{"id":163995,"date":"2023-03-09T11:53:25","date_gmt":"2023-03-09T10:53:25","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=163995"},"modified":"2023-03-22T08:32:21","modified_gmt":"2023-03-22T07:32:21","slug":"neue-stolpersteine-fuer-zwei-schwule-ns-opfer-die-brueder-billmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/neue-stolpersteine-fuer-zwei-schwule-ns-opfer-die-brueder-billmann\/","title":{"rendered":"Neue Stolpersteine f\u00fcr zwei schwule NS-Opfer \u2013 die Br\u00fcder Billmann"},"content":{"rendered":"<h3>Am Freitag n\u00e4chster Woche werden in Karlsruhe zwei Stolpersteine f\u00fcr zwei Br\u00fcder verlegt, die beide als Homosexuelle verfolgt wurden.<\/h3>\n<p>Max (1907-1937) und Valentin (1906-1936) Billmann wurden beide von den Nazis in den Tod getrieben: Sie nahmen sich aufgrund der Verfolgung nacheinander und jeweils 29-j\u00e4hrig in Karlsruhe das Leben.<\/p>\n<p>Der Stolperstein f\u00fcr Valentin Billmann wird am 17. M\u00e4rz gegen\u00a0 9.30 Uhr verlegt in der Kaiserstrasse 163, der f\u00fcr seinen Bruder Max eine halbe Stunde danach in der Viktoriastrasse 7.<\/p>\n<p>Die Verfolgung begann mit zahlreichen Festnahmen im Sommer 1936 in Karlsruhe und <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/stuttgarter-oberbuergermeister-aergert-sich-ueber-tampon-spender-im-herrenklo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>, mit Hausdurchsuchungen und der Beschlagnahme eines Liebesbriefes (von 1934) von Max Glass aus Stuttgart-Uhlbach an Max Billmann in Karlsruhe. Die Verfolgungsgeschichte hat J\u00fcrgen Wenke recherchiert, wie so viele andere Schicksale schwuler M\u00e4nner in der Nazi-Zeit auch <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/stolperstein-wider-das-vergessen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT+)<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/gedenken-an-queere-ns-opfer-mit-maren-kroymann-und-jannik-schuemann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Gedenken an queere NS-Opfer mit Maren Kroymann und Jannik Sch\u00fcmann: Auch Georgette Dee wirkte im Bundestag mit\u00a0<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Auch f\u00fcr Max Glass, den Verfasser des Briefes, endete die Verfolgung als Homosexueller t\u00f6dlich: Er wurde 39j\u00e4hrig im Jahr 1942 im KZ Buchenwald ermordet. An ihn erinnert bereits seit 2021 ein Stolperstein in Konz bei Trier.<\/p>\n<p>Max Glass hatte u.a. geschrieben: <em>\u00abLieber Max, habe Heimweh nach dir. Ich komme am Samstag um 2 \u00bd Uhr mit dem Schnellzug in Karlsruhe an. Hole mich ab wenn du mich liebst.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Im Zuge der Verfolgung von Homosexuellen im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1936 wurde auch der damals 28-j\u00e4hrige Max Billmann von der Karlsruher Polizei am 7. Mai 1936 verhaftet. Bei der Hausdurchsuchung wurde der Liebesbrief von Max Glass vom Sommer 1934 gefunden. Die Ermittlungen, Verh\u00f6re, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen, Befragungen von Nachbarn, Verwandten, Arbeitskollegen, usw. weiteten sich massivst aus. Glass wurde ebenfalls verhaftet.<\/p>\n<p>Im Zuge der mehrmonatigen Verfolgungsmassnahmen hielt die Polizei schriftlich fest: <em>\u00ab<\/em>Bei Billmann scheint in seiner Veranlagung erbliche Belastung vorzuliegen. Wie (&#8230;) durch Erhebungen bekannt ist, wurde der Onkel des Billmann, Adolf Billmann, wiederholt wegen widernat\u00fcrlicher Unzucht bestraft und befindet sich zur Zeit in einem Gef\u00e4ngnis in Norddeutschland. Auch der hier wohnende Valentin Billmann, Bruder zu dem Beschuldigten ist homosexuell veranlagt.<em>\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Am 12. August 1936 wurden vom Landgericht in Karlsruhe in einem \u00f6ffentlichen Prozess verurteilt nach \u00a7 175 Reichsstrafgesetzbuch zu Gef\u00e4ngnishaft (Vorwurf: <em>\u00ab<\/em>wegen fortgesetzter gemeinsamer Onanie<em>\u00bb<\/em>): Max Billmann (zu 5 Monaten), Hermann Werzinger und Max Glass (je 2 Monate). Da die Angeklagten keine Gest\u00e4ndnisse vor Gericht ablegten, mussten sie \u2013 obwohl bereits mehrere Monate in U-Haft \u2013 jeweils die volle Strafe verb\u00fcssen ohne Anrechnung der Untersuchungshaft.