmslos positive Reaktionen bekommen.\u00bb<\/p>\n<p>Seitdem sind zehn Jahre vergangen. In denen haben die deutschen Proficlubs beim Thema Diversit\u00e4t viel unternommen. Ein Coming-out wie das des inzwischen in Italien spielenden Tschechen Jakub Jankto im zur\u00fcckliegenden Februar <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tschechiens-nationalspieler-jakub-jankto-outet-sich-als-schwul\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a> gab es hier aber noch nicht.<\/p>\n<p>Aus Sorge vor negativen Reaktionen im Stadion, in der Kabine oder in den sozialen Netzwerken? Aus Angst, sich wom\u00f6glich die Chance auf einen Vereinswechsel zu verbauen? Jeder d\u00fcrfte seine eigenen Gr\u00fcnde haben. Die Clubs k\u00f6nnen wenig mehr tun, als Toleranz und Offenheit zu demonstrieren &#8211; und dadurch diese Sorgen vielleicht zu lindern.<\/p>\n<p>Regenbogenfarben auf Eckfahnen, Trikots oder Kapit\u00e4nsbinden. Aktionstage. Schwul-lesbische Fanclubs. Vereine, die wie der 1. FC K\u00f6ln oder der VfB Stuttgart am Christopher Street Day teilgenommen haben. Es ist einiges getan worden, um die Gesellschaft weiter zu sensibilisieren. \u00abEs gibt viele Dinge, die sich verbessert haben\u00bb, meinte Hitzlsperger.<\/p>\n<p>\u00abGenerell sehe ich den deutschen Fussball in puncto Diversit\u00e4t auf einem guten Weg. In den Vereinen hat ein Wandel stattgefunden\u00bb, sagte auch Jost Peter vom Fan-B\u00fcndnis Unsere Kurve. \u00abSie positionieren sich st\u00e4rker, vertreten ihre Werte nach aussen hin deutlicher.\u00bb<\/p>\n<p>Auch Alexander Wehrle, Nachfolger von Hitzlsperger als Vorstandschef des VfB Stuttgart, sieht grosse Bem\u00fchungen. \u00abIch glaube, es ist hierzulande in den letzten Jahren viel vorbereitet worden f\u00fcr das Coming-out eines aktiven Profifussballers\u00bb, erkl\u00e4rte der selbst offen schwul lebende 48-J\u00e4hrige. \u00abIch bin sicher, dass es das in den kommenden Jahren geben wird \u2013 vielleicht nicht von einer einzelnen Person, aber von einer Gruppe.\u00bb<\/p>\n<p>Ex-Jugendnationalspieler Marcus Urban hatte unl\u00e4ngst erkl\u00e4rt, gemeinsam mit Kollegen ein solches Gruppen-Coming-out organisieren zu wollen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ex-fussballer-marcus-urban-will-gruppen-coming-out-organisieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. \u00abWenn sich alle Beteiligten damit wohl- und nicht gedr\u00e4ngt f\u00fchlen, finde ich das wunderbar\u00bb, sagte Hitzlsperger. \u00abEs w\u00fcrde enorme Aufmerksamkeit erzeugen und sicherlich anderen Menschen Mut machen.\u00bb<\/p>\n<p>Letztlich sei ein Coming-out eine \u00abindividuelle Entscheidung, zu der ich zwar ermutigen, die ich aber niemals von einem Betroffenen einfordern w\u00fcrde\u00bb, sagte Wehrle. Sollte ein Spieler auf ihn zukommen, \u00abw\u00fcrde ich ihm positiv zusprechen, die Mannschaft informieren und dann auch Medienvertreter entsprechend sensibilisieren, dass sie zwar gerne einen Tag lang dar\u00fcber berichten k\u00f6nnen, es aber eben nicht ewig ausschlachten sollten.\u00bb<\/p>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wie-fuehlt-sich-das-an-wenn-man-keine-frau-liebt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frauenfussball<\/a> ist sexuelle Offenheit l\u00e4ngst normal. Er sei aber auch \u00abeine viel j\u00fcngere Sportart\u00bb, erkl\u00e4rte die schwedische Weltklasse-Spielerin Magdalena Eriksson k\u00fcrzlich. Seit dem vergangenen Sommer spielt sie mit ihrer d\u00e4nischen Partnerin Pernille Harder beim FC Bayern M\u00fcnchen.<\/p>\n<blockquote><p>Im traditionellen M\u00e4nnerfussball hat sich in mehr als 100 Jahren viel verfestigt. Der Frauenfussball ist daher st\u00e4rker von modernen Ansichten gepr\u00e4gt.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abIm traditionellen M\u00e4nnerfussball hat sich in mehr als 100 Jahren viel verfestigt. Der Frauenfussball ist daher st\u00e4rker von modernen Ansichten gepr\u00e4gt\u00bb, sagte Eriksson. Vielleicht k\u00f6nne der M\u00e4nnerfussball von den Frauen hier und da ja noch lernen.<\/p>\n<p>Auch Fan-Vertreter Peter glaubt, dass im M\u00e4nnerbereich erst noch \u00abTraditionen gebrochen werden m\u00fcssen\u00bb. Zumindest im eigenen Stadion h\u00e4tte ein Spieler nach einem Coming-out seiner Meinung nach zwar wohl keine negativen Reaktionen zu f\u00fcrchten. Auch in den Kurven habe sich viel getan. Mitunter gebe es dort aber immer noch homophobe Kommentare.<\/p>\n<p>\u00abGerade bei Schm\u00e4hungen des Gegners berufen sich leider sogar fortschrittliche Fans auf scheinbare Traditionen in den Kurven\u00bb, sagte Peter. Ein Problem, das der Fussball jedoch nicht exklusiv hat. Generell, so der Vorsitzende der Fan-Organisation, sei \u00abdas Thema Homophobie trotz aller Bem\u00fchungen gerade in der Sportwelt l\u00e4ngst nicht ausger\u00e4umt.\u00bb Auch zehn Jahre nach Hitzlspergers Coming-out nicht.<\/p>\n<p><strong>Vom 17. bis 20. Juli 2024 finden erstmals in Wien die Eurogames statt. LGBTIQ-Amateursportler*innen k\u00f6nnen sich ab sofort registrieren (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/startschuss-fuer-eurogames-2024-wien-anmeldungen-sind-offen\/\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>).<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre liegt das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zur\u00fcck. Das eines aktiven Profis gab es hierzulande seitdem immer noch nicht. 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