{"id":166727,"date":"2023-04-13T11:17:02","date_gmt":"2023-04-13T09:17:02","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=166727"},"modified":"2023-04-13T18:24:25","modified_gmt":"2023-04-13T16:24:25","slug":"der-homophobe-mythos-der-unafrikanischen-homosexualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/der-homophobe-mythos-der-unafrikanischen-homosexualitaet\/","title":{"rendered":"Uganda und der Mythos der \u00abunafrikanischen Homosexualit\u00e4t\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Homophobe Politiker*innen bezeichnen Homosexualit\u00e4t oft als \u00abunafrikanisch\u00bb. Das widerspricht der Geschichte: Gleichgeschlechtlicher Sex war in vielen ethnischen Gruppierungen Afrikas tief verwurzelt.<\/h3>\n<p>Alles h\u00e4ngt von einer Unterschrift ab: Die Community in Uganda hofft, dass Pr\u00e4sident Yoweri Museveni das k\u00fcrzlich verabschiedete Anti-LGBTIQ-Gesetz (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/uganda-fuehrt-drakonisches-gesetz-gegen-homosexuelle-ein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>) nicht unterzeichnet oder es zumindest mit der Forderung nach Abschw\u00e4chung zur\u00fcck ins Parlament schickt.<\/p>\n<p><strong>Ugandas Community sucht Hilfe<\/strong><br \/>\nDoch bereits jetzt hat der homophobe Diskurs drastische Auswirkungen auf das Leben der LGBTIQ-Menschen in <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/tag\/Uganda\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Uganda<\/a>. \u00abEs vergeht kein Tag, an dem ich nicht h\u00f6re, dass jemand von einem Mob angegriffen wurde\u00bb, schreibt uns Aktivist Iga Isma von Happy Family Youth Uganda. In einer \u00abWelle der moralischen Panik\u00bb, die das Land \u00fcberrolle, w\u00fcrden LGBTIQ-Menschen verpr\u00fcgelt, gelyncht, vergewaltigt und aus ihren H\u00e4usern vertrieben.<\/p>\n<p>Die Botschaft des Parlaments sei klar: LGBTIQ-Menschen sollten nicht existieren. \u00abAber wir existieren. Und wir sind stark\u00bb, so Iga Isma. (Du kannst die Arbeit von Happy Family Youth Uganda <a href=\"https:\/\/www.gofundme.com\/f\/save-lgbt-lives-in-kampala-uganda?utm_campaign=p_cp+share-sheet&amp;utm_content=undefined&amp;utm_medium=copy_link_all&amp;utm_source=customer&amp;utm_term=undefined\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf Gofundme mit einer Spende unterst\u00fctzen<\/a>.)<\/p>\n<p><strong>Der Mythos des \u00abUnafrikanischen\u00bb<\/strong><br \/>\nYoweri Museveni setzte allerdings schon 2014 seine Unterschrift unter ein homophobes Gesetz. In einem \u00f6ffentlichen Statement zwei Jahre zuvor erkl\u00e4rte der seit 1986 amtierende Pr\u00e4sident zwar, dass in Uganda schon immer homosexuelle Menschen existiert h\u00e4tten. Auch seine wissenschaftlichen Berater kamen zum Schluss, dass gleichgeschlechtliche Liebe in jeder Gesellschaft vorkomme. Aufgrund des inl\u00e4ndischen politischen Drucks revidierte Yoweri Museveni seine Meinung schliesslich und verdrehte sie ins Gegenteil: Homosexualit\u00e4t sei den Afrikaner*innen vom Westen aufgedr\u00e4ngt worden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_166728\" aria-describedby=\"caption-attachment-166728\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload size-full wp-image-166728\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 1200 776'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min.jpg\" alt=\"Afrika\" width=\"1200\" height=\"776\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min.jpg 1200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-300x194.jpg 300w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-425x275.jpg 425w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-768x497.jpg 768w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-561x363.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-1122x726.jpg 1122w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-265x171.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-531x343.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-364x235.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-728x471.jpg 728w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-608x393.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-758x490.jpg 758w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-1152x745.jpg 1152w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-74x48.jpg 74w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-148x96.jpg 148w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/sdfgfds-min-400x259.jpg 400w\" data-sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-166728\" class=\"wp-caption-text\">Nianchchnum und Chnumhotep waren hohe Beamte im alten \u00c4gypten und wohl ein schwules Paar (Foto des gemeinsamen Grabes: Jon Bodsworth \/ Wiki Commons)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Er unterzeichnete das Gesetz, das sp\u00e4ter vom Obersten Gericht Ugandas wegen einer zu geringen Anzahl von Stimmen im Parlament f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt wurde. Damit war Museveni fein raus: Den Mitb\u00fcrger*innen zeigte er mit der Unterschrift seinen homophoben Willen, was ihm im Kampf um die Wiederwahl g\u00fcnstig schien; zugleich blieben internationale Konsequenzen f\u00fcr den ostafrikanischen Binnenstaat aus.