{"id":166554,"date":"2023-04-11T06:27:17","date_gmt":"2023-04-11T04:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=166554"},"modified":"2023-04-12T07:57:56","modified_gmt":"2023-04-12T05:57:56","slug":"wien-nicht-nachtraeglich-personen-zwangsouten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wien-nicht-nachtraeglich-personen-zwangsouten\/","title":{"rendered":"\u00abIch kann nicht nachtr\u00e4glich Personen zwangsouten\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Das \u00d6sterreichische Filmmuseum erforscht private Filme und Videos mit queeren Inhalten, die teilweise besonders delikat sind. Einige davon sollen \u00f6ffentlich gezeigt werden.<\/h3>\n<p>Das \u00d6sterreichische Filmmuseum hat ein queeres Forschungsprojekt gestartet, das weltweit einzigartig ist. So werden queere Selbstdarstellungen in privaten Filmen und Videos in \u00d6sterreich aus der Zeit von 1900 bis 2010 erforscht und aufgearbeitet. Erste Vorarbeiten haben gezeigt, dass es eine beachtliche Anzahl an solchen Filmen und Videos gibt. Dies sei \u00fcberraschend, wie Projektleiterin Katharina M\u00fcller im Gespr\u00e4ch MANNSCHAFT erz\u00e4hlt. M\u00fcller arbeitet f\u00fcr das \u00d6sterreichische Filmmuseum und am Internationalen Forschungszentrum f\u00fcr Kulturwissenschaften (IFK) an der Kunstuniversit\u00e4t Linz in Wien. Das bislang erschlossene Filmmaterial umfasst eine Laufzeit von mehreren tausend Minuten, \u00abwobei vieles leider mangels archivarischer M\u00f6glichkeit verschimmelt ist, aber vieles eben auch nicht\u00bb, sagt M\u00fcller. Manche Filme und Videos sollen ab 2024, vielleicht auch schon Ende dieses Jahres im \u00d6sterreichischen Filmmuseum gezeigt werden.<\/p>\n<p>Konkret geht es in dem Forschungsprojekt um Darstellungen von queeren Menschen und Teilen der queeren Community in Filmen und Videos, die ausserhalb von industriellen und k\u00fcnstlerischen Verwertungskontexten (wie TV- und Kinofilmen) entstanden sind. Dazu z\u00e4hlen beispielsweise Home Movies, Amateurfilme und Videos von queeren Aktivist*innen. Zu beachten ist, dass solche Filme und Videos oft besonders delikat sind. Denn sie konnten h\u00e4ufig nur im Verborgenen gemacht und gezeigt werden, was mit der Gesetzeslage zusammenhing.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich schaffte erst 1971 als eines der letzten L\u00e4nder in Europa die Strafbarkeit von Homosexualit\u00e4t ab. Hinzu kommt, dass es bis 1996 in der Alpenrepublik f\u00fcr Homosexualit\u00e4t noch ein strenges Werbe- und Vereinsverbot gab. Demnach durften bis zu diesem Zeitpunkt keine queeren Vereine gegr\u00fcndet und in der \u00d6ffentlichkeit keine queeren Inhalte gezeigt werden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/ralf-koenig-bei-facebook-gehackt-mit-oe-zurueck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00c4rger \u00fcber Facebook: Ralf K\u00f6nig gehackt \u2013 zur\u00fcck mit \u00aboe\u00bb!\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Um einen m\u00f6glichst breiten \u00dcberblick zu bekommen, arbeitet M\u00fcller vom \u00d6sterreichischen Filmmuseum im Zuge ihres Projekts <a href=\"https:\/\/www.filmmuseum.at\/jart\/prj3\/filmmuseum\/main.jart?rel=de&amp;content-id=1662633382181\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abVisual History of LGBTIQ+ in Austria and Beyond\u00bb<\/a> mit mehreren Einrichtungen und Institutionen zusammen &#8211; wie das <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/neuer-angriff-auf-schwules-museum-in-berlin-schuesse-abgefeuert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schwule Museum<\/a> in Berlin, die \u00d6sterreichische Mediathek, QWIEN (Zentrum f\u00fcr queere Geschichte in Wien), Stichwort &#8211; Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung und das Ludwig Boltzmann Institute for Digital History. \u00abEine solche Aufarbeitung und Beforschung von queeren audiovisuellen Best\u00e4nden hat in \u00d6sterreich bislang noch nicht stattgefunden\u00bb, betont Projektleiterin M\u00fcller. Und auch weltweit gebe es kein vergleichbares Projekt dieses Umfangs. Bislang liegen ein paar kleinere Initiativen wie beispielsweise das Lesbian Home Movie Project in den USA vor.<\/p>\n<p>Die Forschungsarbeiten f\u00fcr das Vorhaben in \u00d6sterreich sind mit einigen Herausforderungen verbunden. Zun\u00e4chst einmal musste die Projektleiterin M\u00fcller Leute finden, die wieder Leute kennen, die solche Filme und Videos gemacht haben. Und dann sind viele bildethische Fragen zu ber\u00fccksichtigen. \u00abKann ich das Material \u00fcberhaupt sehen? Schliesslich handelt es sich dabei oft &#8211; \u00e4hnlich wie bei Tageb\u00fcchern &#8211; um privates Material\u00bb, so M\u00fcller. Eine weitere Frage ist, ob die Videos sp\u00e4ter in der \u00d6ffentlichkeit gezeigt werden k\u00f6nnen. Das gilt es \u00fcberhaupt erst zu verhandeln.