{"id":162795,"date":"2023-02-26T03:30:23","date_gmt":"2023-02-26T02:30:23","guid":{"rendered":"https:\/\/mannschaft.com\/?p=162795"},"modified":"2023-07-05T21:30:30","modified_gmt":"2023-07-05T19:30:30","slug":"queers-im-ukraine-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queers-im-ukraine-krieg\/","title":{"rendered":"\u00abWir leisten im Krieg unseren Beitrag und verstecken uns nicht\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Auf der Suche nach Einh\u00f6rnern: Warum Queers in der Ukraine sich freiwillig zum Milit\u00e4r melden und k\u00e4mpfen.<\/h3>\n<p>Am 24. Februar j\u00e4hrte sich die russische Invasion der Ukraine erstmalig<a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/es-ist-noetig-unsere-queere-freiheit-auch-militaerisch-zu-verteidigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> (MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Seit einem Jahr toben erbitterte K\u00e4mpfe im Osten des Landes. Seit 2014 befindet sich die Ukraine im Krieg gegen Russland. Ich selbst bin queer, Soldatin und LGBTIQ+ Aktivistin. Ich wollte erfahren, wieso queere Ukrainer sich entschliessen, f\u00fcr ihr Land zu k\u00e4mpfen, dass ihnen noch lange nicht gleiche Rechte gibt. Ich spreche mit ihnen \u00fcber ihre \u00c4ngste, Hoffnungen und das eigene Queer-sein.<\/p>\n<p>Wir sind 16 Stockwerke aufgestiegen, durch ein enges Fenster mit den Beinen zuerst hindurch und stehen jetzt auf dem Dach eines Hochhauses im Nordwesten von Kiew. Der kalte Wind weht uns um die Nase, der Himmel ist klar. Wir gehen ein paar Schritte weiter an den Rand des Daches und mein Blick verirrt sich in der Un\u00fcbersichtlichkeit der Hauptstadt. Ich bin orientierungslos. Nastya, 33, erkl\u00e4rt mir mit ruhiger Stimme in welcher Richtung der Maidan liegt, wo der Hauptbahnhof ist und der Fluss Dnipro entlang fliesst. Sie zeigt stolz auf den Fernsehturm von Kiew, der trotz unz\u00e4hliger russischer Raketenangriffe auf die Hauptstadt unbeschadet geblieben ist. Sie kennt sich hier aus. Sie wurde in Kiew geboren, in diesem Hochhaus ist sie aufgewachsen.<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe versucht, heterosexuell zu sein. Das hat aber nicht funktioniert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nastya ist lesbisch und beschreibt sich selbst als <em>bi-gender<\/em>. Sie lebt mit ihrer Freundin zusammen. Sie verstecken ihre Beziehung nicht. Hand in Hand spazieren sie durch Kiew. Dass sie anders ist, wusste Nastya schon mit drei Jahren. In ihrer Jugend wurde sie oft als Junge gelesen, spielte mit Waffen und mit den anderen Jungs. Sie f\u00fchlte immer den Jungen in sich, als der sie h\u00e4tte geboren werden sollen. Ihre Mutter, mit der sie allein aufwuchs, sei nicht gl\u00fccklich dar\u00fcber gewesen, aber liess sie sein. \u00abDon\u2019t ask, don\u2019t tell\u00bb beschreibt sehr treffend den Umgang damit zwischen ihr und der Mutter. \u00abSie weiss von meinem Coming-out, aber wir reden nicht dar\u00fcber.\u00bb Je \u00e4lter sie wurde, desto schwieriger wurde es f\u00fcr sie. Sie wurde immer weniger von den Lehrer*innen und ihren Mitsch\u00fcler*innen akzeptiert. Sie h\u00e4tte nicht viele Probleme erlebt, aber es gab sie nat\u00fcrlich erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_162799\" aria-describedby=\"caption-attachment-162799\" style=\"width: 688px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1.jpg\"><img data-expand=\"600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"lazyload wp-image-162799 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg' viewBox%3D'0 0 688 