{"id":172263,"date":"2023-06-20T08:28:42","date_gmt":"2023-06-20T06:28:42","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=172263"},"modified":"2023-06-20T09:13:21","modified_gmt":"2023-06-20T07:13:21","slug":"mann-im-slip-comeback-fuer-kochfesten-klassiker-karl-heinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mann-im-slip-comeback-fuer-kochfesten-klassiker-karl-heinz\/","title":{"rendered":"Mann im Slip: Comeback f\u00fcr kochfesten Klassiker \u00abKarl-Heinz\u00bb?"},"content":{"rendered":"<h3>Lange hatte der Herrenslip einen miesen Ruf. Jetzt sind knappe H\u00f6schen angeblich wieder angesagter. Oje, denkt da mancher Bierbauchmann. Welchen Trends die M\u00e4nnerunterhose so unterliegt.<\/h3>\n<p>Von Gregor Tholl, dpa<\/p>\n<p>Der Slip fristet ein Dasein als Liebest\u00f6ter und junge Kerle tragen Boxershorts &#8211; so das Klischee. Die selbstdarstellerische Welt von Instagram und Co. scheint einen Gegentrend zu offenbaren: Bei M\u00e4nnern sind wieder knappe Unterhosen angesagt. Ein Slip-Comeback?<\/p>\n<p>\u00abDie M\u00e4nnerunterhose ist l\u00e4ngst ein reines Modeteil und wird nach pers\u00f6nlichem Tragegef\u00fchl ausgew\u00e4hlt\u00bb, sagt der Stil-Experte Bernhard Roetzel. \u00abDie Unterw\u00e4sche hat ihre Funktion in den vergangenen gut hundert Jahren komplett gewandelt &#8211; von der fast medizinischen Betrachtung als w\u00e4rmende Bekleidung hin zum Lifestyle-Produkt.\u00bb<\/p>\n<p>Der Schnitt der Unterhose habe nat\u00fcrlich stark was mit der dar\u00fcber getragenen Hose zu tun, sagt Autor Roetzel (\u00abDer Gentleman: Handbuch der klassischen Herrenmode\u00bb). In den 80ern zum Beispiel seien bauschige Boxershorts unter Bundfaltenhosen kein Problem gewesen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wir-sollten-alle-viel-haeufiger-nackt-sein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Wir sollten alle viel h\u00e4ufiger nackt sein! Unser Kommentator war in der Herrensauna in Wien<\/em> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Eine von der Deutschen Presse-Agentur in Auftrag gegebene Unterhosen-Umfrage zeigt jetzt, dass Boxershorts und Boxer Briefs &#8211; insgesamt Unterhosen mit Beinchen &#8211; der klare Favorit bei M\u00e4nnern in Deutschland sind. Jedem f\u00fcnften Mann aber (21 Prozent) gef\u00e4llt optisch der Slip am besten, wenn er sich f\u00fcr eine Unterhosenform entscheiden m\u00fcsste. Frauen sehen das weniger so (11 Prozent).<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig: Slip-Fans sind eher \u00e4ltere Erwachsene in Deutschland (ab 45 und bei den \u00fcber 55-J\u00e4hrigen nochmal deutlich mehr), aber auch &#8211; \u00dcberraschung &#8211; die jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre).<\/p>\n<p>Vor etwa einem Vierteljahrhundert war der Geschmack noch sehr anders. Im Jahr 2000 offenbarte eine vom Fachmagazin <em>TextilWirtschaft<\/em> in Auftrag gegebene repr\u00e4sentative Umfrage, dass die Feinripp-Unterhose und der bunt-gemusterte Sportslip \u00abmit Abstand die von den meisten M\u00e4nnern getragenen Unterhosen-Typen\u00bb seien. Der kochfeste Klassiker \u00abKarl-Heinz\u00bb &#8211; so lautete ein fr\u00fcher verbreiteter Kosename f\u00fcr die weisse Feinripp-Unterhose &#8211; war damals also noch sehr gut dabei.<\/p>\n<p>Das ist heute anders: \u00abDie weisse Unterhose mit Eingriff ist ein Nischenprodukt geworden. Sie hat imagem\u00e4ssig sehr gelitten\u00bb, sagt Modekritiker Roetzel. \u00abIch habe eigentlich noch nie von einem Mann geh\u00f6rt, dass er diesen Eingriff wirklich benutzt.