{"id":169422,"date":"2023-05-15T09:57:14","date_gmt":"2023-05-15T07:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=169422"},"modified":"2023-05-16T12:17:46","modified_gmt":"2023-05-16T10:17:46","slug":"kaum-angebote-zu-sexueller-gesundheit-fuer-trans-und-nicht-binaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kaum-angebote-zu-sexueller-gesundheit-fuer-trans-und-nicht-binaere\/","title":{"rendered":"Kaum Angebote zu sexueller Gesundheit f\u00fcr Trans und Nicht-bin\u00e4re"},"content":{"rendered":"<h3>Eine Studie der Deutschen Aidshilfe und des Robert Koch-Instituts zur sexuellen Gesundheit von trans und nicht-bin\u00e4ren Menschen deckt eklatante Versorgungsl\u00fccken auf \u2013 und weist den Weg zu besseren Angeboten.<\/h3>\n<p>Medizinische Einrichtungen und Beratungsstellen zu Fragen der sexuellen Gesundheit in Deutschland sind auf trans und nicht-bin\u00e4re Menschen nicht ausreichend vorbereitet. Dabei unterliegen diese besonderen Risiken und sind zum Beispiel deutlich h\u00e4ufiger von HIV betroffen als der Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung (0,7 statt 0,1%).<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"de\">\ud83c\udd95Erste Daten zur sexuellen Gesundheit und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/HIV?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#HIV<\/a>\/sexuell \u00fcbertragbaren Infektionen in trans und nicht-bin\u00e4ren Communitys in Deutschland.<br \/>\nDie <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/TASG?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#TASG<\/a>-Studie des <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/RKI?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#RKI<\/a> und der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Aidshilfe_de?ref_src=twsrc%5Etfw\">@Aidshilfe_de<\/a> liefert erstmals quantitative und qualitative Daten.<br \/>\nDie Ergebnisse und weitere Informationen \u2b07\ufe0f<\/p>\n<p>\u2014 Robert Koch-Institut (@rki_de) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/rki_de\/status\/1658025616656957440?ref_src=twsrc%5Etfw\">May 15, 2023<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie \u00abSexuelle Gesundheit und HIV\/STI in trans und nicht-bin\u00e4ren Communitys\u00bb der Deutschen Aidshilfe und des Robert Koch-Instituts (RKI), deren <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/H\/HIVAIDS\/Studien\/TASG-Ergebnisse.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abschlussbericht<\/a> an diesem Montag ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Damit liegen laut einer Mitteilung der Deuschen Aids-Hilfe erstmals Daten und wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse zur sexuellen Gesundheit dieser vielf\u00e4ltigen Gruppen in Deutschland vor. Der Abschlussbericht gibt ausserdem Empfehlungen, wie L\u00fccken geschlossen und die Qualit\u00e4t der Versorgung gesteigert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00abMit Blick auf HIV und Geschlechtskrankheiten ist ein leichter Zugang zu kompetenten Angeboten f\u00fcr Beratung, Tests und Behandlung unverzichtbar. Trans und nicht-bin\u00e4re Menschen k\u00f6nnen sich darauf in Deutschland noch nicht verlassen. Sie m\u00fcssen mit Unwissenheit und Diskriminierung rechnen &#8211; und damit, dass sie schlicht nicht mitgedacht werden. Das muss sich dringend \u00e4ndern!\u00bb, sagt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/sextoys-gummis-und-massageoele-zu-besuch-bei-madame-condomeria\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Sextoys, Gummis und Massage\u00f6le: Zu Besuch bei Madame Condomeria in Z\u00fcrich. Wie hat sich das Bewusstsein f\u00fcr Sex und Lust in der Gesellschaft entwickelt? (MANNSCHAFT+)<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>F\u00fcr die genannte Studie befragte das Robert Koch-Institut mehr als 3.000 Menschen mit einem Online-Fragebogen. Die Deutsche Aidshilfe sprach in Workshops und Interviews mit 59 Personen ausf\u00fchrlich \u00fcber ihre Erfahrungen. Die gemeinsame Studie wurde partizipativ durchgef\u00fchrt: Die Zielgruppen waren in jede Phase des Forschungsprojektes eingebunden, die Forschenden geh\u00f6rten teilweise selbst zu den erforschten Communitys.