1032'%2F%3E\" data-src=\"https:\/\/mannschaft.com\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1.jpg\" alt=\"Ukraine\" width=\"688\" height=\"1032\" data-srcset=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1.jpg 688w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-400x600.jpg 400w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-561x842.jpg 561w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-265x398.jpg 265w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-531x797.jpg 531w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-364x546.jpg 364w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-608x912.jpg 608w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-32x48.jpg 32w, https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bild-2-Nastya_Portrait-1-64x96.jpg 64w\" data-sizes=\"(max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-162799\" class=\"wp-caption-text\">Nastya (Foto: Patrick Enssl)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In einem Schuljahr sollte sie einen Aufsatz \u00fcber den Sommer schreiben. Nastya schrieb \u00fcber ihre Erlebnisse als Junge. Fussball spielen zum Beispiel. Das sorgte f\u00fcr Aufsehen. Sp\u00e4ter wuchsen dann bei ihr die Br\u00fcste. Die Pubert\u00e4t brachte das nach aussen, was sie nie sein wollte. Sie wurde von Mitsch\u00fcler*innen gemobbt, wie andere auch, die als schwach oder \u201aandersartig\u2018 wahrgenommen wurden. Dann hat sie den Entschluss gefasst f\u00fcr sich einzustehen, f\u00fcr sich zu k\u00e4mpfen und sich auch k\u00f6rperlich zu wehren. Mit Erfolg. Dennoch versp\u00fcrte sie weiter den Druck, sich an die gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen. \u00abIch habe sogar versucht heterosexuell zu sein. Das hat aber nicht funktioniert\u00bb, sagt sie grinsend. Nach aussen wird Nastya als weiblich gelesen. Im Innern ist sie ein Mann. So ist das halt. Es ist ihr egal. Sie wisse, wer sie ist. Und darauf k\u00e4me es schliesslich nur an.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/gewinnt-russland-werden-wir-um-jahre-zurueckgeworfen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00abGewinnt Russland, werden wir um Jahre zur\u00fcckgeworfen.\u00bb Der Krieg k\u00f6nne die Wahrnehmung von LGBTIQ in der Ukraine ver\u00e4ndern (MANNSCHAFT+)<\/em><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Nastya ist Soldatin in der ukrainischen Armee. Sie fliegt Aufkl\u00e4rungs- und Kamikazedrohnen. Damit sie das tun kann, haben ihr Freunde aus Lviv eine Drohne gespendet, mit der sie feindliche Stellungen aufkl\u00e4rt. An manchen Tagen bringt sie auch t\u00f6dliche Last. Ende des Jahres 2014 hat sie sich freiwillig gemeldet, absolvierte eine zivile Drohnenflugschule. Seitdem k\u00e4mpft sie als Drohnenpilotin im Krieg gegen Russland f\u00fcr eine freie Ukraine. Bakhmut k\u00f6nnte f\u00fcr Nastya der n\u00e4chste Einsatzort werden. Sie weiss es noch nicht. Sie wechselt gerade in eine neue Einheit. Beantragt hatte sie diesen Schritt schon vor mehreren Monaten, aber solche Dinge dauern im Krieg einfach l\u00e4nger. Sich freiwillig zum Milit\u00e4r zu melden war f\u00fcr Nastya keine Frage. \u00bbIch hatte keine Wahl. M\u00f6rder sind in meiner Heimat. Was w\u00fcrdest Du machen? Du kannst nur k\u00e4mpfen oder wegrennen. Meine F\u00e4higkeiten haben mich nicht rennen lassen. Meine F\u00e4higkeiten werden gebraucht. Ich werde hier gebraucht.