{"id":183349,"date":"2023-11-19T14:15:42","date_gmt":"2023-11-19T13:15:42","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=183349"},"modified":"2023-11-19T14:17:12","modified_gmt":"2023-11-19T13:17:12","slug":"soehne-der-liebe-brutale-verfolgung-von-lgbtiq-im-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/soehne-der-liebe-brutale-verfolgung-von-lgbtiq-im-iran\/","title":{"rendered":"\u00abS\u00f6hne der Liebe\u00bb: Brutale Verfolgung von LGBTIQ im Iran"},"content":{"rendered":"<h3>Am 1. M\u00e4rz 2024 findet im Iran die Parlamentswahl statt. Im Vorfeld der Wahl hat der Ausschluss mehrerer regierungskritischer Kandidaten f\u00fcr Kritik und Emp\u00f6rung gesorgt. \u00dcber die brutale Verfolgung und Unterdr\u00fcckung von queeren Menschen im Iran wird derzeit kaum gesprochen.<\/h3>\n<p>Eine Lesung in der queeren Buchhandlung L\u00f6wenherz thematisiert am Freitag (24. November) um 19.30 Uhr die brutale Verfolgung und Unterdr\u00fcckung von queeren Menschen im Iran. Dazu kommt der bekannte britisch-iranische Schriftsteller Ghazi Rabihavi nach Wien. Dieser hat im britischen Exil mehrere Werke \u00fcber die Gewalt an queeren Personen geschrieben wie das Theaterst\u00fcck &#8222;my beautiful son&#8220;. Dabei geht es um einen schwulen Mann, der im Iran zu einer Geschlechtsumwandlung gezwungen wurde.<\/p>\n<p>In Wien wird der Autor unter anderem aus seinem Buch \u00abS\u00f6hne der Liebe\u00bb vorlesen. Es handelt von einer Liebesgeschichte von zwei jungen Menschen im Iran, die als M\u00e4nner gelesen werden. Davon ist eine Person aber kein Mann. Die beiden Menschen heissen Djamil und Nadji. Sie d\u00fcrfen ihre Zuneigung zueinander nicht offen zeigen, weil gleichgeschlechtliche Liebe im Iran bis heute mit dem Tod bestraft wird. Liebe und Schmerz liegen in dieser Erz\u00e4hlung nahe beinander. Djamil und Nadji geraten in die Wirren der Iranischen Revolution. Sie fliehen und erleben Schreckliches.<\/p>\n<p>Gleich die ersten S\u00e4tze des Romans lassen aufhorchen. Sie machen deutlich, warum es heilsam sein kann, etwas Unsagbares zum Ausdruck zu bringen. \u00abIch bin verflucht\u00bb, so Djamil. \u00abDas ist auch der Grund, warum ich begonnen habe, diese Geschichte zu schreiben. Damit will ich diesen Fluch ein f\u00fcr alle Mal aufheben.\u00bb Mit dem Erz\u00e4hlen der Geschichte reist Djamil in die Vergangenheit und kehrt &#8222;in diesen finsteren K\u00e4fig\u00bb zur\u00fcck. Die Leser*innen begleiten Djamil dabei und werden Zeug*innen einer intensiven Liebes- und Leidensgeschichte.<\/p>\n<p>Das Besondere an dem Roman ist, dass der aus dem Iran stammende Autor Ghazi Rabihavi viele wichtige Themen in die Rahmenhandlung einfliessen l\u00e4sst. So wird gleich zu Beginn die bin\u00e4re Geschlechterordnung in Frage gestellt. Denn Djamil bekommt vom Vater bei der Geburt die Rolle als Mann zugewiesen, obwohl Djamil inter ist. Djamil hat keine k\u00f6rperlichen Merkmale, um bei der Geburt als m\u00e4nnlich oder weiblich eingestuft zu werden. \u00abWas ist es denn jetzt?\u00bb, fragt der Vater, der von verschiedenen Frauen bislang nur T\u00f6chter bekommen hat. Er m\u00f6chte daher unbedingt einen Sohn haben. In der Erziehung achtet der Vater konsequent darauf, dass sich Djamil m\u00e4nnlich verh\u00e4lt. Bei Abweichungen gibt es Pr\u00fcgel mit dem Rohrstock. Solche Grausamkeiten gegen\u00fcber inter Personen geschehen nicht nur im Iran, sondern in vielen Teilen der Welt.<\/p>\n<p>Dieses Buch ist ein Pl\u00e4doyer daf\u00fcr, dass Menschen so leben und lieben k\u00f6nnen, wie sie m\u00f6chten. Gleichzeitig klagt das Buch an. Es klagt die Grausamkeiten an, die Menschen einander zuf\u00fcgen. Es waren b\u00e4rtige M\u00e4nner, die im Zuge der Iranischen Revolution Kinos mit Menschen angez\u00fcndet und die sich im Namen des Glaubens an das Morden gew\u00f6hnt haben.