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse best\u00e4tigen, was in der internationalen Forschung bereits bekannt war: Trans und nicht-bin\u00e4re Menschen sind generell erh\u00f6hten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Psychische Belastungen entstehen etwa durch Diskriminierungserfahrungen und Stigmatisierung, aber auch, weil der eigene K\u00f6rper oder bestimmte K\u00f6rperteile als unpassend empfunden werden (Geschlechtsdysphorie). Die physische Gesundheit ist zum Beispiel durch fehlende Kompetenz bei \u00c4rzt*innen gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Sexualit\u00e4t ist f\u00fcr trans und nicht-bin\u00e4re Menschen ein besonders sensibles Thema. Eine wichtige Rolle spielt f\u00fcr viele der Aushandlungsprozess, welche Art von Sexualit\u00e4t stattfinden soll und welche K\u00f6rperteile beteiligt sein d\u00fcrfen und welche nicht. Das sexuelle Wohlbefinden wird oft beeintr\u00e4chtigt durch Angst vor Ablehnung und Diskriminierung sowie verinnerlichte Abwertung und Erwartungshaltungen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/who-hebt-gesundheitsnotstand-wegen-affenpocken-auf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>WHO hebt Gesundheitsnotstand wegen Affenpocken auf: Das Virus k\u00f6nnte sich ver\u00e4ndern und ansteckender werden, hiess es noch vor einer Woche\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>So gaben 79% in der Online-Befragung an, dass sie schon mindestens einmal das Gef\u00fchl hatten, in sexuellen Situationen ihre Geschlechtsidentit\u00e4t durch ihr Verhalten beweisen zu m\u00fcssen. 55% f\u00e4llt es nicht leicht, ihre Bed\u00fcrfnisse beim Sex zu \u00e4ussern und diesen aktiv mitzugestalten. 31% der online Befragten f\u00e4llt es schwer, Nein zu Sex zu sagen, den sie nicht m\u00f6chten. Einige Teilnehmer*innen berichteten, dass sie sich nicht trauten, auf ihre Safer-Sex-W\u00fcnsche zu bestehen.<\/p>\n<p>\u00abMein K\u00f6rper ist schon ein Umstand f\u00fcr die andere Person, da mag ich nicht noch weitere Forderungen stellen\u00bb, erkl\u00e4rt eine befragte Person in der qualitativen Studie.<\/p>\n<p>Beratung von trans und nicht-bin\u00e4ren Menschen m\u00fcsse daher psychosoziale Komponenten besonders ber\u00fccksichtigen und dabei unterst\u00fctzen, ein positives Selbstbild zu entwickeln, die eigene Sexualit\u00e4t zu erkunden und zu entwickeln sowie Bed\u00fcrfnisse zu \u00e4ussern und durchzusetzen.<\/p>\n<p>Trans und nicht-bin\u00e4re Menschen tr\u00e4fen jedoch auf ein Gesundheitssystem, das sich noch immer fast ausschliesslich an der \u00fcberkommenen Einteilung in lediglich zwei Geschlechter orientiere \u2013 vom Aufnahmebogen \u00fcber Beratung und Medikation bis zur Abrechnung.<\/p>\n<p>Lediglich 32% gaben an, dass bei ihrer letzten Beratung zu HIV und anderen sexuell \u00fcbertragbaren Infektionen der selbstgew\u00e4hlte Name, die geschlechtliche Identit\u00e4t und das gew\u00fcnschte Pronomen erfragt wurden. Werden Anamneseb\u00f6gen geschlechtsspezifisch verteilt, stimmen die darauf abgebildeten Genitalien und Schleimh\u00e4ute oft nicht mit den k\u00f6rperlichen Gegebenheiten der Ratsuchenden \u00fcberein. Ein strukturelles Hindernis bestehe zum Beispiel, wenn Gyn\u00e4kolog*innen die Geb\u00e4rmutterhalskrebsvorsorge nicht abrechnen k\u00f6nnen, weil bei der Krankenkasse das Geschlecht <em>m\u00e4nnlich<\/em> gespeichert ist.<\/p>\n<p>Auch in der Beratung mangele es oft an entscheidenden Kenntnissen: Wenn eine beratende Person zum Beispiel nicht wisse, dass einige trans M\u00e4nner aufnehmenden Vaginalsex praktizieren, kann das bei der Beratung zur HIV-Prophylaxe PrEP gef\u00e4hrliche Folgen haben: F\u00fcr aufnehmenden Vaginalverkehr gelte ein besonderes Einnahmeschema, weil es l\u00e4nger dauert, bis sich in der Vaginalschleimhaut ein ausreichender PrEP-Schutz aufgebaut hat.