\u00bb<\/p>\n<p>Vor dem Krieg mit Russland habe sie aber nie daran gedacht Soldatin werden. Sie hatte Kenntnisse in Geografie und Kartographie und hat sich bei der Armee beworben. Dort wurde sie zun\u00e4chst abgelehnt. Es br\u00e4uchte keine Frauen an der Front. Also ging sie zu den Freiwilligen-Bataillonen, engagierte sich dort und wurde letztlich als Drohnenpilotin eingesetzt. Sp\u00e4ter auch an der Front. Als Frau musste sie sich dort st\u00e4ndig beweisen. Ihre Kenntnisse in Kartographie kamen ihr entgegen. Sie \u00fcberzeugte mit ihren F\u00e4higkeiten. Ende des Jahres 2015 h\u00f6rte sie auf. Die Intensit\u00e4t des Krieges hatte nachgelassen. Mit der russischen Invasion im Februar 2022 \u00e4nderte sich das alles wieder. Nastya meldete sich erneut zur Armee. Diesmal wurde sie direkt angenommen.<\/p>\n<p>\u00abNat\u00fcrlich habe ich Angst. Aber Tod ist nicht so be\u00e4ngstigend. Angst hast Du vor Schmerz. Der Tod ist schmerzlos.\u201c Sie sagt es mit eindringlicher \u00dcberzeugung, mit derselben wie sie bereits in ihrer Jugend f\u00fcr sich eingestanden ist. Jetzt steht sie f\u00fcr alle Ukrainer ein, mit ihrem Leben. Und dass Krieg t\u00f6dlich sein kann, hat sie selbst letztes Jahr im Oktober erfahren. Sie war mit anderen Soldat*innen im Donbass in einem Auto unterwegs bei schlechtem Wetter, und es regnete russische Artillerie auf sie herunter. Der Fahrer war noch etwas unerfahren, kam mit dem Auto von der Strasse ab und geriet in ein Feld. Sie fuhren auf eine Mine, die direkt umsetzte. Alle haben \u00fcberlebt, aber Nastya wurde im Gesicht und am rechten Bein verletzt. Die Narben in ihrem Gesicht sind heute noch zu sehen.<\/p>\n<p>Nastya hat mich eingeladen mit ihr zu kommen nach Kharkiv. Dort muss sie Ausr\u00fcstung abholen. Gemeinsam brechen wir mit ihrem roten Honda Jazz auf. Irgendwie haben wir unser ganzes Gep\u00e4ck reingequetscht, vorsichtig, so dass die Starlink Anlage, die notwendig f\u00fcr die Kommunikation an der Front ist, nicht besch\u00e4digt wird. Maro, ihr Kollege und ein Freund, kommt ebenfalls mit. Er ist Ingenieur, repariert und baut Drohnen und Drohnenteile f\u00fcr die ukrainische Armee. Wir lassen Kiew hinter uns. Es ist bereits dunkel und ausserhalb der Stadt leuchten keine Strassenlampen. Der Verkehr nimmt ab, je weiter wir uns von Kiew entfernen. Die Autobahnschilder sind ausgeschw\u00e4rzt, Ortsnamen sind nicht mehr zu lesen. \u00abDamit die Russen nicht wissen, wo sie sind oder wie sie irgendwo hinkommen. Die haben nur alte Karten\u00bb, erkl\u00e4rt Nastya. Wir passieren mehrere Checkpoints, werden aber nicht kontrolliert. Nastya kennt die Passw\u00f6rter, Fragen werden keine gestellt. W\u00e4hrend der Fahrt h\u00f6ren wir Rock und Heavy Metal und sehr viel ukrainische Musik. Nastya und Maro singen mit. Die Stimmung ist gut. In Kharkiv \u00fcbernachten wir bei einer Non-Profit-Organisation. Oleg, ein Bekannter von Nastya, \u00fcberl\u00e4sst uns die R\u00e4ume f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage dort. In der Ecke steht eine Gitarre. Die Ausr\u00fcstung kommt nicht so schnell wie erwartet und auch die Papierlage erfordert weiter Geduld von Nastya.<\/p>\n<p>Ihr Queer-sein im Milit\u00e4r zu verstecken, war und ist f\u00fcr Nastya keine Option. Sichtbar, laut und offen sind die Merkmale ihres Aktivismus. \u00abHomophobie im Milit\u00e4r ist weit verbreitet, es trifft aber eher die schwulen Jungs. Und das empfand ich als unfair. Ich war mir sicher, dass ich direkt mit und zu den homophoben M\u00e4nnern sprechen kann.\u201c sagt sie. Nastya ist Mitgr\u00fcnderin der ukrainischen LGBT+ Organisation im Milit\u00e4r. Im Jahr 2018 nahm sie bereits zusammen mit anderen Angeh\u00f6rigen der Organisation an der Kiew Pride teil. Im Folgejahr outete sie sich \u00f6ffentlich als lesbisch. W\u00e4hrend ihrer Zeit im Milit\u00e4r hat sie keine Diskriminierung erfahren. Sie selbst f\u00fchlt sich akzeptiert. \u00bbIch habe aber F\u00e4higkeiten, die wertvoll sind\u201c, erg\u00e4nzt sie nach einer kurzen Pause. \u00abUnd lesbische Frauen sind ja auch eine anregende Vorstellung f\u00fcr M\u00e4nner, auch f\u00fcr homophobe M\u00e4nner.