<\/p>\n<p>Die Polizei in Karlsruhe hatte auch Valentin Billmann als Homosexuellen unter \u00dcberwachung. Valentin hatte die Verhaftung, die Hausdurchsuchung, die Ermittlungen sowie das Gerichtsverfahren und die Verurteilung seines Bruders Max erlebt, denn er wohnte ebenso wie sein Bruder und die Eltern und die anderen Geschwister in Karlsruhe. Den Namen des Bruders bzw. des Sohnes in der \u00f6rtlichen Presse zu lesen, d\u00fcrfte f\u00fcr Valentin und seine Verwandten eine erhebliche zus\u00e4tzliche Belastung erzeugt haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Max Billmann in Haft sass, starb der Bruder am 10. Dezember 1936 in seiner Wohnung in der Kaiserstrasse in Karlsruhe. Laut Sterbeeintrag wurde er tot aufgefunden. Die Sterbeurkunde sagt aus, dass der Tod vom Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Karlsruhe gemeldet wurde. Diese Meldung durch die Staatsanwaltschaft weise auf einen unnat\u00fcrlichen Todesfall hin. Es ist davon auszugehen, dass Valentin Billmann sich selbst get\u00f6tet hatte.<\/p>\n<p>Als sein Bruder Max Billmann am 12. Januar 1937 nach f\u00fcnf Monaten Haft aus dem Gef\u00e4ngnis ent-<br \/>\nlassen wurde, war sein Valentin bereits seit einem Monat tot. Max wusste zu diesem Zeitpunkt auch, dass sein Onkel Adolf Billmann eine Haftstrafe zu verb\u00fcssen hatte wegen Verurteilung nach \u00a7175. Wahrscheinlich hatte er auch vom Vater erfahren, dass der Onkel im M\u00e4rz 1937 in das KZ Lichtenburg\/Sachsen deportiert worden war. Am 16. September 1937 meldete wiederum der Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Karlsruhe den Tod von Max Billmann, der laut Sterbeeintrag am 14. September 1937 im st\u00e4dtischen Krankenhaus im Alter von 29 Jahren verstarb.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/stolpersteine-fuer-die-opfer-der-nazis-gunter-demnig-wird-75\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Gunter Demnig macht seit Ende der 1960er Jahre Kunst. Dann kam das Projekt \u00abStolpersteine\u00bb zur Erinnerung auch an homosexuelle Opfer der NS-Diktatur. K\u00fcrzlich wurde er 75<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Es ist naheliegend anzunehmen, so der Historiker J\u00fcrgen Wenke, dass Max Billmann versucht hatte, sich das Leben zu nehmen und dass er an den Folgen im Krankenhaus verstarb. Da die Staatsanwaltschaft den Tod meldete, sei auch in diesem Fall \u2013 wie beim Bruder Valentin \u2013 von einem unnat\u00fcrlichen Todesfall auszugehen.<\/p>\n<p>Der Tag der Meldung des Todes, der 16. September 1937, war auch der Tag, an dem Adolf Billmann vom KZ Lichtenburg in Sachsen in das KZ Buchenwald bei Weimar in <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/queers-in-thueringen-zwischen-drohungen-und-hoffen-auf-toleranz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Th\u00fcringen<\/a> deportiert wurde. Max Billmann hatte gewusst, wie sein Onkel als Homosexueller bestraft worden war und dass er nach der Haftverb\u00fcssung nicht in Freiheit kam, sondern in ein KZ deportiert worden war. Der Selbstmord seines ihm nahestehenden Bruders Valentin hatte Max vermutlich, so Wenke, <em>\u00ab<\/em>den Boden unter den F\u00fcssen weggezogen<em>\u00bb<\/em> und es ist wahrscheinlich, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah als den Freitod.<\/p>\n<p><strong>Mehr \u00fcber die Schicksale schwuler NS-Opfer <a href=\"https:\/\/www.stolpersteine-homosexuelle.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Wir-erinnern-an-Max-und-Valentin-Billmann-Stand-13.-Feb.-2023.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier.<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In #Karlsruhe werden n\u00e4chste Woche #Stolpersteine f\u00fcr die Br\u00fcder Billmann verlegt, die beide als #Homosexuelle verfolgt wurden. Auch ihr Onkel kam ins KZ.  #Niewieder #loveislove <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/neue-stolpersteine-fuer-zwei-schwule-ns-opfer-die-brueder-billmann\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":30575,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[5464,5461],"wps_subtitle":"Auch ihr Onkel wurde von den Nazis verfolgt","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163995"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=163995"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163995\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":165214,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163995\/revisions\/165214"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=163995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=163995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=163995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}