{"id":169198,"date":"2023-05-10T10:24:27","date_gmt":"2023-05-10T08:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=169198"},"modified":"2023-05-11T20:03:59","modified_gmt":"2023-05-11T18:03:59","slug":"mutt-und-arrete-avec-tes-mensonges-bei-pink-apple-geehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mutt-und-arrete-avec-tes-mensonges-bei-pink-apple-geehrt\/","title":{"rendered":"\u00abMutt\u00bb und \u00abArr\u00eate avec tes mensonges\u00bb bei Pink Apple geehrt"},"content":{"rendered":"<h3>Das Pink Apple Filmfestival ist am Sonntag nach drei Tagen Programm in Frauenfeld erfolgreich zu Ende gegangen.<\/h3>\n<p>Von Sarah Stutte<\/p>\n<p>Nach dem 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um im letzten Jahr und dem Gewinn des Anerkennungspreises der Stadt Frauenfeld 2022 startete das <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/liebe-im-rugby-schlamm-das-pink-apple-festival-2023-wird-sportlich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">26. Pink Apple<\/a> mit frischem Schwung in die diesj\u00e4hrige Festivalausgabe. Neben vielen queeren Filmen gab es auch diesmal wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm. Insgesamt besuchten rund 10&#8217;000 Menschen die knapp 130 Veranstaltungen in Z\u00fcrich und Frauenfeld und zeigten damit \u2013 so die Veranstalter \u2013 einmal mehr, wie wichtig das Pink Apple als queerer Begegnungsort ist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lv1T3BbUFng\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Der \u00abGolden Apple\u00bb Award ging dieses Jahr an den argentinischen Drehbuchautor und Filmemacher Marco Berger* (siehe unten). Den neuen, internationalen Wettbewerb gewann der Spielfilm \u00abMutt\u00bb, der\u00a0die Geschichte einer trans Person erz\u00e4hlt; den Kurzfilmpreis erhielt der nigerianische Beitrag \u00abFlores del otro patio\u00bb von Jorge Cadena. Die Publikumspreise sicherten sich daf\u00fcr der Spielfilm \u00abArr\u00eate avec tes mensonges\u00bb (nach dem <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/hoer-auf-zu-luegen-ist-eine-schwule-offenbarung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roman: \u00abH\u00f6r auf zu l\u00fcgen\u00bb<\/a>) und der Dokumentarfilm \u00abWem geh\u00f6rt der Himmel\u00bb.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rQtL_7rmQIg\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>\u00abBlue Jean\u00bb<\/strong><br \/>\nIn Georgia Oakleys stimmigem Spielfilmdeb\u00fct spielt eine \u00fcberzeugende Rosy McEwen die lesbische Lehrerin Jean, die im homophoben Grossbritannien der Thatcher-Zeit ein Doppelleben f\u00fchrt. Einerseits f\u00fchrt sie eine heimliche Beziehung zur toughen Viv (ebenfalls grossartig: Kerrie Hayes). Unter der Woche mimt sie jedoch die alleinstehende Sportlehrerin an einer weiterf\u00fchrenden Schule, denn hier darf 1988 noch niemand die Wahrheit erfahren. Grund daf\u00fcr ist das zu diesem Zeitpunkt gerade verabschiedete Gesetz \u00abClause 28\u00bb. Dieses verbietet lokalen Beh\u00f6rden die F\u00f6rderung von Homosexualit\u00e4t. Dann fliegt jedoch Jeans zunehmend prek\u00e4res Versteckspiel auf, als eine ihrer Sch\u00fclerinnen sie in einer Lesbenbar entdeckt. \u00abBlue Jean\u00bb f\u00e4ngt jene Zeit mit fast unheimlicher Genauigkeit ein, ob durch die K\u00f6rnigkeit der Aufnahmen oder die schwungvollen Elektropop-Hymnen.