<\/p>\n<p><strong>Kolonialisierung brachte Homohass<\/strong><br \/>\nAfrikanische Politiker*innen bezeichnen Homosexualit\u00e4t oft als \u00abunafrikanisch\u00bb, um ihre homophoben Gesetzesvorschl\u00e4ge zu legitimieren. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine unsinnige und gef\u00e4hrliche Aussage, wie die ugandische Rechtswissenschaftlerin und Menschenrechtsaktivistin <a href=\"https:\/\/www.africanwomeninlaw.com\/african-women-in-law\/Sylvia-Tamale%2C-Ph.D.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sylvia Tamale<\/a> schreibt. Ihr Text wurde bereits 2015 von der Heinrich B\u00f6ll Stiftung <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2015\/02\/11\/mythos-gegen-menschenwuerde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ver\u00f6ffentlicht<\/a> \u2013 und hat bis heute nicht an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fcsst.<\/p>\n<p>Einerseits k\u00f6nne man Afrika nicht als homogene Entit\u00e4t abbilden, schreibt Tamale. \u00abAfrikanisch\u00bb ist also zwangsl\u00e4ufig ein schwammiger Begriff. Was \u00abafrikanisch\u00bb ist, interpretieren die herrschenden M\u00e4chte im Land, wie es ihnen gerade passt.<\/p>\n<p>Besonders falsch ist der Begriff im Zusammenhang mit Homosexualit\u00e4t. Die \u00c4chtung homosexueller Beziehungen kam erst mit den Kolonialherren nach Afrika. Im Fall von Uganda war es England. Gleichgeschlechtlicher Sex war im vorchristlichen und vorislamischen Afrika in vielen ethnischen Gruppierungen sogar tief verwurzelt.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es zahlreiche Belege. Die alten H\u00f6hlenmalereien der San in der N\u00e4he von Guruve in Simbabwe zeigen etwa zwei M\u00e4nner bei der Aus\u00fcbung des rituellen Geschlechtsakts. Die \u00abmudoko dako\u00bb oder \u00abweiblichen M\u00e4nner\u00bb unter den nordugandischen Langi wurden in der vorkolonialen Zeit wie Frauen behandelt und es war ihnen erlaubt, M\u00e4nner zu heiraten.<\/p>\n<p><strong>Grosses LGBTIQ-Vokabular<\/strong><br \/>\nDar\u00fcber hinaus war in Buganda, einem der gr\u00f6ssten K\u00f6nigreiche Ugandas, die Homosexualit\u00e4t von K\u00f6nig Mwanga dem Zweiten, der in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts regierte, ein offenes Geheimnis.<\/p>\n<p>Auch der Wortschatz aus der vorkolonialen Zeit ist ein Beleg f\u00fcr das Vorkommen gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Sylvia Tamale nennt hier als Beispiel \u00abinkotshane\u00bb, was bei den Shangaan, einer Bantu-Ethnie im s\u00fcdlichen Afrika, die Bezeichnung einer gleichgeschlechtlichen Beziehung bezeichnet. Basotho-Frauen im heutigen Lesotho gehen gesellschaftlich sanktionierte erotische Beziehungen als \u00abmotsoalle\u00bb (\u00abspezielle Freundinnen\u00bb) ein. In der senegalesischen Wolof-Sprache werden schwule M\u00e4nner als \u00abgor-digen\u00bb (\u00abM\u00e4nner-Frauen\u00bb) bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Magische Kr\u00e4fte durch Analsex<\/strong><br \/>\nNicht zuletzt diente die gleichgeschlechtliche Sexualit\u00e4t in vielen afrikanischen Gemeinschaften als Quelle f\u00fcr magische Kr\u00e4fte. Man erhoffte sich davon eine \u00fcppige Ernte, eine erfolgreiche Jagd und die Abwehr von b\u00f6sen Geistern. In Angola und Namibia gab es beispielsweise m\u00e4nnliche Wahrsager, von denen man annahm, dass sie durch Analsex m\u00e4chtige weibliche Geister an die anderen M\u00e4nner weitergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sylvia Tamale gelangt zum Schluss: Nicht die Homosexualit\u00e4t ist \u00abunafrikanisch\u00bb, sondern die Gesetze, die solche Beziehungen kriminalisieren. \u00abEs mutet geradezu ironisch an, wie ein afrikanischer Diktator, der einen dreiteiligen Anzug tr\u00e4gt, st\u00e4ndig sein iPhone befingert, auf Englisch parliert und freim\u00fctig Bibelzitate von sich gibt, es wagen kann, etwas als unafrikanisch anzuprangern.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Umbruch in der Karibik<\/strong><br \/>\nIm Gegensatz zu Uganda und anderen afrikanischen L\u00e4ndern befreien sich immer mehr karibische Staaten von den homophoben Gesetzen der Kolonialzeit. Auf St. Kitts und Nevis war Homosexualit\u00e4t verboten, bis der Oberste Gerichtshof der Ostkaribik im vergangenen Sommer die betreffenden Gesetze f\u00fcr \u00abnull und nichtig\u00bb erkl\u00e4rte (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/st-kitts-und-nevis-gericht-kippt-verbot-von-schwulem-sex\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>).<\/p>\n<p>Barbados hat ebenfalls k\u00fcrzlich Homosexualit\u00e4t legalisiert (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schluss-mit-stigmatisierung-barbados-legalisiert-homosexualitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>). Auch in Belize (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/urteil-in-belize-schwuler-sex-ist-legal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>) und Trinidad und Tobago (<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/trinidad-und-tobago-legalisieren-homosexualitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MANNSCHAFT berichtete<\/a>) ersetze man Abschnitte, die gleichgeschlechtliche Sexualbeziehungen kriminalisierten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homophobe Politiker*innen bezeichnen Homosexualit\u00e4t oft als \u00abunafrikanisch\u00bb. 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