{"id":180617,"date":"2023-10-18T06:33:01","date_gmt":"2023-10-18T04:33:01","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=180617"},"modified":"2023-10-19T09:19:25","modified_gmt":"2023-10-19T07:19:25","slug":"der-ueberdrehte-homosexuelle-sensitivity-reading-gefaellig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/der-ueberdrehte-homosexuelle-sensitivity-reading-gefaellig\/","title":{"rendered":"\u00ab\u00dcberdrehte Homo&shy;sexuelle\u00bb \u2013 Sensitivity Reading gef\u00e4llig?"},"content":{"rendered":"<h3>Der dicke Nebencharakter, die sexualisierte Asiatin oder der \u00fcberdrehte Homosexuelle: Klischees, die sich in Geschichten zuhauf finden &#8211; und verletzen k\u00f6nnen. Spezielle Lektor*innen k\u00f6nnen helfen.<\/h3>\n<p>Von Alina Gr\u00fcnky, dpa<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick h\u00e4tte sie es anders gemacht: \u00abMir ist in \u00e4lteren B\u00fcchern, die ich vor etwa zehn Jahren geschrieben habe, aufgefallen, dass ich Nachholbedarf habe\u00bb, sagt Autorin Anika Beer, die vorrangig in den Genres Fantasy und Science-Fiction schreibt. Ihre neuen Projekte gestaltet Beer anders &#8211; und arbeitet daf\u00fcr auch mit sogenannten Sensitivity Reader*innen zusammen. Sie pr\u00fcfen Texte auf verletzende oder missverst\u00e4ndliche Darstellungsweisen.<\/p>\n<p>Das ist nicht unumstritten &#8211; immer wieder flammen Debatten \u00fcber m\u00f6gliche Zensur auf. Auch auf der Buchmesse soll es eine Diskussion \u00fcber den Druck geben, den diese Kontroverse auf Verlage aus\u00fcbt. \u00abDie alten weissen M\u00e4nner und Frauen unserer Branche sind verunsichert\u00bb, hatte Buchmessen-Direktor Juergen Boos vor der Messe gestanden. Sie f\u00fchlten sich \u00abherausgefordert\u00bb von einer jungen Generation, die einen anderen Blick auf gesellschaftliche Themen habe.<\/p>\n<p>\u00abMein erstes umfassendes Sensitivity Reading an einem kompletten Buch habe ich bei einem Verlag angefordert, als ich \u00fcber eine nicht-bin\u00e4re Person schrieb\u00bb, berichtet Beer. Nicht-bin\u00e4re Menschen identifizieren sich weder als Mann noch als Frau. \u00abIn dem Fall hatte ich einen grossen Teil des Buches schon geschrieben und wir sind dann den vorliegenden Text gemeinsam durchgegangen.\u00bb Bei anderen Projekten hat sich Beer bereits beim Erstellen des Figurenkonzepts beraten lassen.<\/p>\n<blockquote><p>Niemand greift in meinen Text ein<\/p><\/blockquote>\n<p>Sensitivity Reader*innen k\u00f6nnen Hinweise geben und Vorschl\u00e4ge machen, die \u00dcbernahme und Umsetzung erfolgt jedoch nach eigenem Ermessen, wie die Autorin ausf\u00fchrt. \u00abOffen zu sein ist mir wichtig, schliesslich fordere ich die Beratung selber an\u00bb, sagt Beer. \u00abAber niemand greift in meinen Text ein, diese Verantwortung liegt bei mir selbst.\u00bb<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schule-in-itzehoe-verbrennt-schwules-monster-und-sagt-sorry\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Eine Schule in Itzehoe verbrennt schwulen Drachen. Der Schwulen- und Lesbenverband hat Strafanzeige gestellt\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>F\u00fcr Sensitivity Readerin Victoria Linnea ist die Motivation ihrer Arbeit klar: \u00abIch w\u00fcnsche mir eine vielf\u00e4ltige Literaturwelt, in der die sonst selten geh\u00f6rten Geschichten erz\u00e4hlt werden k\u00f6nnen\u00bb, sagt sie. \u00abN\u00e4mlich Geschichten von und mit Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen.\u00bb Linnea ist freie Lektorin und Gr\u00fcndungsmitglied des Projekts \u00abSensitivity Reading\u00bb: \u00abIch w\u00fcrde es als ein sehr spezielles Fachlektorat bezeichnen\u00bb, sagt Linnea.