<\/p>\n<p>\u00abIch kann ja nicht nachtr\u00e4glich Personen zwangsouten\u00bb, betont die Projektleiterin. Mit Erlaubnis und in Zusammenarbeit mit den Filmemacher*innen oder deren Nachfahren sollen jedenfalls bestimmte Filme oder Teile daraus im \u00d6sterreichischen Filmmuseum gezeigt werden. Dabei sollen auch \u00abdie K\u00fcnste ins Spiel kommen\u00bb, betont M\u00fcller. \u00abEs geht um die Frage, wie diese Geschichte &#8211; etwa durch k\u00fcnstlerische Neubearbeitungen \u2013 vermittelt werden kann.\u00bb Oder wie Bilder gefunden werden k\u00f6nnen f\u00fcr Leerstellen in der Geschichte. So liege zum Beispiel aus den 1930er-Jahren viel weniger Filmmaterial vor als aus den 1960er-Jahren.<\/p>\n<p>M\u00fcller setzte sich schon lange mit queerer Geschichte, vor allem als subkulturelle Geschichte auseinander. Sie habe schon als 17-j\u00e4hrige Sch\u00fclerin damit begonnen, \u00abweil ich einfach wissen wollte, wo sind die Role-Models &#8211; die Vorbilder. Ich wollte wissen, welche Alternativen es zu den hetero-b\u00fcrgerlichen Entw\u00fcrfen, die einen so hartn\u00e4ckig umgeben, gibt\u00bb, erz\u00e4hlt die Projektleiterin.<\/p>\n<p>Bei der Besch\u00e4ftigung mit queerer Geschichte stellt sich f\u00fcr M\u00fcller auch die Frage nach den Verbindungen zur jetzigen Zeit. Die queeren Filme und Videos aus der Vergangenheit erz\u00e4hlen unter anderem von Formen des Zusammenlebens in prek\u00e4ren und krisenhaften Kontexten. Und: \u00abSichtbarkeit bedeutet ja nicht automatisch Empowerment, es bedeutet auch eine erh\u00f6hte Verletzbarkeit\u00bb, sagt M\u00fcller. F\u00fcr sie hat das Projekt eine hohe gesamtgesellschaftliche Relevanz und Aktualit\u00e4t. Denn auch heute gehe es um Fragen des Zusammenlebens in Zeiten schwindender Demokratie, von Repression, <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/maenner-akademie-informiert-zu-rassismus-in-queeren-communitys\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rassismus<\/a>, Hass und zunehmender Homo- und Transphobie.<\/p>\n<p>Wie bei fr\u00fcheren Projekten m\u00f6chte M\u00fcller auch bei diesem Projekt m\u00f6glichst viele Menschen einbeziehen: Jene, die diese Filme und Videos gemacht haben (oder deren Nachfahren), aber auch jene, die in einem Zusammenhang dazu stehen &#8211; gemeint sind Personen, die Teil der Schwulen-, Lesben-, Trans-, Inter- und Bi- Bewegungen sind. Mitmachen werden bei dem Projekt auch Menschen mit Expertise in Filmarchivarbeit (schliesslich geht es um den Umgang mit altem Filmmaterial und Videoformaten) \u2013 und Kurator*innen, die sich mit queerer Geschichte und deren Erz\u00e4hlung befassen; sowie queere K\u00fcnstler*innen, die nochmal aus einer ganz anderen Perspektive an die Themen herangehen.<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt wird in \u00d6sterreich von der \u00f6ffentlichen Hand gef\u00f6rdert \u2013 konkret durch Mittel des Wissenschaftsfonds FWF, und zwar dem Elise-Richter-Programm, das sich an hoch qualifizierte k\u00fcnstlerisch-wissenschaftlich t\u00e4tige Frauen richtet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/sieben-tipps-fuer-lesenswerte-manga-mit-queeren-figuren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Sieben Tipps f\u00fcr lesenswerte Manga mit queeren Figuren: schwul, lesbisch, bisexuell und nicht-bin\u00e4r<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wien Das \u00d6sterreichische Filmmuseum erforscht private Filme u. Videos mit queeren Inhalten, die teils besonders delikat sind. Einige davon sollen \u00f6ffentlich gezeigt werden.  <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wien-nicht-nachtraeglich-personen-zwangsouten\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2649,"featured_media":166558,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2527,2534],"tags":[5490,567],"wps_subtitle":"\u00dcber ein weltweit einzigartiges queeres Filmprojekt","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/166554"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2649"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=166554"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/166554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":166561,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/166554\/revisions\/166561"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/166558"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=166554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=166554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=166554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}