<br \/>\n<em>Kinostart Deutschland: ab 28. September)\u2028<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00abBodies, Bodies, Bodies\u00bb<\/strong><br \/>\nIn Halina Reijns zynischer Horrorkom\u00f6die feiert sich eine Clique hochneurotischer, smartphoneabh\u00e4ngiger Gen Z-Kids erst bis zum Absturz und danach in den sicheren Tod. Die Freunde haben sich zu einer Hausparty versammelt, zu der Sophie (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/eine-nacht-mit-amandla-stenberg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amandla Sternberg<\/a> \u00abThe Hate U Give\u00bb), die dort mit ihrer neuen Freundin Bee auftaucht, eigentlich gar nicht eingeladen war. Das ergibt gewisse Spannungen zwischen ihr, dem Gastgeber David, dessen Freundin Emma, Sophies ehrgeiziger Ex Jordan und der Podcast-K\u00f6nigin Alice mitsamt deren \u00e4lterem Freund Greg. Als ein Hurrikan die Lichter (und das WLAN) ausschaltet und jemand mit durchgeschnittener Kehle am Fenster auftaucht, wird aus der Zicken-Veranstaltung pl\u00f6tzlich ein blutiger Whodunit. Selbstredend endet die am\u00fcsant-nihilistische Suche nach dem M\u00f6rder oder der M\u00f6rderin in einem konsequent bitterb\u00f6sen Finale.<br \/>\n<em>Als Streaming verf\u00fcgbar, bspw. YouTube<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00abAll the Beauty and the Bloodshed\u00bb<\/strong><br \/>\nDie bisexuelle Fotografin <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/nan-goldin-mit-kaethe-kollwitz-preis-ausgezeichnet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nan Goldin<\/a> war jahrelang abh\u00e4ngig vom Schmerzmittel Oxycontin, das ihr nach einer Operation verschrieben worden war. F\u00fcr ihr eigenes Schicksal und das von Millionen anderer US-Amerikaner macht Goldin die schwerreiche Familie Sackler verantwortlich. Dessen Pharmaunternehmen Purdue stellte das hochgradig s\u00fcchtig machende Medikament her. Zur Imagepflege reinvestierten die Sacklers das damit gemachte Geld in die Kunst. Jahrzehntelang zierten Tafeln in Museen, Galerien und H\u00f6rs\u00e4len weltweit ihren Namen. Nan Goldin hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, diese perfide Verbindung von Profitgier und M\u00e4zenatentum mit Protestaktionen zu unterbinden.<\/p>\n<p>Laura Poitras&#8216; Dokumentation zeigt Goldins Wirken in der New Yorker Kunstszene genauso wie ihr Engagement w\u00e4hrend der Aids-Epidemie in den 80er-Jahren. Ein intimes und k\u00e4mpferisches Portr\u00e4t \u2013 voller schmerzhaft-sch\u00f6ner Momente und mit dem unbedingten Willen, sich das Leben und die Kunst zur\u00fcckzuerobern.<br \/>\n<em>Kinostart Deutschland: 25. Mai, Schweiz: bereits im Kino<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00abSomething you said last Night\u00bb<\/strong><br \/>\nFamilie ist \u2013 besonders im queeren Umfeld \u2013 oft ein schwieriges Thema. Komplizierte Gef\u00fchle und Beziehungen, Gedanken zwischen Losl\u00f6sen und Vertrautheit, stehen in Konflikt mit der Sehnsucht nach Liebe und Verst\u00e4ndnis. Diejenigen, die dich am besten kennen, k\u00f6nnen dich am meisten verletzen, vor allem wenn Selbsterkenntnis und Selbstliebe f\u00fcr das eigene \u00dcberleben unabdingbar sind. Diese Themen klingen in \u00abSomething You Said Last Night\u00bb, dem Spielfilmdeb\u00fct der kanadisch-italienischen trans Filmemacherin Luis De Filippis, leise an.<\/p>\n<p>Der Film, der lose von ihrer eigenen Familie inspiriert ist, erz\u00e4hlt von der jungen Renata, die w\u00e4hrend eines Familienausflugs auf engstem Raum zwischen Bindung und Entfremdung schwankt. Das Sch\u00f6ne an dieser Geschichte, die Tiefe im Allt\u00e4glichen findet, ist dabei, wie nat\u00fcrlich und liebevoll hier eine Familie miteinander umgeht, in der die Transsexualit\u00e4t der Tochter nie zum Problemthema gemacht, sondern einfach als selbstverst\u00e4ndlich betrachtet wird.<br \/>\n<em>Kinostart Schweiz: 6. Juli<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00abAll the Colours of the World are between Black and White\u00bb<\/strong><br \/>\nIm wundersch\u00f6nen Regiedeb\u00fct des Nigerianers Babatunde Apalowo lernen sich Bawa und Bambino in einem Wettb\u00fcro in Lagos kennen, weil der eine den anderen fotografiert. Als sich die anf\u00e4ngliche Freundschaft allm\u00e4hlich in etwas Tieferes verwandelt, hadert Bambino mit diesen Gef\u00fchlen und versucht, sie zu verleugnen. Ruhig und poetisch erz\u00e4hlt, spielt der Film vor dem erschreckenden Hintergrund, dass Homosexualit\u00e4t in <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/wegen-homosexualitaet-drei-maenner-in-nigeria-zum-tod-verurteilt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nigeria<\/a> immer noch illegal ist und in einigen Teilen des Landes darauf sogar noch die Todesstrafe steht. Das Verstecken der eigenen Empfindungen ist deshalb hier an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Themen wie religi\u00f6s-traditionalistische Normen oder die Gesetzgebung in punkto Homosexualit\u00e4t werden aber nur am Rande er\u00f6rtert. Zwar ist die Einschr\u00e4nkung und unmittelbare Gefahr von Aussen stets sp\u00fcrbar, der Fokus liegt aber auf der eigenen Unsicherheit der beiden M\u00e4nner, die ihren Platz in der Welt suchen. Der Film gewann den Teddy Award an der diesj\u00e4hrigen Berlinale und wurde am Pink Apple mit einer Special Mention der Internationalen Jury versehen.<\/p>\n<p><strong>\u00abWinter Boy\u00bb<\/strong><br \/>\nDer 17-j\u00e4hrige Gymnasiast Lucas geniesst sein Leben kurz vor dem Erwachsenwerden. Er f\u00fchrt eine zwanglose Sexbeziehung mit seinem Freund Oscar und plant, nach dem Abschluss zu seinem \u00e4lteren Bruder Quentin nach Paris zu ziehen. Als jedoch sein Vater bei einem Autounfall stirbt, der auch ein Selbstmord gewesen sein k\u00f6nnte, wirft das den Teenager aus der Bahn. Weder die innige Bindung zu seiner Mutter Isabelle (Juliette Binoche) kann daraufhin seinen Schmerz heilen, noch die Aussicht auf eine Auszeit in Paris. Als sich Lucas dort in Quentins schwulen Mitbewohner Lillo verliebt und dieser seine Gef\u00fchle nicht erwidert, greift er zu drastischen Mitteln.<\/p>\n<p>Regisseur Christophe Honor\u00e9 \u2013 der eine kurze Rolle als Lucas&#8216; Vater spielt \u2013 erz\u00e4hlt in \u00abWinter Boy\u00bb von der Tragik des Lebens und wie man sich darin wieder selbst finden kann. Ein Thema, auf das sich Honor\u00e9 in vielen seiner intimen Dramen konzentriert. Hier wirkt das aber irgendwie bewegender, pers\u00f6nlicher und nahbarer, was nicht zuletzt auch am grossartigen Schauspiel des Newcomers Paul Kircher liegt.<br \/>\n<em>l\u00e4uft derzeit in deutschen Kinos<\/em><\/p>\n<p><strong>Der \u00abGolden Apple\u00bb Award<\/strong><br \/>\nNeben einer neuen, internationalen Wettbewerbskategorie und Jury gab es auch einen neuen Namen f\u00fcr den bisherigen Pink Apple Festival Award, den Ehrenpreis des Festivals, der j\u00e4hrlich f\u00fcr Verdienste im queeren Filmschaffen verliehen wird. Nun nennt sich dieser \u00abGolden Apple\u00bb und\u00a0 wurde dem argentinischen Regisseur und Drehbuchautor Marco Berger \u00fcberreicht. Dieser gilt als Meister im filmischen Einfangen von Begierde und Lust unter M\u00e4nnern. Der 197 -geborene Berger zeigt seine Perspektive auf die argentinische Gesellschaft und deren Umgang mit Machismo, toxischer M\u00e4nnlichkeit, sexueller Unterdr\u00fcckung sowie die vielschichtigen und komplexen Formen sexueller Orientierung.<\/p>\n<p>Ihn fasziniert, wie die m\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t funktioniert und wie klar die Grenzen zwischen homo-, bi- und heterosexuell gezogen werden k\u00f6nnen (oder eben nicht). Er gilt nicht nur als einer der wichtigsten Vertreter:innen des argentinischen Queer Cinema, sondern sollte auch als eine herausragende Stimme des lateinamerikanischen Kinos verstanden werden. Das Festival ehrte den Filmemacher zudem mit einer Reprise seiner Werke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Z\u00fcrich \u2013 Die 26. Ausgabe des Pink Apple Filmfestivals ist nach drei Tagen Programm in Frauenfeld erfolgreich zu Ende gegangen.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/mutt-und-arrete-avec-tes-mensonges-bei-pink-apple-geehrt\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":169199,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1340,2534],"tags":[5539,5545,39],"wps_subtitle":"Das sind die Preistr\u00e4ger*innen der 26. 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