<\/p>\n<p>\u00abAuf trans und nicht-bin\u00e4re Menschen sind weder Mediziner*innen noch Berater*innen ausreichend vorbereitet. Sie f\u00fchlen sich im Medizinsystem deswegen oft nicht willkommen und gesehen, sondern gef\u00e4hrdet. Wenn Ratsuchende zun\u00e4chst ihre Berater*innen aufkl\u00e4ren m\u00fcssen, ist das kontraproduktiv und inakzeptabel\u00bb, sagt Projektleitung Chris Spurgat.<\/p>\n<p>Nicht spezialisierte Angebote w\u00fcrden dementsprechend h\u00e4ufig mit Skepsis betrachtet und mit Erwartungen von Diskriminierung, fehlender Sensibilit\u00e4t und mangelndem Fachwissen zu trans und nicht-bin\u00e4ren K\u00f6rpern verkn\u00fcpft. 17% der online Befragten gaben an, sie h\u00e4tten aus Angst vor Diskriminierung bereits auf bestimmte Leistungen verzichtet, etwa auf Beratung zu Fragen sexueller Gesundheit oder Tests auf HIV und andere sexuelle \u00fcbertragbare Infektionen. Das k\u00f6nne lebensgef\u00e4hrliche Folgen haben, etwa, wenn HIV-Infektionen unbehandelt blieben oder Krebserkrankungen erst sp\u00e4t entdeckt w\u00fcrden.<\/p>\n<blockquote><p>Ich kenne viele trans Personen, die seit Jahren keine Vorsorgeuntersuchungen gemacht haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00abIch kenne viele trans Personen, die seit Jahren keine Vorsorgeuntersuchungen gemacht haben, gyn\u00e4kologische zum Beispiel, weil es nicht funktioniert. Sie bleiben zu Hause, obwohl sie Beschwerden haben\u00bb, fasst eine in der Beratung t\u00e4tige Person das Problem zusammen.<\/p>\n<p>Um etwas an der desolaten Situation zu ver\u00e4ndern, gebe der Abschlussbericht Empfehlungen f\u00fcr eine bessere Versorgung f\u00fcr trans und nicht-bin\u00e4re Menschen. Zentrale Punkte seien aus Sicht der Deutschen Aidshilfe z.a. mehr Test- und Beratungsangebote speziell f\u00fcr trans und nicht-bin\u00e4re Menschen &#8211; communitynah und mit Profis, die selbst aus den adressierten Gruppen stammen sowie<br \/>\n&#8211; Das Thema muss in der Ausbildung und bei Fortbildungen f\u00fcr medizinisches und beraterisches<br \/>\nPersonal ber\u00fccksichtigt werden. Dringend erforderlich seien fl\u00e4chendeckende Grundlagenschulungen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt spiele die medizinische Versorgung von trans und nicht-bin\u00e4ren Personen bez\u00fcglich Transitionen auch eine wichtige Rolle f\u00fcr ihre sexuelle Gesundheit. Ein diskriminierungsfreier Zugang m\u00fcsse sichergestellt, H\u00fcrden m\u00fcssen abgebaut werden, heisst es in der Presssemitteilung der DAH.<\/p>\n<p>\u00abDas Recht auf vollst\u00e4ndige Kosten\u00fcbernahme von geschlechtsangleichenden Massnahmen muss gesetzlich verankert werden, wie es die Bundesregierung im<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/auftaktsitzung-fuer-aktionsplan-queer-leben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Aktionsplan Queer Leben<\/a> versprochen hat\u00bb, sagt DAH-Vorstand Sylvia Urban.<\/p>\n<p>\u00abWas ben\u00f6tigt wird, ist jetzt wissenschaftlich genau beschrieben. Nun liegt der Ball bei der Politik, den Bundesbeh\u00f6rden und medizinischen Einrichtungen sowie Test- und Beratungsangeboten gleichermassen. Auf allen Ebenen gibt es grossen Handlungsbedarf!\u00bb, so Urban.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Studie der @Aidshilfe_de &#038; @rki_de zur sexuellen Gesundheit von trans und nonbinary Menschen deckt eklatante Versorgungsl\u00fccken auf &#8211; und weist den Weg zu besseren Angeboten.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/kaum-angebote-zu-sexueller-gesundheit-fuer-trans-und-nicht-binaere\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":169425,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,25],"tags":[5468,5545],"wps_subtitle":"Es liegen erstmals Daten vor","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169422"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169422"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169422\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":169429,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169422\/revisions\/169429"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/169425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}