\u00bb<\/p>\n<p>Die Offenheit nehme aber mehr und mehr in der Gesellschaft und im Milit\u00e4r zu. Sie glaubt fest daran, dass der sichtbare Einsatz von queeren Menschen, gerade w\u00e4hrend des Krieges, weiter Gleichberechtigung f\u00fcr alle queeren Menschen in der Ukraine erm\u00f6glicht. \u00abWir leisten unseren Beitrag und verstecken uns nicht.\u00bb<\/p>\n<p>Die Arbeit in der Organisation und sichtbar, zu sein ist in diesen Zeiten schwer. Sie weiss nicht genau welche Themen bearbeitet oder welche Aktivit\u00e4ten geplant werden. Von dieser Arbeit ist sie zu weit entfernt. Die Entt\u00e4uschung dar\u00fcber entnehme ich ihrer Stimme deutlich. Der Krieg hat einfach Priorit\u00e4t. Eine offizielle Verbindung zum ukrainischen Verteidigungsministerium gibt es nicht. Sie kennt auch keine offiziellen Gespr\u00e4che, die mit dem Ministerium zu LGBTIQ-Themen gef\u00fchrt wurden. Nur wenige Politiker*innen h\u00e4tten Zeit, Interesse oder Mut dieses Thema anzugehen. Dabei sind es gerade die queeren Soldat*innen und ihre Partner*innen, die nicht durch den Staat abgesichert sind bei Tod oder Verwundung und die nicht die gleichen Rechte geniessen wie heterosexuelle Paare. Die Ehe f\u00fcr alle gibt es nicht in der Ukraine. Hierf\u00fcr bed\u00fcrfe es einer Verfassungs\u00e4nderung. Eine Petition zu Lebenspartnerschaften auch f\u00fcr queere Menschen liegt der Regierung vor. Damit h\u00e4tten die Partner von queeren Soldaten dieselben Rechte wie Verheiratete. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Man werde sich damit befassen, heisst es. Nur wann, dass weiss Nastya nicht. Immerhin gab es in den letzten Jahren Fortschritte bei der Akzeptanz von queeren Menschen in der Ukraine. Das belegen Studien und Umfragen.<\/p>\n<p>Die Sichtbarkeit von queeren Soldaten in der \u00d6ffentlichkeit und ihr Dienst im Krieg werden wahrgenommen. Und viele Ukrainer wollen eben nicht so sein wie die Menschen in Russland. Homophobie und staatliche Diskriminierung von queeren Menschen sind russische Werte. Mit diesen Werten m\u00f6chte kein Ukrainer etwas gemeinsam haben. \u00abWichtig ist, dass mehr queere Soldaten sichtbar sind und das Land unsere Geschichten h\u00f6rt und unseren Beitrag sieht.\u00bb<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Raven f\u00fcr den Wandel \u2013 Queerfreundlich feiern in Kiew, im Kyrylivska <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/raven-fuer-den-wandel-lgbtiq-in-kiew\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT+)<\/a><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Ich sehe Nastya die Anstrengungen der letzten Jahre an und sp\u00fcre sie in diesen Tagen deutlich. Sie k\u00e4mpft zugleich an mehreren Fronten. Ihre Kraft ist nicht unendlich und sie muss damit haushalten. Es ist immer noch Krieg und der hat Priorit\u00e4t. Sie w\u00fcrde gerne einfach in Jaffa oder <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/nicht-dein-ernst-tel-aviv\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tel Aviv<\/a> sitzen und Gitarre spielen. Rockmusik. Wie im Jahr 2019 &#8211; im Pride Monat &#8211; in Berlin auf der Museumsinsel. Menschen spazierten mit Regenbogenflaggen an ihr vorbei. Einige blieben stehen und h\u00f6rten ihr zu. Sie l\u00e4chelt und sagt: \u00abIch habe ihnen zugerufen. Ich bin auch queer.