\u00bb Heute sei der \u00abOpen Fly\u00bb oft bloss aufgen\u00e4hte Attrappe &#8211; ein Nostalgie-Look.<\/p>\n<p>Man d\u00fcrfe bei alledem nicht vergessen, so Roetzel, dass deutsche M\u00e4nner bis vor einigen Jahren meist Tr\u00e4gerunterhemden anhatten. \u00abDas Unterhemd wurde in die Unterhose gestopft. Und das steckte dann alles unter der Hose.\u00bb Heute liessen viele, gerade im Sommer, das Unterhemd weg. \u00abUnd dann muss auch kein Platz mehr in der Unterhose sein f\u00fcrs Unterhemd.\u00bb Ein Grund, warum Unterhosen weniger sackig sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn gegenw\u00e4rtig wieder Slips beziehungsweise \u00abBriefs\u00bb angesagter erscheinen, dann sind das keine weiten Opa-Modelle, keine High-Rise- oder Mid-Rise-Slips (bis kurz unter den Bauchnabel). Selbstvermarkter und Models greifen zu tiefsitzenden Unterhosen, um sexy zu wirken. Enge Low-Rise-Slips setzen den gest\u00e4hlten K\u00f6rper, das Sixpack oder die trainierten Beine besser in Szene als alle anderen Unterhosen.<\/p>\n<p>Genau das ist aber das Problem f\u00fcr M\u00e4nner, die keinen Waschbrettbauch, sondern einen Waschb\u00e4rbauch ihr Eigen nennen. Es gilt der Grundsatz: Je dicker der Bauch, desto gr\u00f6\u00dfer der Schl\u00fcpper.<\/p>\n<p>Zum Slip gilt es zu sagen: Enge Briefs halten zwar alles gut zusammen, zeigen aber auch, was man in der Hose hat. \u00abIn den USA ist es nach dem etwas pr\u00fcderen Sittlichkeitsempfinden geradezu absurd, wenn ein Mann einen Slip drunter hat\u00bb, sagt Roetzel. \u00abMan kann das auch analog bei Badehosen sehen. In Amerika mokiert man sich \u00fcber europ\u00e4ische Minibadehosen. In Europa, vor allem S\u00fcdeuropa, verletzt dagegen ein Mann nicht die guten Sitten, wenn er am Strand im H\u00f6schen ruml\u00e4uft.\u00bb<\/p>\n<p>Die Geschichte der Unterhose ist \u00fcbrigens k\u00fcrzer als viele denken. Erst mit der Industrialisierung kam das auf, was wir als Unterhose durchgehen lie\u00dfen. Sie war lange Zeit gewebt und weit geschnitten und recht lang. \u00abEin im 19. Jahrhundert schon erkennbares Interesse an Kraft und athletischem K\u00f6rperbau f\u00fchrte in der M\u00e4nnermode des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts zu einer Folge taillierter Silhouetten, die auf Schlankheit setzten\u00bb, sagt die Kleidungshistorikerin Julia Burde (\u00abDie Begradigung der Taillenkontur in der M\u00e4nnermode\u00bb).<\/p>\n<p>\u00abZum neuen, athletischen K\u00f6rperbild passte dicke Leinenunterw\u00e4sche nicht mehr\u00bb, erl\u00e4utert Burde. \u00abAb 1934 entwickelte ein Mustergestalter der US-Firma Jockey den ersten Y-f\u00f6rmigen Herrenslip. Er wurde zur Verkaufssensation. Erm\u00f6glicht wurde der neue, hautenge Sitz durch die Weiterentwicklung der Kunst- und Synthetikfasern sowie der Gewebe und Gewirke aus chemisch produzierten Endlosf\u00e4den.\u00bb<\/p>\n<p>In allen Epochen habe M\u00e4nnerkleidung Wechselwirkungen mit Soldatenmontur gehabt, sagt Burde, so auch in der Zeit der Weltkriege. Um 1920 seien die Boxershorts der US Army ins Zivil-Outfit \u00fcbernommen worden. \u00abSeit etwa 100 Jahren bestimmen vor allem zwei Formen die m\u00e4nnliche Unterkleidung: Boxershort und Slip.