{"id":184670,"date":"2023-12-15T00:08:26","date_gmt":"2023-12-14T23:08:26","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=184670"},"modified":"2023-12-18T09:15:01","modified_gmt":"2023-12-18T08:15:01","slug":"wer-unsere-solidaritaet-verdient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wer-unsere-solidaritaet-verdient\/","title":{"rendered":"Wer unsere Solidarit\u00e4t verdient"},"content":{"rendered":"<h3>Solidarisch sein klingt gut. Aber wie geht das \u2013 und mit wem? Der Samstagskommentar*<\/h3>\n<p>Das Wort selbst kommt aus dem Sprachschatz jener politischen Szene, die sich als links versteht: Solidarit\u00e4t. Wer es mit wem h\u00e4lt, ist nat\u00fcrlich offen &#8211; muss einfach jede*r selbst entscheiden. Im menschlichen Nahbereich ist es ganz einfach: Solidarisch ist man mit den Mitgliedern der eigenen Familie, jedenfalls meistens. Man verteidigt die Eltern und Geschwister und die anderen aus der eigenen Sippe beinah prinzipiell. Weil dieser Schutz ja einem selbst auch gilt, meistens.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wer-werden-die-queeros-2023-auf-die-plaetze-fertig-voting\/\"><em>Auf zum Voting: Wer wird Queero 2023? Hier sind die nominierten Vereine und Aktivist*innen aus der Schweiz, \u00d6sterreich und Deutschland<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Politisch ist das komplizierter. Man zeigt sich solidarisch Weltanschaulichem gegen\u00fcber, so wie manche bis viele, die es in j\u00fcngerer Vergangenheit mit Judith Butler und andere Kritiker*innen Israels hielten. Die amerikanische Philosophin etwa sagt, am Ende des Tages z\u00e4hle die Hamas zur internationalen Linken und verdiene mindestens Respekt, weil diese Gruppe gegen Besatzung und Kolonialit\u00e4t (durch Israel, wie sie meinen) k\u00e4mpfe; dass Israel im Umkeis Tausender Meilen das einzige Land ist, in dem LGBTIQ sicher leben k\u00f6nnen, sagt sie nicht.<\/p>\n<p>Ich pl\u00e4diere f\u00fcr einen anderen, jedenfalls nicht weltanschaulich eingetr\u00fcbten Begriff von Solidarit\u00e4t. Wer mit schwuler oder lesbischer oder trans Brille auf die politischen Umst\u00e4nde guckt, macht, erstens keinen Urlaub in L\u00e4ndern, in denen LGBTIQ-Menschen verfolgt werden. Das scheidet selbst dann aus, wenn in diesen L\u00e4ndern ganz besonders attraktive Sehensw\u00fcrdigkeiten locken. Also: kein Iran, kein Russland, kein Tansania, kein Land generell, in denen die B\u00fcrgerrechte von unseren queeren Geschwistern bedroht werden, wo sie mit dem Tode bestraft werden k\u00f6nnen oder wo ihre schiere Existenz verfolgt wird, wie das aktuelle Gesetz in Russland unsereins zum Freiwild macht.<\/p>\n<p>Ein Freund sagte mir mal vor exakt 14 Jahren, als ich selbst beruflich f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/der-eurovision-song-contest-der-erfolg-frisst-seine-basis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ESC<\/a> akkreditiert war, ich k\u00f6nnte die Zeit dort doch verl\u00e4ngern, der sensationellen Museumssammlungen wegen. Ich lehnte schon damals ab: <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/russland-verbietet-lgbtiq-bewegung-als-extremistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> kann \u00e4sthetische Wunder pr\u00e4sentieren wollen, in diesem Land gebe ich keine Kopeke aus. Rasende Homophobie, Hatz gegen nicht-heteronormative Menschen \u2013 das verdient null Solidarit\u00e4t und seien die Dinge, Natur oder Kunst, dort auch besonders sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Es gab vor 100 Jahren auch schwule und lesbische Genoss*innen, die es mit der Sowjetunion hielten, dem Imperium des Sozialismus, angef\u00fchrt vom Diktator Stalin. Sie h\u00e4tten es besser unterlassen: Homosexuelle waren damals hochgef\u00e4hrdet und landeten in Psychiatrien, Schwules und Lesbisches war faktisch verboten, \u00e4hnlich wie im Deutschland der Nationalsozialisten.<br \/>\nSie h\u00e4tten sich besser solidarisch gezeigt der Schweiz, den Niederlanden oder D\u00e4nemark gegen\u00fcber &#8211; das waren nicht-sozialistische L\u00e4nder, aber hatten in ihren Strafgesetzb\u00fcchern auch keine homophoben Paragraphen mehr stehen. Klar, es gab in diesen L\u00e4ndern Diskriminierungen, aber eben keine juristisch lizensierten Verfolgungskonstrukte.<\/p>\n<p>Kurzum: Es gibt keine sozialistischen L\u00e4nder, in die man reisen k\u00f6nnte, keine Staaten, die von muslimisch gepr\u00e4gten Gesetzen beherrscht werden \u2013 im Gazastreifen und in der Westbank, von Iran, Irak oder Afghanistan zu schweigen, sind unsere Geschwister rund um die Uhr akut bedroht.