<\/p>\n<p>Der Klett Verlag teilt auf Anfrage mit, dass er sich seiner Verantwortung zur Darstellung von sensiblen und klischeehaft besetzten Themen sehr bewusst sei. Demnach beauftragt er unter anderem externe Agenturen mit dem Fokus auf Sensitivity Reading. Der Verlag C. H. Beck sieht dagegen bislang kein Bedarf f\u00fcr externe Sensitivity Reader. Laut Verlagsangaben achtet er selber darauf, dass Klischees und Vorurteile vermieden werden. Auch der Fischer-Verlag betreibt kein Sensitivity Reading, W\u00fcnsche der Autor*innen danach w\u00fcrden jedoch unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit ist nicht immer einfach, wie Autorin Beer weiss. \u00abEs ist nicht an jedem Tag gleich leicht, die Kritik einzustecken\u00bb, erz\u00e4hlt sie. Manche Denkweisen seien beim Aufwachsen nun einmal eingepr\u00e4gt worden. \u00abDadurch sind wir nicht gleich schlechte Menschen.\u00bb Es sei jedoch wichtig, dazuzulernen und daf\u00fcr auch Kritik aushalten und umsetzen zu wollen.<br \/>\nUnterst\u00fctzung oder \u00abSprachpolizei\u00bb?<\/p>\n<p>Heisst das jetzt, alle Figuren handeln, sprechen und denken in Beers B\u00fcchern immer fehlerfrei? \u00abNein, das ist erstens unm\u00f6glich, und es darf selbstverst\u00e4ndlich auch Figuren geben, die sich nicht korrekt verhalten\u00bb, erkl\u00e4rt Beer. \u00abEntscheidend ist, dass sie reflektiert werden. Wenn eine Figur beispielsweise diskriminierende Vorurteile hat, dann kann ihr das in der Geschichte aufgezeigt werden.\u00bb Unbewusste Diskriminierung sollte vermieden werden.<\/p>\n<p>Dennoch wird immer wieder Kritik in Diskussionspanels, Kolumnen und Kommentarspalten laut, es sei eine \u00abSprachpolizei\u00bb unterwegs, die Schreibverbote verh\u00e4nge. Das Ende von Kunst und Kultur wird beschrien, die Leser*innen seien verweichlicht. Oft wird die Frage in den Raum geworfen, was man denn \u00fcberhaupt noch sagen d\u00fcrfe.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/sehr-geehrte-damen-und-herren-vom-umgang-mit-schwierigen-woertern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00abSehr geehrte Damen und Herren\u00bb \u2013 Vom Umgang mit schwierigen W\u00f6rtern. Ein neues Buch versucht sich an einem \u00dcberblick\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Dem setzt Victoria Linnea eine klare Aussage entgegen: \u00abSensitivity Reading verbietet nicht das Schreiben \u00fcber sensible Themen, es bietet Unterst\u00fctzung an, damit man eben \u00fcber diese Themen schreiben kann\u00bb, betont sie. Das werde jedoch h\u00e4ufig nicht verstanden &#8211; \u00abund es wird weiter in den Kommentarspalten \u00fcber vermeintliche Zensur geredet\u00bb.<\/p>\n<p>Die Lektorin betrachtet es als Fortschritt, wenn Menschen sich mit Diskriminierung auseinandersetzen. \u00abDenn erst, wenn etwas besprochen wird, ist es nicht mehr unsichtbar\u00bb, sagt Linnea. \u00abSo kann man Probleme angehen, die davor von der Mehrheitsgesellschaft ignoriert wurden &#8211; willentlich oder aus Unwissenheit.\u00bb<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/sensitivity-reading.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Plattform Sensitivity Reading<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur. Der dicke Nebencharakter, die sexualisierte Asiatin o.der \u00fcberdrehte Homosexuelle: Klischees, die sich in Geschichten zuhauf finden \u2013 und verletzen k\u00f6nnen. Sensitivity Reader k\u00f6nnen helfen. <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/der-ueberdrehte-homosexuelle-sensitivity-reading-gefaellig\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1950,"featured_media":180619,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4382],"tags":[5438,5545],"wps_subtitle":"Kein Schreibverbot \u00fcber sensible Themen","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180617"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1950"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=180617"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180617\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":180675,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180617\/revisions\/180675"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/180619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=180617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=180617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=180617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}