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Thema in dem Roman ist auch die Unterdr\u00fcckung der Sexualit\u00e4t im Iran. Je mehr in einer Gesellschaft Sexualit\u00e4t unterdr\u00fcckt wird, umso heftiger k\u00f6nnen die Gewaltausbr\u00fcche sein. \u00abMit zunehmendem Alter lernte ich, dass M\u00e4nner, deren sexuelle Bed\u00fcrfnisse nicht befriedigt werden, Hass entwickeln k\u00f6nnen\u00bb, schreibt Djamil. \u00abMir war auch bewusst, dass ich mich in dieser W\u00fcste unter vielen M\u00e4nnern befand, die unter dem vernichtenden Druck ihres sexuellen Verlangens standen.\u00bb Diese hassenden M\u00e4nner vergewaltigen nicht nur Frauen, sondern auch M\u00e4nner. Hier geht es nicht um Homosexualit\u00e4t, sondern einzig um das Ausleben von Gewalt. Es ist unendlich grausam was Djamil und Hadji auf der Flucht erleben &#8211; und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. \u00dcber die Vergewaltigung von M\u00e4nnern in repressiven L\u00e4ndern, in Kriegen und auf der Flucht wird heute wenig gesprochen. Es ist wichtig, dass sich der Autor auch mit diesem Thema besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Das im Sujet Verlag erschienene Buch zeichnet sich auch dadurch aus, dass Leser*innen einen fundierten Einblick in eine Flucht bekommen. Zu Beginn werden gefl\u00fcchtete Personen von Schleppern ausgebeutet. Nur wer viel Geld hat, kann sich auf den Weg machen. Die Armen, Kranken und Schwachen bleiben zur\u00fcck. Gefl\u00fcchtete Menschen werden auf dem Weg ausgeraubt und missbraucht. Viele bleiben irgendwo h\u00e4ngen. Sie sind dann rechtlos und m\u00fcssen wie Sklav*innen arbeiten. Dieses Buch macht deutlich, wie sich Spiralen der Gewalt immer weiter fortsetzen. Personen, die unterdr\u00fcckt werden, sind oft voller Hass und Verbitterung. Sie qu\u00e4len dann Personen, die schw\u00e4cher sind und denen es noch schlechter geht.<\/p>\n<p>Der Roman prangert zugleich die Kluft von Armut und Reichtum an, die in der islamischen Welt besonders gross ist. So gibt es superreiche L\u00e4nder und Emirate, in denen Arbeiter*innen aus den armen L\u00e4ndern ausgebeutet werden. \u00abWenn wir nicht dagewesen w\u00e4ren, wer h\u00e4tte diese gigantische Geb\u00e4ude errichtet?\u00bb, fragt Djamil. \u00abEine Aufenthaltsgenehmigung wollten sie uns aber auch nicht geben, denn nur so konnten sie uns auch wieder loswerden, wenn kein Bedarf mehr bestand.\u00bb Razzien gegen illegale Arbeiter*innen werden so durchgef\u00fchrt, dass nichts herauskommt.<\/p>\n<p>\u00abIch scheiss auf diese Welt, wo nichts ausser Geld z\u00e4hlt\u00bb, sagt Djamil. Denn reiche Menschen k\u00f6nnen sich alles kaufen, sie \u00abregieren die Welt mit ihren Reicht\u00fcmern und kaufen alles, was sie wollen\u00bb. Sie k\u00f6nnen sich mit Geld auch Menschen gef\u00fcgig machen.<\/p>\n<p><strong>\u00abS\u00f6hne der Liebe\u00bb, Ghazi Rabihavi (Sujet Verlag, 500 S.)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iran. Am 1. M\u00e4rz wird gew\u00e4hlt. Nun hat d. Ausschluss von regierungskrit. Kandidaten f. Kritik gesorgt. \u00dcber d. brutale Verfolgung v. LGBTIQ wird kaum gesprochen. Das \u00e4ndert sich mit einer Lesung in Wien <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/soehne-der-liebe-brutale-verfolgung-von-lgbtiq-im-iran\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2649,"featured_media":177176,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4382,2527],"tags":[1030,5545,567],"wps_subtitle":"Lesung in der Wiener Buchhandlung L\u00f6wenherz ","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183349"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2649"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=183349"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183349\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":183354,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183349\/revisions\/183354"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/177176"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=183349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=183349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=183349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}