<br \/>\nSolidarisch bin ich mit Menschen. Mit allen schwulen, lesbischen oder trans Menschen, die jede Minute um ihre k\u00f6rperliche und seelische Integrit\u00e4t f\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Womit wir einmal mehr beim Thema Israel w\u00e4ren. Es gibt in den grossen Weiten der queeren Community Menschen, die sagen, Israel m\u00fcsse als homonationalistisch gegeisselt werden, denn wer findet, dass der <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/150000-menschen-feiern-bei-pride-parade-in-tel-aviv\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CSD in Tel Aviv<\/a> ein super Event ist, billige auch die Politik gegen die arabischen Nachbar*innen, das Besatzungsregime in der Westbank, \u00fcberhaupt den, wie sie sagen, \u201eZionismus\u201c, also die Bewegung f\u00fcr einen j\u00fcdischen Nationalstaat als Safe Space f\u00fcr verfolgte Juden und J\u00fcdinnen.<\/p>\n<p>Denn Israel betreibe, noch so ein Schlagwort, <em>Pinkwashing<\/em> mit dieser Politik &#8211; die Rosawaschung eines Staates, der eigentlich schlimm sei. Ich teile dieses Urteil ausdr\u00fccklich nicht. Wer schon mal in Israel war, nicht nur in der Szenemetropole Tel Aviv, hat erlebt, dass nur in ultraorthodoxen Vierteln queere Menschen nicht so erw\u00fcnscht sind, aber das haben wir mit Frauen im Minirock gemeinsam: Dort, in ihren Vierteln, ist niemand gern gesehen abgesehen von Ultraorthodoxen. Aber: In allen Teilen Israel sind queere Menschen respektiert \u2013 mehr will ich ja auch nicht.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t h\u00e4ngt also f\u00fcr mich nicht an Systemen, an Ideologien oder an politischen Anschauungen. Sondern nur an der Frage: Wo leben wir halbwegs sicher. Und werden oft sogar willkommen geheissen, wo droht keine Todesstrafe, wird niemand unserer Geschwister von Hochh\u00e4usern geworfen, ins sichere Sterben.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Unterst\u00fctzung, Support, mithin Solidarit\u00e4t verdienen alle, die in totalit\u00e4ren, religi\u00f6s sich verstehenden L\u00e4ndern sich daf\u00fcr einsetzen, dass die politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse sich bessern. Also: Solidarit\u00e4t mit pal\u00e4stinensischen Queer, mit lesbischen und schwulen Menschen in Iran oder mit queerem Widerstand etwa in Russland. Sie wollen so leben wie wir in den freien L\u00e4ndern der Welt: Das ist unser Ansporn.<\/p>\n<p>Wer Stolz als Queer People in sich tr\u00e4gt, guckt auf die M\u00f6glichkeiten von Freiheit. Wie das Motto aus Solidarit\u00e4t mit j\u00fcdischen Menschen gilt auch f\u00fcr uns: Nie wieder &#8211; ist jetzt. Uns ein besseres 2024!<\/p>\n<p><em>*Die Meinung der Autor*innen von\u00a0<\/em><em>Kolumnen, Kommentaren oder Gastbeitr\u00e4gen\u00a0<\/em><em>spiegelt nicht zwangsl\u00e4ufig die Meinung der Redaktion wider.<\/em><\/p>\n<p><strong>Der australische S\u00e4nger und Schauspieler Troye Sivan hat seine Tourdaten f\u00fcr 2024 ver\u00f6ffentlicht \u2013 und seine Fans in Deutschland und der Schweiz d\u00fcrfen sich freuen. \u00d6sterreich steht bisher nicht auf dem Tourplan<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/troye-sivan-kuendigt-konzerte-in-deutschland-und-der-schweiz-an\/\">\u00a0(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solidarisch sein klingt gut. Aber wie geht das \u2013 und mit wem? Nat\u00fcrlich mit LGBTIQ im Gazastreifen und in der Westbank, in Iran, Irak oder Afghanistan und nat\u00fcrlich: Russland. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wer-unsere-solidaritaet-verdient\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1871,"featured_media":185385,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2,3270],"tags":[212,124,245],"wps_subtitle":"Wie halten wir es mit Russland und Co.?","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/184670"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1871"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=184670"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/184670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":185403,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/184670\/revisions\/185403"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/185385"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=184670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=184670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=184670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}