\u201c Die Sehnsucht nach dieser Zeit sehe ich ihr deutlich an. Gitarre zu spielen, hat sie gerade keine Lust. Daf\u00fcr hat sie den Kopf nicht frei. Sie ist st\u00e4ndig am Telefon, organisiert Dinge und versucht die Papierlage f\u00fcr ihre Versetzung zu regeln. Sie wirkt angestrengt und unruhig an diesen Abenden.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag setzen wir unsere Reise fort und fahren weiter nach Izium. Dort sind ihr Vorgesetzter und Teile ihrer Einheit. Sie braucht ein paar Unterschriften und Stempel, damit die Versetzung endlich gelingt. Izium ist zu grossen Teilen zerst\u00f6rt. Die russische Armee hat hier gnadenlos gew\u00fctet und gemordet. Am Abend fahren wir weiter und \u00fcbernachten in einem verlassenen Kindergarten in der N\u00e4he von Dobropillia, der von der luftbeweglichen Brigade bezogen wurde. Nastya kennt hier einige Soldaten, daher kommen wir problemlos unter. Bevor wir das Geb\u00e4ude betreten, sagt Nastya mahnend zu mir: \u00abSei vorsichtig. Du bist eine Frau. Du bist trans. Hier sind m\u00e4nnliche Soldaten, die harte K\u00e4mpfe an der Front erlebten. Achte auf deine eigene Sicherheit.\u00bb Ich stocke und muss kurz innehalten. \u00abDon\u2019t ask, don\u2019t tell\u00bb ist angesagt. Sichtbarkeit hat seine Grenzen. Der Krieg offenbart f\u00fcr queere Menschen und Frauen andere Realit\u00e4ten, auch in der eigenen Armee.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/queer-im-ukraine-krieg-regenbogenflagge\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Zum 2. Teil der MANNSCHAFT+-Reportage<\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>Das LGBTIQ-Aktionsb\u00fcndnis sammelte in Deutschland bisher rund 1 Million Euro f\u00fcr die Ukraine <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/aktionsbuendnis-wirbt-fuer-weitere-hilfe-fuer-lgbtiq-in-der-ukraine\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete).<\/a> In der Schweiz hatten letztes Jahr die Lesbenorganisation Schweiz, Transgender Network Switzerland, Pink Cross, die Aids-Hilfe Schweiz und die Milchjugend den \u00abLGBTQ Emergency Fund for Ukraine\u00bb ins Leben gerufen <a href=\"https:\/\/mannschaft.com\/schweizer-organisationen-starten-lgbtq-emergency-fund-for-ukraine\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MANNSCHAFT berichtete)<\/a>. Hier wurden inzwischen \u00fcber CHF 120\u2018000 gespendet. In beiden F\u00e4llen sind Spenden weiterhin n\u00f6tig und willkommen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Suche nach Einh\u00f6rnern: Warum #Queers in der #Ukraine sich freiwillig zum Milit\u00e4r melden und k\u00e4mpfen. Eine Reportage von @AnaBiefang (Teil 1)  #StandWithUkraine <a class=\"g1-link g1-link-more\" href=\"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/queers-im-ukraine-krieg\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1638,"featured_media":162797,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[5464,245,1737],"wps_subtitle":"Queers im Ukraine-Krieg \u2013 eine Reportage von Anastasia Biefang (Teil 1)","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162795"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1638"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=162795"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162795\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":164228,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162795\/revisions\/164228"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media\/162797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=162795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=162795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alte.mannschaft.lgbt\/bimber\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=162795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}