\u00bb<\/p>\n<p>In den 60er Jahren kamen enge Hosen auf. Slips mit Zwickel (Einn\u00e4her, der den Intimbereich vor Reibungen und Reizungen sch\u00fctzt) erm\u00f6glichten die schmalen Passformen erst. \u00abDas setzte sich in den 70ern fort, als die Hosenbeine zwar ausgestellt waren, die H\u00fcften aber schmal blieben\u00bb, sagt Burde, die Kulturgeschichte der Kleidung an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin lehrt (Studiengang Kost\u00fcmbild).<\/p>\n<p>\u00abUnter dem gegenkulturellen Einfluss des Grunge und des Hip-Hop-Oversize wurde vor allem durch die Marke Calvin Klein ab 1992 ein Hybrid aus Slip- und Boxerform angesagt: die Boxerbriefs.\u00bb<\/p>\n<p>Mode-Experte Roetzel erg\u00e4nzt: \u00abEine Zeit lang trugen Skater und andere M\u00e4nner den Hosenbund bewusst tiefer, um den Rand und die Marke der eng anliegenden Unterhose zu zeigen. \u00abMit dem Auf und Ab vom Saum der Hose wandert stets auch der Saum der Unterhose rauf und runter.\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00dcberblick \u00fcber die Grundformen bei M\u00e4nnerunterhosen<\/strong><\/p>\n<p>Slips: Der enge Unterhosenklassiker hei\u00dft im englischsprachigen Fachjargon \u00abBrief\u00bb. Passt unter kurze Sporthosen und enge Hosen gut.<\/p>\n<p>Boxershorts: sitzen locker und bequem auf den H\u00fcften und eignen sich besonders unter lockeren Hosen. Oft ist vorne ein Eingriffsschlitz mit Kn\u00f6pfen, einige haben die Kn\u00f6pfe aber auch nur zur Zierde.<\/p>\n<p>Boxer Briefs: eng geschnittene Mischung aus Boxershorts und Slip mit l\u00e4ngerem Beinansatz.<\/p>\n<p>Trunks: Die engen Retropants (auch New Boxer oder Hipster genannt) sind Boxer Briefs mit k\u00fcrzerem Bein, meist nur einige Zentimeter lang, so dass sie sogar unter kurze Hosen wie Sportshorts passen.<\/p>\n<p>Lange Unterhosen: Enge sogenannte Longpants sind f\u00fcr kalte Tage gut geeignet. In figurbetonten Schnitten passen sie sich wie eine zweite Haut unter Alltags- oder gar Skihosen an.<\/p>\n<p>Strings: enge, knappe, luftige Unterhose mit Schnur oder Riemen in der Ges\u00e4\u00dfspalte; bietet besonders viel Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>Jockstraps: eine Funktionsunterw\u00e4sche, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Sportler entworfen wurde und an der Vorderseite einen Protektor platzieren sollte. Der Po bleibt frei, denn auf der R\u00fcckseite sind nur zwei Riemen zur Unterst\u00fctzung, damit alles an Ort und Stelle bleibt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tugendterror-in-den-app-stores-scruff-verbietet-jockstrap-fotos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Tugendterror in den App-Stores \u2013 Scruff verbietet Jockstrap-Fotos<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Vornamen f\u00fcr Unterhosen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Unterhosen benutzen manche Fachleute auch Spitznamen. So richtig g\u00e4ngig sind diese Bezeichnungen aber nicht. Eine Auswahl:<\/p>\n<p>&gt; Karl-Heinz (klassische weisse Feinripp-Unterhose, mit Eingriff)<\/p>\n<p>&gt; Walter (gemusterter Sportslip)<\/p>\n<p>&gt; Boris (gemusterter Minislip ohne Eingriff)<\/p>\n<p>&gt; Tobias oder Thomas (unifarbener Sportslip)<\/p>\n<p>&gt; Niklas (einfarbige Retro-Pant mit kurzem Bein)<\/p>\n<p>&gt; Stephan (einfarbige Retro-Pant mit l\u00e4ngerem Bein)<\/p>\n<p>&gt; Michael (Boxershorts)<\/p>\n<p>&gt; Felix (gewebte Boxershorts)<\/p>\n<p>&gt; Sven (knapper Tanga mit Dreieck vorne)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange hatte der Herrenslip einen miesen Ruf. Jetzt sind knappe H\u00f6schen angeblich wieder angesagter. Oje, denkt da mancher Bierbauchmann. 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